Thie-Bote Nr. 3, Mai 2006
Nr. 3 erschien im Mai 2006 unter dem Titel „Die Kirche im Dorf“. Sie bringt Beiträge zur St.-Martini-Kirche mit einer Zeittafel, zum Kirchenpatronat, „Roringen in Zahlen 1993 bis 2005“, die Kirchengemeinde in Zahlen und eine plattdeutsche Gratulation zum Jubiläum des TV Roringen. Hinten steht ein Verzeichnis der Artikel der Hefte 1 bis 3.
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THIE-BOTE
Nachrichten und Berichte des Roringer Heimatvereins e. V.
Roringen Nr. 3 Mai 2006
Die Kirche ım Dorf
fnikirche Roringen
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Kirche im Dorf
Wir kennen die Redensart, man solle „die Kirche im Dorf lassen“. Man meint damit, man solle sich auf das Reale bescheiden, auf das, was man anfassen (begreifen), sehen und hören kann. Dies ist auch das Ziel dieser Ausgabe des THIE-BOTEn. Behalten und festhalten möchte man vornehmlich das, was einem wichtig und vertraut ist. Vertrautheit gewinnt man durch Kenntnis. Deshalb ist es ein weiteres Ziel dieses Heftes, Information über die Kirche im Dorf Roringen zu vermitteln.
Wir ordnen die Güter unseres Lebens, um sie unseren Kindern zu hinterlassen. Wir können auch die Früchte der Arbeit unserer Eltern und Großeltern abschätzen, die sie uns vererbt haben. Was aber ist das Erbe, das uns die 30 oder 40 Generationen hinterlassen haben, die vor uns in Roringen gelebt haben? Das Vergangene verschwindet, wenn man seiner sich nicht erinnert.
Meine Kirche
Von JuttaRonnenberg
Im Frühjahr 1946 holte mein Vater unsere Familie nach Roringen. Eine Jagdhütte, etwa 2 km vor dem Ort gelegen, sollte unser neues zu Hause sein. Wir waren glücklich, endlich wieder im Wald leben zu können und sich nicht mehr nur geduldet fühlen zu müssen. Das Häuschen war ganz für uns allein, allerdings ohne Wasser und Strom. Licht bekamen wir durch eine Carbidlampe und täglich das frische Wasser zu holen wurde meine Aufgabe. Schon am nächsten Tag nach unserer Ankunft führte mein Vater mich in den Ort und zeigte mir, wo ich einkaufen und das Wasser holen konnte. Der Laden hatte gleichzeitig eine Bäckerei, also für Brot war auch gesorgt.
Ein großes Gebäude aus Natursteinen, das von einer Mauer eingefriedet war, fiel mir auf. Dieses müsste die Kirche sein. Ich sah die Schalllöcher im mächtigen Turm. Ein wohliges Gefühl überkam mich. Diese Kirche kam mir vor wie eine Glucke, die ihre Flügel ein wenig lupfte und mir darunter einen warmen Platz anbot. Am nächsten Sonntag ging ich allein in die Kirche. Pastor Harms hielt den Gottesdienst. Obwohl es in der Kirche recht kühl war, hatte ich ein warmes Gefühl im Herzen. Nach dem Gottesdienst warf ich beim Hinausgehen einen Blick zurück; mir war als wäre die Kirche hier gewachsen und stünde schon ewig auf diesem Platz. Froh gestimmt ging ich nach Hause. Ja, ich liebte diese einfache, schöne Kirche. Sie war so anders als die Kirchen in meiner pommerschen Heimat. Dort waren sie fast immer aus rotem Backstein und hatten spitze Türme. Als Kind erschien es mir, als piekten diese spitzen Türme wie Finger in den Himmel.
Am Erntedankfest 1949 wurden mein Mann und ich in der Roringer Kirche von dem neuen Pastor Jensch getraut. Durch die Einheirat in eine alteingesessene Familie wurde
Geschichte des Dorfes bedeutet, das Vergangene zu erhellen, sich des Vergangenen bewusst zu werden. Der Umgang mit diesem kulturellen Erbe im öffentlichen Raum liefert letztlich auch Signale für das private Verhalten der Bürger. So, wie die gelungene Pflege eines gemeinsamen Erbes zum Nacheifern anspornt, so führt eine Vernachlässigung auch zur Geringschätzung alles dessen, was Gemeingut ist.
Einladung
Diese Ausgabe des THIE-BOTEn will das Dunkel der Geschichte des Dorfes Roringen etwas aufhellen. Der Blick auf die Kirche mit dem Turm als dem ältesten Gebäude des Ortes liefert einen ersten Entwurf der Geschichte des Dorfes, der darauf angelegt ist, erweitert, verbessert, bereichert zu
werden. Siegfried Ritzkowski
Die Roringer Kirche vor 1956
die Kirche nun meine unmittelbare Nachbarin. Wir freuten uns, als nach vielen Bemühungen sie endlich eine Uhr an den Turm bekam. Unser Tagwerk konnten wir nun fast nach ihrem Schlag richten. Viele Jahre hindurch schmückte ich sie zum Erntedank-Fest mit Blumen und anderen Ernte- Früchten.
Es brach mir fast das Herz, als ein Feuer so vieles Lieb gewonnene zerstörte. Die Kirche wurde wiederhergestellt; denn das Mauerwerk ist unzerstörbar und so behielt sie ihre alte Form.
Wenn ich mich auf den Weg mache, wohin auch immer, muss ich an der Kirche vorbei. Immer schicke ich ihr einen stummen, lieben Gruß, der heißen soll: ich fühle mich wohl in deiner Nähe. Muss ich länger fortbleiben, gilt ihr mein Gruß und Wunsch aufein baldiges Wiedersehen. Komme ich nach schwerer Zeit zurück, rufe ich meiner Kirche in Gedanken zu: ich bin wieder da. Und mir ist, als nicke sie zurück, meine Kirche.
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Ersterwähnung der Roringer Kirche St. Martini im Jahr 1254
Die erste schriftliche Erwähnung der Martinskirche in Roringen im Jahr 1254 gibt nicht ihr Gründungsdatum an, sondern erfolgt im Zusammenhang eines Rechtsgeschäftes. Es ist also davon auszugehen, dass die Roringer Kirche schon viel älter ist, zumal auch der Ort Roringen bereits knapp einhundert Jahre früher erstmals schriftlich erwähnt wird. In einer am 20. September 1162 ausgestellten Urkunde bestätigte damals Papst Alexander III. die Unabhängigkeit des Klosters bei der dem Hl. Nikolaus geweihten Kirche im benachbarten Dorf Ulrideshusen, dem heutigen Nikolausberg. Aus diesem Anlass wird der Grundbesitz des Klosters aufgeführt, wozu auch vier Hufen Landes in Roringen gehörten.
Hauptsächlicher Inhalt des erwähnten Rechtsgeschäfts im Jahre 1254 war allerdings nicht die Roringer Kirche selbst, sondern St. Albani, die Kirche des alten Dorfes Gutingi, deren Patronat zu dieser Zeit beim Kloster Pöhlde lag. Diese Tatsache zusammen mit dem Albani-Patrozinium könnten darauf hindeuten, dass diese älteste Göttinger Kirche vom Erzbistum Mainz aus möglicherweise sogar auf Reichsgut gestiftet wurde.
Das wiederum würde gut zu einem anderen merkwürdigen Umstand der frühen Göttinger Stadtgeschichte passen. Als etwa zum Zeitpunkt der Ersterwähnung des Ortes Roringen im Jahre 1162 die Stadt Göttingen entstand, gab es in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft bereits eine Siedlung, das erwähnte Dorf Gutingi, dessen Namen auf die spätere Stadt Göttingen übertragen wurde. Bemerkenswert ist nun, dass die beiden so eng benachbarten Orte zunächst für längere Zeit scharf von einander getrennt blieben. Die erste Göttinger Stadtmauer, die wahrscheinlich bald nach dem Jahr 1200 errichtet wurde, umfasste und schützte nämlich nur das Gebiet der eigentlichen Stadt; das Dorf Gutingi um die heutige Lange und Kurze Geismarstraße blieb „außen vor“.
Der Grund dafür scheint darin gelegen zu haben, dass hier zwei unterschiedliche Herrschaftsbereiche aufeinander stießen. Während die Stadt Göttingen, deren Gründung vermutlich auf Heinrich den Löwen zurückgeht, auf welfischem Gebiet lag, war Gutingi, das „Alte Dorf“, dem
UNSER LADEN
Roringen e\V.
Einkaufen in Roringen Öffnungszeiten Montag-Freitag 8.00-12.00 Uhr und 15.00-19.00 Uhr Samstag 7.30-12.30 Uhr
Die Roringer Kirche vor 1956
Zugriff der Welfen offenbar entzogen. Und hier schließt sich der Kreis zu den Ereignissen des Jahres 1254. Damals nämlich bestätigten zunächst die Göttinger Bürger, dass das Patronat über die Kirche St. Albani tatsächlich dem Kloster Pöhlde zustand und in einem anschließenden Vertrag übertrug Herzog Albrecht von Braunschweig-Lüneburg dem Kloster Pöhlde das ihm zustehende Patronat über die Kirche in Roringen, um als Gegenleistung das Patronat über St. Albani zu erhalten. Ziel dieses Tauschgeschäfts war es aus Sicht des Herzogs ganz offensichtlich, unter Preisgabe der Rechte in Roringen die Albanikirche an sich zu ziehen, um so in dem ihm bisher verschlossenen Gutingi „einen Fuß an den Boden zu bekommen“. Dieser Plan ging auf: Als man einhundert Jahre später begann, die äußere Göttinger Befestigung den „Wall“ anzulegen, wurde das „Alte Dorf“ in diese neue Befestigungsanlage mit einbezogen.
Das Patronat über die Kirche in Roringen hat bis zur Reformation beim Kloster Pöhlde gelegen. Nach dessen Auflösung ging es auf den damaligen Landesherrn, Herzog
Philipp von Braunschweig-Grubenhagen, über. Ernst Böhme
Literatur:
Gustav Schmidt (Bearb): Urkundenbuch der Stadt Göttingen bis zum Jahre 1400, Hannover 1863, Nr. 5, 6.
Georg Max: Geschichte des Fürstenthums Grubenhagen Bd. 2, Hannover 1863, S. 163-169.
Dietrich Denecke, Helga-Maria Kühn: Göttingen. Geschichte einer Universitätsstadt Bd. 1: Von den Anfängen bis zum Ende des Dreißigjährigen Krieges, Göttingen 1987.
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THIE-BOTE Nr. 3
Wie kam die Kirche nach Roringen
Erste Erwähnungen
Der Ort Roringen fand erstmals im Jahre 1162 in einer Urkunde des Papstes Alexander III Erwähnung. Eico von Roringen (Aeico preco de Rariggen) war der erste Einwohner, der im Jahre 1170 namentlich genannt wurde. Die Kirche zu Roringen wurde im Jahre 1254 erstmals erwähnt. Was wissen wir über die Frühzeit des Ortes und der Kirche? Was können wir mutmaßen?
Stellen Sie sich vor, man sollte das 20. Jahrhundert aus drei Jahreszahlen rekonstruieren! Unmöglich - würde man sagen. In vergleichbarer Lage befindet sich der, der über die datenarme Vorzeit berichten soll.
Die Anfänge der Siedlung
Jahrhunderte vor der Ersterwähnung war Roringen bereits ein Siedlungsgebiet. Die Quellmulde des Opferbachs lieferte Trinkwasser. Unterhalb der Schichtstufen des Drakenbergs und des Menzelberges breiteten sich die Fußflächen auf Mittlerem Muschelkalk aus mit dicken Verwitterungslehmdecken, die für Ackerbau und Weideland nutzbar waren. Die Sonne schien früh in die Siedlung und abends blieb es infolge Westexposition lange hell. Der Weg zum Pass am Södderich zwischen Plessforst und Göttinger Wald berührte den Ort. Des Ortsnamens wegen reiht man Roringen in die -ingen-OÖrte der frühmittelalterlichen Besiedlungsperiode (5.-8. Jahrhundert). Bei Bernshausen am Seeburger See bestand um 600 eine burgartige Anlage. Ein Ring mit einem Kreuzmonogramm, ein christliches Zeichen, aus dem 6. oder 7. Jahrhundert wurde dort gefunden. Die Gräber bei Roringen, die der einstige Lehrer Burdorf erwähnt, werden als Reihengräberfeld gedeutet und denen des 8. oder frühen 9. Jahrhunderts gleichgesetzt.
Christianisierung
In den Sachsenkriegen (772-803 n. Chr.) unterwarf Karl der Große die Stämme der Sachsen und machte sie zu Christen. Im oberen Leinetal, das um 780 n. Chr. als Missionssprengel vermutlich dem Erzbistum Mainz unterstellt wurde, gründeten die christlichen Missionare ein flächendeckendes Netz von Pfarrkirchen. Sie werden die Urpfarreien und Taufkirchen genannt, denn sie dienten der Bekehrung, die in dem Sakrament der Taufe sichtbar wird. Jede Kirche sollte mit einem Hof, mit Land und Gesinde ausgestattet werden und den Zehnten vom Vermögen und von der Arbeit der Zugehörigen erheben können. Es entwickelte sich sehr rasch eine funktionsfähige Kirchenverwaltung.
Die St. Martins-Kirche in Geismar, die erstmals im Jahre 1055 erwähnt wurde, dürfte im 9. u. 10. Jahrhundert die Missionskirche an der oberen Leine gewesen sein. Vermutlich bildeten sich Tochter-(Filial-)Kirchen schon vor dem Jahre 1000. In Roringen könnte eine frühe Tochterkirche der Geismarer Urkirche bestanden haben.
Der Heilige Martin
Die Predigt allein war wenig hilfreich, den Glauben an die christliche Botschaft nachhaltig zu stiften. Es trat die Heiligenverehrung hinzu. Jeder Altar und damit jede Kirche hatte in den Altarreliquien einen Schutzherren, der der Kirche und deren Gemeinde Beistand im Diesseits wie im Jenseits gewährte. Von den mainzischen Missionaren wurden Altäre dem Heiligen Martin von Tours (316-397) geweiht, der auch Schutzherr der Mainzer Kathedralskirche war und zugleich als der Nationalheilige der Franken galt. Elf Kirchen zwischen Nörten und Geismar, die bereits 1055 erwähnt wurden, waren ihm geweiht. Die Roringer St. Martins-Kirche ist in der Aufzählung nicht enthalten. St. Martin als Schutzheiliger gilt als Hinweis aufeine Gründung zur Zeit der fränkischen Herrschaft.
Bei der Ersterwähnung einer Kirche (ecclesia) in Roringen im Jahre 1254 wird nicht berichtet, wem der Altar und die Kirche geweiht waren. Der Name, St. Martin, findet sich erstmals in den Vogtherrenbüchern der Stadt Göttingen im Jahre 1414(?) und 1416. E. Günther aus Herberhausen hat dies entdeckt. Da eine Kirche mit ihrer Gründung aber einem Heiligen geweiht wurde, ist die Vermutung berechtigt, dass im Jahre 1254 die Kirche in Roringen St. Martin bereits geweiht war. Der Bau der steinernen Kirche und deren Weihe dürfte deshalb früher erfolgt sein. Aber wann?
Die Eigenkirchen
Kapellen und Kirchen wurden oft vom örtlichen Adel gestiftet und gehörten zu deren Anwesen. In einer Kapelle, die keinen Altar besaß, hielt der Priester der Mutterkirche den Gottesdienst für die Stifterfamilie und deren Hintersassen an einem geweihten Tragealtar. Kirchen dagegen waren von der Mutterkirche unabhängig. Ihre Selbständigkeit, begründet durch einen geweihten Altar, bestand in dem uneingeschränkten Recht der Sakramentsspendung (insbesondere den Sakramenten der Taufe und des Begräbnisses) und wurde sichtbar in Taufstein und Friedhof. Kirchen hatten einen eigenen Pfarrer.
Die Gründung einer Kirche war ein kostspieliges Unternehmen. Der Stifter kam für Errichtung und wirtschaftliche Ausstattung auf. Diese bestand aus dem Land, aus dessen Erträgen Pfarrer und Kirche unterhalten wurden, aus dem Grundstück, das zu einer Kirche gehörte, und dem Bauwerk selbst. Daher konnten nur begüterte Adlige oder geistliche Grundherren Kirchen stiften. Als Stifter verfügten sie über das Vermögen der Eigenkirche und sie behielten auch die volle Leitungsgewalt.
Im 11. und 12. Jh. erfolgten zahlreiche Stiftungen durch den Klein- und Dienstadel. Sie holten die Kirche ins Dorf. Die Kirche im Ort war nicht zuletzt auch ein Prestigeobjekt des Ortsadels.
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THIE-BOTE Nr. 3
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Das Feste Haus
Der einstige Lehrer Burdorf, der von 1848-1888 Schulmeister in Roringen war und den Verein für die Geschichte Göttingens mitbegründete, fügte viele Beobachtungen, gewiss auch Erzählungen, mit denen er als Herberhäuser Kind vertraut war, zu einer erwähnenswerten Hypothese einer Kapelle bzw. Kirche zu Roringen. Burdorf schreibt: „Das Dorf führte früher den Namen Röringen und gehörte den Herren von Röringen .... Das Geschlecht besaß keine Burg wie die meisten Adeligen, sondern bewohnte ein festes Haus am äußersten Ende des Drakenberges, gleich über dem jetzigen Pfarrhause gelegen. Unmittelbar an das Haus schloß sich die Kirche mit dem Begräbnisplatz. Noch heute zeigen die Schutthaufen, wo Haus und Kirche dereinst gestanden. Das Fundament ist aufgefunden, Gräber sind in der Nähe blosgelegt, und beim Bau der Chaussee ist in einem gewölbeartigen Raume auch ein Massengrab entdeckt. ...“ Es waren die Herren von Roringen, die die Kirche nach Roringen brachten.
Die Ortsangaben von Burdorf sind nicht eindeutig. Wir verstehen darunter das Nordende des steilen Stufenhanges des Drakenberges. (Diese Bergnase gibt es heute nicht mehr. Sie wurde im Jahre 1937 bei den Planierungsarbeiten für die Herzberger Chaussee/B 27 abgetragen.) Die genannten Schutthaufen, Fundamente und Gräber verhelfen auch nicht zu besserer Orientierung, weil keine weiterführenden Ortsangaben gegeben wurden.
Lediglich die Lage des gewölbeartigen Raums mit Skeletten lässt sich etwas einengen, da er beim Bau der Herzberger Chaussee entdeckt wurde. Die Herzberger Chaussee wurde im Jahre 1836 bei Roringen ausgebaut. Die Chaussee umging damals noch die nördliche Bergnase des Drakenberges in der Ortslage Roringen. Sucht man nun nach einer Stelle, an der die Chaussee von 1828/1836 sich der Steilstufe des Drakenberges so näherte, dass durch die geringfügigen Planierungsarbeiten eine standfeste Höhlung oder ein kurzer Stollen entdeckt und auch Gräber hätten aufgedeckt werden können, so trifft man aufden Bereich des oberen Opferbachs Haus Nr. 22/Lange Straße (Fußgänger- Ampel) südlich der Pfarre. Sieht man in dem erwähnten „gewölbeartigen Raum“ dagegen ein Bauwerk, so könnte auch der gesamte 220 m lange damalige Bauabschnitt in Frage kommen.
Die Roringer Pfarre liegt ungewöhnlich fern von dem Standort der heutigen Kirche. Sie ist ihr räumlich nicht zugeordnet. Sie liegt aber in unmittelbarer Nähe jener Stelle, die Burdorf für das „Feste Haus“ der Herren von Roringen hielt. Könnte die Pfarre also jener Hof gewesen sein, der der Versorgung der Kapelle und des Priesters diente und der zu dem „Festen Haus“ gehörte?
Das Patronat Im langjährigen Streit um die Vorherrschaft, ob Kirche
oder weltlicher Herr letztlich den Priester oder Bischof
einsetzte und damit entscheidenden Zugriff auf das Vermögen einer Kirche hatte, obsiegte die Kirche. Die früheren
Eigner der Kirchen wurden auf eine vogtähnliche Stellung herabgedrückt, für die der Rechtsbegriff des „Patronats“ entstand.
Bei der Ersterwähnung der Kirche zu Roringen von 1254 wurden zwei Patrone genannt: Herzog Albrecht von Braunschweig-Lüneburg war der Patron bis zum Jahre 1254. Es bestand also ein weltliches Patronat. Von 1254 bis zur Reformation hatte das Kloster Pöhlde als geistlicher Patronatsherr das Patronat inne (s. Artikel von E. Böhme, S. 4). Nach der Reformation war der Landesherr der Patron dieses Klosters und damit auch Patron der Roringer Kirche. Später ging das Patronatsrecht auf den Magistrat in Göttingen über. Heute ist die Stadt Göttingen Patron der St. Martins-Kirche in Roringen.
Der Kirchenbau
Frühe Kirchenbauten waren aus Holz. Auch die von Burdorf vermutete Kapelle/Kirche am Drakenberg mag ein Holzbau gewesen sein. Steinerne Kirchen wurden erst etwa ab 1200 gebaut. Bauarchäologen verfolgen deren Spuren. In der St. Martinskirche in Sieboldshausen wurde bei der Anlage einer Heizung (1980/81) die im Boden verdeckten alten Bauteile und Gräber erkundet und das Alter der Anlage (11. Jh. - Mitte 13. Jh.) bestimmt. In Roringen wurde diese Chance nach dem Kirchenbrand von 1999 nicht genutzt.
Ergebnis Die Aussagen über die Anfänge Roringens stützen sich auffolgende Vermutungen:
- Aufgrund des ingen-Namens könnte eine Siedlung Roringen bereits vor der Christianisierung der Region bestanden haben.
- Die Gräber dieser Siedlung werden als ein Reihengräberfeld des 8. oder frühen 9. Jahrhunderts gedeutet.
- Der Lehrer Burdorf fasste seine langjährigen Erfahrungen, für die kein schriftlicher oder archäologischer Beleg existiert, in der Vermutung zusammen, dass es ein „Festes Haus“ der Herren von Roringen am Drakenberg gegeben hätte mit einer Kapelle oder Kirche, also eine Eigenkirche oder -Kapelle. Die ungewöhnliche Lage der Pfarre fern von der heutigen Kirche, jedoch in unmittelbarer Nähe des „Festen Hauses“ und damit zu dessen Areal gehörig, stützt diese Ansicht.
- Eine Kirche in Roringen, deren Altar dem Hlg. Martin geweiht war, könnte schon zu den ältesten Tochtergründungen der Urkirche Geismar gehören, die in der 2. Hälfte des 10. Jahrhunderts erfolgten.
- Der Standort der heutigen Kirche dürfte auch der Standort der Pfarrkirche von 1254 gewesen sein. Demzufolge hätte es im frühen Mittelalter eine Standortverlagerung der Kirche
von der Südseite auf die Nordseite des Dorfes gegeben. Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Herren von Roringen
Der Ritterstand
Mit dem Aufkommen von Reiterheeren im frühen Mittelalter entwickelte sich ein besonderer Berufskriegerstand, der als Ritterstand seit dem 12. Jahrhundert das Heeresaufgebot der freien Bauern ablöste. Die Ritter, auch als niedriger Adel bezeichnet, empfingen vom höheren Adel vielfach Güter als Lehen. Sie nannten sich nach wichtigen Besitzungen. Geschlechter, die vor 1350 nachweisbar sind, zählt man zum Uradel.
Der Ritterstand genoss eine sorgfältige Standeserziehung. Ein junger Mann war zunächst Knappe. Mit 21 Jahren erhielt er den Ritterschlag. Damit durfte er ein Wappen führen. Sie entstanden als das äußere Erkennungszeichen für die in ihrer Rüstung sonst unkenntlichen Ritter. Der mitkämpfende Adelige ohne ritterliche Erziehung wurde Knecht genannt. Er war der Diener seines Herrn, des Ritters. Im Mittelalter gab es in unserem Raum zahlreiche ritterbürtige Familien, von denen einige einen großen Bekanntheitsgrad erreichten. Dazu zählten auch die Herren von Roringen. Sie nannten sich nach dem Grundbesitz in ihrem Dorf.
Berichte über die Roringer Ritter
Wir wissen nicht, seit wann die Herren von Roringen in Roringen ansässig sind. Aber sie werden zwischen 1170 und 1520 insgesamt 350 Jahre lang in zahlreichen schriftlichen Belegen erwähnt. Dabei scheinen die Namen Johannes oder Hans sowie Arnold oder Arnd Leitnamen gewesen zu sein. Es bestanden Verbindungen zu der Stadt Göttingen, zu den Edelherren von Plesse, den Herzögen von Braunschweig und kurzfristig auch zu den Landgrafen von Hessen.
Wappen der Herren von Roringen 1346
Besitz in Roringen
Nach den vorhergehenden Berichten kann man davon ausgehen, dass unsere Ritter spätestens im Jahre 1170 einen Wohnsitz in Roringen hatten. Ob dabei auch ein festes Haus bestanden hat, wie es der Lehrer Burdorf vermutete, lässt sich gegenwärtig nicht mit Sicherheit klären. Ein Sedelhof der Roringer wird im Jahre 1410 bezeugt und im Jahre 1442 erfahren wir etwas über die Größe des Besitzes in Roringen.
Damals besaß Hans von Roringen vier Hufen freies Land nebst einem freien Hof sowie drei Höfen, die nicht dienstund abgabenfrei waren. Nach einem weiteren Verzeichnis besaß auch Johann von Roringen fünf Hufen freies Land und zwei freie Höfe. Offensichtlich handelt es sich dabei um den im ersten Verzeichnis aufgeführten Besitz des Roringer Pfarrers, der zu dieser Zeit von Johann von Roringen genutzt wurde. Im Jahre 1464 ist der freie Besitz des Hans von Roringen auf den Göttinger Bürger Hans de Grote übergegangen, und auch seine nicht abgabefreien Höfe waren in anderer Hand. Die genannten Verzeichnisse waren offenbar von der Stadt angelegt worden, um die städtischen Ansprüche festzustellen. Es waren damals sieben freie Höfe mit 21,25 Hufen freiem Land gegenüber 30 Höfen mit 23,75 Hufen Land, die der Stadt gegenüber nicht abgabenfrei waren, vorhanden. Insgesamt gab es also 37 Höfe mit 45 Hufen (=1350 Morgen) nutzbares Land in Roringen. Von den restlichen vier freien Höfen gehören je ein Hof dem Kloster Weende und Mariengarten sowie Herman Ebbrech und Tile Kober. Der Landbesitz des Klosters Mariengarten von drei Hufen wird dabei als „menssches“ (Mainzer) Land bezeichnet.
Wappen der Herren von Roringen 1484
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THIE-BOTE Nr. 3
Die streitbaren Roringer
Das 13. und 14. Jahrhundert ist geprägt von dem Verfall der ritterlichen Ideale. Ritterheere wurden nicht mehr benötigt. Mit der einsetzenden Verarmung des Ritterstandes nahm das Raubrittertum zu. Gleichzeitig wuchs die Macht der Städte, die damit eine Konkurrenz zu den großen Adelsgeschlechtern bildeten. In die sich entwickelnden Auseinandersetzungen wurde auch der hiesige Ritterstand hineingezogen. Zahlreiche Kämpfe und Fehden entstanden in der Regierungszeit Ottos des Quaden (des Bösen) von 1367 bis 1394.
Nach einem Streit mit Otto dem Quaden verlassen 1383 Arnold von Roringen und Hermann von Gladebeck das Braunschweiger Gebiet und wenden sich dem hessischen Landgrafen zu. Die Stadt Göttingen beschuldigt sodann Hermann von Gladebeck sowie Arnold und Hans von Roringen, Göttinger Kaufleute ausgeplündert zu haben.
1386 haben sich die Gebrüder von Roringen mit Herzog Otto versöhnt. Danach hat es wohl wieder Streit gegeben bei dem Berthold von Roringen in Gefangenschaft geriet. 1387 verpflichtet sich Ritter Heise von Gladebeck, ein Lösegeld für ihn zu zahlen. Im selben Jahr kam es zur großen Fehde der Stadt Göttingen gegen Herzog Otto, in der dieser bei Rosdorf besiegt und seine Burg Balrus in Göttingen zerstört wurde. 1395 verkündete Heise von Roringen zusammen mit einigen welfischen Rittern, darunter Arnd und Heinrich von Roringen, dem Landgrafen zu Hessen wegen Wegelagerei die Fehde.
In der sog. Soester Fehde zog Herzog Wilhelm von Sachsen im Jahre 1447 mit einem großen Heer plündernd und brandschatzend durch unser Gebiet. Nach einem zeitgenössischen Bericht wurde Nörten verbrannt, und in Weende und Nikolausberg entstand großer Schaden. Bei den Kämpfen geriet Hans von Roringen mit drei Knechten in Gefangenschaft, Nachdem ihnen Pferde und Harmische abgenommen, sowie ihre Hemden ausgezogen worden waren, wurden sie nackt gehen gelassen.
Als im Jahre 1451 Herzog Wilhelm d. J. von dem Grafen von Wunstorf entführt und auf der Winzenburg gefangen gehalten wurde, haben die südniedersächsischen Städte und der Adel, darunter auch Hans von Roringen, für eine Auslösung des gefangenen Grafen gesorgt. Derselbe Hans von Roringen ist 1457 aufgeführt in einem Brief des Herzogs an die Ritterschaft des Landes, in dem zum Schutze des Klosters Bursfelde aufgerufen wird.
Im geistlichen Stande Einige Angehörige der Familie sind auch in den geistli-
chen Stand eingetreten.
- Alexander von Roringen war Abt des Klosters St. Blasius in Northeim 1224-1241.
- Im Jahre 1300 ist Gunter von Roringen Abt des Klosters Reinhausen.
- Der Geistliche Conradus de Roringen bezeugt 1317 die Anerkennung eines Klosterzehnten in Mingerode durch Georius Mutzeval und dessen Ehefrau Alheidis.
- 1378 ist Johann von Roringen Pfarrer von Rosdorf. Im Jahre 1383 wird er als Mitglied und 1393 als Kämmerer des Göttinger Georgs-Kalands erwähnt.
- 1382 ist Gunther von Roringen Abt des Klosters Reinhausen. Er verbleibt in diesem Amt bis 1388. Er stirbt im Jahre 1415. Wegen des Vorwurfs von Unregelmäßigkeiten, Verschleuderung des Klostervermögens und Vernachlässigung der Klosterdisziplin wurde er abgesetzt. 1389 haben die Mainzer Richter den Pfarrgeistlichen in Geismar, Diemarden und Göttingen befohlen, die Schulzen und Schöffen aufzufordern, den abgesetzten Abt auszuweisen.
- Johann von Roringen wirkt von 1405 bis 1443 als Pfarrer an der Albanikirche zu Göttingen.
- Arnold (Arnd) von Roringen d. Ä., Sohn des Ritters Arnd von Roringen, erhält 1405 auf Präsentation des Herzogs Ottos des Einäugigen die Pfarrkirche St. Albani in Göttingen und hat sie von 1410 bis 1452. Zusätzlich erwerben Vater und Sohn die Kurie des verstorbenen Herman Rotgers auf dem Fronhof zu Gandersheim. 1429 ist der Vater Zeuge bei Belehnungen der Herzöge Otto und Wilhelm, und 1440 ist derselbe Besitzer eines Hofes im Neuen Dorf in Gandersheim. Im Jahre 1447 wird er als Senior der Kanoniker und erster Kapellan der Äbtissin Elisabeth ständiger Inhaber des Andreas-Altars der Stiftskirche zu Gandersheim und einverleibt als Inhaber der Andreas- Kapelle diese dem Kanonikerkapitel, welches dafür seinen Sohn Arnd von Roringen d. J. auf Lebenszeit zum Prokurator der Kapelle ernennt. Im Jahre 1451 stiftet er in der genannten Stiftskirche die sog. Roringensche Kapelle. Die dort neben dem angebrachten Roringer Wappen noch erhaltene Inschrift nennt als Mitstifter den Sohn Arnd. 1453 wird der Vater als tot erwähnt und 1483 wird angegeben, dass der Sohn kürzlich verstorben sei. Das erwähnte Wappen zeigtim blauen Schild ein rechts gerichtetes schräges silbernes Pfeileisen. Die übrigen bekannten Wappen zeigen dagegen ein rotes Pfeileisen aufsilbernem Grund ($. 7).
- Im Jahre 1514 wird die schon 1503 nachgewiesene Agnes von Roringen als Konventualin des Annenklosters in Göttingen erwähnt.
- Letzte Patronin aus der Stifterfamilie der Roringenschen Kapelle war die Äbtissin des Benediktinen-Klosters St. Marien vor Gandersheim, Agnes von Roringen. Sie wird am 29. September 1540 letztmals lebend genannt und ist die Schwester des Knappen Bertolfvon Roringen, der als letzter männlicher Vertreter des Geschlechtes vor dem 16. Januar 1520 verstorben ist. Universalerbe der Herren von Roringen soll Gerd von Hardenberg (1412-1462) geworden sein, der mit einer von Roringen verheiratet gewesen sein soll.
Zusammenfassung
Zusammengefasst auf wenigen Seiten (s. Anhang) liegen uns nun einige der zahlreichen Erwähnungen der ritterlichen Familie von Roringen vor. Wir haben ihre Erlebnisse und Lebensumstände über einen längeren Zeitraum verfolgt und festgestellt, dass sie in der damaligen Zeit nicht unbedeutend gewesen sind. Man sollte sie daher, besonders in Roringen, in guter Erinnerung behalten.
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THIE-BOTE Nr. 3
Anhang: Einige dieser urkundlichen Erwähnungen sollen hier aufgeführt werden.
- Erstmals erscheint im Jahre 1170 der Fronbote, ein gräflicher Gerichtsbeamter, Eico von Roringen (Rariggen) als Zeuge in einer Gerichtsverhandlung.
- Um 1200 Ist Johannes de Roringen Kastellan der Edel herren von Plesse.
- Die erste Gerechtssame der Familie im Dorf Roringen ist 1288 bezeugt, als Johannes miles dictur de Roringen (Ritter genannt von Roringen) den Zehnten von Roringen als Plesser Lehen besitzt.
- Im Jahre 1318 sind die Brüder Johannes miles sowie Arnold, Bertold und Johannes de Roringhe als Braunschweiger Lehnsleute im Besitz der Vogtei (Verwaltung und Gerichtsherrschaft) Roringh und Johannes und Arnold werden durch Herzog Otto von Braunschweig mit Einkünften aus Bösinghausen belehnt.
- Im gleichen Jahr werden Bertold und Johannes von Roringen mit zwei Hufen (eine Hufe = 30 Morgen) Land in Waake belehnt. Ferner hat Johannes de Roringen ein Drittel des Dorfes Meynershusen (Wüstung nördlich von Bösinghausen) und den halben Zehnten dieses Dorfes als herzogliches Lehen inne
- Im Jahre 1346 verzichten der Ritter Jan von Roringen, sein Vetter Henrik, sowie die Knechte Arnd und Hans, Söhne des Ritters Jan, der Stadt Göttingen gegenüber auf alle Ansprüche an das hintere Hainholz, den heutigen Göttinger Wald, auch wegen der Nutzungsrechte (achtwort) ihres Gutes. Dieser Verzicht war eine der Voraussetzungen für den
@ CONTIGO
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Übergang des im Eigentum des Herzogs stehenden Waldes auf die Stadt Göttingen im Jahre 1380. Gleichzeitig verkauft der Herzog auch die Dörfer Roringen und Omborn (Wüstung östlich von Herberhausen) an die Stadt.
- Vom Verhältnis zur Stadt Göttingen zeugt ein erstmals 1303 genannter Besitz eines adeligen Hofes durch den Ritter Johannes von Roringen, der an der Ecke Jüdenstrasse/ Speckstrasse in der Nähe der herzoglichen Burg „Balrus“ gelegen hat und schon seit 1294 im Besitz der Familie gewesen sein soll.
- Der Ritter Jan von Roringen und seine drei Söhne brechen 1348 auf Wunsch der Stadt Göttingen ihre in Rosdorf gelegenen Kemenaten (Feste Häuser) gegen eine Entschädigung von 37 Mark ab und versprechen, keine von Planken und Gräben umgebenen massiven Bauwerke wieder aufzubauen. Es sollte aber gestattet sein, ein ert-hus von 6 Sparren (wohl 6-8 m Breite) und einer Höhe von 16 Fuss (etwa 4,60 m) zu errichten. Vermutlich ist damit ein sog. Grubenhaus gemeint.
- Im Jahre 1368 begibt sich der Knappe Arnd von Roringen d. J. mit zwei Pferden und einem Knecht für ein Jahr in den Dienst der Stadt Göttingen gegen eine Bezahlung von 10 Mark. In der Vereinbarung ist ausgeführt, dass im Falle einer Gefangenschaft nicht mehr als 20 Mark Lösegeld und für den Knecht ein Fuder Bier gezahlt werden sollen. Beim Verlust des Pferdes sollen für seinen roten Hengst mit weißer Stirn acht Mark und für das graue Pferd vier Mark gezahlt werden.
"Mehr als ein Roringer kann ein Mlensch nicht werden !
(Volksmund)
Wir denken gerne an unsere Roringer Zeit zurück und grüßen die alte Firmenheimat. CONTIGO Lange Geismarstr. 51 Göttingen
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THIE-BOTE Nr. 3
In zahlreichen Urkunden der hiesigen Klöster Weende, Reinhausen, Mariengarten und Hilwartshausen treten die Herren von Roringen als Zeugen auf. So bezeugt Arnoldus von Roringen 1379 den Verzicht des Bertold von Bertolderode auf seine Rechte an der Kirche zu Olrikhusen (heute Nikolausberg) und 1381 erscheint er in einer der Urkunden über die Verlegung des Kloster Olrikeshusen nach Weende.
- Im Dienst der Stadt als Stadthauptmann standen Arnold von Roringen von 1393-1395 und 1401-1403 sowie Hans von Roringen 1400-1401 und der Knappe Bertold von Roringen 1411-1413.
- Heinrich von Roringen ist im Jahre 1406 mit anderen zugegen, als Herzog Otto seiner Gemahlin Agnes von Hessen das Schloß Friedland mit seinen Einkünften als Morgengabe übergibt. Der Herzog bekennt dabei, „dat we myd vorbedachtem mode unde gudem willen unde na rade unser frunde de hochgeb Furstinen frauwen Angnesen von Hessen, hertogynne to Brunswich, unser leven husfruwen, uppe den morgen an deme brutbedde, als we ersten by ore geslapen hadden unde brudegam von ore upstunden, bemorgengavet hebben...“
- Offenbar derselbe Heinrich empfängt 1410 vom Landgrafen zu Hessen das Schloß Allerberg als Amtmann für drei Jahre.
- Auch im Jahre 1410 haben die Gebrüder Arnd und Bertold von Roringen in Elliehausen ein Plesser Lehen inne, zu dem dreieinhalb Hufen Land, ein Sedelhof und eine Scheune auf dem Kirchhof gehören. 1438 wird das Lehen von Bertold und seinen Söhnen Bertold, Arnd und Jan an den Göttinger Bürger Cord von Esebeke verpfändet.
- Am 25. November 1417 erklärt Otto von Braunschweig, Sohn des verstorbenen Herzogs Otto, für sich und seine Erben, dass er „Hanse von Roring(en) deme eldern und Borcharde von Boventen seine Landfoghedye und sunderlichen dat ampt to Usszler bevolen hebbe.“
- Im Jahre 1424 haben Herzog Otto Cocles und elf Adelsfamilien aus dem Umfeld von Göttingen für die Kirche des Franziskanerklosters in Göttingen ein neues Altarretabel gestiftet (heute im Niedersächsischen Landesmuseum in Hannover). Mit den Abmessungen von 3.05 m Höhe und 7.87 m Breite ist es der größte erhaltene Flügelaltar in Niedersachsen. Das Retabel enthält auch die Wappen seiner zwölf Stifterfamilien, und zwar von links beginnend das Wappen des Herzogs von Braunschweig, der von Plesse, von Kerstlingerode, von Hardenberg, von Adelebsen, von Uslar, von Roringen, von Stockhausen, von Gladebeck, von Rusteberg, von Westernhagen und von Grone. Die Reihenfolge dürfte weitgehend dem damaligen Rang dieser Familien entsprochen haben.
- Herzog Otto Cocles (der Einäugige) hatte von seinem Vater Otto dem Quaden 1394 ein verschuldetes und politisch ungeordnetes Land übernommen. Die politische Ordnung wurde von ihm wieder hergestellt, nicht aber die finanzielle. Im Jahre 1435 hat er die Regierung den Ständen überlassen. Zu dieser Zeit war Bertold von Roringen Kämmerer in der Regierung des Herzogs, für die von der Ritterschaft vier und von den Städten fünf Männer unter dem Landvogt Johann von Falkenberg gewählt wurden.
- Heinrich von Roringen ist 1436 mit anderen zugegen, als Herzog Otto mit Zustimmung seiner Verwandten die Schlösser Münden und Sichelnstein der Mannschaft und den Städten verpfändete. Da diese Schlösser aber zur Leibzucht der Herzogin Agnes gehören, sollen beim vorzeitigen Ableben des Herzogs dafür Gandersheim und Brunstein zur Verfügung gestellt werden.
- Hans von Roringen bezeugt 1446 den Verkauf des Wagendienstes zum Schloß Harste durch Herzog Wilhelm zu Braunschweig und Lüneburg für 200 Gulden.
- Im Jahre 1470 wird ein herzogliches Burglehen des Gerd von Hardenberg in Bovenden genannt mit einem Sedelhof vor der Burg, zwei Hufen Land und drei Morgen Wiesen, das ehemals Hans von Roringen innehatte.
- Der Knappe Jan von Roringen belehnt 1484 Bertol. Heyne in Krebeck mit einem Hofe.
- Im Jahre 1516 gibt Heinrich Rethardes aus Bovenden bekannt, dass er vom Stift Hilwartshausen eine halbe Hufe bei Bovenden als Lehen erhalten hat. Die Beurkundung
erfolgt im Beisein des Bertold von Roringen. E. Günther
Getränkevertrieb H. Ahlborn Lange Str. 41 Tel. 2 25 65 37077 Göttingen
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THIE-BOTE Nr. 3
Die mittelalterliche Vorgänger-Kirche
Die Überlieferung
Es gab vor dem Bau der Kirche im Jahre 1747 eine alte Kirche. Wir nennen sie hier zunächst die Vorgängerkirche. Sie wurde als eine katholische Kirche gebaut und nach der Reformation etwa 200 Jahre lang nach protestantischer Gottesdienstordnung eingerichtet und genutzt.
Im Jahre 1743 stellte der Zimmermeister Heinrich Gabriel Thon aus Göttingen diese alte Kirche in einer Zeichnung in Grund- und Aufriss dar. Sie diente der Längen- Flächen- und Massenberechnung für Bauholz, für Mauerwerk und Arbeitslohn. Die Zeichnung ist mit einem Maßstab versehen. Eine deckungsgleiche Abbildung gibt die damaligen Vorschläge zu einem Umbau wieder. Im Genehmigungsverfahren von 1747 werden alte und neue Abmessungen erwähnt. Kurzum: die Zeichnung ist keine willkürliche Skizze, sondern eine verlässliche Bauzeichnung ihrer Zeit. Ferner gibt es aus dem Jahre 1737 eine Beschreibung der Vorgänger-Kirche durch den Stadtsekretär A.Leschen.
