Drakenberg am Hangsporn
Der Hangsporn am Nordende des Drakenbergs ist ein Ort, an dem sich Überlieferung und Vermutung treffen. Eduard Burdorf, von 1848 bis 1888 Lehrer in Roringen und Mitbegründer des Vereins für die Geschichte Göttingens, schrieb im 19. Jahrhundert, die Herren von Roringen hätten keine Burg besessen, sondern ein festes Haus am äußersten Ende des Drakenbergs bewohnt, gleich über dem jetzigen Pfarrhaus. An das Haus habe sich die Kirche mit dem Begräbnisplatz geschlossen. Noch heute zeigten Schutthaufen, wo beides gestanden habe; Fundamente seien gefunden und Gräber freigelegt worden, und beim Bau der Chaussee sei in einem gewölbeartigen Raum ein Massengrab entdeckt worden.
Siegfried Ritzkowski hielt Burdorfs Ortsangaben für nicht eindeutig. Er verstand darunter das Nordende des steilen Stufenhangs und merkte an, dass diese Bergnase heute nicht mehr existiert: Sie wurde 1937 bei den Arbeiten für die Herzberger Chaussee abgetragen, siehe Alter Straßenverlauf. Die Gräber bei Roringen, die Burdorf erwähnt, deutete Ritzkowski als Reihengräberfeld des 8. oder frühen 9. Jahrhunderts. Burdorfs Annahme einer frühen Kapelle oder Kirche an dieser Stelle nannte er eine erwähnenswerte Hypothese, bewiesen ist sie nicht.
Die Kesselsage
An der Ketelhecke auf dem Drakenberge bei Roringen hatten einst Roringer Bauern nachts einen Schatz schimmern sehen. Sie machten sich nun daran, den Schatz zu heben und gruben schweigend ein tiefes Loch. Als sie eine zeitlang gegraben hatten, stießen sie auf einen verschlossenen Kessel mit zwei Griffen. Um denselben besser emporheben zu können, steckten sie einen dicken Stock durch die Griffe und fingen an zu heben. Als sie den Kessel fast an die Oberfläche herausgehoben hatten, sagte einer der Bauern: „Nu wil we nochmal recht wisse bören.“ Aber in demselben Augenblick sank der Kessel auch wieder in die Tiefe, und nur die beiden Griffe blieben am Stock zurück.
Die Ketelhecke liegt auf dem Drakenberg an der Grenze zwischen Roringen und Herberhausen. Der Kessel spielte im Leben der Vorfahren eine große Rolle, schrieb Jutta Ronnenberg: Darin wurde gekocht und auch das Bier bereitet, deshalb kommt er in vielen Sagen vor.
Quellen
- Siegfried Ritzkowski: Thie-Bote Nr. 3, Mai 2006 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 160)
- Jutta Ronnenberg: Zweiter Heimatabend: Aus Roringens Geschichte und Sage, 1995 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 215)
- Infotafel des Dorferlebnispfads des Roringer Heimatvereins, Tafel der Station „Drakenberg am Hangsporn“
Wissensbestand des Roringer Heimatvereins