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Auf der Startseite beginnt der Rundflug über Roringen kurz nach dem Ankommen und wieder nach 15 Sekunden ohne Eingabe. Am Computer ist das von Haus aus an, am Handy aus (dort startet ihn der Knopf „Rundflug“); am Handy endet er nach 4 Minuten. Mit „Weniger Bewegung“ gibt es keinen Film, nur eine ruhige Bildfolge.

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Seite September 2012

Thie-Bote Nr. 4, September 2012

Nr. 4 erschien am 30. September 2012 unter dem Titel „Geschichte und Geschichten rund um die Kirche“, zum Fest „Rund um die Kirche“ im Jahr der 850-Jahr-Feier. Sie bringt neunzehn kurze Beiträge, darunter die Kirchhofspforte von 1823, den Opferbach, Fachwerkhäuser, die Kirchhofsmauer, die Milchannahmestelle Roringer Winkel 1, Lange Straße 23, das Thie-Haus, den Schlauchturm, das Mahnmal und die Glocken.

TitelseiteZur ersten Seite

20 Seiten, herausgegeben vom Roringer Heimatverein. Hier lässt sich das Heft Seite für Seite lesen: Ein Tippen auf eine Seite vergrößert sie, darunter steht ihr Text zum Aufklappen.

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Seiten

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    THIE-BOTE

    Nachrichten und Berichte des Roringer Heimatvereins e. V.

    Roringen Nr. 4 30. September 2012

    Geschichte und Geschichten Rund um die Kirche

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    THIE-BOTE Nr. 4

    September 2012

    Inhaltsverzeichnis

    Erntedank und Erntekronekrone.

    Die Kirchhofspforte von 1823

    Der Opferbach

    Fachwerkhäuser in Roringen

    Der Brunnen vor der Mauer

    Die Kirchhofsmauer und Querschnitt Brandschutt im Kirchhof

    Kinder an der Kirchhofsmauer

    OVvoaınıNna a 3 ww wo m a ie ee

    10. Die Falken im Kirchturm

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    11. Schatzkästchen Kirchhofsmauer

    12 12. Lange Straße 23 12 13. Die ehemalige Bäckerei 8 14. Das Thie-Haus 15 15. Der Hof Opferbach 1 5 16. Der Schlauchturm am Thie 6 17. Das Mahnmal auf dem Kirchhof 7 18. Die Bäume auf dem Kirchhof. 8 19. Die Glocken auf dem Kirchhof

    850 Jahre Roringen

    Vor 850 Jahren wurde der Ort Roringen zum ersten Male genannt. Die päpstliche Urkunde vom 20. September 1162 ist im Original nicht mehr erhalten. Es existiert jedoch eine notarielle Kopie aus dem Jahre 1379, die im Staatsarchiv in Hannover aufbewahrt wird. Aus dieser stammt der Schriftzug „Roringe“.

    Das Jubiläumsjahr haben die Roringer Vereine in ihren traditionellen Veranstaltungen gefeiert. Nun hat die Ev.-luth. St. Martins-Kirchengemeinde zu einem gemeinsamen Fest „Rund um die Kirche“ am 30. September 2012 eingeladen und die Vereine gebeten, das Fest zu gestalten.

    Der Roringer Heimatverein e. V. hat sich für einen Blick in die Vergangenheit das unmittelbare Kirchumfeld gewählt. „Rund um die Kirche“ stehen Häuser, Mauern, Bäume, leben Menschen und Tiere. In diesem Rückblick werden Umfang und Geschwindigkeit des Wandels in den Veränderungen des Ortes sichtbar, den dieser Dorfkern vornehmlich während der Lebenszeit unserer älteren Mitbürger erfahren hat.

    Dieses Heft soll die Erinnerung beleben, zum Schauen anleiten, einige Facetten der Geschichte Roringens

    Die Milchannahmestelle Roringer Winkel |

    festhalten und anregen über die Zukunft Roringens nachzudenken. Zukunft überfällt uns nicht als ein Schicksal, sondern sie wird von Menschen erzeugt und gestaltet. Es sind die Roringer Bürgerinnen und Bürger, die das künftige Wesen und Bild dieses Ortes schaffen.

    Wir danken allen, die uns hierbei geholfen haben.