Die dargestellten Maße des Turms können am heutigen Turm reproduziert werden. Deshalb basiert die folgende rechnerische Abschätzung der Maße der Vorgänger-Kirche auf dem Vergleich mit der Breite (Nord-Süd) des Kirchturms. Sie wird kontrolliert mit dem Maßstab, der der Zeichnung von 1743 beigegeben ist.
Die Gliederung der Kirche
Die Vorgänger-Kirche war eine Steinkirche. Sie bestand aus drei Bauteilen: dem Turm, dem Kirchen-Schiff und durch einen Chorbogen getrennt - dem Chor. Die Außenmauer von Turm, Schiff und Chor waren gefluchtet - ein wichtiger Unterschied zu der heutigen Kirche - Schiff und Chor unter einem Dach vereint. Das Schiff besaß keine eigene westliche Mauer. Es war an den Turm angebaut.
Im Turm existieren Baustrukturen und einen Bogenansatz an der Östwand auf der heutigen Orgelempore (Abb. S. 13). Da sie bei einem Umbau oder Neubau ausgelöscht worden wären, kann man davon ausgehen, dass der Turm weitgehend das ursprüngliche Mauerwerk zeigt.
Abmessungen
Die Außen-Länge der Vorgängerkirche (einschließlich Turm) betrug ca. 19.0 m. Die Kirche war um ca. 3.5 m kürzer als die heutige Kirche. Turm, Schiffund Chor der Vorgänger- Kirche waren gleich breit, nämlich ca. 8.3 m. Die heutige Kirche dagegen ist breiter; sie misst 8.80 m.
Im Innern besaßen Schiff und Chor eine Breite von jeweils ca. 6.3 m; heute sind es 7.10 m. Die Innen-Länge des Schiffs machte ca. 5.7 m, der trennende Bogen + Chor besaßen mit insgesamt 5.5 m etwa die gleiche Länge wie das Schiff. Die Gesamtlänge des Innenraums der Kirche bis zur Turmwand betrug insgesamt ca. 11.2 m; heute sind es ca. 15.3 m.
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Zeichnung der Vorgängerkirche von H. G. Thon 1743
In den Grundriss der heutigen Kirche, die den Zustand im Jahre 1999 wiedergibt, ist der rekonstruierte Grundriss der Vorgängerkirche eingezeichnet (Abb. S.15). Der Längenunterschied zwischen Vorgänger-Kirche und heutiger Kirche und der Breitenunterschied der Schiffe machen deutlich, dass die Vorgängerkirche im Jahre 1747 nicht einfach umgebaut wurde, sondern dass Schiff und Chor abgerissen und breiter und länger als zuvor aufgebaut wurden. Für diese Erweiterung in der Länge und in der Breite gab es auch eine ausdrückliche kirchenbehördliche Genehmigung aus Hannover vom 8. September 1747.
Die Ostung der Vorgänger-Kirche
Turm, Schiff und Chor sind symmetrisch aneinandergereiht. Ihre Symmetrieachse verläuft Ost-West. Genau genommen weicht sie aus der Östrichtung um 10° nach Süden ab. Der Chor mit dem Altar lag im Osten. Dies ist die Richtung der aufgehenden Sonne, des Symbols Christi und des Jüngsten Tages. Kirchen sind nicht immer genau nach Osten ausgerichtet, obgleich Himmelsrichtungen früher präzise bestimmt werden konnten. Von den alten Göttinger Kirchen ist nur die Nikolai-Kirche streng geostet, Johannis-, Pauliner- und Marien-Kirchen weichen von der Östrichtung leicht nach Süden ab, während Jacobi- und Albani-Kirche deutlich nach Norden ausweichen.
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THIE-BOTE Nr. 3
Der Turm
Der Turm ist nach Außen- und Innen-Maßen kein quadratischer Turm, sondern sein Grundriß bildet ein Rechteck, das quer zur Längsachse der Gesamtkirche liegt. Er istein Rechteck-Turm, ein Quer-Westturm, da er quer zur Achse der Kirche und im Westen steht.
Die Grundfläche des Turms beträgt ca. 56.4 m’. Die Innenfläche beträgt ca. 25.4 m’ (45 %). Es entfallen auf die Fundamentfläche ca. 31.0 m?(55 %).
Das zweischalige Mauerwerk des Turmes ist zwischen 1.08 und 1.20 m stark. Es verjüngt sich nach oben: in der Westmauer in zwei Absätzen um 15 bzw. 10 cm, in Nordund Süd-Mauer in einem Absatz um 10 cm. Eine weitergehende Erleichterung der Mauermasse erfolgt in der Ostseite über dem heutigen Bogen.
In der Außenansicht erscheint der Turm ungegliedert. Der verwendete Kalkstein wurde zu einem ungeregelten Bruchstein-Mauerwerk zusammengefügt. Nicht eine einzige durchgehende Lagerfuge ist zu beobachten. Auch die Ecksteine tragen nicht zur Dekoration des Bauwerks bei. Sie werden annähernd im Wechsel von Läufer- und Binder- Steinen aus großen, rechtwinklig gebrochenen Kalksteinen aufgeführt. Sie weisen keine hervorstechenden Spuren der
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Schnitt durch den Turm mit Blick auf Südwand-Innenseite (n. Braun)
Bearbeitung auf. Auch fehlen die sog. Zangenlöcher, in die die Steinzange griff, wenn die Steine hochgezogen wurden. Diese Technik wurde in Thüringen ab Mitte 13. Jahrhunderts eingesetzt. Die Kalksteine stammen ausschließlich aus den Schichten des Muschelkalks (Trias) der Roringer Gemarkung.
Turm mit Helm besitzen mit 16.9 m (ohne Fahne) m etwa gleiche Höhe wie der heutige Turm. Das Mauerwerk des Turms ragte bis in 13.0 m Höhe (heute 11.1 m, allerdings gemessen über Fußboden-Oberkante). Es überragte deutlich die Firste des Schiff-Daches, die bei ca. 9.9 m Höhe lag.
Ein Graben für die Gasleitung zur Kirche (April 2001) aufder Nordseite des Turmes verschaffte einen Blick auf das Fundament. Unter der heutigen Geländeoberkante liegen drei Lagen von 20 bis 27 cm dicken Kalksteinen, die sich zur Tiefe verbreitern und offensichtlich einen Fundament- Sockel bilden. Auch im Innenraum des Turmes wurde für die Gasleitung eine Zuleitung aufgegraben. Sie erschloss anstehenden Boden. Damit wird deutlich, dass die sich verbreiternde Basis der Turmmauer nicht einen einst über Tage liegenden Sockel, sondern das ehemals im Boden liegende Fundament darstellt.
Die Risse im Turm
Die Innenwand der Südseite und Nordseite des Turms zeigten 1999 je einen Riss. Inder Turm-Südwand zieht er aus der Mitte des Schallfensters der Glockenstube bis zum Bogen des Fensters, auf der Nordseite bis unter Ebene | (Orgelempore). Der Riss liegt etwas schräg in der Wand, unten weiter im Westen, oben weiter im Osten. Diese Risse wurden schon vor mehr als 260 Jahren beobachtet. Bereits am 31.12.1737 schrieb der Stadtsekretär Leschen: Der Thurm ist an beyden Seiten in der Mitte des Mauerwerks von oben biß unten aus geborsten und inwendig ist das Gewölbe zum theil herunter und eingefallen, so daß mit lebens Gefahr in dem Turm zugehen, und darin hinauf zu steigen.
Der Riss versetzt nur kaum merklich die Laibung des Südfensters. Seit dem Bau des Fensters im Jahre 1747 hat sich also praktisch nichts merklich bewegt. Auf der Außenfront sind die Risse nicht zu sehen. Im Jahre 1821 wurde noch Klage geführt über den ausgewitterten Zustand der Turmmauer. Doch sind in der Außenschale des Turms alle Fugen sorgfältig verstrichen. Eine umfängliche Reparatur des Turmes erfolgte 1833. Die Ursachen der Rissbildung, die durch Kippung der Westwand oder durch Setzung der Ostwand hervorgerufen sein könnten, wurden nicht untersucht.
Ein weiterer Riss, nur sichtbar in der Ostwand der Glockenstube, trennt die Ostwand von der Südwand. Ein vierter Riss findet sich im Scheitel des Bogens in der Ostwand.
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Fenster
In der Zeichnung des Zimmermeisters Thon ist ein etwa quadratisches Fenster (ca. 95 x 95 cm) im oberen Teil der Südseite des Turmes eingezeichnet. Es könnte ein Schallfenster darstellen. Ein Lichtschacht (30 x 70 cm) lag im unteren Teil der Südwand. Ob entsprechende Mauerdurchbrüche auf. den anderen Seiten des Turmes existierten, lässt sich aus der Zeichnung nicht erschließen. Allerdings ist auf der östlichen Aussenseite des Turmes ein Teil vermutlich der Laibung eines Fensters zu erkennen.
Das Gewölbe im Turm
Der Zugang zum Turm der Vorgängerkirche erfolgte aus dem Mittelteil durch eine enge Tür. Das untere Turmgeschoß
Baustrukturen im Turm
Auf der heutigen Orgelempore ist in der Nordost-Ecke des Turmes über einer Konsole der Rest eines Bogens sichtbar. Er istan die Ostwand des Turms angelegt. Er könnte auf ein Kreuzgewölbe (vielleicht ein Kreuzgrat-Gewölbe) hinweisen. Doch sind in den anderen drei Ecken des Turmes keine entsprechenden Baurelikte zu finden. Auch unterhalb der „Konsole“ gab es während der Wiederherstellungsarbeiten 2000/2001 auch im unverputzten Mauerwerk keine Hinweise aufstützende Bauteile.
In der gegenwärtigen Glockenstube springt der Mittelteil der Ostwand um 10 - 20 cm zurück. Man vermutete darin eine Massenverringerung über dem Bogen, der 1747 in die Wand darunter gebrochen wurde. Zugleich bildet der Versatz einen Teil einer Laibung einer Fenster-Öffnung. Sie ist auf der Außenseite des Turmes ebenfalls zu sehen. Es war gewiss kein Eingang in das Dach des Kirchenschiffes, dazu liegt die Öffnung zu hoch. War es vielleicht ein Schallfenster? Eine
schlüssige Erklärung dieser Baustrukturen ist bislang nicht gefunden.
Helm oder Satteldach
Trug der Turm des 18. Jahrhunderts ein Satteldach quer zur Längsachse der Kirche oder einen vierseitigen Pyramiden-Helm wie heute? Die Zeichnung von Thon (1743) ist nicht eindeutig. Auf einer Karte der Pleßforsten von etwa 1600 wird der Turm mit sehr spitzen Helm und Kreuz dargestellt. Darin beginnt der Helm bereits in der Höhe der Firste des Schiffes, das als Satteldach ohne Walm gezeichnet ist. Das Mauerwerk des Turms der Vorgänger- Kirche überragte jedoch die Firste des Schiffes um ca. 3 m. Turmmauerwerk plus Spitze dürften dem Eindruck einer hohen Turmspitze nahe kommen.
wurde wie es heißt - durch ein „gefährlich hohes Gewölbe“ überdeckt. Die Höhenlage des Gewölbes ist nicht zu erschließen. Gewölbe wurden in Deutschland etwa ab 1100 in Bauten verwendet. Üblicherweise wurden in Turmhallen Tonnengewölbe eingebaut. Die Zeichnung von Zimmermeister Thon gibt dazu keine eindeutige Antwort.
Das Gewölbe des Roringer Kirchturms war, als man im Jahre 1737 über eine Renovierung oder Neubau der Kirche nachdachte, bereits zum Teil eingefallen und erlaubte das Besteigen des Turmes nur unter Lebensgefahr. Es wurde bei Neubau der Kirche 1747 beseitigt.
Rest eines Bogens, Örgelempore Turm-Nordwand
Eine Wehrkirche?
In St. Johannis in Göttingen diente der Turm als Aussichtsplattform, in der Vergangenheit zur Überwachung des Ortes durch den Turmwächter. Roringen war ein kleiner Ort und einsichtig vom Berge. Eine Überwachungsfunktion entfiel hier. Dafür diente ab 1406/7 die Roringer Warte.
War der Turm ein Wehrturm? Es fehlen die Zinnen oder Scharten für eine Verteidigung. Der Kirchturm von St. Johannis in Meensen besitzt als Wehrbau wesentlich dickere Mauern (2.0-1,6 m) als der in Roringen. In der Beschreibung der Wehrkirchen um Göttingen wird bei E. Schröder für Roringen keine eindeutige Aussage getroffen.
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THIE-BOTE Nr. 3
Nutzungen
Im Jahre 1442 wurde im Vogtherrenbuch der Stadt Göttingen verzeichnet, dass Geld für Glockenseile und Arbeiten an der Aufhängung der Glocken ausgegeben wären. Die Notiz zeigt, dass der Turm zu dieser Zeit bereits stand und dass er als Glockenturm diente. Diese Funktion besitzter bis heute.
Im Mittelalter bis weit in die Neuzeit waren die Häuser des Dorfes Holzhäuser. Brände gefährdeten Hab und Gut. Zum Schutz vor Räuber und Dieben pflegte man seine Wertsachen zu vergraben. Luther, der für seine Bibelübersetzung „den Leuten aufs Maul schaute“, verweist auf diese Gepflogenheit mit dem den Zeitgenossen vertrauten Bild von den Dieben, die nach Schätzen graben, um sie zu stehlen.
Im Kirchturm jedoch gab es einen Raum, der durch das steinerne Gewölbe gegen Brand geschützt war. Der einzige Zugang von der Kirche war durch eine Tür gesperrt und die Kirchentür lag im Blickfeld des Dorfes und seiner Bewohner: der sicherste Ort für Wertsachen. Von der Kirche in Geismar wird im Jahre 1705 berichtet, dass in ihr und nicht etwa im Pfarrhaus die Wertsachen, nämlich Geld, Obligationen, Kauf- und Pfandbriefe, Erlasse und wichtige Unterlagen der Kirchenverwaltung aufgehoben wurden. Was anderes sonst könnte zum Bau eines steinernen Gewölbes im Turm Anlass gegeben haben?
Eine uns unbekannte und unerwartete Nutzung der Kirche wurde vom Stadtsekretär A. Leschen unter dem 31.12.1737 für den Falle eines Abrisses der Vorgänger-Kirche beschrieben.
Endlich ist auch auszuführen, daß ... auf der Kirche gar kein Boden bleibe, die etwa aufzunehmende Kirchen Früchte hinzuschütten, und ob nur ietzo wohl die Kirchen Ländereyen vor Geld Zinß außgetahn, so könnte ein anderes nöhtig gefunden und beliebet werden, da dan kein Boden vorhanden seyn würde,
underempfahl
giebet man dennoch zur Überlegung anheim ob nicht um solchen soll etwa auf dem Thurm ein Ständerwerk von Holtz aufzusetzen, um darein Boden Früchte zu schütten, zu aptieren....
Auf der Flachdecke der Vorgänger-Kirche wurde möglicherweise auch Korn aufbewahrt. Die Kirche diente als Speicher für die Naturalien, die aus den Rechten der Kirche (nicht der Pfarre) anfielen. Um diese Funktion zu erhalten, regte Leschen an, im Turm ein entsprechendes Ständerwerk einzurichten.
Der Turm als Zeichen und Symbol
Der Kirchturm war das höchste Bauwerk des Ortes er ist es auch heute noch. Im norddeutschen Flachland beobachtet man häufig, dass die Straße geradeswegs auf den Kirchturm des nächsten Ortes gerichtet ist. Der Turm liefert ein Richtungssignal. Im Mittelgebirge richten sich die Wege eher nach den Bergformen zur Bewältigung der Steigungen.
Vermutlich wurden Türme weniger aus Gründen der Nützlichkeit gebaut, vielmehr als Zeichen und Symbol. Die Christenheit versteht die Kirche als das Haus Gottes, den
Ort, wo Gott und Mensch sich begegnen. Im frühen Mittelalter stand über der Relique der Alter, über dem die Vierung mit dem Vierungsturm auf das Besondere dieses Ortes hinwies. Der Turm war das Zeichen eines christlichen Landes.
Den freistehenden Glockenturm, den Campanile, kennt man seit dem 8. Jahrhundert in Italien. In Deutschland wurden die Türme in die Baumasse der Kirchen einbezogen. Der erste Turm vor einem westlichen Querhaus einer Kirche wurde 1068 in Paderborn gebaut. Seither entwickelte sich der Turm zu einem eigenständigen Baukörper.
Glocken gehörten ebenfalls zur Grundausstattung einer Kirche. In Dorfkirchen finden sich seit dem 11. Jahrhundert. Die Roringer Kirche muss bereits 1442 ein Geläut besessen haben.
Der Zugang zum Turm erfolgte durch eine kleine, ebenerdige Tür vom Kirchenschiff her. Der Turm war kein Teil der Kirche.
Der Mittelteil (das Schiff) der Vorgänger-Kirche
Das Schiff besaß keine eigene Westmauer. Es wird hier vermutet, dass beide Bauteile, Turm und Schiff, in einem Bauvorhaben erstellt wurden.
Das Schiffbesaß im Innern eine Länge von ca. 5.7 m. Die lichte Breite betrug 6.3 m. Vermutlich bestimmten die Balkenlängen für die Flachdecke diese im frühen Mittelalter übliche Weite. Bei romanischen Dorfkirchen in Thüringen schwankt sie zwischen 6 und 7 m, jedoch in engen Grenzen.
Die Grundfläche des Mittelteils betrug ca. 35.9 m’. Das ist heute die Fläche eines großen Zimmers. Der Entwurf von 1743 für einen etwaigen Umbau der Kirche zeigt, dass auf dieser Fläche 10 Bänke mit je 5 Sitzen etwa 50 Personen Platz finden konnten(Abb. S. 18). Es gibt einen Hinweis darauf, dass zu Beginn des 18. Jahrhunderts sich die Mannspriechen, d.h. die Plätze für die Männer, im Chorraum befanden.
Die Stärke der Mauern von Schiff und Chor von 0.95 m war deutlich geringer als die des Turms. Es ist nicht ersichtlich, wie die Mauern mit dem Turm verbunden waren, da diese Baunähte nicht zutage liegen.
Die Innenhöhe des Schiffs betrug 15 1/2 Fuß entsprechend etwa 4.5 m. Dies entspricht etwa der ermittelten Höhe des Mauerwerks.
Der Chorbogen
Ein Bogen trennte den Mittelteil (Schiff) vom Chor (Altarraum). Er ragte beiderseits etwa 0.9 m in den Raum hinein. Die lichte Weite betrug ca. 4.5 m. Man könnte sich vorstellen, dass er die Form eines Halbkreisbogens hatte. In mittelalterlichen Kirchen trennte der Bogen, unter dem vermutlich auch Chorschranken standen, den Raum für die Laien (Schiff) von dem Sanktuarium (Chor), dem Raum mit dem Heiligtum, der der Messhandlung und dem Priester vorbehalten war.
Mindestens eine Stufe (ca. 20 cm), vielleicht auch mehrere Stufen führten vom Schiff hinauf zum Chor. Die Abschnürung durch den Chorbogen, die unterschiedliche Fußbodenhöhe und die Chorschranken betonten die
die Hierarchie der Räume.
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THIE-BOTE Nr. 3 MAI 2006 LT LL—m—_——————_—_—_———=-=—«eeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeeenn äuäuu —n—n
Der Chor der Vorgänger-Kirche
Der Chor ist ein Rechteckchor von querrechteckigem Grundriß. Seit der Christianisierung im 8. und 9. Jahrhundert haben Rechteckchöre im südlichen Niedersachsen Tradition. Sie werden als ein Merkmal mittelalterlicher Bauzeitangesehen.
Der Chor besaß dieselbe lichte Breite wie das Schiff, nämlich 6.3 m, und eine Tiefe (Länge) von 4.5 m. Seine Grundfläche betrug ca. 28.4 m’, hinzuzuzählen wäre die Fläche unter dem Chorbogen von 4.5 m’.
Der Chorraum war überwölbt von einem Kreuz- Gewölbe, möglicherweise einem Kreuzgrat-Gewölbe. Massive Gewölbe waren im frühen Mittelalter in einer Dorfkirche nicht üblich. Sie wurden erst ab dem 12. Jahrhundert gebaut und blieben dem Altarbereich vorbehalten,
Wir können uns den Altar als einen Blockaltar vorstellen, der wie heute aus einem Block (stipes) und einer Altarplatte (mensa) bestand. Im mittelalterlichen Verständnis leitet sich das Wort „Altar“ von dem lateinischen altus für „hoch“ ab. Damit wird die erhöhte Stellung des Altars gegenüber dem Kirchenraum beschrieben (vgl.S 21).
Im Mittelalter barg der Altarblock einen Hohlraum mit Reliquien. Sie erst machten den Altar zum Thron und Grab Christi und zum Ort der Heiligen. Üblicherweise stand der Altar unter dem Chorbogen etwas in den Chorraum eingerückt. Für die Vorgängerkirche gibt es dazu keine Angaben.
Der Standort der Taufe in der Vorgängerkirche wurde nicht verzeichnet. In mittelalterlichen Dorfkirchen stand sie
KH — 7 Vorgängerkirche
Empore mit Emporenpfosten
Kirche 1747
a zu —— -a_____d Schiff Chorbogen Chor, ewölbe
mit Kreuz-
Kirchen-Tür
häufig der Eingangstür gegenüber. (Der heutige Taufstein von 1698 muss in der Vorgängerkirche schon gestanden haben.)
In den frühchristlichen Kirchen wurde das Evangelium von der Nordseite des Chorraums aus gelesen, weshalb man sie auch die Evangelien-Seite nennt, die Epistel von der Südseite des Chors, also von der Epistelseite.
Die Gemeinde, die an Messe bzw. Gottesdienst teilnahm, war nach Geschlechtern getrennt. Die Frauen saßen in der Nordhälfte der Kirche (Frauenseite), während die Männer die Südhälfte einnahmen (Männerseite).
Ob und wann eine Kanzel errichtet wurde, ist nicht bekannt. Sie könnte, so es sie gab, an der Grenze von Chor und Schiff, also am trennenden Bogen gestanden haben.
Die erste Orgel in einer Kirche in Deutschland soll 1226 in St. Peter in Erfurt gestanden haben. Im hohen Mittelalter gehören Orgeln zur Ausstattung einer Kirche. In Roringen, in der Vorgängerkirche, wird erstmals im 18. Jahrhundert eine Orgel erwähnt. Sie dürfte nach Registerzahl und Pfeifenlängen etwa folgende Abmessungen besessen haben: Breite <2 m, Tiefe 1.4 m, Höhe ca. 2 m. Sie wurde auf der Rückseite (hinterspielig) gespielt. Sie könnte aus Gründen der Beleuchtung an der Ostwand symmetrisch zwischen den Gewölbebögen gestanden haben. Für den Neubau der Kirche wurde auch eine Ansicht der Orgel im Turm gezeichnet. Man kann davon ausgehen, dass diese Zeichnung ein Abbild der vorhandenen Orgel darstellt (vgl. Beitrag. Dietert, S. 28).
| | An Altar | Kanzel | j
1 — — ıPriechen
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THIE-BOTE Nr. 3
Veränderungen durch die Reformation?
Welche Veränderungen in der Innenarchitektur der Kirche könnten mit der Einführung der Reformation erfolgt sein?
Die lutherische Kirche empfand sich nicht als neu und abgespalten, die Reformation war keine Revolution, bei der alles verändert werden musste. Die Predigt rückte in den Mittelpunkt. Das Abendmahl wurde in beiderlei Gestalt gespendet. Sicherlich fielen die Chorschranken. Der Chorraum wurde auch von der Gemeinde benutzt, etwa durch die Plätze für die Kirchenvorsteher - ein Ausdruck des allgemeinen Priestertums der Gläubigen. Üblicherweise stellte man die Taufe in den Altarraum. Dies hätte mehr Platz im Schiff gebracht, hätte aber auch zu einer Verlagerung des Altars geführt haben können. Eine Orgel stand zu Beginn des 18. Jahrhunderts ebenfalls im Chor. Ob eine oder mehrere Emporen eingebaut wurden, ist bislang nicht bekannt.
Dies alles bleibt jedoch Vermutung, solange man nicht weiterführende Dokumente findet.
Die Fenster
Der Chor der Vorgängerkirche besaß zwei Fenster der „alten Art“, kleine Spitzbogenfenster von ca. 1.4 Höhe und 0.5 m Breite (Abb. S. 11). Eines durchbrach die östliche Mauer des Chors in der Mittelachse, das andere die Südmauer. Es wird vermutet, dass die Fenster einander glichen, weil in der Grundrisszeichnung beide gleiche Abmessungen besitzen. In das Schifftrat Licht nur durch ein einziges, kleines Fenster in der Südmauer (Br. 0,6 m, H. 1.4 m). Es war offensichtlich ein Rundbogen-Fenster. Auf der Nordseite gab es keine Fenster, wie es bei romanischen Dorfkirchen auch im benachbarten Thüringen die Regel ist.
Die Fenster der Südseite liegen in der Mitte der Wand, beide für Schiff und Chor - in gleicher Höhe. In romanischen Dorfkirchen sitzen die Fenster des Schiffs üblicherweise hoch in der Wand, dicht unter der Traufe, zum Altar tiefer bis in Augenhöhe. Üblich ist auch die Zahl der Fenster: eines im Schiff, zwei im Chor.
Die Fensteröffnungen waren einfache Durchbrüche der Wand. Die „Scheibe“ lag nahe der Außenseite. Die Gewände der Fensteröffnungen auf der Außenseite lagen parallel einander gegenüber, auf der Innenseite weiteten sie sich trichterförmig, um einen möglichst breiten Lichteinfall zu ermöglichen (Trichtergewände). Glas war im Mittelalter extrem teuer. Vermutlich dienten geschabte Tierhäute auf Rahmen zur Füllung.
Die schmalen Fenster ließen jedoch nur wenig Licht einfallen, so dass der Raum in ein Dämmerlicht gehüllt sein dürfte. Deshalb waren mittelalterliche Kirchen im Allgemeinen geweißt.
St. Martins-Kirche um 1600
Die Kirchentüre
Es gab nur einen Eingang in die mittelalterliche Kirche. Das rundbogige Portal ohne Schwelle dürfte etwa2.1mhoch und 1.2 m breit gewesen sein. Es lag auf der Südseite, nicht mittig, sondern unmittelbar am Turm (Abb. S.11).
Weshalb wurde die steile Südseite als Eingang gewählt und nicht die flache Nordseite? Mittelalterliche Kirchen wurden im Regelfall am Ortsrand gebaut, denn sie benötigten Platz für den Friedhof. Friedhöfe lagen erhöht über der Siedlung. Der Eingang zur Kirche befand sich auf der Seite, die dem Dorf zugewandt war. Dorf und Kirche waren aufeinander ausgerichtet. Die Kirche war jedoch nicht die Mitte des Ortes.
Lag also das Dorf Roringen zur Zeit des Baus der Vorgänger-Kirche im Süden der Kirche, am Opferbach? Gab es die Bebauung an der Langen Strasse noch nicht? Siedlungen entstanden am halben Hang, in der Nähe des unentbehrlichen Wassers. Das war in Roringen der Opferbach.
Der Kirchhof wurde erst 1422 mit einer Mauer umgeben, durch die eine einzige Pforte führte. Wir wissen nicht, wo sie gelegen war. Es ist zu vermuten, dass sie direkt dem Eingang gegenüber gelegen haben könnte, also etwas westlich der Südpforte, die erst 1823 gebaut wurde.
Das Dach
Das Dach zu Beginn des 18. Jahrhunderts war ein Krüppelwalmdach. Es überdeckte Schiff und Chor gleichermaßen. Die erwähnte Darstellung um 1600 jedoch gibt vermutlich ein Satteldach wieder. Welches Tragewerk im Mittelalter sich darunter befand, ist unbekannt. Angesichts der geringen Breite der mittelalterlichen Kirchen sind Kehlbalkendächer die Regel (Abb. S 42). Sie bestehen aus zwei gegeneinander gestellten Sparren, die die Dachdeckung tragen, und dem waagrechten Zerrbalken. Sparren und Balken sind zu einem festen Sparrendreieck (Gespärre) verbunden. Zwischen die Sparren wird ein horizontales Querholz eingezogen, der Kehlbalken. Die Längsaussteifung der hintereinander gestellten Sparrenpaare erfolgt durch die Dachlatten auf den Sparren und durch die diagonal unter den Sparren aufgenagelten Windrispen.
Im Gasleitungsgraben von 2001 auf dem Kirchhof wurden Reste von Mönch- und Nonnen-Dachziegeln gefunden. Sie könnten von der Dachbedeckung der Vorgänger-Kirche stammen.
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THIE-BOTE Nr. 3
Wann wurden Turm und Vorgängerkirche gebaut?
Die Vorgänger-Kirche war eine mittelalterliche Kirche romanischer Bauweise. Sie war dem Bautypus nach ein Rechtecksaal mit Chorbogen und einem querrechteckigem Chor. Die gesamte Innenfläche betrug ca. 68.8 m’, Romanische Saalkirchen weisen eine durchschnittliche Größe von 40 bis 70 m’. Alle Bauteile waren symmetrisch nach einer Achse angeordnet. Der Turm befand sich im Westen vor dem Saal und wurde, wie Türme romanischer Bauten, von der Kirche begangen.
Geschlossene, plastisch kaum aufzugliedernde Wandflächen mit kleinen Öffnungen (Fenster, Tür) prägten das Aussehen, wie bei romanischen Dorfkirchen in Thüringen Es fehlten Fenster auf der Nordseite. Das Ostfenster des Chores lag genau in der Gebäudeachse, die geostet war. Es gab nur eine einzige Tür, sie lag in der Langseite, dem Dorf zugewandt. Es fehlten Zangenlöcher in den Ecksteinen des Turms. Das Tonnen-Gewölbe im Turm und das Kreuz- Gewölbe im Chor jedoch, von denen 1737 berichtet wird,
fanden erst etwa ab dem Jahre 1200 in Dorfkirchen Verbreitung. Schließlich verweist die Keramik aus dem Friedhofaufdas 13.-15. Jahrhundert.
Aus Sachsen ist bekannt, dass es bis zum Jahre 1100 nur ca. 80 steinerne Kirchen gab, dass aber zwischen 1150 und 1250 ca. 600 neue, steinerne Kirchen gebaut wurden. Es gab also einen richtigen Bauboom in jener Zeit. Dabei wird ein Rechtecksaal ohne eingezogenen Chor als der urtümlichere Typus der Dorfkirche gesehen.
Die vorgetragenen Argumente weisen aufdie Wende vom 12. zum 13. Jahrhundert, in dem Turm und Vorgänger-Kirche gebaut sein dürften. In Turm und Vorgänger-Kirche kann somit die Kirche der Erst-Erwähnung von 1254 gesehen werden.
Die Befunde erlauben einem Laien kein abschließendes Urteil. Es wäre erfreulich, wenn diese Zeilen es lohnenswert erscheinen lassen, der Baugeschichte der mittelalterlichen
Vorgänger-Kirche weiter nachzugehen. Siegfried Ritzkowski
Vergleich Vorgängerkirche / Kirche von 1747 im Jahre 1999
W-E = West-Ost, N-S = Nord-Süd.
Vorgänger- Kirche m m GESAMT Gesamt-Länge außen (W-E) 19,0 22,5 TURM Außen- Länge (W-E) 6,8 6,33 Außen-Breite (N-S 8,3 8,32 Innen-Länge ( W-E 4,3 4,1 Innen-Breite ( N-S 5,9 6,02 13,0 11,1 Höhe Turmhelm 3,9 5,93 Höhe m. Helm ohne Spitze 16,9 16,8* SCHIFF & CHOR | Außen-Länge (W-E) 12,2 16,17 Außen-Breite (N-S) 8,2 8,8 Innen-Länge (W-E) bis Turm-Wand 11,2 13,32 SCHIFF Innen-Länge Schiff (W-E) 5,7 995 | Innen-Breite (N-S) =lichte Weite 6,3 7,2 Außen-Höhe (Mauerwerk 8,1 ca. 5,6* Firsthöhe Dach 9,9 ca.11,0* CHORBOGEN _ | Mauerdicke Bogen (W-E 1,0 - Einzug Bogen 2x 0,9 m 1,8 I - | Lichte Weite im Bogen 4,5 - | CHOR Innenlänge Chor (W-E) 4,5 5,37 Innen-Breite (N-S 6,3 6,9 |
* = jiber Fußboden-Oberkante
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THIE-BOTE Nr. 3
Die neue Kirche von 1747
Planungen
Vorgänger-Kirche und Turm befanden sich im Jahre 1735 in einem bejammernswerten Zustand. Ein Gutachten des Stadtsekretärs A. Leschen vom 31.12.1737 listete die Schäden auf, führte aber auch weitere Motive an, die die Gemeinde veranlassten, einen Kirchenbau zu planen. Infolge der Bauschäden bestand Gefahr für Leib und Leben der Kirchenbesucher. Regen und Schnee traten durch das Dach. Der Kirchenraum war zu klein geworden für die angestiegene Zahl der Dorfbewohner. Der Raum war dunkel und feucht, das Gestühl hinfällig. Leschen favorisierte den Abriss der Vorgänger-Kirche und einen Neubau, nicht eine Reparatur des Kirchenschiffes.
Der Zimmermeister Heinrich Gabriel Thon und der Maurermeister Johann Friedrich Cümmel lieferten im Jahr 1736 eine ausführliche Beschreibung des Zustandes, schlugen vor, die alte Kirche abzureißen, empfahlen einen Neubau auf dem Grundriss der alten Kirche und lieferten Kostenvoranschläge. Aus dem Jahre 1743 stammt ihre Zeichnung der Neugestaltung der Kirche.
Die Konkurrenz schlief nicht. Es gab ein weiteres Angebot, das sich später als schlecht gerechnet herausstellte. Ein anderer Kritiker fand an dem Entwurf von Thon und Cümmel auszusetzen: „daß der Thurm gar zu simpel eingerichtet und scheint derselbe einer Schäfer-Karre ähnlicher als einem Kirchen Thurm zu seyn.“
Dann aber bricht die Überlieferung der Bauplanung in den Akten den Kirchenkreisarchivs ab. Vom 8. September 1747 datiert die Genehmigung der Kirchenleitung in Hannover, den Bau um 14 Fuss (ca. 4m) in der Länge und 2 1/2 Fuss in der Breite (ca. 0.73 m) zu vergrößern, jedoch die Maße und Kosten nicht zuüberschreiten.
Kirchhof als Bauplatz
Für den Neubau musste das Dach abgedeckt, das Dachwerk rückgebaut und die Mauern abgebrochen werden. Bereits 1736 hatten Zimmermeister Thon und Maurermeister Cümmel vorgeschlagen, Balken und Sparren des Daches zu sichern. Diesen sparsamen Umgang mit einst verwendetem Material würden wir heute als Recycling bezeichnen. Man kann wohl von einer Wiederverwendung allen brauchbaren Baumaterials ausgehen.
Zusätzlich wurde neues Material (z.B. Bauholz, Steine, Dachziegel) beschafft, wie aus den Kostenvoranschlägen hervorgeht. Einem Bericht von 1799 zufolge wurden auch Steine der Kirchhofsmauer beim Bau verwendet, um die Kosten niedrig zu halten.
Man fragt sich, wo das Baumaterial auf dem Friedhof gelagert wurde, ob die Mauer geöffnet wurde, um mit den Wagen bis an die Baustelle fahren zu können, woher das übrige Material kam, wie viele Menschen am Bau tätig waren.
Ganz offensichtlich wurde in den Jahren 1738 bis 1747 die Planung erheblich verändert. Der barocke Turmhelm, den der Plan von Thon und Cümmel vorgesehen hatte, wurde nicht gebaut, wie jedermann in Roringen sehen kann.
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Entwurf Neugestaltung der Kirche von Thon 1743
Bereits 1745 wurde im Pfarrgarten ein Glockenstuhl für die Übergangszeit aufgestellt und genutzt. Im gleichen Jahr wurde der Auftrag erteilt, die Orgel abzubauen und einzulagern (s. Beitrag E. Dietert: Die Orgeln, S. 28). Man möchte vermuten, dass mit dem Abbruch der Kirche unverzüglich begonnen worden wäre.
Bauzeit und Finanzierung Es gibt jedenfalls keine Dokumente, die berichteten,
wann der Abriss begonnen und wann der Neubau vollendet worden wäre. Die oben erwähnte Genehmigung der Erweiterung vom 8. September 1747 fordert auf:
wu. so habt ihr den Kirchen Bau solchergestalt
nunmehro, so bald es thunlich ins Werk richten zu laßen
den Anschlag aber nicht zuüberschreiten. “
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THIE-BOTE Nr. 3
Das Richtfest wurde noch im Jahre 1747 gefeiert, denn die Rechnungen für das Richtebier datieren in dieses Jahr. Auch steht die Jahreszahl 1747 in dem Architrav-Balken über der Kirchentür. Das Altarretabel über dem Altar enthält eine präzise Aussage, nämlich „,... dass dieses heilige Gotteshaus ... im Monat Oktober des Jahres 1747 aufs Neue erbaut worden ist“ (,...templum hoc sacrum ... de novo extructum est anno ... MDÜCXLI mense octobris“).
Diese Angaben sprechen dafür, dass die Kirche im Oktober 1747 fertiggestellt wurde. Allerdings beklagte der Roringer Pastor Apel noch im Dezember 1748 in einem Brief an den Superintendenten, dass „..Glocke, Uhr und Bälger sind gestern gantz von Schnee geweißt wären“, offensichtlich war das Turmdach noch nicht oder nicht vollständig gedeckt.
Nach dem Corpus Bonorum von 1798 ist die Roringer Kirche in den Jahren 1747 und 1748 „von den damals vorräthig gewesenen beträchtlichen Überschuss-Geldern ohne Beyhülfe einer Becken-und Kirchen-Vorraths-Collecte durch den Zimmermeister Gabriel Thon und den Maurermeister Johann Friedrich Ciimmel zu Göttingen neu erbaut worden.“
Die Bau-Kosten betrugen 1.265 Thaler, 21 Groschen, 6 Pfennige.
Die Neubau - Konzeption
Die mittelalterliche Vorgänger-Kirche wurde nicht umgestaltet, sie wurde - der Turm ausgenommen - neu erbaut. Schiffund Altarraum entstanden völlig neu.
Die Grundmaße für Schiff und Altarraum wurden gegenüber der Vorgängerkirche verändert. Die Kirche ist ca. 3.5 m länger und 0.7 m breiter als der Vorgängerbau. Der Chorbogen wurde beseitigt und große Fenster auf Nord- und Süd-Seite geschaffen. Nur eine Stufe hebt den Altarraum über das Schiff. Damit wurde die mittelalterliche Trennung in Schiffund Chor (Sanctuarium) aufgegeben.
In die Ostwand des Turms wurde ein großer Bogen gebrochen. Turm- und Kirchenraum wurden miteinander verbunden. Im Turm fand die Orgel einen neuen Standort (s. Beitrag Dietert, S. 28). Altar und Kanzel wurden in einem Kanzelaltar vereint. Die Einheit von Sakrament, Anbetung und Verkündigung wurde dadurch in Szene gesetzt. In der achsialen Ordnung von Kanzelaltar, Gemeinde, Emporen und Orgel zeigt sich eine völlig andere Konzeption von Kirche.
Die Meinung, dass die mittelalterliche Kirche weder in der Länge noch in der Breite verändert worden wäre, übersieht, dass die Aussenwände von Turm und Schiff nicht mehr fluchten, berücksichtigt nicht den abgebildeten Maßstab in der Bauzeichnung von 1743, beachtet nicht die Genehmigung des Consistoriums vom 08.09.1747. Weder der Vorgängerbau noch dessen mittelalterlich-romanischen Grundformen und -maße sind erhalten oder erkennbar. Schiff und Chor wurden 1747 neu erbaut. Dieser Neubau ist die heutige Kirche.
Außenansicht/Bauwerk
Das zweischalige Bruchstein-Mauerwerk ist aus Kalksteinen der Region aufgemauert. Die präzise gehauenen Ecksteine liegen im Binder-Läufer-Verband. Einige rote Sandsteine finden sich in der Nordseite. Infolge der Verbreiterung des Schiffes rückten die Mauern ca. 30-35 cm nach Außen. Ihre Innenschalen müssten auf den Fundamenten der Vorgängerkirche stehen, sofern diese nicht ausgebaut wurden. Im Jahre 2001 wurde bei den Ausschachtungsarbeiten für die Anlage der Heizung im Bereich der südlichen Prieche ganz offensichtlich ein Stück des Fundaments der alten Kirchenmauer abgegraben.
Die Seitenmauern des Kirchenschiffs greifen etwas auf den Turm über (s. Grundriss, S. 15); man könnte auch sagen, der Turm rage in das Schiffhinein. Die beiden kurzen Reihen der Dachziegel am Turm machen sichtbar, dass Turm und Kirchenschiff zwei eigenständige Gebäudeteile darstellen, die nur miteinander verzahnt sind (siehe Bild unten).
Die Roringer Kirche 2004
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THIE-BOTE Nr. 3
Nordseite
Die Wandgliederung erfolgt durch Fenster und Türe. Drei Fenster durchbrechen die Nordseite, drei die Südseite; hinzu tritt ein Fenster in der Ostseite, ein Turmfenster und das Oberlicht der Türe. Die Öffnungen auf Nord- und Südseite liegen einander genau gegenüber (Abb. 5.15). Verglichen mit den drei kleinen Fensterchen der Vorgängerkirche, die zusammen ca. 1.2 m’ Fensterfläche besaßen, bieten die acht hohen und weiten Fenster plus Oberlicht (ca. 19 m’ Fensterfläche) dem Tageslicht viel Zugang in die Kirche. Mit dem hellen Anstrich gewinnt der Kirchenraum zusätzlich an Höhe und Weite. Vermutlich kann man heutzutage den seinerzeit neuen, überwältigenden Lichteindruck nicht hinreichend nachempfinden. Man möchte meinen, dass die Reformation nun erst vollzogen wäre. Die neue Kirche ist eine helle Kirche.
Es ist des Bemerkens wert, dass die bekanntesten „Sonnenlieder‘“ des Evangelischen Gesangbuches just aus einem Zeitraum von 100 Jahren vor Errichtung der Kirche stammen: Die güldene Sonne bringt Leben und Wonne (EG 444) 1641, Die güld’ne Sonne, voll Freud und Wonne (EG 449) 1666, Morgenglanz der Ewigkeit (EG 450) 1684, Sonne der Gerechtigkeit (EG 262) 1741 (1. Str.).
Für die Laibungen und Verzierungen der Fenster und der Türe wurde roter Sandstein (Buntsandstein, Bausandstein der Solling-Folge) verwendet. Er stammte nicht aus der
Fenster Südseite
Roringer Gemarkung, sondern war “Importware“. Die hohen Fenster wurden in gleicher Weise als Rundbogen- Fenster ausgeführt und durch Sprossen in quadratische, rechteckige, kreissegmentartige und halbkreisförmige Flächen gegliedert. Auch sie ragen etwas aus der sonst ungegliederten Wand heraus.
Das Sturzpfosten-Portal, das aus zwei Sandstein-Pfosten auf Sockelsteinen und einem darüber liegenden Sturz besteht, bildet einen einfachen, hochrechteckigen Eingang, der etwas aus der Wandfläche herausragt. Die Einfassungen sind mit Profilleisten verziert (architraviert). Zwei Stufen gleichen den Höhenunterschied aus. Keine zusätzliche Stufe stört den einladenden Eindruck der Tür. Auf dem Sturz liegt gleichsam als Füllung eines Zwischenraumes, als Supraporte, und beiderseits gerahmt von je einer stilisierten Blüte (Rosette) ein Steinbalken mit der Inschrift
Soli Deo Gloria Anno 1747
Portal Süd-Seite
Das ausladende, zweiteilige, profilierte Fensterbank- Gesims wirkt zugleich als Dach des Portals. Es trägt ein kleines gestelztes Rundbogen-Fenster mit großen Spiralen als Verzierung. Die Fensterfläche ist durch Sprossen mannigfach gegliedert.
Die roten Sandsteine ragen weit in die Wand aus Kalksteinen hinein. Steinsichtigkeit war nicht beabsichtigt. Putz sollte innen und außen aufgetragen werden. Auch im Inneren der Kirche waren die Mauern unterhalb der Fenster bis zur Wiederherstellung in den Jahren 2000/2001 unverputzt.
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THIE-BOTE Nr. 3 MAI 2006 Ö]— ss zT m I a u
Altarraum und Altar
Der Altarraum wurde durch eine Stufe herausgehoben. Sie lag ca. 50 cm östlich der heutigen Stufe. Eine weitere Stufe hebt den Altar vom dem Altarraum ab. Allerdings steht der Altar nur scheinbar auf dieser Stufe, denn die Altarstufe liegt vor dem Altarblock. Die Altarstufe symbolisiert den Heiligen Berg, der Altar (alta ara lat. = erhöhte Opferstätte) den Gipfel des Heiligen Berges.
Der Altar selbst besteht aus einem Block (stipes) von 1.51 m Breite, 1.07 m Höhe und 1.10 m Tiefe. Er ist aus 6 Kalkstein-Lagen aufgemauert. Sie sind verputzt und überstrichen. Da der Standort des Altars ausserhalb der Vorgängerkirche liegt (Abb. S. 15), kann er nicht der Altar der Vorgängerkirche sein, sondern er muss im Jahre 1747 neu aufgebaut worden sein.
Aufdem Block ruht die Altartischplatte (mensa) aus so 8.
Harz-Marmor (vermutlich permischer Dolomit). Sie misst 1.62 m in der Breite, 0.10 m in der Stärke und steht an allen Seiten etwas über. Diese Platte, die bereits ausgebessert ist, soll seit 1962 auf dem Altar liegen.
Auf dem Altar, auf den in der Frühzeit des Christentums niemand etwas anderes zu stellen gewagt hätte als den Kelch und das Evangelienbuch, stehen in mittelalterlichen Kirchen seit dem 11. und besonders seit dem 12. Jahrhundert ein Kreuz mit dem Gekreuzigten und vereinzelt schon seit dem 12., dann überall seit dem 13. Jahrhundert zwei Leuchter. Im 12. Jahrhundert kommen die ersten Altaraufsätze (Altarretabel) auf, die die Rückwand des Altars bilden.
In die Kanzelwand der St. Martins-Kirche ist über dem Altar eine schwarze Platte (43 x 133 cm) als Altarretabel eingefügt. Sie trägt folgende Inschrift:
ANNUENTE DEO IUBENTE ET IN- DULGENTE GEORGIO II MAGNA BRIT: REGE CLEMENTISSIMO TEMPLUM HOC SACRUM IN SUMMI NUMINIS GLORIA GEORGIO HENRICO RIEBOVO D ET PROF THEOLOGIAE NEC NON SUPERINTEND GÖTTINGENSI MICHAELE SAMUELE KUNTZE IUSTITIARIO ET SENATORE GÖTTINGEN SI ECCLESIAE CURATORIBUS FRIDERICO ANDREA APEL PL PASTORE DE NOVO EXTRUCTUM EST ANNOR S MDCCXLVII MENSE OCTOBRIS
Zur Ehre Gottes
C. Meier
Eine Übersetzung von Frau Ch. Petke/Herberhausen befindet sich auf der Rückseite:
„Mit Gottes Hilfe, auf Befehl und mit der Gunst Georg II, des allergnädigsten Königs von Groß Brittanien ist während Heinrich Ribow, Doktor und Professor der T} heologie und Superintendent in Göttingen und Michael Samuel Kuntze, Justitiar dieses Ortes und Senator in Göttingen Kuratoren der Kirche waren und Friedrich Andreas Apel, der Ortspfarrer war. zum Ruhm der höchsten Gottheit dieser heilige Tempel von neuem erbaut worden im Jahr des wiederhergestellten Heils 1747 im
Monat Oktober. “
Ri Ze er
APEL FI.PASTORE STRY ALHSE OL TORI
Der erwähnte Pfarrer Friedrich Andreas Apel (1712- 1761) war Ortspfarrer in den Jahren 1744-1761. In seine Amtszeit fiel der Bau der Kirche.
Unterhalb der Schriftkartusche, bereits auf dem Holz des Rahmens, stehen die Worte: „Zur Ehre Gottes“ und 36: Meier“. Sie sind der schwarzen Tafel nicht symmetrisch zugeordnet. Abweichend von den lateinischen Inschriften auf der Kartusche und im Türsturz des Eingangsportals, die man Pastor Apel zuschreiben könnte, ist der Text deutsch gehalten. Dies spräche für einen anderen Verfasser. Aber wer war „C. Meier“? Unwillkürlich denkt man an den Pfarrer Christian Meyer, der von 1628 bis 1669 Pfarrer in Roringen war, der sich aber üblicherweise mit „y“ schreibt. Dann aber hätte die Altarverkleidung bzw. ein Teil derselben bereits 100 Jahre früher existiert.
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THIE-BOTE Nr. 3
Der Kanzelaltar
Der Altar ist eingefügt in eine Holzwand, in der die Predigt-Kanzel 2.26 m (11 Stufen) über dem Altarraum steht. Es ist eine barocke Kanzel aus dem Baujahr der Kirche, wie die Schriftfeldkartusche es ausweist. Die seitlichen Scherwände sind geschwungen. Der Außenbogen endet jeweils in einer kleinen und einer großen Spirale (Volute). Sie vermitteln architektonisch zwischen den senkrechten und wagrechten Linien. Voluten waren im Barock beliebte Ornamente in Innenräumen und an Fassaden (s. a. Kirchentür, S. 20). Zwei Türen flankieren den Altar. Ihre Rahmen sind bis in die Umrandung der Voluten eingeschnitten. Der Schalldeckel des Kanzelkorbes ist von Blattschleierwerk bekrönt.
Drei achtstrahlige goldene Sterne umgeben jetzt die Kanzel: der obere steht auf einem Strahl, die seitlichen auf dem Winkel zwischen den Strahlen. Der Stern gilt als Gottesbote, wie der Stern von Bethlehem. Seine acht Strahlen verweisen auf die Taufe. Diese Bedeutung der Zahl acht wird auch im achteckigen Schaft des Taufstein von 1698 dargestellt. Acht Kerzen tragen auch die Leuchter der Wiederherstellung des Jahres 2001.
Die Altarkanzel war die beherrschende Anlage jener Zeit. Bislang stand in den katholischen wie den evangelischen Kirchen die Kanzel seitlich abgesetzt am Chorbogen, an der Nahtstelle zwischen Kirchenschiff und Chorraum, der Taufstein in der Kirche, die Orgel — so in Roringen — im Chorraum. Nach dem Dreißigjährigen Krieg, aber vornehmlich im 18. Jahrhundert, beherrschte der Gedanke der Ordnung („Gott ist nicht ein Gott der Unordnung“... 1. Kor. 24,33) die Architektur. So wurden auch in Roringen Kanzel und Altar, Taufstein und Lesepult, Kirchenschiff und sein Gestühl, U-förmige Emporen und schließlich die Orgel achsial und in klarer Symmetrie angeordnet. (Man erinnere sich an die Anordnung der Fenster). Von jedem Platz aus sind Altar und Kanzel sichtbar. Das Ensemble verdeutlicht die Bedeutung des gepredigten Wortes, das sich in der Vielzahl der Gottesdienste und der Länge der Predigten widerspiegelt, und versinnbildlicht die Einheit von Sakrament, Anbetung und Verkündigung — das Kernstück lutherischer Theologie und Frömmigkeit.
Die überragende Stellung des Pastors fördert die akustische und visuelle Verständigung zwischen Prediger und Gemeinde. Die Emporen führen auch zur Trennung der Geschlechter in der Kirche: die Männer saßen oben auf den Emporen, die Frauen und Kinder füllten unten das Schiff.
Den Kanzelaltar flankieren zwei Priechen mit kassettierten Füllungen, Oberlicht und abschließendem Oberlaufgesims. Sie verdecken etwas die Voluten. Ihre Außen- Gliederung korrespondiert weder zu Türen noch Kanzelaltar. Sie sollen zur Erstaustattung der Kirche gehören. Die unharmonische Verbindung von Türen, Priechen und Kanzelaltar lässt die Frage entstehen, ob verschiedene Handwerker tätig waren oder ob sie zu unterschiedlicher Zeit gebaut wurden. Gleichfalls erfordern die Gräber von 1761,
Der alte Kanzelaltar von 1747 mit den Priechen
von denen berichtet wird, einen Freiraum dort, wo jetzt die
südliche Prieche steht.
Einer Notiz ist zu entnehmen, dass die Prieche an der Süd-
seite ursprünglich nicht dem Aufenthalt des Pfarrers diente. „Die Klagen, daß der enge Raum hinter der Altarwand zum Aufenthalt des Predigers während des Gottesdienstes, nicht nur unzweckmäßig, sondern auch ungesund sey, sind sehr gegründet, und schlage daher vor, den entbehrlichen Stuhl aufdem Chore zunächst der Altarwand, zu diesem Behufeinzurichten. “
Wozu diente der entbehrliche Stuhl, gemeint ist die Prieche, die heute von dem Pfarrer genutzt wird? Gab es noch einen Beichtstuhl? Obgleich in protestantischer Zeit noch die Beichte gepflegt wurde, ist von einem Beichtstuhl jedoch nirgendwo in den Akten die Rede.
Emporen und Priechen stehen vor den Fenstern. Bau und Innenausstattung sind nicht aufeinander abgestimmt.
Der Taufstein
Im Altarraum, eine Stufe erhöht, steht der Taufstein aus hellem Sandstein aus dem Jahr 1698. Eine detaillierte Beschreibung durch Frau Gisela Aye M. A., Lüneburg, wird als eigenständiger Beitrag gegeben (S. 24).
Das Gestühl
Den Fußboden des ebenerdigen Kirchenraums deckten ursprünglich Sandsteinplatten, sowohl in den Gängen als auch unter den Bänken im Schiff, den sog. Frauenstühlen (Bänke). Eine dreiflügelige Emporenanlage wurde zum Platz der Männer. Kirchgang war Pflicht: Gottes-Dienst. Jedes Gemeindeglied hatte seinen eigenen Platz. Für die Plätze war eine Gebühr zu entrichten. (s. Beitrag „Der Sitzplatz in der Kirche“, S. 44).
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THIE-BOTE Nr. 3
Blick von oben 1995
Eine Tonnendecke überdeckte Schiff und Altarraum in gleicher Höhe. Sie besaß nicht einen halbkreisförmigen, sondern einen parabolischen Querschnitt. Schmiedeeiserne Nägel, deren Köpfe im Jahre 2000 noch vom Erstanstrich überdeckt waren, hielten die Bretter. Der Planungsvorschlag aus dem Jahre 1737, im Turm einen Holzboden für die Getreide-Lagerung zu bauen, anstelle des Dachbodens, der sich dafür nicht mehr eignete, wurde offensichtlich nicht realisiert.
„Endlich ist auch auszuführen, daß nach dem ... Abriß
. auf der Kirche gar kein Boden bleibe, die etwa aufzunehmende Kirchen Früchte hinzuschütten, und ... giebet man dennoch zur Überlegung anheim ob nicht um solchen soll etwa auf dem Thurm ein Ständerwerk von Holtz aufzusetzen, um darein Boden Früchte zu schütten, ... Göttingen den 31. Dezember 1737 A. Leschen“.
Die östliche Turm-Mauer wurde durchbrochen und ein großer Bogen gemauert, um den Turmraum mit dem Kirchenschiff zu verbinden. Der Turm erhielt einen neuen Holzausbau. Eisenanker in den Mauern gaben zusätzliche Sicherung wegen der Risse.
Die alte Orgel wurde aus dem Chor genommen und auf die neue Orgelempore gestellt. Sie diente als Begleitinstrument beim Gemeindegesang. (S. 28)
Das Dach
Der Dachstuhl des Krüppelwalmdaches ist ein harmonisches, präzises und aus der Erfahrung von Jahrhunderten geborenes Zimmermannswerk, das die Dachlasten auf die Mauern leitet. Ihm wird eine eigene Darstellung gewidmet (S. 42). Die Dachziegel sollten gemäß den Voranschlägen aus einer Göttinger Ziegelei stammen.
Weitere Veränderungen
Wenn man bedenkt, dass der Konservator im Jahre 1995 fünf Farbanstriche am Gestühl ermittelt hat, dann mag man sich vorstellen, dass im Laufg,. der Zeit eine Vielzahl von Veränderungen an der Kirche von 1747 an vorgenommen sind, die in Gesamtheit aufzulisten jetzt und hier nicht möglich ist. Deshalb seien nur einige Beispiele genannt.
Am Ende des 18. Jahrhunderts wurden zwei kleine Priechen in der Kirche aufgestellt. Sie waren in die vordersten Bänke eingeschnitten, überbrückten die Altarraumstufe und lehnten sich an die großen Priechen an. An der nördlichen von ihnen gab es eine Halterung für Fahnen. In der südlichen wurden zur Weihnachtszeit die Krippenfiguren aufgestellt. Beide wurden bei der Wiederherstellung der Kirche im Jahre 2000/2001 nicht wieder eingebaut.
Im Jahre 1833 erfolgte eine Hauptreparatur des Turms. Dabei wurden die Außenmauern ausgebessert. Zwei Maurergesellen waren mehr als 12 Tage beschäftigt. Dies mag den Umfang der Arbeit verdeutlichen.
Die Kirche wird unterhalb der Decke durchquert von vier Eisenankern, die in der Mitte ein Schraubenschloss zum Anziehen besitzen. Sie dienen zur Sicherung der Seitenmauern der Kirche, denn bereits im Jahre 1871 wurde eine Neigung aus dem Lot von jeweils 15 cm festgestellt. In jedem vierten Sparrengebinde sind die Füße der Sparren durch diese Zugstangen verbunden, um einen nach außen gerichteten Schub des Dachwerks auf die Mauern abzufangen und eine weitere Kippung der Mauer zu unterbinden.
Auf das ursprüngliche Tonnengewölbe wurde im Jahre 1962 eine zweite Dielung aufgenagelt.
Im Jahre 1845/46 wurde die Orgel durch eine neue Orgel ersetzt. E. Dietert gibt eine ausführliche Beschreibung in seinem Beitrag „Die Geschichte der Orgeln“ (S. 28).
Anders als bei der Vorgänger-Kirche ist es hier möglich, die Veränderungen an der Kirche und in der Gemeinde im Laufe der ca. 250 Jahre ihres Bestehens an den Kirchenakten
aufzuspüren. Dies wird eine Aufgabe für die Zukunft sein. Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Der Taufstein der Kirche St. Martin zu Roringen
Eine quadratische, gestufte, leicht abgerundete Plinthe (Basisplatte) ist der Sockel für die S andsteintaufe.
Der Schaft steigt zunächst oktogonal nach oben bis zu einem schmalen achteckigen Wulstband und entwickelt sich dann zu einer Säule. Die Seiten des achteckigen Teiles sind mit Diamantquaderung geschmückt.
Beginnend mit einem gezogenen Manschettenband, ist ein zweiter Steinblock passgenau aufgesetzt, so dass die Ansatznaht gut verdeckt ist und die Taufe aus einem Stück gearbeitet zu sein scheint.
Der obere Säulenschaft geht in die nach außen gewölbte, dann konisch ansteigende Cuppa (eigentlich: Becher; bei Taufen ist damit immer der obere Teil des Steines zur Aufnahme der Taufschale gemeint) über. Ein gegliedertes Band, das über den oberen Rand hinaus ragt, schließt die Cuppa ab.
In die Cuppawandung ist die Jahreszahl (der Entstehung) eingraviert:
Die Schalenvertiefung der Cuppa ist als Halbschale gearbeitet. Zur Tauffeier wird dort eine Zinnschale von 1741 mit der Inschrift Gott zu Ehren eingestellt.
Die Taufe ist außer der vergoldeten Schrift ungefasst.
Allerdings sind am Schaft und an der Cuppa Farbreste in rot, schwarz und weiß auszumachen. Von einer früheren Bemalung kann also ausgegangen werden.
Auf dem Abschlussrand der Cuppa sind Verankerungen einer früheren (Deckel) Halterung erkennbar.
Der Stein zeigt rötliche und flächige gelbliche Mineraleinschlüsse. Am oberen Rand des unteren Steinblocks sind kleine Stücke ausgebrochen. Vermutlich ist Trendelburg- Sandstein des mittleren Buntsandsteins verarbeitet worden.
Die Taufe steht nordwestlich vom Altar im Chor.
Da die Kirche in ihrer jetzigen Form erst 1747 erbaut wurde, muss der 1698 datierte Taufstein schon im Vorgängerbau gestanden haben, vermutlich in der Mittelachse im Kirchenschiff. Ob die Taufe gleich in den damaligen Neubau übernommen wurde oder zunächst ausrangiert wurde, weil der neue Kanzelaltar in seinen Altarschrankenpfosten auch eine zeitgemäße neue Taufe enthielt, ist nicht nachgewiesen. Aufden Bauzeichnungen ist kein Taufstein vermerkt.
Eine Taufe gleichen Aussehens befindet sich in der Kirche zu Herberhausen. Allerdings ist sie ein Jahr früher, 1697 laut Gravur im oktogonalen Sockelbereich, in die Kirche gekommen. Im Durchmesser des Sockels und Schaftes so wie in der Ornamentierung des unteren Schaftabschnittes sind sie nahezu identisch. Im oberen Bereich ist die Taufe in Roringen gestreckter und der Cuppadurchmesser um acht
Zentimeter größer. Gisela Aye M. A.
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THIE-BOTE Nr. 3
Gräber in der Kirche
Funde in der Kirche
Im Dezember 2001 wurden in der Kirche im Bereich der Priechen längs der Innenmauern Gruben für Betonfundamente der Heizung ausgehoben. Gleichzeitig entsorgte man auch den mit Löschwasser kontaminierten Boden im Mittelgang. Im Aushub fanden sich Knochen. Der Grube auf der Südseite des Chores werden Schädel- und Halswirbelknochen, dem Aushub aus dem Mittelgange Arm- und Oberschenkel-Knochen auf Grund des anhaftenden Materials zugeordnet.
Wer waren die Menschen, die in der Roringer Kirche ihre letzte Ruhestätte fanden? Wann wurden sie beerdigt? Warum gerade in der Kirche?
Das Kind
Aus dem Aushub der Grube an der Südseite des Chorraums stammen Knochen eines Gesichtsschädel mit Oberkiefer, der 1. und 2. Halswirbel und das rechte Schulterblatt. Der Unterkiefer, weitere Halswirbel oder die an das Schlüsselbein angrenzenden Knochen wurden nicht gefunden. Die Baugrube schnitt demnach nur das Kopfende eines Grabes an.
Die 11 Zähne, die noch im Oberkiefer stecken, gehören zum bleibenden Gebiß. Sie zeigen keine Schäden oder Spuren der Abnutzung auf der Kau-Fläche. Es sind Zähne eines jungen Menschen. Der jeweils zweite Backenzahn hat bereits den Kiefer durchbrochen und fast die Kauebene erreicht. Die beiden dritten Backenzähne (Weisheitszähne) sind angelegt, aber noch nicht durchgebrochen. Diese Befunde lassen auf ein Alter zwischen 8 und 14 Jahren schließen. Der Kiefer ist der eines Kindes. Die Knochen sind unverfärbt.
Der alte Mensch
Aus Aushub im Kirchenschiff stammen Arm- und Oberschenkelknochen. Sie unterscheiden sich durch die braune Verfärbung deutlich von den unverfärbten Schädelknochen. Der Oberschenkelknochen ist stark verkalkt. Dies spricht für einen alten Menschen (60+ Jahre) und ein Leben, das durch Mühe und Arbeit geprägt war.
Art der Bestattung
Im Altarraum wurde die Baugrube für die Heizung bis in 0.7 m Tiefe unter Fußbodenniveau geführt. Das Kindergrab konnte seinerzeit höchstens bis zu dieser Tiefe aufgehoben worden sein. In noch geringerer Tiefe wurden die Knochen im Schiffergraben.
Bei dieser Tiefe ist eine Sargbestattung undenkbar. Es ist zu vermuten, dass die Bestattung in einem Leichentuch erfolgte. Es bleibt die Frage, in welcher Grö-ßenordnung Setzungen über einer Leiche in maximal 0.7 m Tiefe erfolgten und wie sie in einem benutzten Kirchenraum ausgeglichen wurden.
Kirchenbestattungen
In frühchristlicher Zeit herrschte Wunsch und Brauch, möglichst nahe bei den Heiligen, d.h. in der Nähe des Altars bestattet zu sein. In Kirchen kennen wir prunkvolle Grabmale von Herrschern, in Kathedralen gehen wir über die vielgestaltigen Grabplatten von Bischöfen. Für reiche Bürger und Pastoren war es geradezu die Regel, so schreibt J. Döring in seiner „Geschichte der alten Göttinger Friedhöfe“ (1983), sich im Kircheninnern bestatten zu lassen. Die Preise für eine Grabstelle im Chor waren etwa doppelt so hoch wie ein Platz in einiger Entfernung — eine gern genutzte Einnahmequelle der Kirchen.
Es herrschte im 18. Jahrhundert auch Furcht vor Übertragung von ansteckenden Krankheiten durch die verwesenden Leichen, denn bei der Verwesung traten „besorglich schädliche Ausdünstungen“ in den Kirchenraum. Die Stadtkirchenkommission Göttingens empfahl im Jahre 1777 infolge der zunehmend rationalen Betrachtung von Tod und Begräbnis, Bestattungen in den Kirchen zu mindern oder zu unterlassen. Nach dem Jahre 1780 ist in Göttingens Stadtkirchen keine Bestattung mehr nachzuweisen.
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THIE-BOTE Nr. 3 MAI 2006
Das Kirchenbuch
Es lag somit nahe zu vermuten, dass das Kindergrab in 1797 durchsucht. Das Ergebnis war überraschend. Es fanden der neuen Roringer Kirche angelegt worden war, also nach sich.dort nämlich folgende Eintragungen: 1747 und vor 1800. Deshalb wurde das Roringer Kirchen- Durch die Hand des Friedrich Andreas Apel, der von 1744 buch, das die Sterbefälle verzeichnet, für die Jahre 1747- bis 1761 Pfarrer in Roringen war.
„1761 Den 25. Aug. morgens um 4 Uhr ist meine liebe seel. Schwiegermutter Anna Elisabethe Reineke, seel. Johan Georg
Fraantz (?) Hinterlassene wittwe im 80. Jahr ihres Alters seelig nach ausgestandener 10tägiger Krankheit an der Ruhr verstorben, u. den 26. darauf in der Kirche in der Stille niedergesetzet worden.
Tages darauf als dem 26. Aug. ist mein jüngster Sohn Carl Georg Wilhelm des abends um 11 Uhr an eben der Krankheit nehmlich an der Ruhr im 9ten Jahr seines Alters seelig verstorben, u. ist sein Leichnam neben der Leiche seiner seel. Großmama in der Kirche des folge... Tages in der Stille beerdigt worden.
Den 4. Septembr. des Nachmittags um 3 Uhr ist mein lieber Sohn ein Studiosus Theologiae Johan Georg Apel gleichfalls an der Ruhr im 17ten Jahre seines Alters sanft und seelig verstorben, und den 6ten eiusdem [d.h. des gleichen Monats] in hiesiger Kirche unter den beyden erstbenannten Leichen in der Stille beygesetzet worden. “
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THIE-BOTE Nr. 3
Aus der Zeit des Johann Daniel Kaufmann, der von 1761 bis 1785 Pfarrer in Roringen war, stammen folgende
Eintragungen:
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Den Sten May ist meine & zeitigen Pastoris Kaufmanns Big Cath. Elise geb. Muhlert aus Göttingen, des gewesenen Stadt-Deputirten und Markt-Meisters daselbst Justus Christoph Kaufmanns nachgelassene Witwe, in einem Alter von 87
Jahren Todes ver...., über under den Frauen Stühlen beigesetzet worden.
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und den 12ten eiusdem [des selben Monats] in der Stille in hiesiger Kirche, gerade gegen der Kirch-Thür
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Am lOten April ist der hiesige Prediger Ehren Johann Daniel Kauffmann ...
1727 am 28ten Octobr. in Goettingen
gebohren, seit Mich. [Michaelis] 7761 hieselbst das Amt eines evangelischen Predigers treu geführet, an einem hektischen Fieber seelig entschlafen und am 17ten im ... Chor vor dem Altar begraben. Alt: 57 Jahr 5 1/2 Monath.“
Zuordnungen
Das Kirchenbuch verzeichnet insgesamt 5 Gräber, die zwischen den Jahren 1761 und 1785 in der neuen Kirche und zwar während der Amtszeit der Pastoren Apel und Kaufmann angelegt wurden. Der gefundene Kindesschädel dürfte dem 9-jährigen Pastorenkind Carl Georg Wilhelm Apel, der am 26. August 1761 starb, zuzuordnen sein. Die Beinknochen des hoch betagten Menschen aus dem Mittelgangsbereich mögen vielleicht von der 87 jährigen Pastorenmutter Catharina Elise Kaufmann stammen.
Pastor Kaufmann wurde in der Roringer Kirche noch im Jahre 1785 begraben, zu einer Zeit, als es in Göttingen schon untersagt war, Tote in der Kirche zu beerdigen. Im Jahre 1794 wurde der Sohn des Pastors Muth bereits auf dem Friedhof beigesetzt. Wenige Jahre später heißt es im Güter- Verzeichnis (Corpus Bonorum) von 1798 $ 27:
In der Kirche selbst werden keine Todte beerdiget.
Lage in der Kirche
Die Lage des Grabes des Pastors Kaufmann ist recht eindeutig bezeichnet: vor dem Altar. Üblicherweise wurden die Toten mit dem Gesicht gen Osten oder zum Altar bestattet.
Die Position des Kindesgrabes ergibt sich auf dem Fund der Schädel- und Halsknochen in der Baugrube. Da Körper-
Knochen fehlen, dürfte eine Nord-Süd-Ausrichtung mit dem Gesicht zum Altar die einzig mögliche gewesen sein. Es bliebe angesichts der unharmonischen Verbindung von Priechen und Kanzelaltar zu prüfen, ob die südliche Prieche zum Zeitpunkt der Beerdigung schon bestanden habe. Das Grab Großmama Anna E. Reineke jedoch, an deren Seite er bestattet wurde, wurde von der Baugrube nicht erfasst. Gleiches gilt für das des älteren Bruder.
Gegenüber der Kirchentür unter den Bänken für die Frauen wurde vermutlich des Pfarrers Mutter, Frau C. E. Kaufmann, beigesetzt.
Begraben und vergessen
Das dramatische Geschehen in der Familie des Pastors Apel, der innerhalb von 10 Tagen drei Familienmitglieder verlor, wird in diesen kurzen, sachlichen Notizen, die der Vater als Pastor ins Kirchenbuch einzutragen hatte, sichtbar.
Wo aber wurden Pastor Apel und die früheren Pastoren beerdigt? Gab es Kirchenbestattungen schon in der Vorgängerkirche? Wir wissen bisher nichts darüber.
Die Erinnerung an die Gräber in der Kirche hat sich im Gedächtnis des Dorfes nicht erhalten. Es wird hiermit erneuert.
Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Geschichte der Orgeln
Die Krebs-Orgel
Im Jahre 1722 berichteten die Vorsteher der Gemeinde Roringen an das Consistorium in Hannover, dass „sie vorhabens wären, in unserer Kirche Roringen ein Positiv [eine Kleinorgel ohne Pedal] zu setzen, indem man bisher öffters dran gedacht, niemand aber angetroffen, der selbiges hätte spielen können.“ - Nun aber sei „der jetzige Schuel- Adjunctus [Hilfslehrer] umb dieser Uhrsache halben angenommen“ und wolle die Gemeinde also die schon länger erwogene Anschaffung verwirklichen; allerdings würde es ihr schwer fallen, deren Preis, der „auff 60 thlr. sich belauffen würde“, aufeinmal aufzubringen.
Am 21.7.1725 wurde dann schließlich zwischen „Pastor, Schultzen und Vorsteher der Gem. Roring[en]“ und dem Göttinger Orgelmacher Johan Jacob Krebs ein Kontrakt über den Bau einer kleinen Orgel mit acht Registern abgeschlossen, „da denn solches Christl. Vorhaben als ein gott gefälliges Werk zu Ewig[en] Zierden und Monument Unseres Gotteshauses erwehlet, als Viellmehr Gott gefällige Andacht hiedurch zu erwecken.“ Der Preis betrug anscheinend 80 Thaler, wozu aus der Kirchenkasse zehn Thaler und vom Göttinger Magistrat sechs Thaler zugeschossen wurden; das Übrige musste die Gemeinde - d. h. die Einwohnerschaft - aufbringen. Die Belege über Zahlungen an den Orgelbauer reichen zwar bis in das Jahr 1727, doch dürfte die Orgel wohl schon im Jahre zuvor fertiggestellt und in Benutzung genommen worden sein. Wie bei manchen anderen Arbeiten von Krebs gab es aber anscheinend auch hier schon bald nach der Fertigstellung des Werkes Anlass zu Beanstandungen: 1729 und nochmals 1732 wurde die Orgel durch auswärtige Sachverständige geprüft und die dabei vorgefundenen - leider nicht im Einzelnen überlieferten - „errores“ [Fehler] angezeigt; doch erst für das Jahr 1742 ist eine Reparatur durch Krebs belegt.
In einer 1736 angefertigten Entwurfszeichung für einen ins Auge gefassten Umbau der Kirche hat der Baumeister auf einer geplanten neuen Empore im Turmraum eine Orgel eingezeichnet, die wahrscheinlich als Darstellung der - an diese Stelle umzusetzenden - Krebs-Orgel anzusehen ist.
Als man dann der Ausführung des Um- bzw. Neubaus der Kirche näher trat, erhielt im Jahre 1745 aber nicht Krebs, sondern der ebenfalls in Göttingen ansässige Orgelbauer Johann Willhelm Gloger den Auftrag, „die Orgel ab- und auseinander zu nehmen und an einen gewißen Ort verwahrl[ich] zu bringen“. Jedoch wurde drei Jahre später wieder Krebs damit betraut, „die Orgel in die neüe Kirche zu bringen, solche aufzustellen, und zu repariren”.
Bauzeichnung (Umbauentwurf) von 1736
Funktionsprobleme und Neubauplanungen
Die weitere Geschichte dieser ersten, offenbar nicht mit der nötigen Sorgfalt gebauten Orgel der Roringer Kirche findet sich in einem Bericht des Bauermeisters und der vier Vorsteher der Gemeinde Roringen vom 22.1.1834 folgendermaßen knapp zusammengefasst: „Bis zum Jahre 1790 konnte sie bey Führung des Kirchengesangs gebraucht werden[.] Von dem Jahre 1790 bis 1817 ist selbige nicht gespielt. Jm Jahre 1817 wurde sie reparirt, wodurch der Gemeinde ein Kosten von mehr als 100 rt. erwachsen ist. Da das Orgelwerk in allen seinen Theilen in einem sehr schlechten Zustande vom Anfange an gewesen ist, so konnte durch diese Reparatur auf die Dauer sie nicht hergestellt werden. Abermal wurde sie im Jahre 1824 reparirt, welches der Gemeinde Roringen einen Kosten von 22 rt. verursachte. Jetzt ist diese Orgel wieder in dem Zustande, daß sie bey der Führung des Kirchengesangs nicht mehr gebraucht werden kann. Einen Orgelbauer zogen wir herbey, der diese Orgel abermal repariren möge, welcher aber versicherte, daß sie keiner Reparatur fähig wäre. ... Die Gemeinde Roringen wünscht aber doch, daß ferner ihr Kirchengesang mit einer Orgel begleitet werden möchte; daher entschloß sie sich|,] eine neue Orgel anzuschaffen. “
Zu dem letztgenannten Zwecke hatte der Gemeindevorstand bereits im Herbst 1833 ein Gesuch „um Erlaubniß zum Verkaufe von 1’; Morgen Gemeinde-Land behuf Herbeischaffung der Kosten eines Orgelbaus“ an die Landdrostei Hildesheim gesandt, war von dieser aber darauf verwiesen worden, dass zunächst über das Bauprojekt selbst unter Vermittlung der Kirchen-Commission mit dem Consistorium zu verhandeln sei. Daraufhin wurden von zwei Orgelbauern Kostenanschläge für einen Neubau sowie ein
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Gutachten darüber von Georg Weiß, dem Organisten an St. Johannis in Göttingen, eingeholt. Dieser lobte den Entwurf von Conrad Euler aus Gottsbüren im hessischen Reinhardswald (mit Zweitanschrift in Wahmbeck, um im Königreich Hannover als „Inländer“ zu gelten!), der für 403 Thaler eine Orgel mit acht Registern im Manual, wovon drei aus der alten Orgel übernommen werden sollten, und zwei Registern im Pedal liefern wollte. Auf die kostengünstiger erscheinenden Vorschläge des zweiten Bewerbers Heinrich Christoph Greve aus Lauenberg bei Dassel - der sich hinsichtlich seiner Arbeit ebenso wie seinerzeit Krebs keines guten Rufes erfreute - ging Weiß hingegen gar nicht näher ein.
Alle diese Papiere übersandte der Gemeindevorstand mit seinem Bericht vom 22.1.1834 an die Kirchen-Commission „mit der Bitte solche an das Königl. Cons. zu Hannover ... zu befördern“, damit dieses das Orgelbauvorhaben - und eine finanzielle Beihilfe dazu aus dem Kirchenvermögen - genehmigen möge. Der wenige Tage später abgefasste Bericht der Kirchen-Commission blieb jedoch (wie sich später herausstellen sollte) beim Superintendenten liegen, wo er erst nach dessen Tode entdeckt und dem Consistorium zugeleitet wurde!
Mittlerweile hatte die Gemeinde zunächst im Oktober 1834 bei der Kirchen-Commission an die Sache erinnert (wobei sie bereits anmerkte, dass sie Euler mit dem Orgelbau zu beauftragen wünsche) und dann schließlich - „salva ratificatione [unter Vorbehalt der Genehmigung] des Hohen Königl. Consisto[rii] zu Hannover“ - am 30.1.1835 mit Euler auf Grund eines neuen Kostenanschlages einen Kontrakt abgeschlossen: Euler hatte nun den Bau einer vollständig neuen Orgel mit etwas abgeänderter Disposition (sieben Register im Manual und drei im Pedal) vorgeschlagen und dafür 428 Thaler gefordert, sich dann aber auf 390 Thaler herunterhandeln lassen und obendrein noch zustimmen müssen, für 15 Thaler die alte Orgel in Zahlung zunehmen.
In Ermangelung einer Antwort der übergeordneten Behörden geschah jedoch zunächst einmal nichts, bis Pastor Dorsch am 16.9.1836 beim Superintendenten erneut an das Vorhaben erinnerte und zum gegenwärtigen Stand berichtete: „Die hiesige Orgel ist jetzt in einem so schlechten Zustande, daß sie fast nicht mehr gespielt werden kann, und sollte dieser traurige Fall eintreten, so würde dadurch dem hiesigen Schullehrer der jährliche Organisten-Gehalt ad 8 rth. Cass. Mz., was für einen Schulmann viel sagen will, dadurch entzogen werden (auch ein interessantes Argument für die Instandsetzung bzw. den Neubau einer Orgel!) und der Gesang beym öffentlichen Gottesdienste, ..., an Feyerlichkeit sehr verlieren.“ Vermutlich auf Grund dieses Schreibens wurde in der Superintendentur der oben erwähnte Bericht samt Anlagen wieder aufgefunden und an das Consistorium gesandt, wo er am 26.9.1836 eintraf. Doch auch diese Maßnahme war der Sache wiederum nicht so recht dienlich, denn die darin enthaltenen Kostenanschläge waren nach mehr als zweieinhalb Jahren ja gar nicht mehr aktuell. Aber das Consistorium ließ nun natürlich zu jenen - und nicht etwa zu dem ihm gar nicht vorliegenden Kontrakt
von 1835 - ein Gutachten des hannoverschen Organisten J. F. Lahmeyer anfertigen. Dieser lobte, ebenso wie schon Weiß, den Entwurf von Euler und empfahl lediglich, möglichst noch einen Bordun 16' im Manual hinzuzufügen, um diesem "die wahre Würde des Tons" zu geben [das besagte Register klingt eine Oktave tiefer als die Normallage und verleiht dem Klang dadurch eine sonore Fülle]. Weiter schrieb er: „Von dem Orgelbauer Euler darf die Gemeinde erwarten, eine schöne und dauerhafte Orgel zu erhalten, denn dieser Meister bestrebt sich allezeit, mit seiner Arbeit Ehre einzulegen, und darum darf man ihn zu jeder Orgelarbeit sicher empfehlen. - Zum Orgelbauer Greve wäre auf keinen Fall zu rathen, der Anschlag desselben verräth keinen großen Meister. ... - Die Gemeinde Roringen hüte sich wohl, mit diesem Manne zu contrahiren. “
Einem Auftrage des Consistoriums an die Kirchen- Commission und einem dementsprechenden Auftrage von dieser an den Bauermeister der Gemeinde Roringen folgend wurde dann am 10.11.1836 „Nachmittag 2 Uhr im Wirthshause des Krugwirths Magerhans“ eine Gemeindeversammlung abgehalten, um in der Orgelbaufrage Beschlüsse zu fassen. Und diese lauteten:
1. „Der am 30sten Januar 1835 mit dem Orgelbauer Euler abgeschlossene Contract stelle sich als sehr vortheilhaftund zweckmäßig dar, und solle in Kraft bleiben“.
2. Die Erweiterung um einen Bordun 16' müsse unterbleiben „wegen mangelnden Raumes namentlich wegen fehlender Höhe“.
3. Wegen Zahlungsschwierigkeiten der Gemeinde (u. A. im Zusammenhang mit der Zehntablösung) müsse aber überhaupt „der Bau der neuen Orgel noch ein paar Jahre ausgesetzt bleiben. “
Die Ausführung des Orgelneubaus lag also ein zweites Mal vorerst auf Eis.
Ein neuer Anlaufzum Orgelneubau
Ganz aus den Augen verlor man dieses Projekt aber nicht, zumal in den folgenden Jahren merklich preisgünstigere Angebote von zwei anderen Orgelbauern unterbreitet wurden: Ein nur in undatierter Abschrift vorliegender Entwurf von Joh. Wilhelm Schmerbach aus Frieda bei Eschwege belief sich auf 370 Thaler, und in einem am 4.12.1839 aufgestellten Kostenanschlag wurden von August v. Werder aus Elliehausen sogar nur 250 Thaler gefordert, wobei Ersterer die alte Orgel mit 20, Letzterer hingegen mit 30 Thalern in Zahlung nehmen wollte. Der Gemeindevorstand fand mit Blick auf seine ziemlich leere Kasse besonderes Gefallen an dem letztgenannten Angebot, aber auch für dessen Ausführung galt es das Geld erst einmal zusammenzubringen.
In einem Bittschreiben an die Klosterkammer schilderte die Gemeinde am 6.4.1843 ihre Absicht, zur teilweisen Aufbringung der Kosten „Holz aus der ihr zustehenden Forst zum Verkaufe zu bringen “ - vor Allem aber äußerte sie ihre Hoffnung auf eine finanzielle Unterstützung der Klosterkammer, die, „wie uns bekannt geworden, schon oft zu kirchlichen Zwecken gnädige Beihülfen zu bewilligen Sich bewogen gefunden, und so wagen auch wir es,
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THIE-BOTE Nr. 3
Hochderselben Mildthätigkeit für unsere bedürftige Kirche in Anspruch zu nehmen, und in Ehrfurcht um Bewilligung eines Gnaden-Geschenks zu dem projectirten Neubau einer Orgel für unsere Kirche zu bitten
Wir fürchten nicht mit unserer Bitte ganz zurück gewiesen oder enthört zu werden, wenn wir beiläufig uns zu bemerken erlauben, daß Hohe Königl. Kloster-Cammer unserer Gemeinde durch den Besitz eines Gartens in unserem Orte nebst dem Wohnhause für den Klosterpächter und vieler Ländereyen in deren Feldmark unter der Verwaltung des Königl. Kloster-Amts Weende schon in dieser Beziehung nicht ganz fern steht.“
Die Klosterkammer fand das Vorhaben anscheinend wohl förderungswürdig, zugleich aber auch, dass diese Förderung aus einer anderen Kasse erfolgen sollte, und leitete das Gesuch der Gemeinde weiter an das zuständige Ministerium. Nachdem dann im Frühjahr 1844 der Gemeindevorstand noch einmal die Dringlichkeit seines Anliegens in Erinnerung gebracht hatte - „da das vorhandene alte Werk jeden Augenblick gänzlich stehen zu bleiben droht, und bei dem Gottesdienste fast störend einwirkt, um so mehr werden wir es wagen dürfen, Königliche hohe Kloster-Cammer um hochgeneigteste Beförderung der uns so wichtigen Angelegenheit ehrerbietigst zu bitten, zumal der herannahende Sommer die passendste Zeit darbietet, um den beabsichtigten Bau aus- und zum Ziele zu führen“ - teilte diese endlich am 5.6. 1844 dem Bauermeister Brinckmann mit, „daß Königliches Ministerium der geistlichen und Unterrichts-Angelegenkeiten mittelst Rescripts vom 30" Mai d. J. der Gemeinde Roringen behuf Anschaffung einer neuen Kirchen-Orgel ein Gnaden-Geschenk von Fünfzig_rthr. Courant aus der Königlichen General-Casse zu bewilligen geruht hat“.
Jetzt konnte man konkrete Schritte tun. Am 20.6. sandte der Bauermeister eine Mitteilung an den Vater des Orgelbauers v. Werder: „Der Neubau der hiesigen Kirchenorgel kann jetzt den Anfang nehmen. Wir ersuchen Sie daher mit ihrem Herrn Sohne zu mir zu kommen um mit Jhnen in Unterhandlung zu treten“, schon am 24.6. setzte dieser einen neuen Kostenanschlag auf (der sich nun 365 Thaler abzüglich 20 Thaler für die alte Orgel belief), und auf dem vorgeschriebenen Dienstwege über die Kirchen-Commission wurde dann der neue Entwurf dem Consistorium zur Begutachtung und Genehmigung zugeleitet.
Pastor Dorsch erwähnt dazu noch in einem Bericht vom 26.6.: „Der Ortsvorstand will auch um ein donum extraordinarium aus dem Aerario der Kirche [einen außerordentlichen Beitrag aus dem Kirchenvermögen] gehorsamst nachsuchen. “
Entsprechend der Zeit des ermeuten Wartens auf die entsprechenden Genehmigungen bietet es sich an, hier die Behandlung einer speziellen Frage einzuschieben:
Die August v. Werder Orgel von 1846
Wer war der Orgelbauer August v. Werder’?
Und wieso sollte er eigentlich in Begleitung seines Vaters zu den Verhandlungen mit der Gemeinde erscheinen? - Nun: Er wurde damals erst gerade 25 Jahre alt und nach damaligem Recht also eben erst jetzt volljährig (das genaue Geburtsdatum wusste der Bauermeister sicherlich nicht). Nichtsdestoweniger hatte der junge Mann aber neben einigen Reparaturen bereits sieben Orgelneubauten ausgeführt.
Eine Lehre als Orgelbauer hatte er allerdings nicht vorzuweisen, sondern „nur“ eine Tischlerlehre. Doch hatte sich sowohl sein Lehrherr als auch - z. T. in Zusammenarbeit mit diesem - sein Vater, der von Beruf Schullehrer und Organist war (und seinen Sohn bei dessen Arbeit anfangs tatkräftig unterstützte), mit Orgelreparaturen befasst und sogar an Neubauten versucht. August v. Werder hatte sich, seinem musikalischen Interesse folgend, dafür entschieden, im Orgelgelbau sein eigentliches Arbeitsfeld zu suchen, und sich im Anschluss an seine Lehre durch etwa einjährige Arbeit in einer hannoverschen Orgelbauwerkstatt fortgebildet, dann aber bereits im Alter von 19 Jahren in Göttingen seinen ersten selbständigen Orgelneubau ausgeführt.
Sorgfalt in der handwerklichen Ausführung und musikalischer Geschmack in der klanglichen Gestaltung wurde seinen Arbeiten von den Gutachtern immer wieder bescheinigt. Man darf ihn wohl als ein „Naturtalent“ bezeichnen, wenngleich gelegentlich auch der Mangel einer gründlichen Ausbildung und entsprechender Erfahrungen (insbesondere hinsichtlich neuerer Techniken) spürbar wird. Seine Wohnung und Werkstatt verlegte A. v. Werder 1845 nach Northeim und 1851 nach Höckelheim, wo er im Jahre 1882 starb.
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THIE-BOTE Nr. 3
Die v.-Werder-Orgel
Nachdem das Consistorium den Kostenanschlag hatte begutachten lassen und im Oktober den entsprechenden Bericht übersandte, schloß der Gemeindevorstand im November mit v. Werder einen Kontrakt über den Bau einer neuen Orgel mit acht Registern im Manual- und drei Registern im Pedalwerk (unter Ersteren nun übrigens doch ein Bordun 16'). Bei der Ausführung im Jahre 1845 nahm v. Werder noch eine kleine, technisch interessante Änderung vor: Statt der üblichen Pedalkoppel, bei der das Manualwerk an die Pedalklaviatur angekoppelt und so von dort aus mitgespielt wird, wurden hier die Pfeifenreihen des Pedalwerkes um eine Oktave nach oben verlängert und durch einen mit „Douplet“ bezeichneten Zug die Pedalstimme in allen gezogenen Pedalregistern zugleich eine Oktave höher mitgespielt und dadurch verstärkt.
Das Instrument hatte in der für Dörfer üblichen bescheidenen Größenordnung eine doch abwechslungsreiche Palette an Klangfarben und einen insgesamt zwar fülligen, aber eher weich singenden als kraftvoll strahlenden Klang - passend zugeschnitten auf die Erfordernisse der normalen Gottesdienste, während man sich für große Festgottesdienste doch ein wenig mehr Glanz wünschen mochte. Am 9.2.1846 erstattete Pastor Dorsch der Kirchen-Commission über den Ablauf des Einweihungsgottesdienstes einen genauen Bericht. Darin heißt es zu Beginn: „... Am 3. Feb. a. c. ist die hiesige neue Orgel von d. H. D. Heinroth [dem Göttinger Universitätsmusikdirektor] revidirt, für fehlerfrej erklärt und am Sonnt. Septuag. - gestern - von mir eingeweihet worden. “ Und er schließt mit den Worten: „Die Kirche war von Einwohnern Roringens und der benachbarten Dörfer zahlreich besucht, so daß Bänke aus der Schule herbeigeholt werden mußten.
Es war ein wahres Freuden- und Dankfest. “
In früheren Jahrhunderten hatte man eine neue Orgel und ihren Erbauer öfters in einem langen Preisgedicht gewürdigt - hier nun hatte sich immerhin ein ungenannter Autor gefunden (der Pastor selbst?), der für den festlichen Anlass einen besonderen, im Gottesdienst gesungenen Liedtext verfasst hatte:
Das weitere Schicksal der v.-Werder-Orgel
So groß auch die anfängliche Freude über die neue Orgel war, stellte sich mit den Jahren doch eine gewisse Unzufriedenheit ein. Im Jahre 1859 klagte der Gemeindevorstand, dass trotz zehnjähriger Garantie „sich Werder um keinerlei noch so nöthige Nachbesserung bemühte, das Werk in vielen Theilen so unbrauchbar geworden, daß eine anderweitige Nachbesserung dringend erforderlich scheint“. Die notwendigen Reinigungs- und Reparaturarbeiten wurden im folgenden Jahre durch den Göttinger Orgelbauer Carl
Zur Orgelweihe zu Roringen am Sonntage d. 8ten Februar. 1846. Mel: Wie schön leucht uns der Morgenstern.
Jn Freudentönen werde laut Du Werk im Heiligthum erbaut den Herrn der Welt zu loben Wer gab den Erdensohn Verstand ? Und Aug und Ohr und Künstlerhand ? Das Gute kommt von oben. Singet, Ringet Andachtschöre! Jeder höre mit Entzücken
Wie Gefühle hoch beglücken.
Euch wird von Gott ein Herz verliehn: O, Christen fühlt und findet ihn, Und weiht ihm euer Leben! Der Ordnung und der Eintracht Geist Den jedes seiner Werke preißt Soll liebend uns umschweben. Jnnig, Sinnig Tont im Liede lieb und Friede, Trost und Hoffen Sänger schaun den Himmel offen.
So singet und spielet oft dem Herrn! Von keinem Frommen ist er fern: Entreißt euch hier dem Staube Gebet und Tugend im Verein Laßt eures Lebens Wohlklang sein, den Euch kein Unfall raube. Demuth, Wehmuth Wonn und Schmerzen laßt im Herzen sich entfalten Und zu Psalmen neu gestalten.
O, Herr, der uns zu Geistern schuf: Wir folgen deinem Vaterruf, Vor Dir uns zu vereinen. Vernimm bei heller Orgelklang den festlich hohen Preisgesang Der Dankerfüllten Deinen. Droben, Loben Dich die Lieder aller Glieder der Gemeinen Laßt uns jauchzend dort erscheinen.
Giesecke ausgeführt; dabei bemängelte dieser die seiner Meinung nach „äusserst dürftige Jntonation, der Unkenntniß des Erbauers zuzuschreiben, Durch eine umsichtige gewissenhafte Bearbeitung läßt sich die Orgel aber in einen guten und haltbaren Zustand versetzen da das Material und die Windladen nicht übel sind“. Ein weiteres Mal wurden derartige Instandhaltungsarbeiten 1883 durch Carl Heyder aus Mühlhausen vorgenommen.
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Orgelempore vor dem Brand von 1999
Im Ersten Weltkrieg (1914 - 1918) wurden die aus einer Legierung mit hohem Zinnanteil bestehenden Prospektpfeifen für Rüstungszwecke beschlagnahmt und erst zehn Jahre später durch Zinkpfeifen ersetzt. 1939 erfolgte ein weiterer Eingriff in den historischen Pfeifenbestand und die Klanggestalt der Orgel, als Paul Ott (Göttingen) ihr mit einer neuen Mixtur nach barockem Vorbild eine spitzere „Klangkrone“ verpasste. Noch weitergehende Umgestaltungspläne im neobarocken Sinne wurden in den 50er Jahren entworfen, aber zum Glück nicht ausgeführt. Stattdessen wurde die Orgel unter Denkmalschutz gestellt und im Jahre 1971 von Albrecht Frerichs (Göttingen) ihrem ursprünglichen Charakter entsprechend restauriert.
Bei dem Brand der Kirche am 7.11.1999 wurde das klangschöne und historisch interessante Instrument dann leider völlig zerstört.
Die Hillebrand-Orgel
Sofort nach dem Brand begann man - obgleich natürlich zunächst die Kirche selbst restauriert werden musste - auch schon mit den Planungen für den Bau einer neuen Orgel. Einerseits hegte man dabei zwar den Wunsch, dass diese "bis ins Detail angelehnt an die historische Vorgängerin" sein sollte, andererseits wollte man aber durch die Hinzufügung eines zweiten Manuals und einiger weiterer Register sowie auch durch die Vergrößerung des Tonumfanges bei derneuen Orgel die klanglichen Möglichkeiten erweitert sehen, um auf ihr ein breiteres Musikrepertoire spielen zu können. Diese Vergrößerung wirkte sich naturgemäß auch auf die Ausmaße und die Gestaltung des Gehäuses aus.
Ausgeführt wurde der Neubau in den Jahren 2001 bis 2003 durch die Firma Hillebrand (Hannover-Altwarmbüchen). Das neue, am 25.5.2003 eingeweihte Werk besitzt nun also zwei Manuale und insgesamt 16 Register, unter denen zwar die Namen sämtlicher Register der v.-Werder- Orgel wiederzufinden sind, ohne dass aber in technischer und klanglicher Hinsicht von einer detailgetreuen Anlehnung an diese gesprochen werden könnte. Nichtsdestoweniger hat die Roringer Kirche ein für ihre Größe sehr stattliches und farbenreiches Instrument bekommen.
Eike Dietert
Nach Quellen im Kirchenkreisarchiv Göttingen: Sup. Spec. Roringen A. 513.1 und KPZ 45, Pfarrarchiv RoringenA511 undA513.1., Kirchenrechnungen Roringen
Die neue Hillebrand-Orgel
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THIE-BOTE Nr. 3 MAI 2006 I 000 III MAI 2006 Die Glocken der St. Martins-Kirche (13. - 19. Jh.)
Im vergangenen Thie-Boten (2-2001) berichteten wir über die drei Bronze-Glocken, die seit 1966 das Geläut der St. Martins-Kirche bilden, und jene zwei Eisen-Glocken, die 1925 gegossen wurden und nun auf dem Kirchhof stehen. Was wissen wirüber die Glocken früherer Zeiten?
Historie der Glocken
Papst Sabinianus (Pontificat 604- 606) fügte dem Kreuz als dem sichtbaren Symbol des Christentums die Glocke als gleichwertiges, hörbares Wahrzeichen zu und ordnete Glockengeläut zu festen Gebetsstunden an. In einem Brief des Bonifatius aus dem Jahre 746 oder 747 findet sich der erste Hinweis auf eine Glocke (c/occa) in Mitteleuropa. Im Jahre 817 wurde festgelegt, dass jede Pfarrei mindestens zwei, jede Stiftskirche drei, jede Bischofskirche sechs Glocken haben sollte.
Die Lullus-Glocke im romanischen Katharinenturm des Stiftsbezirks in Bad Hersfeld/Hessen aus dem Jahre 1038 gilt als die älteste, läutebereite Glocke in Deutschland. Die St. Mauritius-Kirche in Hardegsen beherbergt zwei Glocken, die um 1300 gegossen wurden. In Heiligenstadt hängt in der St. Martins-Kirche die kleine, ca. 150 kgschwere Glocke aus dem 13. Jahrhundert, die älteste der Region Obere Leine. Die Maria gloriosa der Erfurter Peterskirche, die über I1t wiegt, einen Durchmesser von 2,558 m besitzt und aus dem Jahre 1497 stammt, gilt als eine der schönsten Glocken. Sie präsentiert den Höhepunkt spätmittelalterlichen Glockengießerkunst. Die St. Peters-Glocke des Kölner Doms, die 1923 im thüringischen Apolda gegossen wurde, ist mit ihren 24 t Gewicht die schwerste freischwingende Glocke der Welt.
Was wissen wir über die Glocken der St. Martins-Kirche in Roringen?
Die Glocken aus dem 15. und 16. Jahrhundert Die erste Erwähnung von Glocken in der Roringer Kirche erfolgte 1442 im Vogtherrenbuch der Stadt Göttingen, der seit 1380 das Dorf Roringen gehörte. Dort werden Ausgaben für zwei Glockenseile, an den Buntmetall-Handwerker, an den Schlosser und den Zimmermann für Arbeiten an der/den Glocke/-n aufgeführt. Zwei Glockenseile sprechen dafür, dass es zwei Glocken gab, die in einem Glockenstuhl aufgehängt waren. Von diesen Glocken ist bisher nichts Weiteres bekannt geworden. Es ist des Bemerkens wert, dass die Stadt und nicht die Bewohner des Ortes für die Glocken und den Glockenstuhl Sorge trug.
Die Glocke, die 1627 zerstört wurde
Fast 200 später gibt es eine weitere Nachricht über die Glocken der St. Martins-Kirche in Roringen. In einer Rechnung aus Roringen aus dem Jahre 1608 wird eine Ausgabe von 21 Groschen für ein hänfernes Seil für die kleine Glocke notiert. Das bedeutet, dass es zum Anfang des 17. Jahrhunderts offensichtlich zwei Glocken gab, eine große und eine kleine Glocke.
Im Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) wurde eine
Glocke der Roringer Kirche zerstört. Es war wohl die größere Glocke. Im Stadtarchiv Göttingen findet sich folgender Vermerk: „Am 16. Mai 1627 hatten die Blankertschen vor der Plesse liegenden Soldaten die Glocken auf der Kirche zu Roringen heruntergeworden. Sie konnten sie aber nicht zerschlagen und mussten sie liegenlassen. Am folgenden Tag konnten die Roringer die Glocke von 9 % Zentnern nicht hineinbringen, so daß Daniel Fobben, Glockengiesser hier. sie mit einer grossen Kugel in Stücke werfen musste. Die Stücke wurden von Roringer Bauern auf Schanzbassen (?) und Tragekörben nach Göttingen in die St. Nicolaikirche gebracht. Die Blank. Soldaten, die... in Rohrberg und Reinhausen stehen, bringen ein Teildavon nach Roringen. “
Das damalige Geschehen ist bisher nicht ganz aufgehellt worden. Eindeutig aber ist das Schicksal der großen Glocke. Sie wog 9 % Zentner, d.h. etwa 475 kg. (Das Gewicht der mittleren Glocke des heutigen Geläutes beträgt 420 kg.)
Kirchenakten aus dem Jahr 1872 berichten, dass es vor dem Jahre 1646 mehrere Glocken gegeben habe, die „wohl in den Kriegsläuften ... verloren, zerstört oder entführt“ worden wären, man wisse nichts Genaueres darüber.
Die Glocke von 1646
Zwanzig Jahre blieb wohl die Kirche stumm, bis im Jahre 1646, bereits vor dem Ende des Dreißigjährigen Krieges, eine Kirchenglocke von Pastor Christian Meyer (seit 1625 Pastor in Roringen und Herberhausen, gest. 1669) in Auftrag gegeben wurde. Der Schulz Matthias Kop, die Altaristen (Kirchenvorsteher) Christoffel Bormann und Andreas Hesse und der Schulmeister Hans Raven halfen, die Mittel bereitzustellen. Den Auftrag erhielt der erwähnte Meister David Fobben, der seit 1616 in Göttingen eine Giesserei betrieb. Die Glocke besaß folgende Inschriften:
Her Christian Meier Pastor
Mattias Kop Schulze M. David Fobben
Und auf der anderen Seite:
Christoffel Bormann Andreas Hessen Hans Raven
In einem Bericht von 1913 wird das erste Geläut als Freudentag bezeichnet. Es ist nichts bekannt über Material, Gewichtetc..
Insgesamt 266 Jahre hatte „die Glocke der Gemeinde gedient“. Im Frühjahr 1912 „bekam sie beim sie beim Anschlagen der Betglocke einen grossen Sprung, der sie des Klanges beraubte“.
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Glocke von 1720
Im Inventar von 1798, dem Corpus Bonorum, werden 2 Glocken im Turm der Kirche erwähnt, „welche die Gemeinde bishero im Stande erhalten hat“. Eine zweite Glocke erwähnen auch Berichte von 1872 und 1913. Diese Berichte enthalten jedoch keine weitergehenden Informationen.
Ein weiterer Bericht aus dem Jahre 1915 erwähnt ebenfalls diese zweite Glocke und gibt folgende Beschreibung : „Die kleinere Glocke, etwa 4 % Ztr. [225 kg] schwer, trägt die Inschrift: Johan Kleine Pastor zu Roringen MDCCXX [1720] Andreas Joachim Bornemann Schulz Hans Christof Bornemann Altarist Conrad Borman Hans Borman Andreas Ebbrecht Vorsteher Claus Meyer Hans Jurgen Koch Moritz Borman Johannes Borman darunter: Johan Heinrich Lutken Goß mich nach Roringen MDCCXX(1720).“
Vermutlich war sie es, die 1925 in Kommission gegeben wurde beim Erwerb der Eisenglocken.
Die Glocke von 1912
Zum Ersatz der gesprungenen Glocke von 1646 wurde im Jahre 1912 eine neue Glocke bei der Glockengießerei J. J. Radler & Söhne in Hildesheim bestellt. Am 25. Oktober 1912 wurde die neue Glocke im Auftrag der Gemeinde (d. i. nicht die Kirchengemeinde) gegossen. Ihr Gewicht belief sich vermutliche auf 312 kg. Mehrere Vertreter der Gemeinde sahen dem Glockenguss zu. Am 16. November 1912 wurde die Glocke in den Kirchturm der St. Martins-Kirche
eingehängt. Die Gemeinde war zahlreich versammelt und freudig bewegt, wie der Bericht verzeichnet. Es wurde das schmucke Äußere, das sauber gearbeitete Bildwerk und die klaren Inschriften der Glocke hervorgehoben. Ein anderer Bericht verzeichnet:
„Diese [Glocke] trägt auf einer Seite unter dem Bild des segnenden Christus die Worte: Friede sei mit Euch! Auf der andern unter einem Kreuz die Worte: O Land, Land, Land, höre des Herren Wort! Außerdem die Angabe des Glockengießers J. J. Radler und Söhne, Hildesheim, und die Jahreszahl des Gusses und die Namen des derzeitigen Pastors, der Kirchenvorsteher und des Lehrers. ”
Das Schicksal der Glocken von 1720 und 1912
Zu Beginn des Weltkrieges I (1914-1918) hingen im Turm der St. Martins-Kirche zwei Glocken: die größere Glocke von 1912 und eine kleinere Glocke aus dem Jahr 1720. Es waren die Glocken, die in einer Feuerversicherungspolice für den 1. Januar 1870 versichert wurden, eine für 175 Thaler, die andere für 125 Thaler.
Einer Notiz aus dem Jahre 1925 ist zu entnehmen, dass im Ersten Weltkrieg, am 31. August 1917, eine Kirchenglocke von 312 kg Gewicht, d. i. die Glocke von 1912, abgeliefert werden musste. Ferner wurde eine Bronzeglocke, vermutlich die Glocke von 1720, beim Erwerb der Eisenglocken im
Jahre 1925 in Kommission gegeben. Siegfried Ritzkowski
Die Glocken der St. Martins-Kirche in Roringen
Fobben
Glocke vor 1442 Erwähnung zweier Glockenseile | Daten unbekannt Glocke vor 1627 Große Glocke 9 '% Zentner Zerstört 1627 Glocke vor 1646 Bericht 1872 | Daten unbekannt Glocke von 1646 gegossen in Göttingen durch Meister | Sprung 1912
Glocke von 1720 | gegossen
225 kg, von Johan Heinrich Lutken [1925 in Kommission gegeben für die
Eisenglocken.
| Glocke von 1912
312 kg; bei Radler und Söhne in Hildesheim gegossen.
Friede sei mit Euch.
O Land, Land, höre des Herren Wort. Im Ersten Weltkrieg am 31.08.1917 | abgeliefert.
Große Eisenglocke von 1925
660 kg; Schlagton a’; Giesserei Ulrich & Weule, Bokenem; Unseren
1950 gesprungen, 1966 aus dem Glockenstuhl entfernt, auf den
Gefallenen zu Dank und Ehren _| Kirchhof gestellt. Kleine Eisenglocke von 1925 | 360 kg; Schlagton c’’; Giesserei 1999 aus dem Kirchturm entnommen. Ulrich & Weule, Bokenem; Zeitweilig auf dem Kirchhof.
Große Bronzeglocke (Nr. 1) von
662 kg; Schlagton g’;
| Im Kirchturm seit 1966.
1952 Giesserei Bachert in Knochendorfim | Betet ohne Unterlaß
Sterbeglocke Jahre 1952. |
Mittlere Bronzeglocke (Nr. 2) 420 kg: Schlagton b’; Im Kirchturm seit 1966.
von 1884 Giesserei Joh. Hermann in Wenn ich rufe, höret meine Stimme
Memmingen im Jahre 1884.
Tagesgebetsglocke, Trauglocke Kleine Bronzeglocke (Nr. 3) von
| 296 kg; Schlagton c’’;
1928 Giesserei Hch. Kurtz in Stuttgart im Ich bin die Auferstehung und das Taufglocke | Jahre 1928. Leben
Im Kirchturm seit 1966.
Die Überlieferung ist lückenhaft. Die Quellen sind von unterschiedlicher Verlässlichkeit.
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Sprache der Glocken
Die Aufgaben der Glocken
Mit der Christianisierung übernahmen die Klöster und Kirchen das Registrieren und Verkünden der Tageszeit. In den klösterlichen Gemeinschaften rief die Glocke zu Gottesdienst und Stundengebet. Siebenmal ertönte die Glocke: viermal am Tag, dreimal in der Nacht. Dies bewirkte zugleich eine Regelung des Tageslaufes.
Im hohen Mittelalter sorgten die Pfarrkirchen der Orte für die Glocken-Signale. Die Betglocke läutete jedoch nur dreimal: morgens, mittags und abends. Sie rief zum Gebet des Englischen Grußes, des sog. Angelus, der an die Menschwerdung Christi erinnerte. Deshalb nennt man es auch das Angelus-Läuten (nach dem Engel der Verkündigung) oder Ave-Maria-Läuten (nach den ersten Worten der Verhei- Bung). Ferner wurde während der Messe bei der Wandlung geläutet (Wandlungs- oder Sanktus-Glocke), beim Paternoster im Gottesdienst (Paternoster-Glocke) und bei Totengebet (Todesglocke).
Glocken riefen nicht nur zum Gottesdienst, sondern auch zum Gebet. Glocken symbolisierten Schutz. Ihr Klang sollte Hilfe herbeirufen und Unheil abwenden.
Jede Glocke hatte ein Amt, das durch die Widmung bestimmt war. Ihr eigentümlicher Klang garantierte die Eindeutigkeitund Unverwechselbarkeit ihrer Botschaft.
Im Laufe des Mittelalters wurden aus dem Bet-Läuten reine Zeitsignale. Die Glocken verkündeten die Öffnung und das Schließen der Stadttore, sie riefen zu Versammlungen, zum Gericht, zeigten Feuer und Feinde an.
In den Kirchenordnungen der Reformation diente der Glockenruf vornehmlich dem Sammeln der Gemeinde zum Gottesdienst. Doch blieb beispielsweise der Brauch des Betläutens (Angelus-Läutens) beibehalten, wenngleich als Zeitläuten. Aufdiesen Traditionen fußen die Läuteordnungen.
Die Roringer Läuteordnung
Drei Glocken hängen im Kirchturm der St. Martins- Kirche. Die große Glocke (Nr. 1) von 662 kg in g’ mit der Inschrift Betet ohne Unterlass, die mittlere Glocke (Nr. 2) von 420 kg in b’ mit der Inschrift Wenn ich rufe, höret meine Stimme, und die kleine Glocke, 296 kg in c’’ mit der Inschrift Ich bin die Auferstehung und das Leben. Sie läuten zu unterschiedlicher Stunde, in unterschiedlicher Besetzung
Glocke und Klöppel
Kleine Glocke c’’ — Uhrschlagglocke
und von verschiedener Dauer. Eine Läuteordnung regelt dies. Was sagen, was bedeuten die Läutesignale? Welche Botschaft senden sie?
Das Zeitläuten
Dreimal täglich, morgens um 7 Uhr, mittags um 12 Uhr und abends um 17 Uhr (Mo-Fr) und 18 Uhr (Sa) läutet die mittlere Glocke. Es ist ein Zeitläuten.
Das Einläuten des Sonntages am Samstag um 18 Uhr ist der Überrest eines weggefallenen Vesper-(Abend)-Gottesdienstes, denn der Vorabend des Sonntags gehörte vorzeiten liturgisch bereits zum folgenden Tag. (Im dritten Programm des NDR läuten um 19 Uhr die Glocken den Sonntag ein.)
Die Glocken rufen zum Gottesdienst
Eine halbe Stunde vor Beginn des Gottesdienstes läuten die Glocken 2 und 3 (Vorläuten) und zum Gottesdienst alle drei Glocken (Zusammenläuten) jeweils 5 Minuten.
In manchen Kirchen, nicht in Roringen, wird während des Gebets des Vaterunsers die Bet-Glocke geschlagen. Und zwar im Rhythmus des Gebets: für die Anrede, bei den sieben Bitten und dem Beschluss des Vaterunsers, insgesamt neun mal. Die Schläge leitet auch die, die nicht am Gottesdienst teilnehmen, beim Gebet. Vielerorts ist davon nur ein kurzes Läuten der Betglocke übrig geblieben.
Zur Taufe außerhalb eines sonntäglichen Gottesdienstes läutet die kleine Glocke 15 Minuten vor Beginn 3 Minuten lang und 5 Minuten zuvor. Zu einer Trauung rufen die mittlere und die kleine Glocke 15 Minuten zuvor 2 Minuten lang und 5 Minuten vorher.
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THIE-BOTE Nr. 3
Beerdigungen und Trauerfeiern
Der Tod eines Mitmenschen wird in Roringen durch das „Überläuten“ oder „Ausläuten“ am Morgen um 7 Uhr nach dem Zeitschlag angezeigt. Die mittlere Glocke läutet eine halbe Stunde lang. In manchen Regionen gilt das Beerdigungsläuten als öffentliches Zeichen, das allen zusteht, unabhängig von der Konfession.
Ein Trauergottesdienst beginnt in Roringen mit einem ungewöhnlichen Glockensignal. Es wird die kleine Glocke neun mal im Abstand von 15 Sekunden angeschlagen. Danach läutet die große Glocke, die die Aufschrift trägt: Betet ohne Unterlaß.
Dieses drei-mal-drei-fache Glockensignal besitzt tiefe symbolische Bedeutung. Die Zahl drei verweist auf die Heilige Dreieinigkeit, die im Kyrie der Liturgie angerufen wird: Kyrie eleison - Christe eleison - Kyrie eleison (Herr erbarme dich - Christus erbarme dich - Herr erbarme dich). Diesen Kyrie-Ruf in verstärkter Gestalt, nämlich als drei mal drei Rufe, gibt es seit Papst Gregor d. Gr. (Pontifikat 590- 605) in der mittelalterlichen Liturgie. Die Kyrie-Rufe haben sich bis in die heutige Zeit erhalten, wie die Advents-, Osterund Pfingst-Kyrie des Ev. Gesangbuches (EG 178, 6-8) erkennen lassen. Dieses drei-mal-drei-fache Glockensignal ist auch von der Albani-Kirche in Göttingen täglich zu hören zwischen dem Uhrschlag und dem Mittagsläuten. In einer Nachbargemeinde wird ein Trauergottesdienst durch neun Schlägen in schneller Folge eingeleitet.
Die Roringer Läuteordnung sieht vor, dass der neunfache Schlag auch vor und nach dem Ausläuten am Morgen erfolgen könne.
Kleine Stahlglocke von 1925
Mittlere Glocke b’ — 420 kg
Besondere Anlässe
Früher wurden Kirchenglocken oft aus nichtkirchlichen Anlässen geläutet, z. B. bei militärischen Siegen, beim Geburtstag der Landesherren, aber auch bei Katastrophen. Übrig geblieben ist in der Regel das Einläuten des neuen Jahres, in Roringen erklingen dann alle drei Glocken.
Wir erinnern uns an das Läuten bei der Wiedervereinigung 1990, an das Glockenrequiem aller Glocken in Dresden anlässlich des 50. Jahrestages der Zerstörung der Stadt oder an das Trauerläuten aller Erfurter Kirchen zum Gedenken an den Erfurter Amoklaufam 26.04.2002.
Unlängst hatte der Kirchenvorstand Roringen beschlossen: „Angesichts der Kriegsandrohung gegenüber dem Irak und zahlreichen weiteren Krisenherden in anderen Ländern sollen deutliche Signale für den Frieden gesetzt werden ... durch ein regelmäßiges Mittwochs-Läuten.“
Varianten des Läutens
Die drei Roringer Glocken bieten sieben Kombinationsmöglichkeiten des „normalen Läutens“: ein dreistimmiges Geläut (Plenum), drei zweistimmige und drei einstimmige Geläute. Es werden nur 5 Kombinationen genutzt. Auch ließe sich größere Variabilität gemäß der Rangordnung der Anlässe erzeugen. Die Möglichkeit des „Anschlagens“, wobei die ruhige Glocke von dem Klöppel oder dem Uhrschlaghammer angeschlagen wird, wird nur im Beerdigungssignal verwendet. Das „Halbzugläuten“, bei dem der Klöppel in Ruhe bleibt, und die Glocke nur soweit bewegt wird, dass nur eine Wandung gegen ihn schlägt, wird nicht eingesetzt.
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THIE-BOTE Nr. 3
Dieliturgische Bedeutung und Aufgaben der Glocken
Einem Dreiergeläut wohnt der Hinweis auf die Dreieinigkeit inne, insbesondere in der in Roringen vorhandene Disposition g'-b’-c’’, dem sog. Te-Deum-Geläute.
Die Inschriften an den Roringer Glocken sind insgesamt Bibeltexte. Sie zeigen an, dass ihnen ursprünglich bestimmte liturgische Aufgaben zugedacht waren. Die große Glocke (Nr. 1) mit dem Text: „Betet ohne Unterlass“ diente wohl als Bet-Glocke. Die kleine Glocke (Nr. 3), die jetzt auch als Uhrschlag-Glocke dient, erweist sich in die Aufschrift „Ich bin die Auferstehung und das Leben“ als eine Tauf- und Toten-Glocke.
Glocken im öffentlichen Leben
Die Morgenglocke, die in der mittelalterlichen Stadt zum Morgengebet aufrief, gab zugleich das Signal zum Öffnen der Stadttore, zum Beginn des öffentlichen Lebens. Die Abendglocke begrenzte Arbeits- und Gerichtstag. Das Gebetsläuten wurde zum Zeitsignal. Die Glocken waren die Medien des Mittelalters. Deshalb war der Rat einer Stadt stets bestrebt, die Glocken-Türme in seinem Eigentum und damit seiner Verfügung zu haben. Bei der Diskussion um die Finanzierung der Türme der Göttinger St. Johannes-Kirche wurde bekannt, dass diese erst vor wenigen Jahrzehnten aus dem Besitz der Stadt in den der Kirche übergegangen wären.
Es berichteten Mitbürger aus Roringen, dass sie mit dem Sieben-Uhr-Läuten aufstehen, dass das Mittagsläuten um 12 Uhr das Signal gäbe, die Kartoffeln fürs Mittagessen auf den Herd zu stellen, und dass das Vesperläuten sie veranlasste, die Arbeiten, sei es im Garten oder im Haus, aus der Hand zu legen, um das Abendbrot zu richten. Der Glockenschlag, nicht die Uhr, gliedert ihren Tageslauf.
In Roringen, das von 1380 an zur Stadt Göttingen gehörte mit Ausnahme der Jahre 1848-1972, versuchte Pastor Witthaus im Jahre 1925, als es um die Beschaffung der Eisenglocken ging, den Gemeinderat (der politischen Gemeinde) um Beihilfen zum Ankauf der Glocken zu bewegen. Gleiches versuchte Pastor Schiller im Jahre 1965, als die Bronzeglocken beschafft werden sollten, in dem er unter ausdrücklichen Hinweis auf das Patronatsrecht der Stadt an der Kirche einen Antrag auf finanzielle Förderung stellte.
Glocken als Heilige Sachen (res sacrae) sind aus dem allgemeinen Rechtsverkehr ausgesondert und weltlichen rechtlichen Bestimmungen entzogen. Das liturgische Läuten wird in der Rechtsprechung nicht als erhebliche Belästigung im Sinne des Bundesimmissionschutz-Gesetzes behandelt. Extreme Lautstärke oder unbegrenztes Dauerläuten können die Kirchen jedoch nicht beanspruchen. Die beiden großen christlichen Kirchen haben als den Regelfall das Läuten auf die Zeit zwischen 7 und 20 Uhr und auf eine Dauer von 2-5 Minuten beschränkt.
Schnee auf den Glocken nach dem Kirchenbrand
Glocken im Dritten Reich
Im Dritten Reich war es das Ziel der nationalsozialistischen Machthaber, die Stimme der Kirchen in der Öffentlichkeit einzuschränken. Nach dem „Endsieg“ sollten nur noch 12 Glocken in Deutschland läuten, nämlich über dem Reichstag in Berlin.
Als Beispiel für die Beschränkung der Läutezeit wird eine Bestimmung des Landrats des Kreises Göttingen vom 26. 10. 1939, also kurz nach Beginn des Weltkriegs II, wiedergegeben, die im herrischen Tonfall der Machthaber gehalten ist.
„Unter Aufhebung aller entgegenstehenden Anordnungen wird mit sofortiger Wirkung bestimmt: Die Kirchenglocken schweigen: Während eines Fliegeralarms, in der Zeit von 18 bis 8 Uhr, bei Taufen, bei Trauungen.
Im übrigen treten folgende einschränkende Bestimmungen für das Glockengeläut in Kraft:
Die Kirchenglocken läuten grundsätzlich jeweils nur 3 Minuten lang.
Am Sonntag morgen wird nur einmal, und zwar zu Beginn des Gottesdienstes geläutet. Alles andere Geläut unterbleibt. Das Gleiche gilt für die Feiertage.
Bei Beerdigungen oder Geläut für Gefallene wird nur einmal geläutet. Nachgeläut o.ä. fällt fort.
Das Läuten zu gleichzeitig beginnenden Gottesdiensten, Einläuten der Sonn- und Feiertage usw. ist wenn mehrere Kirchen läuten aufdie gleichen Zeiten zu legen.“
Während des Weltkriegs II (ab Januar 1942) mussten, wie schon im Weltkrieg I, die Bronze-Glocken abgegeben werden. Pfiffige Kirchenvorstände jedoch hatten an den Wortlaut der Erlasse sich haltend die eisernen Klöppel nicht abgegeben. Diese wurden im Februar 1943 eingefordert. Roringen behielt seine Glocken, weil sie nicht Bronze- Glocken, sondern Eisen-Glocken waren. Nach Kriegsende fanden sich viele Glocken auf den sog. Glocken-Friedhöfen wieder.
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THIE-BOTE Nr. 3
Glockenklang
Eine Glocke besitzt einen vielschichtigen Klang, der aus zahlreichen Ober- und Misch-Tönen entsteht. (Vielleicht ist der Vergleich mit einem Essen hilfreich, in dem die Gewürze den Geschmack maßgeblich bestimmen.) Eine Glocke wird nach der Tonhöhe des Schlagtons (Nominal) benannt.
Von großem Einfluß auf die Schönheit des Glockentons ist das Material. Glockenbronze aus 78% Kupfer und 22 % Zinn liefert die klangreichsten Produkte.
Damit wird verständlich, dass für Zusammenklingen von Glocken wichtig ist, welche gleichsam einprogrammierten Musikstücke ihnen innewohnen. Die Glockenmusik der Roringer Kirchenglocken wird durch die Geläute-Disposition hervorgerufen, das ist die Zusammenstellung der verschiedenen Nominale der Glocken: g’- b’- c’’. Dieses sehr häufige Motiv von Drei-Glocken-Geläuten wird „Te Deum- Geläut“ genannt. Wir kennen den lateinischen Hymnus Te Deum laudamus aus dem 4. Jahrhundert als Kirchenlied „Großer Gott, wir loben dich“, das der katholische Priester Ignatz Franz (1719-1790) in Schlesien dichtete und in katholischen und evangelischen Kirchen (EG 331) gesungen wird.
Als Ersatz für die im Ersten Weltkrieg (1914-18) abgelieferte Glocke wurden im Jahre 1925 für Roringen die beiden Eisenhartguß-Glocken gegossen. Eisenglocken kann man in benachbarten Kirchen noch hören. Pastor Schiller hat dafür gesorgt, dass seit 1966 der schönere Klang der Bronzeglocken wieder in Roringen erklingt.
Der Klang der Glocke wird auch bestimmt durch die Aufhängung im Glockenstuhl(obere Abbildung S. 36). Schwingt eine Glocke am geraden Joch, bei dem der Drehpunkt in der Krone unmittelbar über der Glockenhaube liegt - dies ist in Roringen der Fall - so liegen die Extrempunkte beim Pendeln weit auseinander. Der Schall überlagert sich (sog. Doppler-Effekt), es entsteht eine Schwebung des Klangs. Auch Material des Glockenstuhls, Art und Größe der Glockenstube, der Winkel der Lamellen der Fenster beeinflussen den Klang und seine Reichweite.
Die Kunst des Läutens
Die verschieden schweren Glocken schwingen mit unterschiedlicher Frequenz. Die Tonfolgen ändern sich ständig. Bei der harmonischen Disposition der Roringer Glocken entstehen Dreiklänge. Es lohnt sich, den Tonfolgen einmal nachzusummen.
Seit Gregor von Tours (gest. 594) ist bekannt, dass Kirchenglocken mit einem Seil von unten geläutet werden. In anderen Kulturkreisen der Erde werden die Glocken angeschlagen. Es ist der bei den Glockenspielen übliche Anschlag. Bei uns erfolgt dies bei dem neunfachen Kyrieeleison-Signal.
Seit etwa 1000 Jahren werden Glocken an Drehachsen aufgehängt und durch Pendelbewegungen bei gleichzeitigem Anschlagen des beweglichen Klöppels zum Schwingen und Klingen gebracht. Der Klöppel hängt frei schwingend in der Glocke(untere Abbildung S. 35). Er bildet mit ihr ein sog. doppeltes Pendel. Seine Lage und die Verteilung der Masse innerhalb des Pendels müssen so angeordnet sein, dass er der Schwingung der Glocke etwas hinterher eilt und sie genau am Umkehrpunkt anschlägt. Er touchiert sie gleichsam, darf nicht an ihr „kleben“, damit sie in der Klangentfaltung nicht behindert wird.
Das Läuten der Glocken war ein wichtiges Amt, das viel Können erforderte. Heutzutage übernehmen dies Läutewerke, die elektronisch gesteuert werden.
Die Botschaft
Glocken wollen zu den Menschen sprechen. Sie fordern zu Resonanz, zum Widerhall auf. Sie geben Zeichen für gemeinsames Denken und Handeln. Sie rufen zum Gottesdienst und zur Fürbitte. Sie begleiten die Menschen in Freud und Leid. Sie ordnen die Zeitund weisen auf die Ewigkeit.
Siegfried Ritzkowski
Die Kirchturmuhr nach dem Brand von 1999
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Turmuhr der St. Martins-Kirche
Zeit und Stunde
Zeit wird zuallererst erfahren an dem natürlichen Wechsel von Sonnenaufgang und Sonnenuntergang, von Tag und Nacht. Als Werk des ersten Tages verzeichnet der biblische Schöpfungsbericht die Trennung von Finsternis und Licht. Stunden dagegen sind eine Setzung, eine Definition von Menschen. Aus der babylonischen Kultur ist die Teilung in je 12 Stunden übernommen. In unseren Breiten sind die Tage im Sommerhalbjahr länger als die Nächte, im Winterhalbjahr ist es umgekehrt. Nur am 23. September und am 21. März, den Tagen der Tag- und Nacht- Gleiche, sind sie gleich lang.
Im frühen Mittelalter, in einer von der Nutzung des Landes geprägten Kultur, bestand kein Bedürfnis nach einer genauen Teilung der Zeit, nach gleichlangen Stunden; denn der Tages- und Jahresablauf wurde bestimmt durch Tag und Nacht, Sommer und Winter bestimmt. Gleichwohl hatte Papst Sabinianus bereits im Jahre 605 angeordnet, dass an allen Kirchen Sonnenuhren angebracht würden.
Erst um 1300 wurde die gleichlaufende Räderuhr erfunden, die eine Teilung des Tages in gleichlange Stunden erlaubte. Im Jahre 1336 wurde in Mailand die erste Räderuhr öffentlich aufgestellt. Uhren waren damals aufwendige und höchst seltene Prestigewerke, wie man unschwer an der prächtigen Uhr im Münster zu Strassburg aus dem Jahre 1354 ablesen kann.
Die Übermittlung der Stunden erfolgte zuerst durch Glockenschlag und nicht durch Anzeige mit Zeiger und Zifferblatt. Im hohen Mittelalter, als es in den Städten bürgerliche Gesellschaften gab, wurden die Uhren an Rathäusern, an eigens erbauten Uhr-Türmen oder aufden Kirchtürmen montiert. Sie steuerten den Tagesablauf einer Stadt: beispielsweise den Wachwechsel, signalisierten die Öffnung und Schließung der Stadttore, riefen zu Rats- und Gerichtsversammlungen. Schon damals lag es im Interesse der Herrschenden, die Kontrolle über Zeit und Stunde, d.h. über die signalgebenden Medien in ihren Händen zu behalten.
Auf dem Lande jedoch scheint eine Zeitmessung nicht notwendig gewesen zu sein, Dorfkirchen bedurften deshalb auch keiner Uhren. Auch von einer Sonnenuhr gibt es in Roringen keine Spuren, weder an dem Bauwerk noch in den Aufzeichnungen. Nicht die menschliche Organisation von Zeit griffin das Leben ein, sondern im Gebetsläuten verblieb man im Raum christlicher Zeitrechnung.
Die erste Uhr
Von einer Turmuhr erfahren wir erstmals in einem Brief des Pastors Apel vom 05. Dezember 1748. Er beklagte sich, dass in die neue Kirche, ein Jahr nach ihrem Bau, Schnee auf Glocken, Uhr und Bälge gefallen wäre.
Eine weitere Erwähnung einer Uhr erfolgte im Güterverzeichnis der Gemeinde (Corpus bonorum) von 1798. Die Schlaguhr im Turm, „welche die gemeinde bishero auch im Stande gehalten hat“, wurde von dem Schulmeister gewartet, der seit 1744 auch eine Vergütung dafür erhielt.
Wie lange sie ihren Dienst getan hat, ist unbekannt.
Auf dem Titelbild dieses Heftes, das etwa im Jahre 1934 aufgenommen wurde, findet man keine Turmuhr an dem Kirchturm.
Der Traum von der Turmuhr
Vor siebzig Jahren, im März 1936, versuchte die Gemeinde, eine neue Kirchturmuhr zu beschaffen. Das Pfarramt der Kirchengemeinde Roringen wandte sich in dieser Sache an das Landeskirchenamt. Doch der 2. Weltkrieg verhinderte offensichtlich das Vorhaben. Es wurde nichtrealisiert.
Der zweite Versuch
Nach dem Kriege, im Juni 1946, legte die Fa. Weule in Bokenem ein Angebot zum Einbau einer Turmuhr und eines Uhrschlagwerkes vor. Es wurde im Frühjahr 1947 weiter präzisiert und offensichtlich in Auftrag gegeben, denn die Herstellerfirma begründete im November 1947 eine Verzögerung mit dem Hinweis auf unerwartete Stromabschaltungen, wie sie in der Nachkriegszeit üblich waren. Inzwischen hatte der derzeitige Pastor Harms eine Sammlung zur Finanzierung der Uhr durchgeführt und offenbar eine erhebliche Summe zusammengetragen.
Wohl zur Beschleunigung der Herstellung der Uhr ist das Angebot des Pfarramtes im Mai 1948 zu verstehen, vier oder fünf Garnituren von Arbeitskleidung für die Belegschaft der Fa. Weule zu beschaffen. Am 8. Juni teilte die Fa. Weule mit, dass die Uhr in Arbeit wäre. Auch wurde mit Datum des 09. Juni 1948 geregelt, dass die Gemeinde Uhr und Läutewerk selbst mit LKW abholen würde.
Am 20. Juni 1948 erfolgte jedoch die Reform der Währung. Alle Reichsmark-Sparguthaben wurden auf 10% abgewertet. Die zur Verfügung stehende Summe reichte nun nicht aus, um Uhr und Läutewerk zu kaufen. Der Kirchenvorstand beschloss, den Auftrag zu annullieren. Der zweite Anlauf war gescheitert, der Traum von der Kirchturmuhr dahin.
Die Uhr von 1962
In der Mitte des Jahres 1961 wurden Kirchenvorstand und Pfarramt erneut in Sachen Turmuhr und Läutewerk aktiv. Im Juli 1962 installierte die Fa. Perrot aus Calw /Schwarzwald endlich eine Turmuhr mit drei Zifferblättern auf Nord-, West- und Süd-Seite des Turmes. Eine Zeitschaltautomatik regelte das tägliche Läuten, eine Automatik
das Betglocken-Schlagwerk. Diese Anlage zerstörte der Brand am 07. November 1999.
Die Zeiger an den verschiedenen Seiten des Turmes verwiesen aufden Zeitraum zwischen 08.34 und 08.49 Uhr.
Die dritte Uhr Eine neue, dritte Turmuhr zeigt seit der Wiederherstel-
lung der Kirche (2001) mit dem Schlag der kleinen Glocke
Zeit und Stunde an. Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Bekrönung des Turmes
Der Hahn und die Kugel
Die Spitze des Turmes wird gegenwärtig bekrönt durch eine goldene Kugel und den goldenen Hahn als Wetterfahne.
Man fragt sich, warum steht ein Hahn und nicht aber ein Kreuz auf der Kirche? Bischof Rampertus von Brescia war im Jahre 820 der erste, der einen Hahn für seine Kirche gießen ließ. Der Hahn gilt als das Symbol des reuigen Sünders, als Petrus nach der Verleugnung Jesu hinausging und bitterlich weinete, wie der Evangelist Matthäus es schildert. Er ist aber auch ein Zeichen der Wachsamkeit; denn das frühe Christentum lebte in der ständigen Erwartung des Jüngsten Tage. Der Hahn kündet mit seinem Ruf als erster den Tag an. Er verkündet den Sieg des Lichtes über die Finsternis. Deshalb dient der Hahn auch als bewegliche Wetterfahne im Gegensatz zu einem Kreuz, das stets fest montiert ist. Er signalisiert auch Fürsorge und Verteidigung der ihm Anvertrauten. Er stellt sich stets gegen den Wind. Die Kugel symbolisiert die Weltkugel.
Die Stadtkirchen Göttingens zeigen auch andere Bekrönungen: St. Jacobi besitzt seit kurzem eine Pilgermuschel zwischen Kreuz und Kugel. Auf St. Marien dreht sich über der Kugel ein Schwan im Wind. Die Fahne des Südturms von St. Johannis erinnert mit einem alten Löwen an die Braunschweiger Herrschaft über Göttingen. Der Nordturm erhielt bei der Erneuerung eine Figur des Johannes als Fahne, die bei dem Brand am 23.01.2005 nicht zerstört wurde.
Die Kirchturmspitze von 1747
Den Turm der neuen Roringer Kirche von 1747 zierten über 209 Jahre lang Wetterfahne und Kugel. Ende April/Anfang Mai 1956 wurden sie abgenommen. Die Fahne war durch Schießübungen zerstört, die Kugel verwittert. Es ist nicht bekannt, ob ein Hahn die Wetterfahne bildete. Auch ist bislang unbekannt, ob die Kugel Dokumente enthielt. Die Turmbekrönung erhielt eine neue Kugel.
Die Kugel von 1956
Beim Abheben der Turmspitze im November 1999 wurde in der Kugel ein Päckchen geborgen, das ein Pergament mit einem mit Tusche geschriebenen Text und ein Schulheft aus
dem Jahre 1956 enthielt.
Das Pergament:
Auf die Seite | hatte der derzeitige Pastor Schiller geschrieben oder schreiben lassen: „Psalm 74, Vers 16: Tag und Nacht ist Dein! Das walte Gott Vater, Sohn und Heiliger Geist, Amen. Segne, Herr, alle, die um dein Haus wohnen. Erhöre alle, die dich anrufen. Erhalte das Gotteshaus unserer Väter. Gib rechten Christenmut den Männern, getreue Herzen den Frauen, den Kindern Zucht und Fleiß, laß alle ehrliche Arbeit wohlgelingen, gib Wachstum den Feldern, Gedeihen dem Vieh, sei gnädig den Kranken, gib ein selig Ende den Sterbenden.
Die Kirchturmspitze nach dem Brand von 1999
Schenk uns deinen Frieden. Hier zeitlich und dort ewiglich. Ach bleib mit deinem Segen Bei uns, Du reicher Herr, Dein Gnad und all’s Vermögen In uns reichlich vermehr.
Amen.“
Seite 2: „Dank den Spenden aller Gemeindemitglieder konnte diese Spitze samt Kugel und Hahn 11 Jahre nach dem zweiten Weltkrieg aus reinem Kupfer erneuert werden, nachdem die alte Spitze seit 1745 vielfach zerschossen und die Wetterfahne längst abgerostet war. Das Aufsetzen der Spitze geschah am 11. Juli 1956 durch Dachdeckermeister Kranz aus Landolfshausen. Zu dieser Zeit waren:Pastor: Johannes Schiller Kantor: Franz Paul. Kirchenvorsteher: Albert Bornemann, Theophil Macholz, Wilhelm Magerhans, Albert Kaiser, Wilhelm Willmer. Bürgermeister: Fritz Neumann. Gemeindedirektor: Karl Behrendt. Gemeinderäte: Walter Simon, Wilhelm Haroth, Albert Bornemann, Willi Meyer, Willi Wohltmann, Karl Vogelgsang, Franz Paul. Roringen hat 470 Einwohner. Ein Vierpfundbrot kostet 1,40 Deutsche Mark, ein Pfund Butter 3,50 Deutsche Mark, Zentner Kartoffeln 8,00 Deutsche Mark, ein Zentner Roggen 19,50 Deutsche Mark. Der Monatsverdienst eines Arbeiters beträgt im Durchschnitt Dreihundert Deutsche Mark. Es bestehen in Roringen: Der Gesangverein seit 1883, der Schützenverein seit 1901, der Turnverein seit 1911, die Freiwillige Feuerwehr seit Anfang des Jahrhunderts. Das Deutsche Volk, noch immer durch die Zonengrenze zum russisch besetzten Mitteldeutschland zertrennt, ersehnt
seine Wiedervereinigung in Freiheit und Frieden. HS“
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THIE-BOTE Nr. 3
Das Schulheft
Das Schulheft enthielt eine Reihe von Aufsätzen zu dem Ereignis. Einen dieser Berichte schrieb Wilfried Jäger, geb. 5.11.1945, im 5. Schuljahr, am 11.7.1956, dem Tag, an dem der neue Turmhahn aufgesetzt wurde:
„Der neue Turmhahn. Am heutigen Tage wird unsere Kirche neu gekrönt. Vor kurzem wurde schon eine neue Lichtleitung in unserer Kirche gelegt und unter jeder Bank wurde eine Heizröhre befestigt. Dann wurde das Dach neu gedeckt und anschließend die alte Fahne herunter genommen weil sie von einigen Leuten zerschossen wurde. Dieselbe hat 209 Jahre immer auf einem Fleck gestanden und sich mit dem Winde gedreht. Heute kommt nun ein neuer Gockel auf dem hohen Aussichtsplatz und soll sich auch, wie sein Vorfahr mit dem Winde drehen und soll sich immer die schönen Glockentöne anhören. Unser Pastor Johannes Schiller hält dann eine Andacht und die Roringer Volksschule singt ein Lied. So wird der neue Gockel und gleichzeitig alles neues in der Kirche eingeweiht werden. Den Gockel setzt man auf Kirchtürme, weil Christus einmal zu Petrus sagte: “Ehe der Hahn zweimal kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.“ Unsere Kirchenvorsteher heißen: Machholz, Bornemann, Wilmer, Magerhans, Meyer und Kaiser.“
Die Turmspitze 2001 Bei der Wiederherstellung der Kirche nach dem Brande
1999 wurde auch Wetterfahne und Kugel erneuert. Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Der Dachstuhl der Kirche
Abmessungen
Unter dem hohen Satteldach mit roten Ziegeln und Krüppelwalm verbirgt ein faszinierender Teil des Kirchenbauwerkes, nämlich der Dachstuhl. Dieser ist als eingeschossiges Kehlbalken-Dachwerk mit liegendem Stuhl ausgeführt. Die Lasten, die durch die aufliegenden Ziegeln, durch Schnee, Regen und Wind auf die großen Dachflächen wirken, zugleich die Lasten der Dachkonstruktion selbst, werden durch das harmonische, präzise und aus der Erfahrung von Jahrhunderten geborene Zimmermannswerk aufdie Mauern geleitet.
Länge des Dachstuhls 16.21m
Spannweite 7.23m
Dachneigung 48°
Höhe des Dachstuhls 5.42 m
Höhe der Tonne 2.33 m. Konstruktion
Auf dem Mauerwerk liegen jeweils zwei Mauerlatten (Mauerbalken), denen kurze, mauerbreite Dachbalken aufgekämmt sind. Auf ihnen sitzen die Sparrenpaare, von denen es zwei Typen (A und B) gibt, die miteinander abwechseln. Insgesamt überdecken 13 Sparrenpaare oder Gebinde das Kirchenschiff.
Die Sparren sind im Dachbalken und in der Firste verzapft. Sie bilden das 48° steile Satteldach. Sie sind durch den aufgeblatteten Kehlbalken verbunden. Deshalb heißt die Konstruktionsform Kehlbalken-Sparrendach. Aufschieblinge decken jeden Sparrenfuß und leiten das Dach über das Gesims. 2
een Kehlbalken —— Skunirahm Ei ua Be -— Kohlriegel (Spannrlogel) F # ER Kopfband Et aut - R ren 4 : . F - “ N Nr Aufschiebling ä ' “ ff. N -Fuss-Schwelle P4 7 _-Stuhlschweile (Fuß-Pfatte) Spansschloss N : A I B u Eisenanker m “ Arch 4 —Dschbalken MT ' aueristte (Mauerbalken) im Fr auerwerk =
Gebinde Typ A
Den liegenden Stuhl bilden im Gebinde-Typ A die schräg stehenden Stuhlstreben, die parallel zu den Sparren dicht unter diesen liegen. Sie sitzen einer Stuhlschwelle auf. Sie stützen sich gegenseitig durch den eingezapften Spannriegel (Kehlriegel, Druckriegel). Gezapfte Kopfbänder und Rähmbalken (Stuhlrähm) dienen der Längsversteifung des Dachwerkes. Auskehlungen in den Stuhlstreben und den gebogten, in Stuhlstreben und Kehlriegel eingezapften Kopfbug erzeugen eine parabelförmige Krümmung. Aufsie wurden die Dielen aufgenagelt (1747) bzw. aufgeschraubt (2000/2001), die die tonnenförmige Decke des Kirchenschiffs bilden. Die Decke überbrückt die — infolge Ausweitung größere - lichte Weite des Schiffs von 7.23 m.
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Gebinde TypB
In Gebinde (B) überblatten zusätzlich die Kreuzstreben die Sparren und den Kehlbalken. Sie nehmen die Zugspannungen auf. Auf dem Dachbalken setzen die leicht gebogten Rundstäbe als Stuhlstreben auf. Sie sind aus Eiche wie auch der in einem Aufhängeklotz verzapfte, gebogte Kopfbug. Gemeinsam mit den Auskehlungen in den Streben bilden sie wie der Gebindetyp A den Bogen von parabolischer Form, auf dem die Decke des Kirchenschiffs aufnagelt war.
Material
Für das gesamte Dachwerk wurde Fichtenholz verwendet mit Ausnahme der Mauerlatten (-Balken) auf dem Mauerwerk, den Stuhlstreben (Gebinde-Typ B) und dem Kopfbug (im Gebinde-TypAundB), die in Eiche ausgeführt sind.
Vier Anker aus Rundstahl verspannen die Sparren.
Historie
Bei der Wiederherstellung der Kirche (2000/2001) haben die Zimmerleute den kurzen, mauerbreiten Dachbalken als abgestemmten Decken- oder Ankerbalken der Vorgängerkirche gedeutet. Demzufolge hätte die Vorgängerkirche eine Flachdecke gehabt.
Da im Jahre 1747 das Kirchenschiff in der Breite um ca. 0.7 m vergrößert wurde, die alten Deckenbalken somit zu kurz für eine gleichartige Wiederverwendung waren, könnten aus ihnen neue Dachbalken verfertigt worden sein. Die Bau-Akten berichten ferner, dass für den Neubau ein Tonnengewölbe geplant wurde. (Man meint, dass dies ein zylindrisches Tonnengewölbe war.) Dafür wurden keine Deckenbalken benötigt.
Parabelförmige Tonnengewölbe sollen eine Konstruktion in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts (um 1880) sein. Die Köpfe der Nägel jedoch, die die Deckenbretter hielten, waren zur Zeit des Brandes 1999 noch vom Erstanstrich von 1747 bedeckt. Hinzu kommt, dass die Nagelung mit Schmiedenägeln, nicht mit Rundstiften, die erst 1831 erfunden wurden, erfolgte. Die parabelförmige Krümmung der Decke muss somit beim Neubau der Kirchen 1747 geschaffen worden sein.
Vier eiserne Zuganker wurden 1871 erforderlich, da sich die Mauern des Kirchenschiffs beiderseits um je 15 cm auf dem Lot nach außen geneigt hatten.
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THIE-BOTE Nr. 3
Wiederherstellung
Nach dem Brande von 1999 zielte die Wiederherstellung auf Sicherung der Holz-Verbindungen. Dafür wurden verschiedene Techniken eingesetzt.
Ergebnis
Das barocke Dachwerk wurde dominiert durch einfache oder mehrfache Hängewerke. Im einfachen Hängewerk überbrückt ein Balken (Spann-Balken) den Raum. Er wurde von oben her durch einen Hänge-Balken (-Säule), die zu den beiden Auflagern abgestrebt ist, gehalten und trug die Decke des Raumes.
Der sog. „Liegende Stuhl“ als Tragekonstruktion erscheint in Kehlbalken-Dachwerken ab Mitte des 15. Jahrhunderts. Im 17. und 18. Jahrhundert war die Konstruktion derart entwickelt, dass sie zusätzlich auch die schweren Holz- und Stuck-Decken tragen konnte. Kehlbalken-Dachwerke mit liegendem Stuhl war die vorherrschende Dachwerkkonstruktion bei großen Spannweiten.
In den Bauakten vor 1747 wurde die geringe Höhe des Kirchenraums der mittelalterlichen Vorgängerkirche beklagt. Das Tonnengewölbe des Neubaus von 1747 führte zu einer deutlichen Vergrößerung des Raumes. Sie beförderte auch den Einbau der Emporen.
Blättert man durch die Darstellungen der Dachbauwerke jener Zeit, so drängt sich der Eindruck auf, dass der Zimmermann Thon sich im Dachwerkebau seiner Zeit gut auskannte und der St. Martins-Kirche ein Dachwerk verpasste, das nicht nur solide gearbeitet, sondern auch modern war. Ein Vergleich der Dachbauwerke zeitgleicher Kirchen des Göttinger Raumes würde die Einordnung und Bewertung des Dachwerks der St. Martinskirche zu Roringen ermöglichen.
Bei den Reparaturarbeiten der Jahre 2000/2001 wurde es völlig offen gelegt. Es bereitete Vergnügen, dieses technische Kunstwerk von allen Seiten zu betrachten. Nun ist es - von Dacheindeckung und Kirchendecke umhüllt - nur noch
bei Kunstlichtund von Innen heraus zu sehen. Siegfried Ritzkowski
Der Dachstuhl
Die Türen am Kanzelaltar
An beiden Seiten des Altars führen Türen zu dem Raum hinter die Wand des Kanzelaltars. Wozu dienen sie und weshalb wurden sie ausgerechnet an diesen Stellen eingefügt?
Zu den Spenden, zu denen die Dorfbewohner auch nach der Reformation verpflichtet waren, gehörte das Vier- Zeiten-Opfer. Es trug seinen Namen nach den drei hohen Festtagen, nämlich dem Weihnachtsfest, dem Osterfest, dem Pfingstfest und dem Michaelis-Tage (Tag des Erzengels Michael, dem Beschützer der christlichen Kirche), das ist der 29. September. Im Güterverzeichnis der Roringer Kirche von 1798 ist zulesen:
„Es ist ...der Gebrauch gewesen, daß jede Person welche zum heiligen Abendmahl ging, an jedem der drei hohen Festtag, und am Michaelistage, dieses Opfer mit 1 d|denar = Pfennig] aufdem Altar entrichtete, daher es auch den Namen des 4 Zeiten-Opfers erhalten hat. Weil aber die meisten Leute nicht um den Altar unter Absingung des Liedes, “Herr Gott, dich loben wir“ gingen, auch dieses viele Unruhe in der Kirche verursachte, so ist zu des weil. Pastor Apels Zeiten [1744-1761] die Verfügung getroffen worden, diese 4 d von Jeder Person, die zum Abendmahl gewesen ist, zu sammeln, und zwar jedes Jahr am Michaelis heiligen Abend. “
Dieses Vier-Zeiten-Opfer, das anderenorts Opferpfennig/Offerpfennig genannt wurde, sammelte der Schulmeister ein. Zwei Drittel des Geldes gingen an den Pfarrer, ein Drittel an den Schulmeister zuzüglich eines kleinen Betrages für das Einsammeln.
Der Brauch, den Altar zu umschreiten, wurde zu einer Zeit geübt, als der Altarblock frei im Chorraum stand. Um diesen Brauch nach dem Neubau der Kirche und des Kanzelaltars im Jahre 1747 weiter ausüben zu können, also um den Altar in der Wand des Kanzelaltars herumgehen zu können, wurden zwei Türen notwendig. Es wird verständlich, dass der Durchzug vieler Abendmahls-Teilnehmer hinter der Wand des Kanzelaltars die genannte Unruhe stiftete.
Auch heute wird nach dem Abendmahl der Altar auf seiner engen, wenig ansehnlichen Rückseite umschritten und Geld auf dem Altar in einen Zinnteller gespendet. Die Erinnerung an das Vier-Zeiten-Opfer ist jedoch nicht mehr
gegenwärtig. Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Der Sitz-Platz in der Kirche
Wer heute in die Kirche etwa zum Gottesdienst geht, setzt sich dort, wo ein Platz frei ist und es ihm gefällt. Es stehen üblicherweise genügend Plätze zur Auswahl. Bisweilen sind einige markiert wie beispielsweise Plätze mit Anschluss an die Lautsprecheranlage, oder aus einem besonderen Anlass reserviert. Dennoch suchen regelmäßige Gottesdienstbesucher immer wieder etwa denselben Platz sich aus. Sie haben gewissermaßen einen Stammplatz.
Im 18. Jahrhundert mußte jedermann allsonntäglich zur Kirche gehen. Die Kirche war gefüllt. Ständig nach einem Platz zu suchen, entsprach auch damals nicht den Bedürfnissen und auch nicht der Rangordnung innerhalb der Gemeinde. Es gab bevorzugte Plätze für den Patron oder die Kirchenvorsteher, damals Altaristen genannt. Aber es gab auch feste Plätze für die Gemeindemitglieder. Was lag näher, als diese Plätze auch zu markieren und mit Namen zu versehen und ein sog. Stuhlregister aufzustellen.
Die neue Roringer Kirche, die 1747 erbaut wurde, war größer als die Vorgänger-Kirche. Ihre Bestuhlung hatte sich geändert. Es wurde notwendig, die Plätze neu zu vergeben. Wie geschah dies?
Das Eigentumsregister (Corpus Bonorum) von 1798 berichtet davon. Unter dem Pastor Kauffmann wurde ein Verzeichnis der Manns- und Frauens-Stände, d.h. der Sitzplätze für Frauen und Männer, angelegt und im Jahre 1764 erfolgte die Verlosung, d.h. der Verkauf des Rechts, auf einem bestimmten Platz sitzen zu dürfen.
In den folgenden 34 Jahren, in denen die Inhaber der Kirchenstühle sehr wohl wechselten, denn die Plätze wurden vererbt, gab es keine Verkäufe und deshalb auch keine Einnahmen für die Kirche. Deshalb wurde durch das königliche Consistorio in Hannover am 1. März 1798 verfügt:
Dass die Inhaber der Kirchenstände pro Futuro bey eintretenden Sterbefällen ein Weinkauf von respt. 9 und 12 mgr [Mariengroschen] erlegen.
Man nannte diesen Vorgang „Weinkauf“ unter Benutzung eines uns ungewohnten Wortes für die Besiegelung eines Vertrages durch einen Gelöbnistrunk.
In sog. „Stuhlordnungen“ wurden Kauf oder Vererbbarkeit geregelt, denn die Kirchenplätze waren ein immerwährendes Streitobjekt in den Gemeinden. In der Hannoverschen Landeskirche gab es Stuhlordnungen bis in
das Jahr 1934. Siegfried Ritzkowski
Graffitti im Kirchturm
Überall hinterlassen Menschen Lebensspuren: Touristen ritzen an allen denkwürdigen Orten Namen und Daten ein, Reisende in Zügen, Kinder schnitzen in Schulbänke, Verliebte schnitten es in alle Rinden ein, Gipfel-, Gäste- und Besuchsbücher kanalisieren den Drang, Neuerdings greift man zur Sprühdose. Es liegt wohl in der Natur des Menschen, dass er sich an denkwürdigen Orten „verewigen“ möchte. So auch in der Roringer Kirche.
Nach dem Brand 1999 wurden die brandgeschwärzten, jedoch verputzten Wände der unteren Turmgeschosse durch Sandstrahlen gereinigt. Büschel brauner Tierhaare kamen im fingerdicken Kalkputz zum Vorschein. Sie dienten wohl dem inneren Zusammenhalt. Augenscheinlich war die Oberfläche noch mit einem feinen Gipsputz geglättet.
Als dann das brandgeschädigte Balkenwerk im Turm entfernt wurde, kamen hinter drei Balken die Reste der originären Oberfläche des Putzes zum Vorschein. Sie waren über und über bedeckt mit Ritzungen und Schriftzeichen, die dem Abrieb des Sandstrahlens entgangen waren. Die Ritzungen gingen durch die Farbe bis in den Putz. Hier stand ein schwungvolles „FH “ über einem ebenso gefälligen „R“ aus zwei Spuren, dort ein steifes „M “undein „L“.Auchein „August“ hatte seinen Namen eingeritzt.
Wer mag wohl die Wand beschrieben haben und wann? Die Jahreszahl „1910 “ zeigte an, dass die Schreiber vor etwa 100 Jahren tätig gewesen waren. Waren es die Buben, die die Orgelbälge traten, die hier hinter der Orgel unbeobachtet vom derzeitigen Pastor Witthaus (1896-1934) sich „verewigten‘“?
Unter dem Schutz der aufliegenden Balken waren nur schmale Segmente einer breiten Wand erhalten geblieben, zufällig aus ihr ausgestanzt. Mit der Wiederherstellung der Kirche wurden auch sie getilgt. Die Spuren wohnten gleichsam nur für etwa 100 Jahre unter uns. Niemand konnte sie wahrnehmen. Nun sind sie nimmer da. Verdienen sie der
Erinnerung? Was überhaupt ist des Gedenkens wert? Siegfried Ritzkowski
Die Zeichen an der Wand
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THIE-BOTE Nr. 3
Wiederherstellung der Kirche 2000/2001
Erneuerungen
Nach dem Brand der Kirche am 7. November 1999 erfolgte eine vollständige Wiederherstellung der Kirche. Es wurden nicht nur die Brandschäden beseitigt oder ersetzt, sondern auch Schäden behoben, die im Laufe der Zeit entstanden waren, und neue Einrichtungen getroffen.
Die Kirchturmspitze und Kugel wurden repariert und vergoldet. Das Dachwerk in Turmspitze und Kirchendach wurde repariert, insbesondere wurden die Verbindungen verstärkt. Die Ziegel der neuen Dacheindeckung stammen nicht aus dem Umland, sondern aus einer Ziegelei im Wiehengebirge. Das Dach des Schiffes erhielt neue Regenrinnen aus Kupferblech.
Die Eisenglocke wurde aus dem Turm genommen. Eine neue Uhr samt Läutewerk wurde installiert. Der Turm erhielt einen völlig neuen Holzausbau. Dafür wurden neue Sandstein-Konsolen eingezogen und Fundamente für die Ständer gegossen. Der eichene Glockenstuhl von 1956 jedoch blieb unversehrt. Die Mittlere Empore (Orgel-Empore) erweiterte man um ca. 45 cm in das Kirchenschiff. Die neue Orgel rückte ins Kirchenschiff vor. Dies ist am besten zu erkennen an dem Zuganker, der vor dem Brande von 1999 vor der alten Orgel lag. Er zieht nun durch die neue Orgel (Abbn. S 32).
Die Firma Hillebrand baute eine völlig neue Orgel, die sich an ihre Vorgängerin, der v.-Werder-Orgel von 1846, anlehnt und zusätzliche Register enthält. Die Decke der Kirche wurde neu eingebaut. Alle Wände in Kirche und Turm wurden mit Sandstrahl-Technik von den Brand- Verunreinigungen als auch von früherem Putz bereinigt und neu verputzt. Die Steinsichtigkeit wurde dabei an Wänden und am Altar beseitigt. Die Kirchenfenster erhielten ein wunderbares neues Glas. Eine neue Beleuchtung ziert den Kirchenraum.
Die Kirche ist eingerüstet 2000
Der Kanzelaltar nach der Wiederherstellung
Altarraum standen vor dem Brande vier Priechen, zwei große und zwei kleine. Die beiden kleinen Priechen waren nicht Bestandteil der Erstausstattung, Sie waren später (Ende 18. Jh.) über das vorhandene Gestühl gestülpt worden, überbrückten die Altarstufe in störender Weise. Sie dienten als Halterungen für die Fahnen, wurden zuletzt auch als Abstellräume genutzt. In der südlichen Prieche stand zu Weihnachten die Weihnachtskrippe. Bei der Wiederherstellung wurden sie weggelassen.
Der Boden der Kirche wurde mit Sandsteinplatten aus dem Solling neu ausgelegt. Dabei rückte die Altarstufe um ca. 50 cm gegen das Schiff vor. Die Sitzbänke wurden restauriert und körpergerecht geformt. Dabei wurde die Zahl der Plätze verringert.
Eine Gasleitung zum Turm wurde gelegt. Sie versorgt die Fußheizung, die zu allen Plätzen führt. Die gesamte Elektroinstallation wurde neu ausgeführt.
Neu ist auch die Ausmalung der Kirche. Neu sind die Paramente, die zahlreichen Gesangbücher, der Windfang und die Beleuchtung vor der Kirche.
Am 13. Mai 2001 wurde die Kirche in einem festlichen Gottesdienst wieder eingeweiht und in Benutzung genommen.
Wem gehört die Kirche?
Fragt man, wem gehöre die Kirche, dann erhält man üblicherweise die Antwort: der Kirchgemeinde natürlich. Zu der Wiederherstellung hat die Landeskirche erhebliche Mittel zugeschossen, sodass man unwillkürlich denkt: investiert man in etwas, was einem nicht gehört?
Auch die Staatsanwaltschaft Göttingen folgte dieser Auffassung, dass die Kirche der Kirchengemeinde gehöre, als sie nach dem Brand der Kirche 1999 ein Verfahren zur Ermittlung der Brandursache in Gang setzte. Im abschließenden Untersuchungsbericht jedoch wurde ausdrücklich verneint, dass die Kirchen-Gemeinde durch den Brand der Kirche geschädigt worden wäre; die Geschädigte
wäre die Landeskirche. Wem also gehört die Kirche? Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Der Heilige Martin von Tours
Lebenslauf
Die Roringer Kirche trägt ihren Namen nach dem Heiligen Martin; dem Bischof von Tours an der Loire in Frankreich. Er war der Erste, der als Heiliger verehrt wurde, obgleich ernicht als Märtyrer starb.
Martin wurde um 316 in Ungarn geboren. Als Fünfzehnjähriger leistete er Dienst bei in einer römischen Reitereinheit in Gallien (Frankreich). Kriegsdienst und Christsein waren für ihn unvereinbar; er schied mit 18 Jahren aus dem Legionärsdienst aus, und ließ sich von Hilarius, dem späteren Bischof von Poitiers (Frankreich) taufen. Die Legende schiebt vor die Taufe die Begegnung mit dem halbnackten Bettler am Stadttor von Amiens im strengen Winter des Jahres 354 ein, dem er die Hälfte seines Mantels schenkte, den er mit dem Schwert geteilt hatte.
Lange Jahre lebte Martin als Einsiedler auf der Insel Gallinaria bei Albenga im Golf von Genua, seit dem Jahre 360 in der Nähe von Poitiers einsam als Einsiedler. Er entwickelte eine Form des Zusammenlebens der Eremiten in einem sog. Cönobitenkloster. Es war das erste Kloster des Abendlandes.
Sein einfaches Leben, sein bescheidenes Auftreten und seine Wunder machten ihn so bekannt und beliebt, dass er 371 vom Volk zum Bischof von Tours ausgerufen wurde. Eine Legende, die seit dem 15. Ih. bekannt ist, berichtet, dass Martin sich der Wahl zum Bischof entziehen wollte und sich deshalb versteckte. Eine Gans verriet sein Versteck. Die Martinsgans dient seither als Attribut des Heiligen Martin.
Auf zahlreichen Missionsreisen insbesondere in die ländlichen Gebiete des westlichen und nördlichen Frankreich warb er für die Bekehrung zum Christentum. Das Kloster Marmoutier (in der Nähe von Tours), das er 375 gründete, wurde eine Schule der künftigen Missionare.
Er starb auf einer Reise in Candes bei Tours am 08. November 387. Zu seinem Begräbnis am 11. November in Tours versammelte sich eine riesige Menschenmenge. Sein Grab wurde Ziel zahlreicher Wallfahrten. Bald erhob sich eine Kapelle über dem Grab. Sie wurde durch eine prächtige romanische Basilika ersetzt, die im 12. und 13. Jahrhundert umgestaltet wurde. Ein Turmrest und Markierungen in den Strassen von Tours (im sog. Martins-Viertel) zeugen heute noch von ihrer Größe, die einst zu den größten Kirchen Europas zählte. Tours war während des gesamten Mittelalters ein bedeutendes religiöses Zentrum.
Das Grab des Heiligen blieb nicht unversehrt. Während religiöser kriegerischer Auseinandersetzungen wurde 1592 sein Körper von den Hugenotten verbrannt. Als die Martins- Kirche im Jahre 1802 abgerissen wurde, ging auch die Kenntnis seines Grabes verloren. Es wurde 1960 erst wieder entdeckt. Sein Kopf und ein Arm jedoch befinden sich heute im den Kathedrale St. Gatin in Tours.
Der Schutzheilige
St. Martin wurde zum Schutzheiligen der fränkischen Könige. Der Teil seines Mantels (cappa), der bei ihm geblieben war, wurde in Paris im Königspalast aufbewahrt. Hiervon rührt die Bezeichnung Kapelle für die Palastkirche der merowingischen Herrscher. Der Mantel galt als fränkische Reichsreliquie und wurde bei allen Feldzügen mitgeführt. Etwa 500 Orte allein in Frankreich wurden nach dem Heiligen Martin benannt, mehr als 3.600 Kirchen ihm geweiht.
Vier Eigenschaften zeichneten Martin von Tours aus. Er lernte den christlichen Glauben durch das Studium der Theologie und durch die Meditation als Einsiedler. Aus diesem Glauben und Kenntnis wuchs seine Unerschrockenheit, die ihm den Beinamen confessor, d. h. Bekenner einbrachte. Dieser Mut führte ihn auf zahlreiche Missionsreisen in das westliche und nördliche Frankreich. Er lebte einfach und bescheiden.
Der Martinstag
In der Volksfrömmigkeit nimmt Verehrung des Heiligen Martin eine besondere Stellung ein. Der 11. November, sein Begräbnistag, wird seit dem Jahre 650 als Martinstag gefeiert. Dieser Tag war früher zugleich Abschluss des Wirtschaftsjahres nach der Korn- und Wein-Ernte. Mit ihm begann das Winterhalbjahr. Dem Vieh, das nicht durch den Winter gefüttert werden sollte, insbesondere den Gänsen, ging es an die Gurgel. Die „Martinsgans“ lieferte den letzten Festbraten vor der Fastenzeit, die bis Epiphanias dauerte, Der neue Wein konnte probiert werden. Besonderes Martins- Gebäck gab es nur an diesem Festtag. Das Gesinde erhielt seinen Lohn. Pacht- und Arbeits-Verträge waren auf diesen Termin datiert. Steuern wurden fällig. St. Martin war ein Gabenbringer. Der „Martinsritt“ erinnert daran. Der Martinstag war auch ein Markttag. Mit Laternen- und Fackelumzügen feierte das Volk in der dunklen Jahreszeit. Die Kinder, die noch nicht am Erwerbsleben teilhatten, zogen von Haus zu Haus und sagen Martins-Lieder, wofür sie belohnt wurden. Martin Luther, der am Vorabend des Martinstages des Jahres 1483 geboren wurde, verdankt seinen Namen diesem Heiligen.
Bauernregeln
Als St. Martin starb sollen die Blumen und Bäume erblüht sein. Deshalb nennt man einen warmen Spätherbst auch „l'&t& de St. Martin“, einen Sommer des Hlg. Martin. Bäuerliche Erfahrungen sind in den folgende Verse gefasst:
Ist um Martini der Baum schon kahl, macht der Winter keine Qual; Wenn’s Laub nicht vor Martini fällt, kommt 'ne große Winterkält. Hat Martini weißen Bart, wird der Winter lang und hart.
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THIE-BOTE Nr. 3
Das Martinslied
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin Ritt durch Schnee und Wind,
sein Ross, das trug ihn fort geschwind, Sankt Martin ritt mit leichtem Mut, sein Mantel deckt’ ihn warm und gut.
Im Schnee saß, im Schnee saß, im Schnee, da saß ein armer Mann, hatt’ Kleider nicht, hat Lumpen an.
„O helft mir doch in meiner Not, sonst ist der bitt’re Frost mein Tod.“
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin zog die Zügel an, sein Ross stand still bei'm armen Mann. Sankt Martin mit dem Schwerte teilt’ Den warmen Mantel unverweilt.
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin gab den halben still, der Bettler rasch ihm danken will.
Sankt Martin aber ritt in Eil’
hinweg mit seinem Mantelteil.
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin liegt in tiefem Traum, da tritt der Bettler in den Raum. Sankt Martin sieht ein helles Licht, der Bettler zu Sankt Martin spricht:
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin hört des Bettlers Wort: „Ich kam von einem andern Ort, ich kam vom hohen Himmelszelt, ich bin der Herr von dieser Welt.“
Sankt Martin, Sankt Martin, Sankt Martin hilf, dass jederzeit zum Teilen wir sind gern bereit, zum Helfen und Schenken mit frohem Mut, mach uns’re Herzen hell und gut.
zen
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St. Martin — Holzrelief in der Martins-Kirche zu Roringen
Gibt es protestantische Heilige?
Die Roringer Kirche heißt St. Martins-Kirche. Sie ist nach einem Mann benannt, der für die katholische Kirche ein Heiliger ist. Auch die Stadtkirchen St. Jacobi und St. Johannis, St. Marien, St. Albani, die zu lutherischen Kirchengemeinden gehören, tragen Namen von Heiligen. Gibt es in der lutherischen Kirche Heilige?
Martin Luther war kein „Bilderstürmer“, kein Revolutionär, der die Kirchen ausräumte. Auch nach der Reformation wurden in der protestantischen Kirche die Apostelund Evangelisten-Tage sowie Heiligentage gefeiert. Heilige gelten bei den Protestanten als Vorbilder. Sie sind jedoch keine Fürsprecher oder Mittler. Der Gemeinschaft der Heiligen, von der im Glaubensbekenntnis allsonntäglich gesprochen wird, kann jeder Gläubige angehören. Es bestand nach der Reformation kein Grund, die Kirchennamen zu ändern. Doch bei den Kirchen, die später gebaut wurden, wurde der Zusatz „Sankt“ nicht mehr verwendet.
Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Kirchhofsmauer
Historie
Im Jahre 1380 kam Roringen in den Besitz der Stadt Göttingen. Bald darauf, nämlich in den Jahren 1406/07 liess die Stadt die Warte und die Landwehr bauen. Wenig später, nämlich im Jahre 1422, erhielten die Maurer Pedik und Bertolt Boleken den Auftrag, eine Mauer um den Roringer Kirchhof zu errichten. In den Vogtherrenbüchern der Stadt wird 1422 verzeichnet: „De mure umme den kerkhof to roringen de is 32 roden [32 Ruten] lang“. Es entsprechen 1 Fuss = 29,209 cm, 16 Fuss ergeben 1 Langrute =4,673 m. 32 Ruten entsprechen einer Länge von rechnerisch 149,55 m. Die Höhe wird mit 7 Fuss (2.04 m) angegeben. An der Pforte - es wird nur eine Pforte erwähnt - ist die Mauer 3 Fuss höher als die Mauer, also rechnerisch 2.92 mhoch.
Es wird ausdrücklich erwähnt, dass die Mauer aufgemauert wurde. Sie war also keine Trockenmauer, sondern ein festes Mauerwerk.
Der 30-jährige Krieg verschonte Roringen nicht. Aus den Berichten geht hervor, dass das Kriegsvolk am 22. Juni 1623 die Mauern um die Kirche unten und oben mit eisernen Pfählen durchlöchert, eine Schiess-Scharte durchbrochen und eine Schanze aufdem Kirchhof gemacht hätten.
Einem Bericht von 1799 zufolge wurden auch Steine der Kirchhofsmauer beim Bau der neuen Kirche im Jahre 1747 verwendet, um die Kosten niedrig zu halten. Im Jahre 1920 wurde zur Verbreiterung der Strasse die Südwest- und die Südost-Ecke der Mauer abgewinkelt. Sie wurde dadurch um ca. 7.30 m verkürzt.
Wie viele Veränderungen mögen im Laufe der 580 Jahre erfolgt sein? Ist die Mauer überhaupt noch die Mauer von 1422?
Die Länge - heute
Die Mauer, d. i. der Umfang des Kirchhofs, ist gemäß den Plänen der Stadt 145,3 m lang. E. Günther ermittelte einen Aussen-Umfang von etwa 146 m. Nach eigenen Messungen beträgt der Außen-Umfang einschließlich der drei Toröffnungen 145.7 m. Zählt man die Verkürzung von 1920 um 7.3 m hinzu, so ergibt sich eine Länge von 153 m. Rechnet man ferner die lichte Weite der Süd-Pforte ab, sie beträgt heute ca. 1.5 m, so beträgt das Mauerwerk ca.
151.5 m in der Länge. Die Abweichung gegenüber der ursprünglichen Länge von 32 Ruten (149.6 m) liegt bei einem Bruchteil von einer Rute. Der Vergleich deutet darauf hin, dass die Länge der heutigen Kirchhofsmauer jener von 1422 entspricht. Es hat somit keine weitere wesentliche Erweiterung oder Verkleinerung des Kirchhofs und damit der Mauer im Laufe der Zeit gegeben.
Grundstückplan vom Kirchhof mit Längenangaben
Die Höhe der Mauer
Die ursprüngliche Mauer war ca. 2 m hoch. Die größte Höhe heute gemessen auf der Außenseite - beträgt 148 cm über Geländeoberkante (GOK), die geringste 102 cm. Die Mauer hat bis zur Hälfte ihrer ursprünglichen Höhe eingebüßt.
Ein eigenes Fundament ist nicht ausgebildet. Die Steine der Mauer sind auf dem Rohboden aufgesetzt. Im Gasleitungsgraben an der Westseite wurde eine Steinschüttung beobachtet. Sie könnte die natürliche Schuttdecke (Fliesserde) sein, die am Opferbach dem verwitterten Rohboden aufliegt, aber auch eine Schüttung zum Ausgleich und Sicherung der Mauersohle. Die Sohle der Mauer liegt aufder Westseite dicht unter Geländeoberkante, auf der Ostseite in Höhe des Straßenniveaus bzw. des Bürgersteigs.
Die Südmauer westlich der Pforte
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Dicke der Mauer
Die größte Dicke gemessen aufder Krone liegt bei 85 cm, die geringste bei 55 cm. Die Mauerstärke ist an Krone und Sohle annähernd gleich. Die Mauerstärke wechselt nicht sprunghaft, sondern in Abschnitten.
Auf der gesamten Nord-Seite, auf der Ost-Seite nördlich der Pforte und der Süd-Seite westlich der Pforte beträgt die Mauerstärke zwischen 72 und 85 cm. In der Südost-Ecke und in der Südwest-Ecke, ist die Mauer deutlich weniger stark. Ihre Dicke liegt zwischen 55 und 68 cm. Bei der Verkürzung der Mauer im Jahre 1920 wurden die Mauern in geringerer Stärke gebaut. Die Mauer der West-Seite besitzt eine Kronenbreite von nur 55-60 cm. Im Gaszuleitungsgraben von 2001 jedoch wurde an der Basisbreite der West-Mauer mit ca. 110 cm geschätzt. Diese doppelte Breite gibt Rätsel auf. Hier ist weitere Erkundung notwendig.
Nach dem Kirchenbrand von 1999 wurde für eine Zufahrt der großen Baugeräte auf der Ostseite ein Teil der Mauer abgebaut. An der wiederhergestellten Mauer wurden Stärken von 85 cm und mehr gemessen.
Vermutlich ist die Kirchhofmauer häufig repariert oder erneuert worden. Ein Augenzeuge berichtet, dass wenige Jahre nach dem 2. Weltkrieg Erneuerungsarbeiten an der West-Seite erfolgten.
Wie ließe sich nachweisen, was an Mauerwerk aus dem Jahre 1422 noch in der Kirchhofmauer erhalten ist?
Baumaterial und Bauweise
Zum Baumaterial wurde Naturstein verwendet, nämlich die bankigen bis dickbankigen Kalksteine des Oberen Muschelkalks, der den Schichtkamm des Menzelberges und die Schichtstufe des Drakenberges bildet und dort in Steinbrüchen gewonnen wurde. Möglicherweise fanden auch Kalksteine des Unteren Muschelkalks aus dem Bratental Verwendung.
Die Mauer ist soweit beobachtbar zweischalig gebaut. Zumeist ist ein Kalkmörtel zur Verbindung der Füllung zwischen den Schalen verwendet worden. Der Kalk-Mörtel hat inzwischen seine Bindefähigkeit nahezu völlig verloren. Die Mauer wirkt ähnlich einer Trockenmauer.
Der Teil der Mauer auf der Ostseite, der 1999/2000 abgebaut wurde, wurde teils voll vermörtelt, teils als Trockenmauer wiedererstellt
Die Pforten
Drei Pforten gewähren Einlass zum Kirchhof. Die Pforte auf der Ostseite wurde in den sechziger Jahren eingefügt. Das Bild - eine Aufnahme vor 1965 - zeigt noch die geschlossene Mauer der Ostseite. Die Pforte auf der Nordseite ist gleichzeitig mit der Pforte der Ostseite eingebaut worden.
Die Pforte, die auf der Südseite vor dem Eingang zur Kirche liegt, korrespondiert mit der Kirchentür. Auf der östlichen Seite ist „ROHRI 1823“ für das Jahr 1823 eingemeißelt. Vier Sandstein-Stufen überbrücken den
Die Südpforte mit Jahreszahl
Höhenunterschied von etwa 90 cm. Die Bänke sind in den Kalkstein der Seitenwände eingefugt worden. Der importierte Sandstein, der offensichtlich erstmalig im Neubau der Kirche verwendet wurde, wird im 19. Jahrhundert in Roringen ein viel genutzter Baustein.
Die Kirchentür der mittelalterlichen Vorgängerkirche, die 1747 abgerissen wurde, lag an der Baunaht Turm/Schiff. Wenn man es natürlich empfindet, dass die Pforte der Kirchhofsmauer mit der Kirchentür korrespondierte, dann müsste sie seinerzeit westlich der heutigen Südpforte gelegen haben.
Zweck Diente die Mauer nun als besserer Zaun, als eine
Umfriedung, um die Hühner, Ziegen und anderes Getier vom Kirchhof fernzuhalten? Oder besaß Roringen einst einen befestigten Kirchhof, der auch Menschen Schutz bieten konnte?
Im Jahre 1623 soll die Mauerhöhe noch 2 bis 3 m betragen haben. Heimatforscher sehen darin „eine über das übliche Maß (der einfachen Umfriedung) hinausgehende Höhe“ und damit einen befestigten, wehrhaften Kirchhof, der der Verteidigung diente.
Allerdings besitzt die Roringer Kirchhofsmauer keine besondere Mauerstärke oder gar einen Graben oder Wall weitere Zeichen für einen befestigten Kirchhof. Bei einer Höhendifferenz des Geländes von etwa 3 - 4m sind Mauern
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THIE-BOTE Nr. 3
von zwei Metern Höhe wenig hilfreich, die Einsicht zu behindern oder versperren. Schließlich ist auch der Kirchturm nicht als Wehrturm ausgerüstet. Die Deutung der Roringer Kirchhofsmauer als Wehranlage bedarf der weiteren Begründung, zumal die schützende Ringmauer an Warten gemäß einer Bauanweisung aus dem Jahr 1429 eine Höhe von ca. 6 m haben sollten.
Im Jahre 1872, als der neue Friedhof bereits eingerichtet war, wurde die Mauer nur noch als eine Befriedung des Kirchhofes empfunden. Ihre Unterhaltung oblag der Kirchengemeinde.
Die Mauer wurde nicht als Stützmauer gebaut, um etwa einen Anschnitt zu sichern. Sie ist eine Schwergewichtsmauer, die außen und innen trennt. Wenn heute Mauerkrone und Geländeoberfläche nahezu in gleicher Höhe sich befinden, so ist die eine Folge rückseitiger Auffüllung.
Mauer als Biotop
Die großen Blöcke ruhen durch ihr Gewicht und ihre unregelmäßige Form fest aufeinander. Sie sind durch einen Kalkmörtel miteinander verbunden. Kleinere Steine füllen die Lücken. Die Fugen sind äußerlich nicht verfüllt, sie springen weit zurück und geben der Mauer eine lebhafte Struktur. Staub, Laub und Gras, Gesteinsgrus und Boden sammeln sich hier an und bieten Pflanzen einen spezifischen, kalkreichen Nährboden. Die Mauer ist besiedelt, sie lebt.
Eine Bestandsaufnahme der Pflanzen durch den Kustos des Neuen Botanischen Gartens der Universität Göttingen, Herr Dr. Callauch im Jahre 1997 ergab eine außergewöhnlich reiche Blasenfarngesellschaft aus der Gruppe der kalkliebenden Mauerfugengesellschaften. Es befinden sich auch drei Farne darunter, die in die sog. Rote Liste (Niedersachsen) als besonders geschützte Arten aufgenommen wurden. Ein „Schatzkästchen“ nennt deshalb Dr. Callauch die Mauer und ihre Flora.
Diese Pflanzen sind an ihren Primärstandorten stark bedroht oder fast verschwunden. Deshalb bieten Sekundärstandorte, wie die Roringer Kirchhofsmauer, ihnen wichtige Refugien. Roringen kann sich glücklich schätzen, ein solches Kleinod bereits zu besitzen. Anderenorts werden derartige Standorte mit hohem Aufwand neu errichtet.
Die Mauer als erdgeschichtliches Dokument
Die Kalksteine der Mauer stammen aus Steinbrüchen der Umgebung, des Menzelbergs und der Drakenbergs oder wurden an den deren Hängen geborgen. Diese Steinbrüche sind heute verschüttet oder nicht zugänglich. Die Steine in der Mauer aber stehen uns sauber geputzt vor Augen. Sie erzählen von ihrem Bildungsgang: dass sie aus Kalkschlamm oder Kalksand am Boden eines flachen Meeres entstanden durch Verfestigung entstanden sind, dass Schalen von Muscheln oder deren Abrücke und die Spuren anderer vorzeitlicher Organismen in ihnen zu finden sind. Sie liefern materialtechnische Informationen über die Bankdicke, die
Roringer Kirche zwischen 1934 und 1956
Klüftigkeit des Gesteins und seine Härte. Sie verweisen auf ihre geomorphologische Wirkung als Schichtstufe des Oberen Muschelkalks am Drakenberg oder Menzelberg.
Natursteinmauern im Ortsbild
Moderne Baustoffe haben das Naturstein-Mauerwerk weithin verdrängt. Auch in Roringen gibt es Zeugnisse moderner Technik. Dennoch bestimmen die zahlreichen Natursteinmauern aus Kalkstein das Ortsbild. Sie dienen in der Regel als Stützmauern. Deshalb sind die Kalksteinblöcke mit Zementmörtel fest verbunden. Die Fugen sind voll verfüllt und vielfach erhaben. Echte Trockenmauern gibt es in Roringen nicht, auch wenn der Bericht zur Dorferneuerung in Roringen von 1995 die Kirchhofsmauer dazu zählt. Denn Trockenmauern besitzen keine Mörtelbindung. Dennoch wirkt die Mauer, insbesondere auf der Nordseite wie eine Trockenmauer, weil die Bindewirkung des Kalkmörtels verloren gegangen ist. Auf die Frage, welches wohl das bedeutsamste Bauwerk in Roringen sei, antworteten zwei Heimatpfleger benachbarter Ortschaften übereinstimmend und ohne zu zögern: die Mauer um den Kirchhof. Was macht sie in den Augen der Heimatforscher so bedeutsam? Die Mauer ist ein ortstypisches Bauwerk. Im Zentrum des Ortes und rings von Straßen umgeben fällt sie ins Auge. Sie umschließt Kirchhof und Kirche, einen religiösen Ort, ein symbolisches Terrain und ein soziales und kulturelles
Denkmal. Sie besitzt eine lange Geschichte. Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Betonwand statt mittelalterlicher Natursteinmauer
Befund
Die Arbeiten an der schadhaften Westmauer des Kirchhofs begannen am 26. Juli 2005. Die Natursteinmauer wurde auf eine Länge von ca. 16 m abgetragen und auch auf der Nordseite bis zur Pforte entfernt. Es bot sich folgendes Bild: Das Mauerwerk ist ca. 125 cm stark und besteht aus drei Einheiten:
Die straßenseitige, sichtbare „Vormauer“ ist eine einschalige Trockenmauer. Die besitzt eine Dicke von ca. 50 cm und eine Höhe von ca. 130 cm. Die Kalksteine erreichen eine Kantenlänge von 55 cm.
Hinter der Vormauer liegt eine Hinterfüllung von 20 - 25 cm Stärke aus Kalksteinbrocken. Die Zwickel sind mit humosem Lehm gefüllt. Es ist nicht erkennbar, ob dieses Material beim Aufsetzen der Mauer eingebracht wurde, oder ob es sich im Laufe der Zeit angesammelt hat (Einwaschungen, Transport durch Tiere, Laubzersatz). Die Hinterfüllung ist oben breiter als unten.
Die dritte Einheit ist eine zweischalige Kalksteinmauer. Sie reicht bis zu einer Höhe von 90 cm bei einer Breite von 60 cm. Die voll vermörtelte (Kalkmörtel), fugendichte Kalksteinmauer steht im Lot. Keine Wurzel durchbohrt das Mauerwerk. Die beiden Seiten sind eben und auf Sicht gearbeitet. Sie ist als eigenständige, freistehende Mauer gebaut. Der eingesetzte Bagger war außerstande, sie einzureißen. Sie wurde deshalb mit einem Presslufthammer zerkleinert.
Roringer Kirchhof Westmauer
Die Basis von Vormauer und zweischalige Kalksteinmauer liegt wenig unter der Geländeoberkante Beide Mauern sind nicht in die Tiefe gegründet.
Kirchhofsseitig folgt ein durchwurzelter Boden, der von grobem Kalksteinschutt durchsetzt ist; eine erhebliche Tonkomponente ist dem Augenschein nach nicht vorhanden. Der Boden reicht bis zur Krone der Vormauer und überdeckt die zweischalige Kalksteinmauer um 20 cm.
Das Alter der Vormauer
In der unteren Lage der Vormauer liegt ein Block roten Sandsteins. Buntsandstein findet in Roringen erstmals 1747 beim Kirchenbau Verwendung. Dieser Fund könnte für einen Bau dieser Vormauer frühestens im 18. Jahrhundert sprechen. Ein Augenzeuge berichtet, dass die Vormauer wenige Jahre nach dem II. Weltkrieg aufgesetzt worden sei.
Das Alter der hinteren Mauer
Die hintere, massive, zweischalige Kalksteinmauer wurde früher errichtet als die vordere Mauerschale, denn die Vormauer ist an sie angelehnt. Folgende Argumente sprechen dafür, dass sie das mittelalterliche Mauerwerk des Jahres 1422 ist: - Ein reiner Kalkmörtel verbindet fugenlos die wohl geschichteten Kalksteinblöcke. (Mörtel-Analysen könnten zur Absicherung der Datierung beitragen.) - Die Mauer wurde nicht als Stützmauer gebaut, sondern als eine freistehende Mauer. Die rückwärtige Erdböschung gab es zum Zeitpunkt des Baus noch nicht.
- Der Boden des Kirchhofs wurde bei Bau der Mauer nicht abgegraben oder als Keil eingefüllt. Vielmehr weist eine Schichtung ihn als eine nachträgliche Auffüllung aus.
- Die obere Schicht der Auffüllung enthält Brandschutt. Die Auffüllung enthält Keramikscherben des 14. - 16. Jahrhunderts.
Das bedeutet, dass diese Kalksteinmauer zunächst eine freistehende Mauer war und dann Jahrhunderte lang als funktionierendes Widerlager vor den Erdauffüllungen des Kirchhofs wirkte. Im Gesamtmauerwerk diente sie der Vormauer gleichsam als zweite Schale.
Ergebnis
In den vergangenen hundert Jahren ist bekanntermaßen vieles an der Kirchhofsmauer erneuert und verändert worden (5.48). Auch in den früheren Jahrhunderten dürfte die Kirchhofsmauer von 1422 Reparaturen und Umbauten erfahren haben. Deshalb stellt sich die Frage: Existiert überhaupt noch etwas von der ersten Kirchhofsmauer von 1422?
Die angeführten Beobachtungen sprechen dafür, dass das zweischalige Mauerstück der Westseite, das zwischen Boden des Kirchhofs und Vormauer verborgen war, ein Teil der Mauer von 1422 war.
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Aufgrabungen an der Nordseite zeigen, dass die innere Schale der heutigen Mauer auf alten Mauerresten gegründet ist, während die äußere Schale auf einen mächtigen humusreichen Boden steht. Hier wurde im Laufe der Zeit die Mauer nach Außen verlagert. Die Mauer von 1422 dürfte deshalb geringfügig kürzer gewesen sein als die Heutige.
Wenn die ehemalige Grenze des Kirchengrundstückes durch die Außenseite der Mauer von 1422 bestimmt wurde, dann wurde durch die Verlagerung der Mauer nach Außen das Grundstück vergrößert. Dies dürfte erfolgt sein, bevor die Grundstücksgrenzen messend festgelegt wurden.
Es ist eine christliche Grundüberzeugung, für das Erbe der Vergangenheit Dank zu empfinden, die anvertrauten Pfunde zu bewahren und zu pflegen und sie an die nachfolgenden Generationen unversehrt weiterzugeben. Dieser Haltung verdankt die Kirche das, was sie ist und was sie besitzt.
Mit den Baumaßnahmen des Jahres 2005 wurde diese mittelalterliche Mauer aufeine Strecke von 16 m zerstört. An ihrer Stelle stützt nun eine mit Kalksteinen kaschierte Betonmauer mit gigantischer Tiefengründung (5 m Betonpfähle mit 200 mm Breitflanschträger-Kern) den ca. 1 m hohen Anschnitt. Bauplanung und Bauüberwachung dieser Maßnahme lagen - im Auftrage der Leitung der Kirchengemeinde Roringen - in den Händen des Amtes für Bau- und Kunstpflege der Ev.-luth. Landeskirche Hannover (ABK), das auch für die kirchliche Denkmalpflege zuständig ist.
Mitte März 2006 waren bereits drei Steine von dieser
Mauer heraus gebrochen und aufden Schnee davor gefallen. Siegfried Ritzkowski
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RORINGEN
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THIE-BOTE Nr. 3
Der Kirchhof an der Kirche
Der Friedhof
Zu jeder Kirche gehörte auch ein Friedhof. Das bedeutet, dass vermutlich an diesem Ort schon im Jahre 1254 ein Friedhofbestand, der 1422 mit einer Mauer umgeben wurde. Kirche und Kirchhof lagen - so vermuten wir - am Rande des Ortes, nicht in ihrer Mitte (S.16).
Der Friedhof war ein heiliger Ort. Die Einfriedung schützte ihn vor der profanen Welt. Hier galt nicht das Recht der Welt.
Der Friedhof war Ausdruck des mittelalterlichen Verständnisses der Gemeinschaft der Heiligen als der räumlichen Verbindung der Lebenden und Toten. Im Mittelalter war der Friedhof, so kann man lesen, nicht nurein Bestattungsort. Er war zugleich Ort von Versammlungen, hier, insbesondere an der Kirchentüre, wurden Rechtsgeschäfte getätigt und Gericht gehalten. Kirchhof und Thie liegen vielfach nebeneinander, so auch in Roringen.
Die Sorge für die Toten war den Lebenden wichtig. Deshalb suchte jeder möglichst nahe bei dem Heiligen, dem Fürsprecher beim Jüngsten Gericht, also bei dem Altar mit der Relique beerdigt zu werden. Die besten und deshalb teuersten Plätze außerhalb der Kirche lagen nahe der Kirchentüre, an der Außenmauer der Kirche oder unter der Dachtraufe. Es gab eine Rangordnung der Grabplätze, eine Sozialtopographie des Kirchhofs, wie es die Fachleute nennen. Wir erinnern uns, dass Selbstmörder beispielsweise weit weg von der Kirche, an der Mauer eines Kirchhofs, wenn nicht gar außerhalb begraben wurden.
Auffüllungen
Der Blick auf den Südwest-Teil des Kirchhofs ist jedem Roringer vertraut. Aber hat man sich schon einmal gefragt, wieso die Geländeoberkante fast bis zur Mauerkrone reicht? Dabei ist es klar, dass hier kein Hang angeschnitten wurde, der hätte gesichert werden müssen. Auch wurde die Mauer nicht als Stützmauer gebaut. Vielmehr wurde der Kirchhof um max. 1.40 m aufgefüllt. An West- und Nordseite sind gleichfalls Auffüllungen, jedoch von geringerer Stärke, zu beobachten.
Im März 2001 erschloss ein Graben für die Gaszuleitung zur Kirche den Untergrund bis etwa 1 m Tiefe auf der Nordund Westseite des Turmes. Er führte durch den Bereich maximaler Auffüllung. Der unstrukturierte Lehm-Boden enthielt Ziegel-Scherben und humusreiche Partien bis zur Grabensohle und Batzen des hellen dolomitischen Mergels und Tons aus dem Liegenden bis dicht unter die Rasensohle. Eine Durchmischung bis ca. 1.1 m Tiefe ist festzustellen.
Skelettreste in 0.7 m Tiefe zeigen, dass die Toten früher weniger tief als heute bestattet wurden. (Die heutige Mindest-Bestattungstiefe beträgt ca. 1.5 m.) Bei derart flacher Bestattung stiegen die übelriechenden Verwesungsdünste aus dem Boden. Zu Zeiten von Epidemien mit vielen Toten verstärkten sich die Immissionen. Man half sich mit Aufschüttung von Boden, so auch in Roringen. (Auch im Jahre 2001 wurde erneut Boden aufgetragen, jedoch zum
Ausgleich der Unebenheiten.)
Die Kirche 1999
Im Boden steckt Fremdmaterial. Die Bruchstücke von Dachziegeln weisen auf zweierlei Ausgangsmaterial, d.h. auf Ziegel unterschiedlicher Herkunft. Der Form nach handelt es sich um Mönch- und Nonnen-Ziegel.
Auch Reste von irdenem Gerät wurden gefunden. Die Scherben von Grauware, darunter Randstücke eines Kugeltopfes, stammen aus dem Mittelalter (14.-16. Jh.), das Steinzeug aus dem 16.-17. Jh. und die bemalte Irdenware aus dem 17.-18. Jahrhundert. Einen auffälligen Anteil besitzen Scherben eines harten Lehms, der von völlig verkohlten Strohhalmen durchsetzt ist. Sie könnten aus den Gefachfüllungen von Fachwerk (Gadenhäuser) stammen und als Brandschutt gedeutet werden. Roringen wurde in den Jahren 1466, 1485 und 1552 durch Brände heimgesucht.
Die ursprüngliche Form des Geländes, auf dem die Kirche steht, lässt sich nachzeichnen durch die Basis der Kirchhofsmauer. Ein Höhenunterschied von 3-4 m liegt zwischen Nordost- und Südwest-Ecke.
Begräbnisart
Wie wurden die Toten begraben? Es wurden keine Anzeichen gefunden, die auf einen Sarg hindeuteten. Vermutlich wurden die Toten in einem Leichen-Tuch oder - Sack bestattet. Skelettreste in 0.7 m Tiefe zeigen, dass die Gräber nicht tiefausgehoben waren.
Im Jahre 1798 so wird berichtet - gab es nur zwei „Leichensteine‘“ (steinerne Grabmale) auf dem Kirchhof: eines für den Schulmeister Hartje, das andere für den Sohn des Pastors Muth. Es gibt keine Berichte darüber, wie die anderen Gräber markiert waren.
Gräber wurden offensichtlich gepflegt. In dem Schreiben des Kirchenvorstands im Jahre 1855, in dem er über die Ziegen und Gänse auf dem Kirchhof Klage führt, wird erwähnt, dass die Tiere die Blumen auf den Gräbern beschädigten.
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THIE-BOTE Nr. 3
Der Kirchhof und seine Bäume
Das Titelbild dieses Heftes zeigt, dass einst Äpfel- und Zwetschgen-Bäume auf dem Kirchhof wuchsen. Jetzt umgeben großkronige Laubbäume die Kirche. Sie wurden 1956 von Pastor Schiller gepflanzt. Je drei Buchen stehen an den Nordost- und Nordwest-Ecken, drei Linden an der Südwest-Ecke und zwei Birken und eine Weide im Südostteil des Kirchhofs. Eine Lärche auf der Südseite wurde nach dem Brande 1999 gefällt, weil sie weniger als einen Meter neben der Mauer stand und weit über die Grundstücksgrenze hinausreichte.
Die Doppelreihe aus Rotdorn, die den Zuweg zur Kirchentür rahmten und durch Frost arg dezimiert war, wurde ebenfalls nach dem Brande 1999 abgesägt. Alter Efeu, der bisweilen in das Gebälk des Daches hineinwächst, begrünt die Südfassade der Kirche.
Der Kirchhof als Denkmalsort
Hier, inmitten der Wohnstätten, und nicht am Rande des Ortes stehen die Mahnmale für die Toten. An die Gefallenen des I. Weltkrieges (1914-1918) erinnert die Eisen-Glocke mit dem Kreuz der Weltkugel darauf. Sie wurde 1925 als Ersatz für die im Krieg abgelieferte Bronze-Glocke gegossen und trägt die Erinnerungs-Inschriften:
Unseren Gefallenen zu Dank und Ehren und
Zerschlagen in eiserner Zeit fürs Vaterland zur Wehr,
erneut bin ich bereit, zu dienen Gottes Ehr.
Im Jahre 1988 wurde ein Mahnmal aus einem Kalkstein- Monolithen aus der Gemarkung zum Gedenken an die Opfer der beiden Weltkriege aufgestellt (s.a. Thie-Bote 2/2001).
Die Kirchhofsmauer bewirkt nicht nur eine Abtrennung des Kirchengrundstückes von den umgebenden Straßen. Sie grenzt einen Platz der Erinnerung ein. Weit über als 600 Jahre diente der Kirchhof dem Dorf als Beerdigungsstätte. Mehr 20 oder 30 Generationen sind in dieser Erde zu Staub und Asche zerfallen. Die letzte Tote, die auf dem Roringer Kirchhof bestattet wurde, war die 23-jährige Liseta Haroth.
Sie wurde am 17. Januar 1868 beerdigt. Siegfried Ritzkowski
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Der neue Friedhof
Beginn
Im 19. Jh. wurden Friedhöfe innerhalb von Ortschaften geschlossen. Der neue Friedhof in Roringen wurde außerhalb der Siedlungen und der Nutzgärten angelegt. Erst mit der Bebauung des Menzelberges in den 70er Jahren wurde er wieder in den Ort einbezogen. Das erste Begräbnis auf dem neuen, dem heutigen Friedhof war das der 68-jährigen Anna Margarethe Bornemann geb. Behrendt am 6. April 1868.
Beschaffenheit
Der Friedhof ist 0,24 ha groß. Er liegt am westgerichteten Hang des Menzelberges. Steiniger Lehm über tonigem Dolomitmergel bildet den Untergrund. Auf der Nordseite grenzt er mit einer Stützmauer gegen die Straße „Am Menzelberg“.
Er ist umgeben von einer dornigen Hecke und wird durch eine doppelte Reihe von Linden gegliedert (Abb. 3.56).
Die Kapelle
Die Friedhofs-Kapelle wurde nach dem Zweiten Weltkrieg erbaut. Sie bestand bis dato aus einem kleinen geschlossenen Teil und einem größeren offenen Teil. Im Jahre 2003 wurde ein Geräteschuppen angebaut. Im Frühjahr und Sommer 2004 wurde der überdachte Bereich durch Mauern umschlossen und der Fußboden, der aus dicken Sandsteinplatten bestand, neu gelegt. Am 13. 02. 2005 wurde die Kapelle wieder ihrer Bestimmung übergeben.
Friedhofsordnung
Der Friedhof dient der Bestattung der Personen, die bei ihrem Ableben ihren Wohnsitz in der Kirchgemeinde Roringen hatten bzw. ein Recht auf Beisetzung in einer bestimmten Grabstätte besaßen. Sie werden in Reihen-, Wahl- oder Urnen-Grabstätten beigesetzt. Die Ruhezeiten betragen i. d. Regel 30 Jahre, bei Aschen 20 Jahre. Ein Einzelgrab benötigt die doppelte Fläche eines Urnengrabes.
Die Gestaltung der Grabstätten wird durch eine Friedhofsordnung geregelt. Einfassungen aus Sandsteinriemchen waren bislang vorgeschrieben. Höhe der Grabmale soll zwischen 90 und 130 cm betragen. Für die Grabmale sind Natursteine aller Art zulässig.
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THIE-BOTE Nr. 3
Das Grabmal des Pastors Kerkow
Eine Ausnahme bildet das Grabmal des Pastors Leopold August Wilhelm Kerkow. Er wirkte von 1865 bis 1895 als Pastor in Roringen. Die Schulchronik verzeichnete bei seinem Tode: Am 12. Dezember starb unser geliebter und verehrter Pastor und Lokalschulinspektor Leopold Kerkow, nachdem er 31 Jahre in unserer Gemeinde in großem Segen gewirkt hat. Tief betrauert von der ganzen Gemeinde Roringen, wurde Herr Pastor am 16. Dez. unter großer Beteiligung zur Ruhe bestattet.
Sein Grabkreuz aus einem schwarzen Naturstein, das höher ist als die übrigen Grabmale, steht in der Nordwest- Ecke des Friedhofs. Es wurde nicht, wie üblicherweise die anderen Grabsteine, abgeräumt. Es steht jedoch nicht an der ursprünglichen Ruhestätte (S. 64-65).
Pastor Leopoll Kerkow
Ali
Das Grabmal des Pastors Kerkow
Der Friedhof am Menzelberg
Etwas Statistik
In Roringen sterben innerhalb eines Kalenderjahres zwischen 2 und 13 Mitbürger. Das Mittel aus 10 Jahren ergibt 7.6 Todesfälle pro Jahr. Zunehmend geben alte Menschen ihren Wohnsitz in Roringen auf, um in Wohnoder Pflegeheime zu ziehen. Auch die Zahl der Einwohner hat sich deutlich verringert. Es werden weniger Bestattungen in Roringen erforderlich.
Bei den Todesfällen des Jahres 2004 wurde 5 mal die Urnenbestattung, 1 mal eine Erdbestattung und 1 mal Bestattung außerhalb Roringens gewählt. Da eine Urnenbestattung nur einen Teil des Platzes und 2/3 der Liegezeit eines Einzelgrabes erfordert, wird deutlich weniger Platz benötigt. Bedarfes in Zukunft einer Friedhoferweiterung?
Im Jahre 2005 wurden auf dem Friedhof St. Petri in Weende 109 Personen beerdigt. 45 mal (41 %) wurde Erdbestattung, 64 mal (59 %) Urnenbestattung gewählt.
Begräbnisritus
Der christliche Ritus der Erdbestattung greift zurück auf die Vorstellung der Erschaffung des Menschen aus einem Stück Erde (1. Mose 3,19): .., dass du wieder Erde werdest, davon du genommen bist. Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden.
Die verschiedenen Formen der Bestattung wie Erdbestattung, Urnenbestattung, Seebestattung, neuerdings Bestattung der Asche in einem Friedwald zeigen, dass ein eindeutige Begräbnisart dem Christentum fremd ist.
Die Trauerfeier gibt Zeugnis von der Auferstehung, zeigt die Verbundenheit mit dem Toten in Freundschaft und Liebe und mahnt an das eigene Sterben. Der traditionelle Begräbnisritus verbindet Trauerfeier mit dem Gang zum Grabe und dem Begräbnis. Im Falle einer Einäscherung verlagern sich einzelne Handlungen aus der Kirche bzw. Kapelle heraus auf die Strasse. Trauerfeier und Begräbnis liegen auch zeitlich auseinander. Ein in sich geschlossener Ritus ist noch nicht entstanden.
Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Roaringens erste Urnenbestattunge
Irmchen und Ilse wören nich bloat Nachborskindere, nee se wören oak szau richtige Frünne, de szik allesanvertroaven und dur dick und dünn chingen. Ilses Tante Juste har in jungen Joahren n betten Pech ehat, dat waß denn woll de Chrund worümme Juste wiet wech in Leipzig enne Steh annenoahmen har, wo ött oak chaut verdane. Juste har ümmer schlimmet Hamweih und kamm denn oak anmoal innen Joahre tau Beszuch. Denn krech Ilse hübsche Cheschenke und Poa was Juste oak beh Ilsen und szau was Juste denn oak Ilsens Lieblingstante.
Wenn de Tiet kamm, dat Juste wer affrasen moßte, fung ött Juste schon en poar Doage doavor an tau hülen. Juste hare denn chroaten Wunsch, wenn moal szien Enne kamm, wolle ött in szienen Heimatdörp bechroawen szien und dat ching, wenn öhre Asche als Urne up de Gravsteh von de Elder kamm, in Leipzig wör enne Steh wo man verbrennt wern kunn. Ilse und Irmchen wollen dat chornich chlöben dat man ennen Minschen verbrennen dörfte, oawer in chroaten Städten was wollallesmöglich.
1936, als Juste man chroade 60 Joahre oalt was, storf Juste. Anes Doages kamm meh der Post enn Paket ut Leipzig, dor inne was de Urne. Ilsens Mamme hare de Urne in der Koamer uppen Schranke zettetund tau schloaten.
Als Ilse uter Schaule kamm, moake de Mamme enn bekümmertes Chesichte und sproak, use Juste is koamen. Ilse woll natürlich chliek dat Ding szahn, ött mane szau chroat weh ne Tunne moßte dat mindestens szien for ennen Minschen. Hamlich moake Ilse szik nu up de Szuche. Enne Koamer was affjeschloaten, doa isse inne! De Schlöttel was lichte tau finnen, und nu rinn in de Koamer! Nitz, kenne Tunne, bloat oben uppen Schranke stund enn Pott, bettchen chrötter weh ne Blaumenvoase mitten Deckel uppe! Ilse klötere uppen Staul und schüttele den Pott und watt manste, etrappele chans derbe doa inne. Dat moste Justes Urne szien.
Jetzt oawer aff noa Irmchen, schon in der Dör reip Ilse, Irmchen use Juste is doa! Irmchen latt alles stoahn und leggen und roawer noa Ilsen. Irmchen was oak chans enttäuschrt oawer denn klanen Pott. Ilse klötere wehr uppen Staul und schüttele und wehr rappele dat lut und dütlich innen Potte. Ilse rreip: „Hörstet, Irmchen, wat doarappelt, dat szind Justens Täne.“ Irmchen chloawte dat nu oak. De Baden szetten denn Urnenpott up de Komode, sochten Blaumen und Ranken und lechten alles hübsch ümmerüm und chloaten de Dör weer aff.
Ilses Mamme richte nu alles her weh vor enne Beerdigunge. De Trauerchäste versammeln szick in Harots Huse. Ilse und Kurtchen szöllen denn de Urne droajen. Bade woren stolt und fein annetoajen. Umme de Urne hare de Discher en Jestelle ut Holt emooket wo se bade chaut anfoten kunnen.
Als de Chlocken nu leuen, szette szik de Zuch in Bewegunge. Ilse und Kurtchen stolt mehn Potte vorwechen und nu kamm dat Unchlücke inner Gestalt von usen Chemeindedienere Curth, ha was jroade doabee meh sziener breen Kratze de Stroate afftauroken. Als ha de Kindere meh denn Urnenpott sach, smet ha sziene Hacken henn, tratt vor de baden Kindere und verkünde lut, et chehöre szeck nich, dat Angehörige de Urne droajet, namm Ilsen und Kurtchen de Urne aff und ching nu meh szienen smerigen Tüch vorweg.
Ilse kucke szik noa de Mamme ümme, oawer kaner wochte öhne Curth dat Weerspel tau hoalen, alle moaken bedröppelte Chesichter, denn kaner wolle watt moaken wat szik nich chehöre. Woher Curth nu wußte wat szik nich chehöre was allen enn Rätsel, denn ha was oak noch nich vele uten Dörpe wechen west.
De Urne meh Justens Asche wurd weh öft szik dat wünschet hare up dat Windelsche Chraw beszettet. Enne Platte meh szienen Noamen kamm später dortau. Von Verwandten wurd später dat Doppelchraff tereuekofft und de Urne mößte doanoch tau finnen szien.
Hütigen Doages is enne Urnenbestattunge kane Seltenheit mehr und dat is chaut, denn doadur spoart man veele Platz und dä is knapp up usen Friedhof!
Jutta Ronnenberg
Die Lindenallee auf dem Friedhof
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THIE-BOTE Nr. 3
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Der Pfarrhof
Lage
Fernab von der Kirche und ohne jede Verbindung zur Kirche liegt der Pfarrhof mit Pfarrhaus, Pfarrscheune und dem großen Pfarrgarten. Pfarrhaus und Pfarrscheune stehen als Gruppendenkmal unter Denkmalschutz. Das ehemalige Backhaus ist zerfallen und abgerissen.
Bodenfunde
Beim Umbau der Pfarrscheune zu einem Gemeindehaus wurde im Jahre 2001 ein Graben für eine Regenwasser- und Schmutzwasser-Leitung durch den Pfarrgarten nach Norden gezogen. In dem Aushub lagen neben Tier-Knochen und Bruchstücke von Ziegeln auch Keramik-Scherben. Die graue Irdenware stammt aus dem 13.-15. Jahrhundert. Die bemalte Irdenware (Bruchstücke von Teller, Schüssel, Topf) wurde um die Wende 17./18. Jahrhundert produziert. Eine Herkunft dieser Keramik aus Oberode im Kaufunger Wald ist möglich. Ein gleiches Alter wird auch den Scherben von Steinzeug zuerkannt.
Die Keramikfunde weisen auf eine Wohnstelle im Mittelalter (13.-15. Jh.) hin. Es könnte bereits zur Zeit der Ersterwähnung einer Kirche (1254) und der Ersterwähnung von St. Martin als dem Namen der Kirche (1414) hier einen Wohnplatz gegeben haben, in dem man durchaus den des Pfarrers sehen könnte.
Eine Auffüllung hat bei der Pfarrscheune auch zur Erhöhung der Geländeoberfläche geführt.
Was im Folgenden berichtet wird, stellt nur einen Bruchteil der Siedlungsgeschichte dieser Parzelle dar. Auch lassen die Berichte, die bislang genutzt wurden, nicht zu, die verschiedenen Bauperioden und Bauten eindeutig und lückenlos aneinanderzufügen.
Das Pfarrhaus im 17. Jahrhundert
In den Jahren 1607/1608 wurde ein Pfarrhaus erbaut. Die Kosten trug die Kirche, d.h. sie wurden aus dem Kirchenvermögen bezahlt, wie auch in alten Zeiten alle Baukosten des Pfarrhauses zur Gänze von der Kirche und nicht von der Gemeinde (der Gesamtheit aller Einwohner) getragen wurden.
Im Verzeichnis der Kirchengüter von 1672, das Pfarrer Kiesel (von 1669 1683 Pfarrer in Roringen) nach dem Dreißigjährigen Krieg (1618-1648) verfasste, steht zu lesen: „Das Pfarrhaus ist gar alt undt baufällig,
Scheuer undt Stall dergleichen. “
Auf der Pfarre gab es demnach ein Wohnhaus, eine Scheune und einen Stall. Deren Größe und Art kann bislang nicht angegeben werden. Auch ihre genaue Lage auf der Pfarre ist nicht festzulegen, es sei denn, man nimmt an, dass sie am Ort der heutigen Gebäude sich befunden hätten.
Die Pfarre zu Beginn des 18. Jahrhunderts
Im Jahr 1707 beschreibt das Roringische Kirchen- und Pfarrinventarium aus der Feder des Pastors Heinrich Christoph Bachmann (Pfarrer in Roringen 1683-1709) einen Jämmerlichen Zustand des Pfarrhauses, das er ein alt
Rauchnest nennt:
„Sintemal in der Küche ein Schornstein fehle; es sei nicht vielnutzes an dem Hause und er habe jährlich mehr Schaden und Verdruß als Nutzen und Ergötzlichkeit von demselben. Vorzeiten habe schon Herr Gen.-Superint. Janus darauf gedrungen, daß ein gantz neu Pfarrhauß von Eichen und Tannen-Holtze sollte gebauet werden, ein alter Kirchenvater, der viel Willen gehabt, habe aber widerraten und vorgegeben, daß mit Flicken dem Hause noch zu helfen stünde, und so sei es beim alten geblieben. “
Ein neues Pfarrhaus wurde in den Jahren 1739/40 gebaut. Im Güterverzeichnis (Corpus Bonorum) von 1798, das Pfarrer J. H. Hoffmann (Pfarrer in Roringen von 1795-1808) erstellte, istnämlich zu lesen:
„Die Pfarr-Gebäude ... bestehen aus folgenden Gebäuden: l. dem Wohnhause, worin 4 Stuben, 5 Kammern, eine Küche, ein Keller und Fruchtboden nebst Rauchkammer befindlich. 2. Aus einem dicht daran stoßenden Backhause. 3. Aus einer großen Scheune, welche aus einen Holz, Kuh, und Pferdestalle und einer Dreschdiele bestehet. 4. 3 Schweineställen. Das Wohnhaus, und ein Theil der großen Scheune sind in den Jahren 1739 und 40 erbaut worden, und sollen der Gemeine über 1000 RThlr [Reichstaler] zu stehen gekommen seyn. Der übrige Theil der Scheune ist nebst den Schweineställen in den Jahren 1771 und 72 nachgebauet worden, und hat exclusive der Hand- und Spanndienste 152 RThlr 24 mgr [Mariengroschen] gekostet. Der Hof, auf welchem ein tragbarer welscher Nussbaum stehet, ist mit einem Stackett und Thorwege befriediget, welches alles die Gemeinde halten muss; das innere Stackett aber, welches den Obst- und Küchengarten vom Hofe trennt, muß der jedesmalige Prediger auf seine eigene Kosten erhalten. Uebrigens müssen alle obigen Gebäude von beiden Gemeinden zu Roringen und Herberhausen in Bau und Besserung erhalten, auch die Stuben geweisset und die Schornsteine gereiniget werden, und ist per Rescriptum Consistorii vom 4” July 1693 nach einer darüber geführten Klage festgesetzet worden: daß die Herberhäusische Gemeinde zu den Reparationen des Pfarrhauses zu Roringen das Ihrige pro rata beytragen solle.“
Der Eintrag besagt weiterhin: Es wurde auch ein Teil einer Scheune gebaut. (Der restliche Teil der Scheune und die Schweineställe wurden 1771/72 ergänzt.) Es gab ein Backhaus, das an das Haus angebaut war. Das Anwesen war von einem Staketenzaun, nicht von einer Mauer, umgeben. Die Gemeinde Herberhausen hatte zur Unterhaltung der zur Pfarre gehörigen Gebäude beizutragen.
Im Jahre 1759 wird in einer Gebäudeliste von Roringen zusätzlich ausgeführt, dass das „..Pfarrhauß, noch gantz neu, und in ziemlich gutem Stande...“ sei.
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Jedoch im Jahre 1782 schreibt Pfarrer Kaufmann (1761- 1785) am 7. Oktober: „Mich graut für diesen Winter, Hauß und Stallungen sind wüßte, und nun ist es Winter und, alle meine Schreiben, Bitten und Flehen, so sich an H. F. Oppermann gethan, ist vergebens. Was sollich Thun?“ Diese Notiz weist darauf hin, dass die Gebäude der Pfarre bereits zu diesem Zeitpunkt insgesamt sehr verfallen waren. Dieser schlechte Zustand wird allerdings im erwähnten Güterverzeichnis von 1798 nicht erwähnt.
Das Pfarrhaus von 1820/40
Im Gemeindeblatt von 1931 istzu lesen:
„Ehrn Bachmann hat den Neubau nicht mehr erlebt. Das neue Pfarrhaus, das noch heute [1931] steht, ist erst ein Menschenalter nach seinem 1709 erfolgten Tode erbaut [1739/40].
Vermutlich täuschte sich der Autor des Berichts im Gemeindeblatt von 1931. Das heutige Pfarrhaus ist nicht der Bau von 1739/40, sondern es dürfte wohl erst zwischen 1820 und 1840 erbaut worden sein; denn unter dem 01. Sept. 1844 wird in den Pfarrakten berichtet:
„.das Pfarrhaus steht, wohl gelegen und eingerichtet auch Ökonomie gebäude..“.
Das Pfarrhaus erscheint heute als ein zweigeschossiges Fachwerkhaus in Stockwerksbauweise mit einem Krüppelwalmdach. Zwischen der Sockelschwelle, die dem Kalksteinsockel aufliegt, und dem Rähm liegt der abgezimmerte Unterstock. Auf der Geschoßbalkenlage, deren Balkenköpfe an der Ostseite des Hauses sichtbar sind, ruht zwischen Stockschwelle und Rähm, der Oberstock.
Horizontale Riegel verbinden in gleichmäßigen Abständen die Ständer. Je zwei Riegelgänge je Stockwerk gliedern die Wand in je drei Gefache. Diese dreifache Gliederung der Außenwände ist neu für Roringen. Für die bäuerlichen Fachwerkhäuser ist ein zweistufiges Fachwerk mit je einem Riegelgang je Stockwerk typisch.
Die regelmäßige Innengliederung des Hauses ist außen wieder zu erkennen: Die Eckständer und die Bundständer an den Innenwänden werden durch schräge Streben versteift. Sprossenfenster und Kassetten-Tür fügen sich bruchlos in dieses Schemaein.
Das Dach ist mit naturroten Tonziegeln (Hohlpfannen) gedeckt. Der Behang der Giebelseiten besteht ebenfalls aus Hohlpfannen. Teilweise sind Krempziegel vorhanden. Kellerund Dachtragewerk sind bisher nicht erfasst.
Das Backhaus
Das Backhaus existiert nicht mehr. Der eingeschossige Fachwerkbau besaß die Abmessungen von. 4,8mx 7,1 mbei einer Firsthöhe von 4,5 m. Der Backofen ragte etwa zur Hälfte aus der nördlichen Giebelseite heraus.
Aus dem Photo wird der ehemalige Standort ersichtlich.
Der Südgiebel des Backhauses fluchtete mit der Südseite der Pfarrscheune.
Im Dezember 1992 brach die Dachkonstruktion des Backhauses mitsamt dem schweren Schornstein und dem Fachwerkgiebel in sich zusammen. Ein Sturm im Herbst 1993 warf die letzte Mauer um. Der Gewölbeofen aus Lehmsteinen wurde später abgeräumt. Sein Standort nördlich der Zisterne ist durch die Pflasterung des Vorplatzes der neuen Pfarrscheune nicht mehr erkennbar.
Dieses eingeschossige Backhaus soll so das Amt f. Bauund Kunstpflege - im Jahre 1745 erbaut worden sein. Das Güterverzeichnis von 1798 führt ein Backhaus auf, das jedoch an das Pfarrhaus anstößt. Aus dem Jahre 1878 datiert schließlich ein Antrag aufUmbau eines Backhauses.
In der Grundstücksskizze des Pastor Witthaus von 1930 ist ein Waschhaus eingezeichnet und erwähnt. Aus dem Grundriss der Gemarkungskarte von 1875-1950 dagegen ist unschwer ein Backhaus abzulesen. Während das „Backhaus“ der Gemarkungskarte nördlich der Fluchtlinie der Scheunenvorderseite lag, soll sich das „Waschhaus“ gemäß der Skizze des Pastor Witthaus südlich dieser Fluchtlinie befunden haben. Nicht nur die Funktionen, sondern auch die Standorte werden unterschiedlich überliefert. Hier istnoch Klärung vonnöten.
Das alte Backhaus
Die Mauer
Das Pfarrgrundstück wird gegen die „Lange Straße“ und die Straße „Am Opferbach“ von einer zweischaligen Kalkstein-Mauer begrenzt. Satteldachförmige Sandstein- Platten bilden die Mauerkrone.
Auch der untere Pfarrgarten wird durch eine Kalksteinmauer gegen die Strasse „Am Opferbach“ abgetrennt. Diese ist ca. 0.7 m dick und 1.6 m hoch. Die flachen Natursteine liegen annähernd horizontal und folgen nicht der geneigten Erdoberfläche. Es gibt eine kleine Pforte.
Etwa gegenüber der Grenze von Haus Opferbach Nr. 8 und 10 durchbricht ein niedriger Durchlass von 0,7 m Höhe die geschlossene Wand. Die Bogenweite (Spannweite oder lichte Weite) beträgt 0,98 cm, die Bogenhöhe ca. 0,30 cm.
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Jeweils zwei Steine, die links (Nord) 0,40 m, rechts (Süd) 0,35 mhoch sind, bilden das Widerlager. Aufihnen ruhen die beiden Auffangsteine (Anwölber), die keilförmig zugerichtet sind. Sie und ein gleichfalls keilförmiger Schlußstein bilden mit den übrigen Keilsteinen, die durch annähernd parallele Schichtflächen begrenzt sind, den Gewölbebogen. Man hat wohl deshalb zu einer Bogenkonstruktion gegriffen, weil in der Gemarkung Gesteinsfolgen fehlen, aus denen Balken entsprechender Länge sich herstellen ließen. Ein dünner Zementbelag schließt die Mauer nach oben. Flechten fußen in den Fugen der Mauer.
Der Mauerbogen
Wozu dient dieser Durchlass, den jetzt ein Stein auf der Gartenseite verschließt? Die unterirdische Regenwasserleitung aus der Zisterne des Pfarrhauses führt an dieser Stelle durch die Mauer in den Regenwasserkanal.
Angaben für den Zeitpunkt des Mauerbaus können bislang nicht gemacht werden.
Die Wasserhaltung
Bevor um 1956 ein Wasserleitungssystem geschaffen wurde, versorgten sich die Roringer mit Wasser aus Brunnen. Auf der Bergseite der Pfarre gab es keine Brunnen. Offensichtlich traf man Grundwasser erst unterhalb der Pfarrscheune an. Mündlichen Berichten zufolge befand sich ein Brunnen ca. 10 m nördlich der Pfarrscheune. Hier holten auch die Anwohner des heutigen Baumgartens ihr Trinkwasser.
Die Quellfassung des Opferbachs
Eine Quellfassung liegt in der Mitte des Pfarrgartens. Sie wurde 1954 neu genehmigt und danach auch gebaut. Einem Sickerschacht bis 2.7 m Tiefe führen zwei Tonschürzen von 8 m Länge, 0.3 m Stärke und 2 m Höhe, die unter einem Winkel von 90° sich gegen den Berg öffnen, das Grundwasser zu. Der Speicherraum fasst 5.1 m’. Er ist durch
einen Kontrollschacht von oben zu begehen. Es gibt Hinweise darauf, dass diese Quellfassung eine frühere ersetzte. Das gesammelte Wasser sollte mit einer Pumpe ins Pfarrhaus gefördert werden. Da 1956 die örtliche Wasserleitung gebaut wurde, entfiel die Nutzung.
Das Überlaufwasser wird in einer Bachrinne der Vorflut zugeführt. Diese Fassung kann als eine der Quellen des Opferbachs angesehen werden.
Die Zisterne
Ein weiteres Bauwerk dient der Wasserhaltung im Pfarrgarten, nämlich eine Zisterne. Sie wurde 1953 zunächst als Klärbecken von 15 m’ Inhalt für die Toiletten des Pfarrhauses geplant. Da mit der Wasserleitung auch die Abwasserkanäle gebaut wurden, entfiel dieser Zweck. Die Anlage nimmt das Regenwasser des Pfarrhausdaches auf und gibt es an eine 100 mm © Rohrleitung ab. Die Leitung führt in den unteren Teil des Pfarrgartens und lässt das Wasser dort versickern. Die Naßstellen im Pfarrgarten
markieren den Beginn der Sickerstrecke. Siegfried Ritzkowski
Der Feuerteich
An der Straße „Am Opferbach“ und an die Nordseite des Pfarrgartens angrenzend, lag der Feuerlöschteich. Einem Briefwechsel des Kreishauptmanns mit dem Gemeindevorstand aus den Jahren 1883/84 ist zu entnehmen, dass der Feuerteich bereits zu diesem Zeitpunkt existierte. Damals speicherte der Teich infolge ungenügender Abdichtung zu wenig Wasser.
Der Teich wurde - so Pastor Witthaus am 14.10.1930 - „.zum Teil von einem aus dem Pfarrgarten entspringenden Rinnsal gespeist.“ Eine niedrige Mauer umgab ihn. Die Kinder des Dorfes nutzten ihn als Badeteich. Die Feuerwehr - so wird berichtet - säuberte den Grund.
Dem erwähnten Brief des Pastor Witthaus (1930) ist zu entnehmen, dass „der Herr Kreisbrandmeister ... im Interesse des Schutzes gegen Brandgefahr an die politische Gemeinde Roringen die Aufforderung gerichtet [hat], den Feuerteich des Dorfes zu vergrößern.“ Die Vergrößerung um 80 m’ sollte im Pfarrgarten erfolgen. Nach Augenzeugen berichten soll die Wasserfläche des Feuerteiches auch in den Pfarrgarten sich ausgedehnt haben.
Gleichzeitig schreibt Pastor Witthaus - „... ist von Seiten der Kreisbehörden dem Gemeindevorstand die Anregung gegeben, den Teich zugleich auch zu einer Bade- und Schwimmanstalt auszugestalten.“ Eine Badeanstalt aber wurde offensichtlich nie eingerichtet.
Der Feuerteich wurde im Jahre 1939 bei dem Brande des Anwesens Bornemann, Lange Straße 26, genutzt. Er verlor seine Funktion, als Roringen Mitte der fünfziger Jahre eine Wasserleitung erhielt.
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Die Pfarrscheune
Die Überlieferung
Die Nachrichten über die Wirtschaftsgebäude der Pfarre sind bislang noch bruchstückhaft. Im Verzeichnis der Kirchengüter von 1672 wird angezeigt, dass es auf der Pfarre auch Scheuer und Stall gab. In den Jahren 1739/40 wurde ein Teil einer großen Scheune errichtet. Der restliche Teil der Scheune und die Schweineställe so das Güterverzeichnis von 1798 wurden 1771/72 gebaut. Dem erwähnten Bericht von Pastor Kauffmann zufolge waren die Wirtschaftsgebäude im Jahre 1782 in wüstem Zustande. Im Jahre 1844 jedoch wurden auch die Wirtschaftsgebäude gelobt. Sie müssen also davor erneuert worden sein.
Die Wirtschaftsgebäude um 1878
Das Genehmigungsschreiben für den Bau eines Backhauses auf der Pfarre zu Roringen aus dem Jahre 1878 enthält Grundrisszeichnungen mit Maßstab von Pfarrhaus, Backhaus und Wirtschaftsgebäude. Aus dem Jahre 1930 existiert ein Grundriss-Plan von Pastor Witthaus’ Hand. Schließlich enthält auch die Gemarkungskarte im Maßstab 1:1.000 Eintragungen von Gebäuden zwischen 1875 und 1950. Sie enthalten insgesamt sehr unterschiedliche Aussagen über Abmessungen, Lage und Einteilung der Gebäude, dass es weiterer Klärung bedarf. Es ist wohl davon auszugehen, dass das Wirtschaftsgebäude mit einer Remise bis an die Langestraßereichte.
Plan von Roringen — Pfarre (42), Hippe (37), Ronnenberg (38)
Roringer Pfarre und Scheune um 1920
Die Scheune um 1920
Ein Photo, das etwa 1920 aufgenommen wurde, zeigt einen Teil des Wirtschaftsgebäudes. Die heutige Pfarrscheune mit den Grundriss-Abmessungen 9.32 x 8.90 m stellt nur einen Teil davon dar. Der linke (westliche) Teil ist die heutige Pfarrscheune. Er besteht er aus sieben Gefachen und ist als Stockwerksbau (Rähmbau) mit zwei Stockwerken ausgeführt. Zwischen dem Rähm des unteren Geschosses und der Stockschwelle des oberen Geschosses sind die Balkenköpfe der Deckenbalken zu sehen. Der: rechte (östliche) Teil ist als Ständerbau (Geschossbau) gehalten, in dem die senkrechten Ständer von der Schwelle bis zur Traufe durchgehen. In sie sind die Geschossbalken etwaiger Etagen/Geschosse eingehängt. Trotz einheitlicher Firstlinie ist diese Gebäudegrenze auch in der Dachdeckung auszumachen. Diese Zweiteilung kann als Hinweis auf die zwei Bauphasen der Scheune gelesen werden.
Die Gefache waren ausgestakt. Eingestellte dünne Hölzer waren mit dünnen Zweigen umflochten und mit einem Gemisch aus Lehm und Stroh ausgefüllt (Abb. S. 61). In der 2. Hälfte des letzten Jahrhunderts wurden Gefache auch mit Bruchsteinen ausgefüllt. Die Giebelseiten waren mit naturroten Tonziegeln behängt.
Die Zuordnung zu Nutzungsarten ist nicht eindeutig. Die linke Tür ist einteilig, möglicherweise führt sie in die Holzremise. Eine Hühnerleiter lässt dahinter auch den Hühnerstall vermuten. Das obere Stockwerk dürfte der Heuboden sein, der sich über den gesamten Bauteil erstreckt. Im dritten Gefach befindet sich eine geschlossene Tür, die offensichtlich zweiteilig ist Anzeichen für einen Stall. Durch die nächste, offene Tür fällt der Blick auf Boxen für Tiere, also eine Stallung. Die nächste Tür mit darüber liegenden Belüftungsfenstern spricht gleichfalls für einen Stall. Von der Dreschscheune ist nur ein Flügel zu sehen. Es soll zwischen Scheune und Mauer so ein Augenzeuge noch eine offene Remise gegeben haben. Die erwähnte Handskizze
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von Pastor Witthaus aus dem Jahre 1930 zeigt, dass die Pfarrscheune bis an die Mauer der Langestrasse reichte.
Der Abbruch der Scheune dürfte zwischen 1930 und 1940 erfolgt sein. Der Boden der Scheune ist heute noch erkennbar an dem Planum, das zwischen der Pfarrscheune und der Mauer sich befindet. Dort, wo das Photo eine geöffnete Stalltür zeigt, wurde zur Zeit von Pastor Schiller eine Autogarage eingebaut. In den letzten Jahren diente die Pfarrscheune als Holzstall, als Lagerraum und Garage. Auch gab es einen Schafstall mit Zugang von der Nordseite.
Ein Vorgängerbau
Im Jahre 2001 wurden bei den Auskofferungsarbeiten für das Gemeindehaus einige Dezimeter unter der ehemaligen Geländeoberkante (GOK) eine frühere Geländeoberfläche angetroffen. Möglicherweise entspricht sie auch jenem mit Steinen belegten Fußboden, von dem im Kartoffelstein Nr.63/2001 berichtet wird.
Diesem Niveau entsprechen die horizontalen Oberflächen von vier großen Kalksteinblöcken, die sich deutlich von dem übrigen Kalksteinschutt durch ihre Größe unterscheiden. Mit Abmessungen bis etwa 40 x 60 cm in Länge und Breite und 25 cm Dicke stellen sie die größten Blöcke im Aushub dar. Sie sind offensichtlich sorgfältig gesetzt und könnten zu den Sohlsteinen gehören, die vielleicht das Ständerwerk eines Vorgängerbaus der Pfarrscheune trugen.
Es ist unbekannt, wann dieser hypothetische Vorgängerbau erbaut und genutzt wurde. Da mittelalterliche Keramik nördlich der Scheune gefunden wurde, nicht aber im Aushub der Scheune, ist zu vermuten, dass bereits in vorreformatorischer Zeit ein Wirtschaftgebäude hier gestanden haben könnte.
Diese schönen, großen Roringer Steine wurden mitsamt vielen anderen, scheinbar gesicherten Natursteinen beim Umbau der Pfarrscheune mit dem lehmigen Aushub überschüttet. Sie sollen nun den Eingangsbereich der Pfarrscheune stabilisieren und damit das abschüssige Gelände zum Pfarrgarten hin sichern.
Die Westseite der Roringer Pfarrscheune
Umbau zum Gemeindehaus 2001/2002
Die Pfarrscheune ist heute das Gemeindehaus. Sie wurde in den Jahren 2001/2002 umgebaut und am 05.05.2002 eingeweiht. Voraussetzung für den Umbau war es, dass die Grundfläche (8.90 m x 9.32 m) der ehemaligen Pfarrscheune nicht verändert wurde. Die Firsthöhe beträgt 9.13 m über Basis Sohlbalken bzw. 9.48 über Fußbodenoberkante. Die Nutzung als Gemeindehaus wurde dadurch ermöglicht, dass der Fußboden des Unteren Stockwerks um 0.35 m tiefer gelegt und die Deckenbalken des Oberen Stockwerks höher positioniert wurden.
Das Bild zeigt unter der erneuerten hölzernen Sockelschwelle der Ostseite den Betonsockel und das breitere Fundament.
An der hellen Lage und den zwei horizontal liegenden Kalksteinblöcken in Bildmitte ist ein ehemaliger Fußboden erkennbar.
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Im Oberen Stockwerk liegen auf dem Rähmbalken, der die Fensteröffnungen abschließt, die ursprünglichen Deckenbalken, in die die Sparren eingezapft sind. Auf der Außenseite sind sie noch als abgeschrägte Träger des Windbretts erkennbar. Die Deckenbalken wurden gekappt. Ein überkragendes Kantholz trennt sie von den neuen Deckenbalken, die den Raum überspannen .
Eine vierfach abgeschrägte Stuhlsäule mit Kopfbändern, die aussteifende Wirkung in alle Richtungen besitzt, stützt in der Mitte des Gebäudes den Unterzug, auf dem die Deckenbalken des Dachraumes aufliegen.
Der Dachraum bis zu dem Kehlbalken vergrößert das obere Stockwerk. Eine Stuhlsäule mit zwei Streben stützt den Unterzug unter den Kehlbalken. Die schrägen Windrispen verbinden die Sparren untereinender und versteifen das Dachwerk.
Im oberen Dachraum sind ferner Einbauten zur Versteifung des Daches eingebaut. In der Position von Mittelfetten und Firstfette sind Balken in der Längsrichtung eingezogen. Jedes Sparrenpaar wird durch ein Paar Bretter (eine Art „Hahnenbalken“) im Firstbereich verbunden, Schließlich liegt ein Bretterkreuz aufden Kehlbalken.
Der Umbau der Pfarrscheune führte zu einem nutzbaren und nützlichen Gemeindehaus, das die alte Fachwerkstruktur weitgehend erhalten hat, und bei ursprünglichen Ausmaßen und Gliederung das Ensemble der Pfarre bewahrt.
Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Einstige Pastoren in Roringen
Die Pfarrer, die vor der Reformation in Roringen wirkten, sind bisher nicht bekannt. Die protestantischen Pastoren listete Ph. Meyer unter dem Titel Die Pastoren der Landeskirchen Hannovers und Schaumburg-Lippe seit der Reformation. Bd. I-III.- Göttingen 1941-1953 auf. Ergänzungen erfolgten durch K. H. Bielefeld im Kartoffelstein Nr. 76/2004.
Zwischen 1530 und 1540 ersuchte die Göttinger Bürgerschaft den Herzog Philip von Grubenhagen, Peter Ripenhusen aus Göttingen mit der Pfarre zu belehnen. Es folgten:
In Göttingen erfolgte der Wandel vom Katholizismus zum Protestantismus in den Jahre 1529 bis 1531.Am 31. Mai 1531 trat die Stadt dem Schmalkaldischen Bund bei, dem neu gegründeten Zusammenschluss der protestantischen Reichsstände, und konsolidierte damit die Reformation in Göttingen. Damit wurde auch in den Stadtdörfern Roringen und Herberhausen die Reformation eingeführt.
Heinrich Spangenberg vor 1568 Jost Moelen vor 1575 Joachim (von) Alvelde (identisch mit Joachim Fleck) 1570-1603 Georg Underberg, 33 Jahre 1603-1606 Daniel Quentin (Quintinus), 3 Jahre 1606-1623 Andreas Bariscus (Variscus), 17 Jahre; gest. in Roringen 1623 1623-1626 Heinrich Henkel (in Herberhausen) 1623-1627 Hartmann Heisseus, 3 Jahre 1628-1669 Christian Meyer, 41 Jahre; gest. in Roringen 1669 1669-1683 Albert Küsel, 14 Jahre; gest. in Roringen 1683 1683-1709 Heinrich Christoph Bachmann, 26 Jahre; gest. in Roringen 1709 1710-1744 Johann Christoph Kleine (Klein), 34 Jahre 1744-1761 Friedrich Andreas Apel, 17 Jahre 1761-1785 Johann Daniel Kaufmann, 17 Jahre; gest. in Roringen 1785 1785-1795 Friedrich Ernst Konrad Muth, 10 Jahre 1795-1808 Johann Heinrich Hoffmann, 13 Jahre 1808-1812 Johann Melchior Sander, 4 Jahre 1812-1846 Georg Justus Dorsch, 34 Jahre; gest. in Roringen 1846 1847-1864 Friedrich Wilhelm Böker, 17 Jahre 1865-1895 Leopold August Wilhelm Kerkow, 30 Jahre; gest. in Roringen 1895 1896-1934 Hermann August Christian Wilhelm Witthaus, 38 Jahre Vakanzzeit, 1 1/2 Jahre, Vertretung durch Pastor i. R. Heller, Göttingen 1936-1939 Walter (Walther) Mügge, 3 Jahre 1940-1943 Hans Crome, 3 Jahre (Vertretung?) 1943-1950 Hans Heinrich Harald Harms 1951-1952 Rudolf Gensch 1952-1984 Johannes Schiller, 32 Jahre; gest. in Roringen 1985 1985-1994 Hans-Hermann Schmidt. Anmerkung
Die aufgeführten Daten geben die offiziellen Amtszeiten wieder. Sie beschreiben bisweilen nur ungenau den Zeitraum der Tätigkeit eines Pastors in Roringen. Beispielsweise waren infolge Vakanzen und Vertretungen Pastoren auch außerhalb der angegebenen Amtszeiten vor Ort tätig.
In den Gemeinden Roringen und Herberhausen wurden im Jahre 1623 zwei Pfarrer eingesetzt, obwohl die Gemein-
den seit 1613 unter einem Pfarramt vereinigt waren. Während des Weltkriegs II und in der Nachkriegszeit wechselten die Vertretungen mehrfach. Roringer wurden bereits 1949 von Pastor Gensch getraut, obwohl dieser erst 1951 Pfarrstelleninhaber wurde. Pastor Schmidt konnte einige Zeit sein Amt nicht ausüben, weil Pastor Schiller das
Pfarrhaus weiterhin bewohnte. Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Von Pastoren und Lehrern
Die Liste der ehemaligen Roringer Pastoren verzeichnet ihre Namen und Lebensdaten. Doch welche Spuren haben sie hinterlassen? Von einigen soll hier berichtet werden.
Christian Meyer
Christian Meyer war von 1628-1669 insgesamt 41 J ahre lang Pfarrer in Roringen. In seine Amtszeit fällt der größte Teil des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648). Er schrieb mehrere umfangreiche Berichte über die Kirchgemeinde. Im Jahre 1648 gab er den Auftrag für den Guss der Glocke. Er starb am 8.5.1669.
Im Gottesdienst wird heutzutage mit dem Klingelbeutel ein Opfer während der Liturgie eingesammelt. Für das „Armenopfer“, eine weitere Spende für diakonische Aufgaben, hängt am Ausgang ein Kasten. Wann wurden diese Formen, Opfergaben zu sammeln, eingeführt?
Der Bericht von Chr. Meyer an den Rat in Göttingen als Patron aus dem Jahre 1659 zeigt, dass vor nahezu 350 Jahren die Sammlung mit einem Klingelbeutel üblich war und dass ein Armenopfer, das anderenorts bereits eingeführt war, auch in Roringen zugelassen werden sollte.
Meyer berichtet, dass der vor etlichen Jahren angeordnete Klingelbeutel fast nichts einbringe, bisweilen 2, 3 oder 4 Pfennige, weshalb die Kirchväter (Kirchenvorsteher) bäten, „das sie mit der Mühe, mit dem Klingelbeutel herumb zu gehen, möchten verschont bleiben, denn sie nur hohn und spot darvon hetten, sonderlich wenn frembde leutte in die kirch kommen, würden sie ausgelacht, wenn so gar nichts drein gegeben werde.“
„Es sind auch bishero an diesem Ort die Allmosen ‚für die armen unter und bei den predigten nicht gesamlet worden und also die hülffe den dürftigen entzogen; wird demnach der Herr Generalis hiermit dienstlich ersuchet, das er auch alhie unverzüglich wie an anderen ortten ein armenbeuttel anordnen wolle etc.“
Johann Daniel Kaufmann
Johann Daniel Kaufmann war von 1761-1785 Pfarrer in Roringen. Er stammte aus Göttingen, wo er am 25.10 1727 getauft wurde. Vergleichbar späteren Pastoren, wie P. Schiller und P. Schmidt, war er zuvor, nämlich seit 1758, Feldprediger beim Behrschen Regiment der Infanterie des Kurfürstentums Hannover und dem sog. fliegenden Hospital.
Er starb am 10.4.1785 und wurde „.. im Chor vor dem Altar begraben.“ Niemand bedenkt, wenn er vor den Altar der Kirche tritt, dass er auf der Ruhestätte von Pastor Joh. Daniel Kaufmann steht.
Pastor Wilhelm Böker und Lehrer Eduard Burdorf
Von Pastor Böker, der von 1847-1864 in Roringen wirkte,
und Lehrer Burdorf berichtet E. Günther, wie es in Herberhausen zur Einführung des Frühgottesdienstes am 2. Weihnachtsfeiertag kam. Als das Weihnachtsfest nahte, sagte der alte treue Lehrer Burdorf auf dem Wege vom Gottesdienste in das Schulhaus zu dem damaligen Pastor B. (Böker) in Roringen: „Lieber Herr Pastor, ich möchte Ihnen einmal ein recht herzliches Anliegen der Gemeinde Herberhausen vorbringen. Sie sind doch so gut der Pastor von Roringen wie von Herberhausen, und kein Teil Ihrer Doppelgemeinde sollte vor dem anderen etwas voraushaben, nicht wahr?“ „Ganz recht lieber, Herr B. (Burgdorf), und was wollten Sie damit sagen?“ „Ich bin der Meinung,“ sprach der treue Alte wieder „ dass die Herberhäuser mit gutem Rechte den Wunsch hegen, dass am Weihnachtsfest in ihrer Kirche ebenso gut ein F rühgottesdienst stattfinden müsste, wie in der zu Roringen, und deshalb bitte ich Sie, lieber Herr Pastor, im Namen der Gemeinde, dass Sie am kommenden zweiten Weihnachtsfeiertag hier in Herberhausen einen Frühgottesdienst halten; die Roringer könnten wohl damit zufrieden sein, dass sie am ersten Feiertag Frühgottesdienst haben.“
Leicht wurde denn auch zwischen den beiden Kirchenvorständen eine Verständigung herbeigeführt und für Herberhausen der erste Frühgottesdienst angesetzt. Da der Pastor natürlich schon am Abend des 25. Dezember sich nach Herberhausen begeben musste, um am anderen Morgen früh genug zur Stelle zu sein, so musste noch für ein passendes Nachtquartier gesorgt werden. Der damals in H. wohnende Gast- und Landwirt Lockemann ließ dem Pastor durch den Lehrer Burgdorf sagen, dass es ihm eine Freude und Ehre sein würde, wenn derselbe beim ihm den Abend und die Nacht zubringen wollte.
In Folge dieses denkwürdigen Ereignisses werden an den 2. Feiertagen von Weihnachten, Ostern und Pfingsten in Herberhausen die Gottesdienste früh gehalten.
Leopold August Wilhelm Kerkow
Er wirkte von 1865-1895 Pastor in Roringen. Als er starb verzeichnete die Schulchronik:
Am 12. Dezember starb unser geliebter und verehrter Pastor und Lokalschulinspektor Leopold Kerkow, nachdem er 31
Jahre in unserer Gemeinde in großem Segen gewirkt hat. Tief betrauert von der ganzen Gemeinde Roringen, wurde Herr Pastor am 16. Dez. unter großer Beteiligung zur Ruhe
bestattet.
Sein Grabkreuz aus schwarzem Naturstein steht auf dem neuen Friedhof, in der Südwest-Ecke. Es wurde nicht, wie es sonst üblich ist, abgeräumt. Jedoch bezeichnet es nicht die Ruhestätte.
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THIE-BOTE Nr. 3
Inschrift: Hier ruhen in Gott Pastor Leopold Kerkow Geb. zu Göttingen 8. Sep. 1835 Gest. zu Roringen 12. Dec. 1895 Pastorin Amalie Kerkow Geb. Krohne Geb. zu Northeim 24. Feb. 1838 Gest. zu Göttingen 19. Sept. 1906.
Rückseite Die Liebe höret nimmer Auf.
Pastor Johannes Schiller
Fünfundzwanzig Jahre hindurch, täglich pünktlich um 7.30 Uhr, stellte P. Schiller für den Deutschen Wetterdienst an der Niederschlagsstation Roringen fest, wieviel Regen im Ortsteil Roringen gefallen war. Zusätzlich, so berichtet eine Zeitungsnotiz, beobachtete er den Wetterverlauf. Alles wurde in einem Tagebuch registriert. Seine Aufzeichnungen und auch die seines Vorgängers stellten einen wichtigen Beitrag zur Erforschung des Klimas in Göttingen dar. Der zuständige Bundesminister verlieh ihm für diese verlässliche, ehrenamtliche Tätigkeit die Wetterdienstplakette.
Siegfried Ritzkowski
Der Kirchenpatronat von Roringen und Herberhausen
Bis heute bilden Roringen und Herberhausen selbständige evangelisch-lutherische Kirchengemeinden. Seit dem Mittelalter unterstanden die beiden Gemeinden jeweils einem eigenen Patron. Der Patronat der Herberhäuser Pfarre lag seit vor 1372 bei den Herren von Gladebeck als den Besitzern des adeligen Gutes Harste. Nach Erlöschen der Gladebecker im Jahre 1701 gelangte der Patronat bis 1705 an die Herren von Bülow und danach bis 1854 an die Herren von Wangenheim (in Harste).
Der Patronat der Pfarrei Roringen, den von 1254 bis zu der Reformation das Stift Pöhlde innehatte, fiel 1533/1534 nach dessen Aufhebung an die Herzöge von Braunschweig- Lüneburg als Landesherren. Im Jahre 1803 übertrug ihn der hannoversche Kurfürst und englische König Georg II. im Tausch für den Patronat über St. Albani in Göttingen an die Stadt Göttingen. Seither ist die Stadt Patron der Pfarrei Roringen.
Im Jahre 1613 und erneut 1631, nachdem sie von 1623 bis 1626 nochmals getrennt waren, wurden die Kirchengemeinden Roringen und Herberhausen unter einem Pfarramt verbunden. Es gab nunmehr zwei Patrone für nur noch eine Pfarrstelle, die in Roringen angesiedelt war. Eine wesentliche Befugnis des Patrons war das Recht vorzuschlagen, wer Pfarrer werden sollte. Wie sich die beiden Patrone über ihr Vorschlagsrecht einigten, ist nicht sicher bekannt. Es scheint, daß bis zum Jahre 1744 das Vorschlagsrecht vom Landesherrn (wegen Roringens) und den adeligen Patronen (wegen Herberhausens) gemeinsam ausgeübt wurde, danach wechselweise. Man spricht in beiden Fällen von einem „halben Patronat“ oder „Kompatronat“ (Mitpatronat).
Im Jahre 1846 war die Pfarrstelle Roringen nach dem Tod von Pastor Dorsch wieder zu besetzen. Am 13. Dezember 1846 schrieb der Superintendent Julius Hildebrand (1804- 1878) in Göttingen daß der Graf von Wangenheim vermöge
des ihm zustehenden Patronatsrechtes den Candidaten der Theologie und Rector Wilhelm Böker zu Coppenbrügge zum Prediger auf die vacante Pfarre zu Roringen ... präsentieret hat.
So übte der damalige Patron von Herberhausen letztmalig sein Vorschlagsrecht für die Pfarre in Roringen aus; denn im Jahre 1854 fiel der Patronat Herberhausen infolge der Aufhebung der Lehnsverhältnisse bezüglich des Ritterguts Harste an den Landesherren und damit an das für ihn hier nunmehr handelnde Konsistorium (Vorläufer des Landeskirchenamtes).
Die Stadt hat den Patronat so wie für Roringen spätestens seit 1865 auch für Herberhausen in Anspruch genommen, und zwar offenbar auf der Grundlage der Ertauschung Roringens i. J. 1803, wonach das Vorschlagsrecht für den dortigen Pfarrer zwischen ihr (wegen Roringens) und denen von Wangenheim (wegen Herberhausens) wechseln sollte. Da der wangenheimsche Patronat über Herberhausen 1854 erloschen war, wirkte seitdem neben dem hannoverschen Konsistorium nur noch ein Patron, nämlich die Stadt Göttingen, bei der Besetzung der Pfarrstelle mit.
Das Gesetz über das Pfarrerwahlrecht, das im Jahre 1870 in Kraft trat, regelte die Art der Besetzung einer Pfarrstelle, nämlich alternierend durch Wahl durch die Kirchengemeinde und durch Besetzung durch das Konsistorium. Es veränderte aber nicht die Patronatsrechte der Stadt an Roringen und Herberhausen. Sie blieben bis heute bestehen. Die Stadt wirkt an der Bildung der Kirchenvorstände mit, indem sie je einen Kirchenvorsteher ernennt.
E. Günther, W, Petke & 5. Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Schule in Roringen
Reformation und Schule
Martin Luther übersetzte die Bibel ins Deutsche, damit alle Menschen sie lesen konnten. Dazu mussten sie auch lesen und schreiben können. Dem Protestantismus lag es nahe, Schulen zu gründen. Luther schrieb im Jahre 1524 ein Sendschreiben An die Ratsherren aller Städte deutschen Landes, dass sie christliche Schulen aufrichten und halten sollen. Aus Melanchthons Feder folgte vier Jahre später die Kursächsische Kirchen- und Schulordnung. Luthers Kleiner Katechismus, 1529 veröffentlicht, wurde zum verbreitetsten Lehr- und Lesebuch der evangelischen Volksschule (Katechismusschule). Die Schulen waren weitgehend Einrichtungen der Kirche.
Erst nach 1600 wurden staatliche Verordnungen zur Schulpflicht erlassen. In Göttingen, so berichtet E. Günther, traten im Jahre 1611 die entsprechenden Kirchen- und Schulordnungen in Kraft. Christenlehre, Sonntagsschule, Konfirmanden-Unterricht die Entwicklung des Schulwesens im protestantischen Roringen ist ein Kapitel der Dorf- Geschichte, das esnoch zu entdecken gilt.
Das Schulhaus im 17. und 18. Jahrhundert
Die Informationen über die Schule in Roringen seit der Reformation sind bislang spärlich. Doch sind bislang nur wenige Quellen ausgewertet worden.
Im Jahre 1640 wurde ein Schulbetrieb in Roringen von Pfarrer Meyer erwähnt. Dies ist bisher die erste Information über die Schule in Roringen.
In dem Verzeichnis der Pfarr- und Schulgüter von 1672, das Pastor A. Kiesel aufstellte, ist unter der Überschrift: Über die opperi oder Schulgüter zulesen:
Die Wohnung ist gar schlecht alt und baufällig. Von Garten gar nichts als es beidem Hauß sich findet.
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Im Jahre 1707 heißt es in dem Roringischen Kirchen- und Pfarr-Inventarium über das damalige Schulhaus: Ist das Pfarrhaus, wie angedeutet, schlimm, so ist das Schulhaus noch viel schlimmer. Es ist eine alt Kote, dem nicht zu helfen stehet, das Holtz daran ist faul, daher zu besorgen, es werde sich einmal niederlegen. Es ist darinn nur eine Stube, darin sich Schulmeister mit seinen Haußgenossen und Schulkindern kaum behelfen kann, auf den Boden hat es Jahr und Tag aufgeregnet und kann der den nicht gebrauchen. Wenn man ins Hauß tritt, so ist sofort zur rechten der Kuhstall, der billig nicht zu einem Stalle, sondern zu einer Stube oder Kammer müsste gebraucht werden.
Etwa 50 Jahre später, nämlich 1759, wird in einer Gebäudeliste des Ortes angeführt: Schulhaus, alt und baufällig.
Das Schulhaus von 1764
Bald danach, nämlich im Jahre 1764, wurde ein neues Schulhaus von der Gemeinde (d. i. die Dorfgemeinde) auf dem Grundstück errichtet, das in früherer Zählung als Haus Nr. 54, heute als Opferbach 6 bezeichnet wird. Es lag traufständig zum Opferbach und besaß etwa die Abmessungen 15 x 8 m und war zweigeschossig. Es gibt keine Anzeichen, dass das Schulhaus unterkellert gewesen wäre. Im Güterverzeichnis von 1798 wird berichtet: In demselben befinden sich Eine Schulstube, welche zugleich die Wohnstube ist, 3 Kammern, eine Küche, ein Backofen, ein Keller, ein Kuhstall, und Boden. Die darin befindlichen Mobilien, welche die Gemeinde halten muß, bestehen in einen großen Tisch und den nöthigen Bänken. Gleich beim Hause sind 2 Schweine-Ställe. Das Gebäude nebst den
Die alte Schule (Haus Nr. 54) — heute Opferbach 6
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THIE-BOTE Nr. 3
Ställen erhält die Gemeinde in Bau und Besserung.
Hinter dem Schulhause liegt ein Baum- und Küchen- Garten. 1 Vorling [0.5 Morgen, 1.250 m’] groß, worin an tragbaren Obst-Bäumen befindlich: 62 Zwetschen- und 16 Aepfel- und Birnbäume.
Die Schule besaß auch eine Bibliothek so würden wir heute sagen. Die Bücher waren auf öffentliche Kosten angeschafft worden, nämlich das Methodenbuch, ein neuer Landes-Katechismus, ein Exemplar der kurzen Darstellung der Landes- Verordnungen, 11 Hallesche ABC- und Lesebücher und ein Exemplar von Seiler’s Lesebuch für den Bürger und Landmann.
Das Schulgebäude von 1873/74
Das Schulgebäude diente gut einhundert Jahre. Da das Schulzimmer eng und ungesund und die Lehrerwohnung ebenfalls schlecht war, wie die Schulchronik berichtet, beschloss der Kirchen- und Schulvorstand im Jahre 1873, das ganze Haus mit Nebengebäuden neu zu bauen. Am 13. Juni, dem 3. Pfingsttag, verließ Lehrer Eduard Burdorf das alte Schulgebäude. Am 23. 06.1873 begann der Abbruch der alten Schule. Lehrer Burdorf (1848-1887) Lehrer in Roringen berichtete darüber (s. Thiebote 1/1998).
Im August 1874 wurde das neue Schulhaus, das heute noch steht, bezogen. Es steht giebelständig zur Straße „Opferbach“. Das Wohnhaus enthielt das Schulzimmer von 51,2m?(L8.75 m, B5.85 m, H 3.89 m), das nicht unterkellert war, die Wohnstube und Schlafkammer des Lehrers nach Süden und Westen, Küche und Speisekammer nach Nordwesten. Der Wohnteil wurde unterkellert. Quer zur Firstlinie liegen die trennenden Grundmauern, die flache Ziegelgewölbe tragen. Im oberen Geschoß lagen: eine kleine Stube, 5 Dachkammern, die sog. Rauchkammer (von der Burdorf schrieb, sie wäre nicht zu gebrauchen) und der Bodenraum. Es gehörte dazu Scheune und Stallung für die Erträge aus Gärten, Äckern und Wiesen. Ein separates
Backhaus mit Backofen, Backstube und Bodenraum für das Holz stand offensichtlich nicht an der Stelle des jetzigen, sondern schräg hinter der Scheune, 50 Schritt vom Schulhause entfernt.
Auf dem Schulhof und zwar etwa auf der Mitte zwischen Straße und Scheune, lag der Brunnen, der — wie es heißt — reichliches und gutes Wasser lieferte. Als Turnplatz diente der Thie, der — so eine Beschreibung von 1892 — von hohen Bäumen umgeben und mit Barren, Reck, Sprunggestell als Turngeräten ausgerüstet war.
Ein Umbau erfolgte in den Osterferien des Jahres 1908. Zwei Fenster aus der Südseite wurden an der Ostseite eingesetzt. Sie bildeten somit eine einheitliche Fensterfront an der Giebelseite. Ein Photo der Schule von 1919/1920 wurde im THIE-BOTE Nr. 1 (März 1998) abgebildet. Es zeigt noch das Fachwerk. Im Jahre 1930 wurde die Schule mit Brettern verschalt.
Mit dem Zustrom der Flüchtlinge und Vertriebenen wuchs nach dem 2. Weltkriege die Zahl der Schulkinder. Als zweiter Schulraum, der die Unterstufe aufnehmen sollte, wurde im Jahre 1949 das Spritzenhaus auf dem Thie umgebaut und in Betrieb genommen. Im Jahre 1964 wurde die Oberstufe nach Waake verlagert; denn Roringen gehörte damals zum Landkreis Göttingen, und die Unterstufe kehrte zurück in das Schulhaus am Opferbach. Mit der Umsiedlung der Unterstufe nach Herberhausen im Jahre 1971 endete die
Roringer Schultradition.
Küsterwohnung und Gemeindehaus
Die Lehrerwohnung wurde nunmehr zur Wohnung des Küsters, die Schule zum Gemeindehaus der Kirchengemeinde. Der Spielkreis Max und Moritz fand hier eine Heimstatt, desgleichen die Kinder-Krabbelgruppe. Zum Oktober 1998 verkaufte die Kirchengemeinde Gebäude und Grundstück an Herrn und Frau Böhner, um den Umbau der
Pfarrscheune zu einem neuen Gemeindehaus finanzieren zu
können (s. a. THIE-BOTE Nr. 2, Sept. 2001). Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Die Straße „Opferbach“
Der Opfermann/ Oppermann
Mit der Sachsenmission wurden die Kirchen und Pfarreien mit Ländereien und Rechten ausgestattet, um die Kirchen zu unterhalten und die kirchlichen Dienste durchzuführen zu können. Außer dem Pfarrer stand der Opfermann, der niederdeutsch Oppermann und anderenorts auch Offermann genannt wird, hauptamtlich im Dienst der Kirche. Der Name leitet sich von dem lateinischen Wort für Spende oder Gabe ab; denn er sammelt das Opfer ein. Um 1300 wurden folgende Aufgaben des Oppermannes benannt: er läutete die Glocke, er verwahrte den Schlüssel zur Kirche, erhütete die Lampen, er sang mit dem Priester die Messe.
In seinen Beiträgen zur Ortsgeschichte von Herberhausen verweist E. Günther darauf, dass es bereits vor der Reformation das Amt des Oppermannes in Herberhausen gab. In Berichten aus dem 16. und 17. J ahrhundert wurden die Funktionen des Opfermannes von Roringen beschrieben.
Der Opfermann trug Sorge für die Gaben, die die Dorfbewohner sei es in Naturalien, sei es in Geld, den sog. Opferpfennig (Offerpfennig), pflichtgemäß abzuliefern hatten. Er hielt die Säumigen an und achtete darauf, dass der rechte Anteil gegeben wurde.
Das Opfergut waren die Sach- und das Opfergeld die
Geld-Spenden für den Unterhalt des Pfarrers. Opferhaus nannte man das Haus, in dem die kirchlichen Geräte aufbewahrt wurden. Es diente dem Oppermann auch als Wohnhaus. Aus Geismar wird berichtet, dass der Opfermann nicht nur den Kirchenschlüssel aufbewahrte, sondern er trat auch als Zeuge in Rechtsstreitigkeiten auf, was seinen gehobenen Status beschreibt. Der Pfarrer legte vor dem Opfermann sein Handgelöbnis ab. Der Opfermann war also eine Respektsperson
Der Opfermann als Schulmeister
Der Oppermann war des Lesens und Schreibens mächtig. Eine Vorschrift aus dem Jahre 1544 lautet: „Der Oppermann sol also gelehret und geschickt sein ...das er... vor die Kinder und gemeine Volk tretten und den Catechismus lehren konnte... Er versah mit dem Pfarrer den Unterricht.
In dem Verzeichnis der Pfarr- und Schulgüter von Roringen und Herberhausen von 1672 werden die opperi auch Schulgüter genannt. Die Ländereien heißen opperländerey, das Amt des Oppermanns wird Opperdienst, anderenorts Opferschaft genannt. E. Günther erwähnt, dass das Haus des Oppermanns, nämlich das Schulhaus, als Opperhaus bezeichnet wurde.
Im Jahre 1798 jedoch ist im Güterverzeichnis von Roringen und Herberhausen nur noch vom Schulmeister die Rede, von den Schulgütern, von dem Schulland. Der Name Opfermann ist verschwunden; der Schulmeister an seine Stelle getreten. Zusätzlich zum Schulunterricht nimmt er folgende Funktionen wahr: das Spielen der Orgel, die Reinigung des Kirchengerätes, die Betreuung der Uhr und der Glocken. Er wirkt ferner beim Pfarrunterricht der
Konfirmanden mit, bei Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen.
Die Straße „Opferbach“
Das Wort Opfermann und alle entsprechenden Wort- Verbindungen sind heutzutage verschwunden. Seine Aufgaben werden nun vom Küster, vom Organisten oder vom Lehrer wahrgenommen. Der Opferbach, der an der ehemaligen Schule, dem Standort des Opperhaus vorbeifließt, mag seinen Namen von diesem Hause erhalten haben. Er weist auf das frühere Amt des Oppermannes hin.
Ursprünglich beschrieb man die Lage eines Hauses durch die Häuser der Nachbarn. Später nummerierte man in Roringen die Häuser. Das Schulhaus trug die Nummer 54. Die Straßennamen und den Straßen zugeordnete Hausnummern wurden mit dem 01. Januar 1966 eingeführt. Seither gibt es die Straße „Opferbach“.
Kirchwege
Kirchen prägen das Straßenbild eines Ortes. Sie tragen zur Namengebung bei. In Waake gibt es den Kirchweg, in Herberhausen den Pfarrweg, in Grone die Kirchstraße, in Harste einen Kirchwinkel, in Edesheim den Kirchplatz. Die Augustiner Straße in Nikolausberg erinnert das gleichnamige Kloster. Die Petrikirchstraße in Weende, die St. Martini Straße in Gr. Ellershausen , in Göttingen die Straßen An der St. Vinzenz-Kirche, An der Thomas Kirche, Godehardstraße und St. Heinrichstraße weisen auf die Kirchennamen hin, desgleichen Jacobikirchhof, Johanniskirchhof und Albanikirchhof.
Die Kirche in Roringen wird umgeben von den Straßen Opferbach, Roringer Winkel und Lange Straße. Es gibt keinen Kirchweg in Roringen, keine Bezeichnung, die auf die Kirche hinwiese.
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THIE-BOTE Nr. 3
Der Turmfalke
Neben dem Mäusebussard ist der Turmfalke der häufigste einheimische Greifvogel. Der Name gibt bereits Hinweise auf seinen Lebensraum. Ursprünglich Felsbrüter haben sich die Vögel in der modernen Zivilisationsgesellschaft häufig Gebäude als Ersatzlebensräume zueigen gemacht. Dabei werden Kirchtürme mit Vorliebe besiedelt, aber auch unterschiedlichste sonstige Gebäude, sofern Nistgelegenheiten, auch in Form von Nistkästen, zur Verfügung stehen. In unserer Region trifft man den Turmfalken auch häufig als Baumbrüter an. In diesem Fall werden meist verlassene Krähennester besiedelt. In Steinbrüchen werden sowohl die Betriebsanlagen wie auch die Felswände besiedelt. Nicht selten sind auch Bruten in Strommasten.
Verwechslungen treten landläufig mit dem Wanderfalken auf. Auch diese Art besiedelt Kirchen. Ein Paar brütet sogar seit vielen Jahren an der Jacobikirche in der Göttinger Innenstadt. Der Wanderfalke besitzt aber nahezu die Größe eines Mäusebussards und ist auch in seinem sonstigen Aussehen, seiner Bewegung und seinem Nahrungsverhalten dem Turmfalken nur wenig ähnlich.
Eine weitere einheimische Falkenart ist der Baumfalke. Dieser Vogel hat ein Flugbild ähnlich dem des Mauerseglers und brütet in der Regel in Wäldern, häufig in Kiefern. Außerhalb der Brutzeit trifft man in der Göttinger Gegend mit viel Glück auf den Merlin, auch Lerchenfalke genannt, und aufden Rotfußfalken.
Der Turmfalke ist ohne Einschränkung als Kulturfolger zu bezeichnen. Verkehrsreiche Innenstädte werden genauso besiedelt wie Industrieanlagen, Dörfer oder Wohnstädte. Ansiedlungen können mit Nisthilfen gefördert werden. In Kirchen oder anderen alten Gebäuden ist nicht selten zu beobachten, dass sich Turmfalken unmittelbar neben Schleiereulen ansiedeln oder umgekehrt.
Die Nahrung der Turmfalken besteht vorwiegend aus Kleinsäugern, vor allem Feldmäusen. Diese werden in offenem Gelände gejagt. Dabei sieht man die Vögel häufig „rütteln‘“: sie verharren mit schnellem Flügelschlag und angewinkeltem Körper an einer Stelle und spähen nach Beutetieren, die sie dann in schnellem Sturzflug ergreifen.
Die Anpassung an Kleinsäuger als Hauptnahrungstiere bewirkt, dass der Bruterfolg der Falken unmittelbar von den Entwicklungszyklen der Kleinsäuger abhängt: wenig Mäuse bedeuten wenig Turmfalken. Zum Teil können die Vögel auch auf andere Nahrungstiere ausweichen, hauptsächlich Großinsekten oder Kleinvögel, die aber in der Beuteliste insgesamt eine untergeordnete Rolle spielen.
Strenge Winter können die Bestände erheblich reduzieren. Vor allem bei dichter Schneedecke kommen die Falken nicht an ihre Beutetiere heran. Vom Hungertod sind dann hauptsächlich unerfahrene Jungvögel betroffen. Nordund nordosteuropäische Turmfalken entgehen der Nahrungsknappheit im Winter, indem sie nach Südwesten abwandern. Mitteleuropäischen Turmfalken sind hingegen häufig Standvögel oder unternehmen nur kurze Wanderungen.
Der derzeitige deutsche Brutbestand wird auf etwas mehr als 50.000 Brutpaare geschätzt, in Niedersachsen brüten ca. 5.000 Paare. In Landkreis und Stadt Göttingen liegt der Gesamtbestand in einer Größenordnung von 100 bis 150 Brutpaaren.
Der Turmfalke gilt derzeit weder bundes- noch landesweit als gefährdet. Seine mittelfristigen Bestandsschwankungen sind nicht erheblich. Allerdings machen sich in den letzten Jahren regionale Einbußen bemerkbar, einhergehend mit einem durchschnittlich geringen bis sehr geringen Bruterfolg. So bewirkt der teilweise vollständige Zusammenbruch der Feldmaus-Populationen in Südniedersachsen in den Jahren 2002 und 2003, dass nahezu keine Jungvögel flügge wurden. Werden diese Ereignisse zur Tendenz, so wird der Turmfalke als weitere Vogelart demnächst aufden Roten Listen zu notieren sein.
Gerd Brunken
Nachtrag
Zum 750-jährigen Jubiläum der Kirche im Jahre 2005 schenkte der Roringer Heimatverein e.V. der Kirchgemeinde Roringen einen Nistkasten für Falken. Die Fachleute des Naturservice Göttingen bauten den Kasten und montierten ihn im Nordfenster des Kirchturms. Im März 2005 wurden Falken gesichtet, die offensichtlich den Nistkasten bezogen hatten. Fünf Jungvögel sollen ausgebrütet worden sein.
Seit dem 14. Mai 2005 bildet ein bronzenes Wanderfalken-Paar die Griffe der West-Tür der St. Joß&##iskirche in Göttingen. Die Gemeinde verleiht dadurch ihrer Wertschätz-
ung der gefiederten Bewohner ihres Kirchturms Ausdruck. Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Naturschutz unterm Kirchendach
Theorie
Gemeinde und Pastoren singen immer mit besonderer Begeisterung das Lied „Geh aus mein Herz und suche F reud ..“ (EG 503). Paul Gerhardt hat es 1653 gedichtet. Von August Harder (1775-1813) stammt die fröhliche Melodie. Sie ist unverwechselbar mit dem Text verbunden.
Anschaulich, nicht theologisch-dogmatisch belastet, zählt Paul Gerhardt in den zahlreichen Strophen die Geschöpfe Gottes auf: die Pflanzenwelt (Bäume voller Laub, Narzissen, Tulpen, Getreide), die Tierwelt (Lerche, Taube, Nachtigall, die Glucke mit den Küken, Storch, Schwalbe, Hirsch, Reh, Bienen), die Ökosysteme (so würden wir heute sagen) wie Wiesen und Bäche. Alles Werke mit dem Gütesiegel: gut.
In diese Reihe der Geschöpfe wird der Mensch eingeordnet, in dem er als Baum, als Blume oder als Pflanze bezeichnet wird. Es würde nicht wundern, wenn Paul Gerhardt von dem „Bruder Baum“ oder der „Schwester Lerche‘ gesprochen hätte.
Praxis
Wo begegnen wir diesen Geschöpfen? Hier einige Beispiel. Ein Teil der Südwand der Roringer Kirche ist bedeckt von einer dicken und dichten Efeuhecke. Sie ist ein Lebensraum für Insekten. Vögel bauen ihre Nester an diesem sicheren Ort. Im Laufe der Jahre nähern sich die Triebe dem hölzernen Dachstuhl. Sie werden dann zurück geschnitten.
In den Fugen der Kirchhofsmauer lebt eine reiche Blasenfarn-Gesellschaft. Drei Farne, die in der „Roten Liste“ der besonders geschützten Arten des Landes Niedersachsen verzeichnet sind, befinden sich darunter. Dieser Sekundärstandort stellt ein wichtiges Refugium für die bedrohten Pflanzen dar (Thie-Bote 1/1998).
Vor dem Kirchenbrand am 7. Nov. 1999 bewohnte ein Turmfalke den Kirchturm. Mit dem Brand wurde sein Platz zerstört. Er verließ Roringen. Einen neuen Nistkasten hat der Roringer Heimatverein der Kirchgemeinde zum Jubiläum 2004 der Ersterwähnung der Kirche geschenkt. Er wurde am 06. Mai 2004 im Turmfenster auf der Nordseite montiert. Der Falke ist wiedergekehrt.
Stattliche Laub-Bäume wachsen um die Kirche und auf dem neuen Friedhof. Sie erfreuen in Dorfmitte Auge und Sinne durch ihr Grün im Frühling, durch den Schatten im Sommer und durch ihre leuchtende Färbung im Herbst, wenngleich sie unbeliebtes Fallaub liefern.
Im Pfarrgarten bieten die alten Obstbäume umfangreichen Lebensraum für Kleingetier. Das Rinnsal des Opferbaches war einst das Wasser des Lebens für diesen Ort. In den talwärts führenden Rohrleitungen ist es jetzt ohne Leben.
Ausschnitt aus der Nordseite der Kirchhofmauer
Wie geschieht Naturschutz?
Fast allsonntäglich betet die Gemeinde um die „Bewahrung der Schöpfung“. Bewahrung der Schöpfung - Luther würde fragen: wie geschieht das? Die Antwort steht in oben erwähntem Lied Paul Gerhardt’s : „Mach’ in mir
deinem Geiste Raum ...“ Siegfried Ritzkowski
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Was sonst:
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THIE-BOTE Nr. 3
Ortsbeschreibung Roringen
Roringen ist ein Ortsteil der Stadt Göttingen. Er liegt ca. 5.5 km Luftlinie nordöstlich der Stadt. Die moderne Bundesstraße 27 führt aus dem Leinetal (ca. +150 m NN), das dem geologischen Leinegraben folgt, durch das Tal des Lutterbaches um ca. 150 Höhenmeter hinauf nach Roringen in die Kalksteinregion des Göttinger Waldes. Zwischen dem Schichtkamm des Menzelberges (+353,9 m NN) und dem Plateau des Drakenberges (+368.3 m NN) überschreitet die Strasse, die hier einem alten Verkehrsweg folgt, den Pass am Södderich bei ca. +350 m NN. Die Roringer Warte von 1406/1407, die ein Teil der mittelalterlichen Göttinger Landwehr war und einst diesen strategisch wichtigen Ort kontrollierte, ist das Wahrzeichen des Ortes Roringen.
Der größere Teil der Roringer Gemarkung wird im Landschaftsrahmenplan der Stadt Göttingen als Biotop von landesweiter Bedeutung, d. h. als für den Naturschutz wertvoller Bereich angesehen. Am malerischen Bratental - einem beliebten Spazierweg - und am Drakenberg sind Naturschutzgebiete wegen der reichhaltigen Kalk-Floren und der Trockenrasen-Vergesellschaftungen bereits ausgewiesen.
Roringen wird erstmals 1162 urkundlich erwähnt. Die Kirche wird erstmals im Jahre 1254 bezeugt. Aus dem Mittelalter stammt der Turm. Das Kirchenschiffwurde 1747 neu erbaut. Die Kirche steht am Rande der Quellmulde des Opferbaches, der ergänzt durch Hausbrunnen bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts den Ort mit Wasser versorgte. Ringförmig um das Quellgebiet gruppiert sich das Altdorf. Zahlreiche Fachwerkhäuser wurden um 1800 und in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut. Das Dorferneuerungsprogramm des Landes Niedersachsen förderte in den letzten Jahren Maßnahmen zur Erhaltung dörflicher Bausubstanz‘
Ein besonderes Merkmal des Ortes sind die Natursteinmauern aus dem örtlichen Kalkstein. Unter ihnen ist die Kirchhofsmauer, die 1422 erbaut wurde, auch als Sekundärstandort geschützter Pflanzen bemerkenswert. Im Westen und Norden des Altdorfes liegen Neubausiedlungen, die seit den sechziger Jahren entstanden sind. Drei Viertel der Wohngebäude in Roringen wurden nach 1957 gebaut.
Im Jahre 1380 wurde das Dorf Roringen von der Stadt Göttingen gekauft und blieb bis 1848 Stadtdorf. Die Eigenständigkeit des Dorfes endete 1973. Seither ist Roringen ein Stadtbezirk/Ortsteil der Stadt Göttingen.
Im Jahre 1939 wohnten etwa 300 Menschen in Roringen. Nach Kriegsende nahm die Bevölkerung stark zu. Im Jahre 1967 betrug die Einwohnerzahl 628. Mit dem Bau der neuen Siedlungen stieg sie fast aufs Doppelte. Am 31.12.2005 wurden in Roringen 1.039 Einwohner mit 438 Haushalten gezählt. Der überwiegende Teil ist ev.-luth. Bekenntnisses. Die Kirchengemeinde ist mit der Kirchengemeinde von Herberhausen unter einem Pfarramte vereinigt, das in Roringen liegt.
Der Ort besitzt einen Kindergarten mit 25 Plätzen in der Trägerschaft der Kirchengemeinde. Die schulpflichtigen
Kinder besuchen die Grundschule Herberhausen oder weiterführende Schulen im Stadtzentrum. Es gibt eine Gastwirtschaft. Die Zweigstellen der Sparkasse und der Deutschen Post schlossen in den vergangenen Jahren. Am 17. November 2000 wurde ein Laden für den täglichen Bedarf („Unser Laden‘) eröffnet, der von den Einwohnern Roringens in Form eines eingetragenen Vereins getragen wird. Eine Zweigstelle der Stadtbücherei, die ehrenamtlich betreut wird, erfreut sich großen Zuspruches. Die ev.-luth. Kirchgemeinde ist Träger eines örtlichen Friedhofes.
Roringen war ein Bauerndorf. Von den 709 ha der Gemarkung werden 55% landwirtschaftlich genutzt. Ein Drittel besteht aus Wald. Gegenwärtig existieren nur landwirtschaftliche Nebenerwerbsbetriebe.
In der gegenwärtigen politischen Vertretung des
Ortsteils, dem Ortsrat, wirken zwei Fraktionen: die CDU- Fraktion, die mit 5 Mitgliedern auch den Ortsbürgermeister stellt, und die SPD-Fraktion mit 4 Mitgliedern. Das örtliche Leben gestalten fünf Vereine: Turnverein Roringen e.V. von 1928, der Schützenverein, die Freiwillige Feuerwehr/ Feuerwehrverein, der Roringer Heimatverein e.V. von 1993 und der Förderverein „Unser Laden“. Neben den vereinsgebundenen Veranstaltungen, dem Kinderkarneval am Rosenmontag und den Unternehmungen für Senioren laden die Kirmes und das Osterfeuer alljährlich die gesamte Bevölkerung ein. Jagdgenossenschaft und Realgemeinde bewirtschaften den gemeindlichen Wald und die Wege in der Feldmark. Schützenhaus, Sporthaus, Feuerwehrhaus und die Heimatstube in der Bücherei sind Treffpunkte der Vereine. Das Dorfgemeinschaftshaus, zu dessen Realisierung die Dorfbewohner mit umfangreicher Eigenarbeit beigetragen haben, wird für alle Arten von Veranstaltungen, auch für Familienfeste genutzt und kann auch von Ortsfremden angemietet werden. Die Stadtbusse fahren im Stundentakt und verbinden den Ortsteil direkt mit Bahnhof und Innenstadt. Roringen ist eingebunden in das Wanderwegenetz der Stadt, im Fahrradwegenetz allerdings klafft bei Roringen eine Lücke.
Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Roringen in Zahlen 1993 — 2005
Die Einwohnerzahl eines Ortes ist immer Schwankungen unterlegen. Neue Mitbürger ziehen nach Roringen, andere verlassen das Dorf. In den vergangenen 40 Jahren jedoch vermehrte sich die Zahl der Einwohner beständig. Wir berichteten im vorigen Thie-Boten (2/2001) darüber und veranschaulichten die Entwicklung der Einwohnerzahl durch eine Grafik. Die Darstellung gründet sich auf die amtlichen Daten des Göttinger Statistischen Informations-
Im Jahre 1993 erreichte Roringens Einwohnerzahl einen Höchststand mit 1.173 Einwohnern. Seither nahm deren Zahl ab. Am 31. Dezember 1999 zählte man in Roringen nur noch 1.059 Einwohner. Im Laufe von 5 Jahren schrumpfte der Ort um 114 Personen (9.7%). Fast ein Zehntel der Mitbürger verließ den Ort.
Was waren die Ursachen dieser Flucht aus Roringen? Würde das so weitergehen? Würde Roringen weiter schrumpfen und nicht anwachsen, wie viele es sich erhofften?
Im folgenden Jahre lag die Einwohnerzahl bei 1.067 (2000). Am Jahresende 2005 lebten 1.039 Menschen in Roringen. Die Grafik zeigt, dass sich die Abwärtstendenz fortsetzte. Wird es in Zukunft so weitergehen?
Die Zahl der Einwohner und Haushalte bestimmt in mannigfacher Weise die Lebensqualität in Roringen. Die Zahl der Kinder bedingt die Lebensfähigkeit des Kindergartens. Mehr Einwohner nutzen auch den Stadtbus mehr und sichern dadurch den Bestand der Verkehrsanbindung. Unser Laden bedarf für seinen Erhalt des intensiven Zuspruchs der Bürger. Potentielle Mieter schauen sehr auf die intakte Infrastruktur. Die Liste ließe sich beliebig verlängern. Gesundheit, so sagt man, weiß man erst zu schätzen, wenn sie fehlt. So ist es auch mit der Lebensqualität in Roringen. Es trifft alle, wenn Roringen an einem
Bevölkerungsschwund leidet. Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
Die ev.-lutherische Kirchengemeinde Roringen in Zahlen
Wie viele Mitglieder zählen sich zur ev.-lutherischen Kirchengemeinde in Roringen? Wie viele waren es früher? Wie wird es in Zukunft damit bestellt sein?
Der Fachdienst Statistik und Wahlen der Stadt Göttingen weist alljährlich (Stand jeweils zum 31.12.) im Göttinger Statistischen Informationssystem (GÖSIS) auch die Zahl der Mitglieder der Kirchengemeinden aus. Die amtliche Statistik beschreibt die Mitgliederzahl einer Kirchengemeinde verlässlicher als das Kreiskirchenamt, da Geburtsund Steuerregister schnell auf Veränderungen des Bekenntnisstatus reagieren. Auf der Basis dieser Statistik wurden bereits vor einigen Jahren in den sog. Bergdörfer- Gesprächen der Kirchgemeinden die Situation der ev.- lutherischen Kirchengemeinden von Herberhausen und Roringen beschrieben.
In Roringen zählte man am 31.12.1995 insgesamt 628 Mitglieder der ev.-luth. Kirchengemeinde. Sie machten 59,2 % der Gesamtbevölkerung mit Hauptwohnsitz Roringen aus. Ihr Anteil an der Bevölkerung mit Hauptwohnsitz Roringen betrug 56,0 %. (GÖSIS erfasst nur den Bekenntnisstatus der Einwohner mit Hauptwohnsitz Roringen.) Am Jahresende 2005 waren es nur noch 522 Mitglieder, also 86 weniger.
Die Kirchengemeinde schrumpfte innerhalb von 10 Jahren somit um etwa ein Siebentel (13,7 %) ihrer Mitglieder. Die Verringerung der Mitgliederzahl einer Kirchengemeinde unabhängig vom Kirchenbesuch hat schwerwiegende Folgen. Die Mittel aus dem Kirchensteueraufkommen, die die Landeskirche einer Gemeinde zuweist, richten sich auch nach der Mitgliederzahl. Weniger Mitglieder bedeuten geringere finanzielle Zuweisungen. Bei
den gegenwärtigen Diskussionen um Einsparungen in der Landeskirche ist die Zahl der Gemeindemitglieder das wichtigste Kriterium für den Umfang der Pfarrstelle. Die Zahl der Mitglieder in den beiden Gemeinden Roringen und Herberhausen, die unter einem Pfarramt vereinigt sind, verringerte sich von 1.664 (1995) auf 1.326 (2005). Der Mitgliederschwund betrug 278 Personen, das sind 16,7 %.
Die Gesamtbevölkerung von Roringen hat sich ebenfalls dramatisch verringert (siehe S. 72). Ist der Mitgliederschwund nun nur auf die Abwanderung zurückzuführen? Der Anteil der Mitglieder der Kirchengemeinde an der Gesamtbevölkerung gibt eine Antwort. Wenn nur Abwanderung den Schwund in der Kirchengemeinde verursachte, dann bliebe der Prozent-Anteil in der Bevölkerung etwa gleich. Der Anteil der Einwohner ev.- lutherischen Bekenntnisses verringert sich jedoch von 55,9 %(1995) auf 52.2 % (2005). Er ist gesunken. Eine Änderung dieser Tendenz ist nicht in Sicht.
Entkirchlichung erfolgt auf zweierlei Weise, nämlich durch Austritt aus der Landeskirche und durch Nichteintritt, indem Neugeborene nicht getauft werden.
Folgerichtig nimmt mit der Entkirchlichung auch die Zahl und der der Anteil derer zu, die die Statistik unter „Sonstige“ aufführt, nämlich die anderen Konfessionen angehören (außer reformiert oder katholisch), oder ohne Konfession sind oder keine Angaben zur Konfession gemacht haben. Ihre Zahl steigt in Roringen von 263 (1995) auf 289 (2005); ihr Anteil an der Gesamtbevölkerung
verändert sich von 23,4% (1995) auf 27,8 % (2005). Siegfried Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3
75 Jahre TV Roringen
Zum 75. Jubiläum des TV Roringen gratulierten Hannelore Meyer und Jutta Ronnenberg im Namen des Roringer Heimatvereins mit folgendem Vortrag:
Hallo! Eck chrüße tauerst usen Sportveran, sziene Mitchlieder und Chäste. De Heimoatveran chrateliert taun 75. Jubeläum von chanzen Harten.
Weh Bade, Hannelore und eck, wollen nich datt wehr szauwatt passert weh beh jüwer Feer taun 70. Bestoahn. Baade hoat weh üsig extroa fan annetoagen, eck hoffe man süht dat oak und wollen oak up use Aort nu chratelern, nämlich up platt. Freuer was enn Jubeläum ümmer enn chauen Chrund taun Feern. Enne Jubeläumscheschichte hoa eck meh Hannes hülpe uppschreben und dä lest Hanne jetz moal vor. Kenne Angest etdöwert bloat 5 Minuten.
Ludchen was tahn Joahre innen Turnveran Foahnendräger west un ha szoll nu doafor ehrt wern. Ahn Komitee har in sess Sitzunge szek oawerlecht, watt se öhne Ludchen nu schenken szolln. Endlich inner lesten Sitzunge hahrn se dat rechte funnen. Nä, de Pannstaul was tau deuer, enn Choastock mettn szilbernen Chriff oak, ne Toabaksdose was et oak niche worn. Sza harn watte funnen watt Ludchen bruken konn und dä Kasse von öhrn Verane nich szau strapazere. Alle wärn taufreen, chingen froh no Hus und chrienen for szek henn.
Nu was szien Jubeläums Dach doa. Ludchen stund stolt met sziener Foahnen upper Bühne. Tau sziener linketen und rechten Sziete stund enne Ehrendoame. Denn kamm dä Ansproake vom Präsidenten: „Mien lawe Ludchen, tahn Joahre häste deck treu und broaf met user Foahne beh Festzüigen und Beerdichungen rümmer szlepet. Weh hoat lange usen Brejen annestrenget üumme deck an düssen Doage tau ehren und ahn passend Cheschenke tau moaken! Miene Woare: Dem Verdienst seine Krone! Szau schenket weh deck denn taun Andenken düt schöne chroate Taschendauk.“
Alle wören baff, Ludchen am mehrsten. Ha moake enn Chesichte weh ne Katte behn dohndern. Denn hill ha sziene Dankesrede de ha szek alle vorher utechrübelt har, tauletzt froag Ludchen: „Weh szind jeh denn doa uppe koamen meck enn Taschendauk tau schenken?“ „Tja,“ sächt de Präsidente, „dat hoat weh doarümme moaket weilt doa deck ümmer in de Foahne szüfst!“
Weh hoat natürlich oak enn Cheschenke mehbrocht, datt is noch enn bettchen klaner als Ludchen szien Taschendauk, oawer weh denket et is for jüwen Veran watt besonderes. Ett is datt Originoal vonner Bewerbunge von jüwen Veranswappen! Eck trenne meck unchern von düssen historischen Stücke, denn ett stammet von usen Fründ Hans Scholz. Sziene Fröwe hätt meck datt schöne Stück vor usen Heimatveran taukommen loaten. Nu wüllt weh, Hüte tau jüwen Jubeläum und tau Bereicherunge der Chronik jük düt als Cheschenk weercheben, denn weh mat et chehört tau
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THIE-BOTE Nr. 3
Verzeichnis der Artikel in den bisherigen Ausgaben des Thie-Boten
Zur ersten Ausgabe
Die alte Schule in Roringen Das ist der Heimatverein für mich Konzert der „Stimmgabel“ Die Heimatstube
20 Jahre Bücherei Einweihung der Heimatstube Bolzplatz für Roringen RoRoMo 1998
Geschichte eines Brandes
Der Bau des Schlauchturms am Thie
Schatzkästchen Kirchhofsmauer Dr. Hans Wille 1026-1998
Förderverein der Grundschule in Herberhausen
Der Schulbus 1997 Das Gesicht des Ortes Roringen in Zahlen
Erzieherinnen, Kindergartenkinder und Eltern nehmen Abschied
Der Schweineritt
Mathe und Rechtschreibung im Wandel der Zeiten Der Roringer Heimatverein im Jahre 1997
Roringen in Büchern und Artikeln
Nr. 2/2001 (28 S.) Ein neues Heft Das Mahnmal auf dem Kirchhof
Bericht des Vorsitzenden Die Ortsheimatpflegerin 70 Jahre Turnverein Roringen e.V.
Wann und wie kam die Katze in das Wappen des Turnverein Roringen
125 Jahre Schule und Küsterei Die Einschulung
Flur-Namen
Strassennamen in Roringen
Der Deckbulle
Roringens Einwohner 1939-1999
6 mal Goldene Hochzeit in Roringen
Wie viele Wohngebäude gibt es in Roringen?
Die Glocken der St. Martins-Kirche zu Roringen Unser Laden, von der Projektidee bis zur Eröffnung
27 Jahre Postzusteller in Roringen RoRoMo 2001
Freuer in Roringen De Zejenbock
Die Doublette Förderunterricht
Theater und Festumzug in Herberhausen
Roringer Kartoffelsalat Rückblick
Zum Lesen Verehrte Leserinnen und Leser
das Redaktionsteam
J. Ronnenberg
W. Massow
S. Ritzkowski
J. Ronnenberg & M. Rosenplänter J. Ronnenberg & M. Rosenplänter J. Ronnenberg & M. Rosenplänter M. Schmole
R. Gottschalk
J. Ronnenberg
M. Rosenplänter
S. Ritzkowski
S. Ritzkowski
G. Ernst
D. Hünefeld
S. Ritzkowski
S. Ritzkowski
G. Watenphul
H. Meyer & J. Ronnenberg
S. Ritzkowski
R. Paul
S. Ritzkowski
das Redaktionsteam
H. Meyer & S. Ritzkowski M. Schmole
M. Rosenplänter
M. Rosenplänter
M. Masuch & J. Ronnenberg J. Ronnenberg
J. Udolph
S. Ritzkowski H. Meyer
S. Ritzkowski S. Ritzkowski S. Ritzkowski S. Ritzkowski S. Ritzkowski S. Ritzkowski R. Gottschalk H. Meyer
J. Ronnenberg J. Ronnenberg W. Jahns
J. Ronnenberg J. Ronnenberg S. Ritzkowski & M. Schmole S. Ritzkowski S. Ritzkowski
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THIE-BOTE Nr. 3 MAI 2006
Danksagung
Wir danken
den auswärtigen Autoren dieses Heftes:
Frau G. Aye M.A., Lüneburg, und den Herren Dr. E. Böhme, Stadtarchiv, Göttingen,
G. Brunken, Nikolausberg, E. Dietert, Gleichen-Sattenhausen, E. Günther Ortsheimatpfleger, Herberhausen;
für Rat und Hilfe den Damen und Herren Dr. med. dent. R. Alten, B. Arndt M.A., Stadtarchäologie, B. Beuermann, Göttinger Tageblatt, K.-H. Bielefeld,
Kirchenkreisarchiv, Dr. Brinkmann, Städt. Museum, Dr. K. Grote, Kreisarchäologie, Prof. Dr. med. Hühnefeld, Dipl.-Ing. Lott, ABK, Hannelore Meyer (f), Dr. D. Neitzert, Dr. med. dent. J. Kiehne, Prof. Dr. W. Petke, Frau Pyras, Kirchenbuchamt, Jutta u. Walter Ronnenberg, Dipl.-Ing. Schäfer, ABK, F. Schnur (f), Prof. Dr. H.-G. Stephan, Seminar f. Vor- u. Frühgeschichte, T. Wahby, Dr. med. dent. G. Welge, Dr. R. Wittig alle Göttingen;
und Pastor Dr. E. Arfken (t) (Hohnstedt), Dipl.-Ing. ©. Braun (Fuldatal), Dr. W. Brill (Bovenden), Dr. K.-D. Meyer
(Großburgwedel) und Pastor Dr. Karl Wurm (Duderstadt).
Dank geht an die Unternehmungen, die überwiegend in Roringen beheimatet sind oder hier wirken, die zur Finanzierung dieser Ausgabe durch Werbung beigetragen haben. Die Annonce „Unser Laden“ wurde kostenfrei eingesetzt.
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THIE-BOTE Nr. 3 MAI 2006
Zeittafel
Die Tabelle listet die wesentlichen Zeitangaben auf, die in den Beiträgen genannt werden
Datum Ereignis 316-397 Martin von Tours 1055 Ersterwähnung der St. Martins-Kirche in Geismar, der Mutterkirche von Roringen 20.09.1162 | Ersterwähnung des Ortes 1170 Ersterwähnung der Herren von Roringen ca. 1200 Erste Stadtmauer um Göttingen („bald nach 1200“) 1254 Ersterwähnung der Kirche zu Roringen 1254 Kloster Pöhlde - Patron der Kirche Roringen (bis 1533) Ersterwähnung 19.06.1380 Die Stadt Göttingen kauft das Dorf Roringen vom Herzog von Braunschweig. Roringen wird Stadtdorf 1406 Bau der Roringer Warte und der Landwehr 1414 Ersterwähnung des St. Martins-Patroziniums in Roringen 1422 Bau der Mauer um den Kirchhof 1442 Ersterwähnung einer Glocke in der Roringer Kirche
15.01.1520 Tod Bertolf v. Roringen, Ende der Herren von Roringen
1529-1531 | Einführung der Reformation in Göttingen Um 1533 Der Patronat geht vom Kloster Pöhlde an den Landesherren, die Herzöge von Braunschweig-Lüneburg 1607/08 Bau eines Pfarrhauses
07.06.1613 Herberhausen und Roringen werden unter einem Pfarramt vereinigt
1623 Bau einer Schanze auf dem Kirchhof 16.05.1727 | Zerstörung der Glocke (-n) 1648 Auftrag zum Guss der Gr. Glocke 1698 Taufstein der Roringer Kirche 1707 Roringer Kirchen- und Pfarr-Inventarium von Pastor H. Chr. Bachmann
1739/40 Bau eines Pfarrhauses 08.09.1747 | Genehmigung des Hann. Konsistoriums zur Erweiterung der Kirche in Länge und Breite 1747 Rückbau der mittelalterlichen Kirche, Bau der neuen Kirche 1748 Erwähnung einer ersten Turmuhr 26.08.1761 Beisetzung von Anna E. Reinike in der Kirche 27.08.1961 | Beisetzung von Carl Georg Wilh. Apel in der Kirche 06.09.1761 | Beisetzung von Johann Georg Apel in der Kirche
1764 Errichtung eines Küster- und Schulhauses Opferbach 6
12.05.1769 | Beisetzung von Cath. Elise Kaufmann in der Kirche 1772 Verzeichnis der Pfarr- und Schulgüter von Pastor A. Kiesel
17.04.1785 Beisetzung von Pastor Joh. Daniel Kauffmann in der Kirche vor dem Altar 1798 Corpus bonorum von Pastor J. H. Hofmann
1803 Der hann. Kurfürst und englischer König Georg III überträgt den Patronat von Roringen an die Stadt Göttingen 1823 Südpforte Kirchhof 1826-1836 | Ausbau der Herzberger Chaussee
1833 Hauptreparatur der Kirche und des Kirchturms
1836 Ausbau der Herzberger Chaussee bei Roringen 08.02.1846 Einweihung der v. Werder-Orgel
1846 Wilhelm Böker wird Pfarrer in Roringen-Herberhausen
1848-1888 Lehrer Burdorf Schulmeister in Roringen Ab 1854 Patron der Kirche Herberhausen : der Kurfürst zu Hannover
1873 Bau der Schule Opferbach 6
17.03.1895 | Todestag Lehrer Eduard Burdorf 1920 Abschrägung der Südost- und Südwest-Ecke des Kirchhofs 1937 Begradigung der Herzberger Chaussee, Abtrag der Bergnase des Drakenberges Zw. Neubau des Kirchhofsmauer-Westseite (Vormauer)
1956 Bepflanzung des Kirchhofs 1962 Zweite Turmuhr
01.01.1966 | Einführung von Straßennamen und Hausnummern Juli 1966 _ Einweihung der drei Bronze-Glocken
1971 Ende der Schultradition in Roringen, Umsiedlung der Unterstufe nach Herberhausen 01.01.1973 | Eingemeindung Roringens in die Stadt Göttingen
1988 Mahnmal auf dem Kirchhof
1993 Gründung des Roringer Heimatverein e.V.
1998 Verkauf des Grundstückes Opferbach 6 (Schule, Küsterei)
07.11.1999 | Brand der Kirche 13.05.2001 | Einweihung der Kirche, dritte Turmuhr 05.05.2002 | Einweihung der Pfarrscheune 25.05.2003 | Einweihung der Hillebrand-Orgel
2005 Erweiterung der Friedhofskapelle
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THIE-BOTE Nr. 3
Bericht des Vorsitzenden
Dr.M. Schmole Zur Jahreshauptversammlung 16.04.2004
In den vergangenen Monaten hat der Heimatverein wieder gezeigt, dass er in der Lage ist, auch große Herausforderungen zu meistern.
Der Bolzplatz bekommt tatsächlich eine Boule-Anlage. Die Umrandung ist unter Einsatz von Menschenkraft und mithilfe des Hebelgesetzes wie zu Zeiten der Pharaonen gelegt. Dazu stellte die Roringer Gemeinschaft Material in der Form von mächtigen Baumstämmen zur Verfügung. Nächste Woche wird Kalkbruch angefahren und der Platz fertig gestellt.
Da der zweite Basketballständer noch nicht repariert ist, lässt die Vervollständigung des Basketballplatzes noch auf sich warten. Auch dies wird hoffentlich zum diesjährigen Bolzplatzfest erledigt sein.
Um den Platz wieder attraktiv zu gestalten, wurden die Schaumstoffmatten entfernt. Durch die notwendig gewordenen Reparatur des Aufsitzrasenmähers just mitten der Sommerzeit konnte der Rasen nicht wie gewohnt gemäht werden. Unser Bürgermeister, der unverständlicherweise immer noch nicht Mitglied im Verein ist, hat dennoch dankenswerter Weise den Rasen geschnitten.
Wie jedes Jahr war der Heimatverein wesentlich an der Organisation und Durchführung des Weihnachtsfestes beteiligt und jedes Jahr war unser Hauptanliegen, die Gäste, ob groß ob klein, zu bewirten. Leider war die Zahl der Kinder und Eltern wieder kleiner und es wird auch hier deutlich, dass esan Nachwuchs fehlt.
Ein Erfolg war auch wieder der Roringer Rosenmontag (RoRoMo), der erneut von Rolf Gottschalk großartig geplant und durchgeführt wurde. Leider lässt auch hier die Beteiligung nach.
Dies konnte man aber beim Höhepunkt des vergangenen Jahres, dem Heimatabend des Roringer Heimatvereins, wirklich nicht feststellen. Im Gegenteil war das Dorfgemeinschaftshaus voll besetzt. Mit Sketchen, Gesang, Spielen und orts- und vereinsüblicher Beköstigung wurde wieder ein Mal der Bevölkerung demonstriert. Dass der Heimatverein lebt. Dies wird auch in der Entwicklung der Mitgliederzahlen deutlich; doch dazu wird unsere Schatzmeisterin noch Stellung nehmen. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, Renate Paul unseren ungeteilten Dank für ihre langjährige, gewissenhafte und erfolgreiche Tätigkeit auszudrücken. Sie wird leider ihren Posten aufgeben, den sie trotz einer glücklicherweise überstandenen schweren Erkrankung stetig ausgefüllt hat. Vielen herzlichen Dank, Renate. Wir hoffen allerdings, dass Du uns als Ratgeberin erhalten bleibst,
So komm ich auch zu mir, der ich mit dieser Hauptversammlung mein Amt als 1. Vorsitzender zur Verfügung stelle. 6 Jahre habe ich so gut ich konnte, aber hoffentlich zur Zufriedenheit der Betroffenen, dieses Amt inne gehabt. Meine beruflichen Belastungen, die gegen Ende
meiner Dienstzeit nicht geringer, sondern eher größer werden, lassen es mir angeraten erscheinen, mich zurück zu ziehen. Ich versichere aber, dass ich weiterhin dem Heimatverein und den Roringer Bürgerinnen und Bürgern bei der Durchführung der vielen Aufgaben helfen werde, die aufuns warten. Ich danke hiermit auch allen Mitgliedern des Heimatvereins und meinen Vorstandsmitgliedern, dass ihr mich mitgetragen habt und wünsche dem Heimatverein mit neuer Besetzung des Vorstandes viel Erfolg und langes Leben.
Verehrte Leserinnen und Leser!
Sie haben nun den THIE-BOTEn des Roringer Heimatvereins durchgeblättert oder auch durchgelesen. Vielleicht hat der eine oder andere Bericht Sie angeregt, über die Geschichte des Ortes nachzusinnen. Möglicherweise finden Sie, dass Ergänzungen oder Veränderungen notwendig und sinnvoll wären. Lassen Sie uns dies, bitte wissen.
Der Roringer Heimatverein hat sich in seiner Satzung u. A. zur Aufgabe gesetzt: „Die Schönheiten und Eigenheiten des Dorfes Roringen und seiner Umgebung zu erhalten, zu pflegen und zu vermehren, die Erinnerung an die soziale und kulturelle Geschichte des Ortes wach zuhalten und seine weitere Entwicklung zu fördern...“
Unterstützen Sie uns dabei. Wie?
Sie werden Mitglied im Heimatverein. Fragen Sie einfach ein Mitglied des Vorstandes.
Oder Sie haben Vorschläge, Ideen oder Informationen. Lassen Sie uns daran teilhaben.
Oder Sie helfen uns mit einer Geldspende. Jede ist uns willkommen. (Adresse: Roringer Heimatverein e.V. Kto.Nr. 31200116 Spk. Göttingen BLZ 260 500 01. Eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt wird ausgestellt.)
Der Roringer Heimatverein e.V.:
l. Vorsitzender Dr. Siegfried Ritzkowski
Uranusweg 2, Tel. 0551 /2 46 67 e-mail: sritzko@roringen.de Margrit Rosenplänter Opferbach 22, Tel. 0551/23715
2. Vorsitzende
Kassenwart Dr. Jan I. Valena
Am Menzelberg 1, Tel. 0551 / 70 33 14 Schriftführerin Jutta Ronnenberg
Opferbach la, Tel. 0551 /2 20 90 Alle 37077 Göttingen OT Roringen
Herausgegeben von
Dr. Siegfried Ritzkowski u. Margrit Rosenplänter
Im Auftrage des Roringer Heimatverein e.V.
Copyright © 2006 Roringer Heimatverein e.V.
Jegliches Vervielfältigen von Texten, Bildern oder Grafiken bedarf der vorherigen schriftlichen Genehmigung.
Layout: Tobby Ritzkowski www.pixelwizart.de
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Aus diesem Heft schöpfen
- Agnes von Roringen zuletzt erwähnt
- Alte Schule
- Alter Straßenverlauf
- Backhaus an der Pfarrscheune
- Bau der Herzberger Chaussee
- Bauwerke & Ortsstruktur
- Bestattungen in der Kirche
- Christian Meyer wird Pastor in Roringen
- Das Geschlecht der Herren von Roringen erlischt
- Der neue Friedhof wird eröffnet
- Die Herren von Roringen in den Urkunden
- Die Kirche wird wieder eingeweiht
- Die Roringer Kirche wird erstmals erwähnt
- Dorfentwicklung in Roringen: Dorferneuerung und Dorfladen
- Drakenberg am Hangsporn
- Einwohner
- Eröffnung des Dorfladens
- Festes Haus der Herren von Roringen
- Feuerwehrteich
- Freiwillige Feuerwehr Roringen
- Friedhof
- Geschichte
- Höchststand der Einwohnerzahl
- Jagdhütte am Ortloh
- Kirchenbrand zerstört die historische Orgel
- Natur und Landschaft
- Naturschutzgebiet Bratental
- Neubau des Kirchenschiffs von St. Martin
- Neue Glocken für St. Martin
- Neue Hillebrand-Orgel eingeweiht
- Neue Orgel in St. Martin
- Osterfeuer
- Pfarrhaus
- Pfarrscheune, Quelle und Backhaus
- Roringen in Zahlen
- Roringen und Omborn kommen an die Stadt Göttingen
- Roringen: Geschichte und Gegenwart eines Göttinger Ortsteils
- Schanze im Kirchhof im Dreißigjährigen Krieg
- Schöne Orte und Aussichtspunkte in Roringen
- St. Martin
- Steinerne Kirchhofsmauer errichtet
- Thie-Boten
- Unser Laden e.V.
- Wappen der Ritter von Roringen auf dem Barfüßeraltar
Quellen
- Thie-Bote Nr. 3, Mai 2006 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 160)
Wissensbestand des Roringer Heimatvereins