    S. Ritzkowski, J. Ronnenberg, M. Rosenplänter

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    THIE-BOTE Nr. 4

    September 2012

    eh Erntedankfest und Erntekrone

    Dankfeste für die Ernte gab es schon in vorchristlicher Zeit in zahlreichen Kulturen. In der katholischen Kirche seit dem 3. Jahrhundert. Da die Ernte in den verschiedenen Klimazonen der Erde zu unterschiedlichen Zeiten eingebracht wird, gibt es nicht einen einheitlichen Termin für das

    Erntefest.

    Am Michaelstag (29. September) oder dem Sonntag davor oder danach wurde in der protestantischen Kirche das Erntedankfest begangen. In Preußen wurde 1773 der erste Sonntag nach Michaelis als den Erntedanksonntag festgelegt.

    Seit 1985 gilt für die Evangelischen Kirchen die Empfehlung, den ersten Sonntag im Oktober als Erntedankfest zu

    feiern.

    Eine größere Korngarbe, später auch ein Erntekrone wurde früher dem Dienstherren mit der letzten Fuhre des Kornschnittes überreicht. Kirchliche Segnung und Erntelied gehörten zur Übergabefeier wie auch das anschließende Essen und Tanz

    Zum Erntedankfest gehörte immer eine Erntekrone. Auf jedem Hof, in der Kirche und auf dem Festsaal konnte man eine oftmals kunstvoll gewickelte Erntekrone antreffen. Die Farben der Bänder symbolisieren das Blau der Kornblume, das Rot des Klatschmohns und das Weiß der Kamillen. Diese

    2) Die Kirchhofspforte von 1823

    Drei Pforten gewähren Zutritt zu Kirchhof und Kirche. Das Tor auf der Ostseite (vis-ä-vis des Thieplatzes) sind wurde erst vor etwa 50 Jahren eingerichtet. Von der Pforte auf der Nordseite (von der Langestraße) ist das Baudatum uns nicht bekannt. Die Pforte auf der Südseite ist die älteste der Durchlässe. Auf dem zweitobersten Stein zur rechten Hand

    isteingemeißelt: „ROHRI 1823“.

    Man darf wohl dieses Datum dem Bau der Pforte zuordnen, denn auch das Portal der Kirche weist über dem Eingang mit der Jahreszahl 1747 auf das Baudatum hin. Und daraus

    ergeben sich einige Überlegungen und Fragen.

    Die Süd-Pforte von 1823 korrespondiert mit der Kirchentür der Kirche, die 1747 gebaut wurde. Sie istaufdiese Tür aus-

    Blumen waren früher reichlich in jedem Kornfeld, sehr zum Leidwesen der Bauern, anzutreffen. Uns aber sind noch heute die Kornfelder in ihrer bunten Pracht und Schönheit unvergesslich in Erinnerung.

    Diese ausgestellte Erntekrone wurde zum Erntedank 2001/ Kirmes 2001 von Hannelore Meyer und Jutta Ronnenberg gebunden.

    Hannelore Meyer schrieb dazu:

    Lawe Kermesjäste ut Roaringen.

    Wee bade höwet üsseg Meue cheben, un düsse Arnekrone wickelt. Wenn wee datt jo öfter moket, werdse jo oak üummer better jelingen!Wee denket, datt wee jöck mett düssen Jebinne ne klane Freude moket hot.Non ßettet wee datt Ding inne Midde, danzet do en pormol rümmer, un wenn se denn im Weje staht, stellt se anne Siete.

    Non wünschet wee bade im Nomen vom chanzen Heimatverein neschöne Roaringsche Kermisse.

    Das Erntedankfest hat somit einen anderen Ursprung als die Kirmes. Diese ist ein Fest, das - wie der Name „Kirch-Weih“ sagt - an die Weihe der Kirche erinnert und am Namenstag des Schutzheiligen (Namenspatrons), somit zu sehr verschiedenen Zeiten gefeiert wurde. Sie mit Umzügen, Volksfesten, Ausstellungen und Märkten verbunden.

    Jutta Ronnenberg, Siegfried Ritzkowski

    gerichtet. Möglicherweise stellte sie 1823 Eingang zu Kirchhofund Kirche dar.

    den einzigen

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    THIE-BOTE Nr. 4

    September 2012

    Zeichnung der Vorgängerkirche von H. G. Thon 1743

    & Der Opferbach

    Der Gebrauch von Straßennamen zur Identifizierung von Anwesen ist noch nicht alt. Im 19. Jahrhundert begann man die Häuser zu nummerieren: die Kirche hatte die Nr. 69, das Spritzenhaus (Bücherei) die Nr. 68.

    Durch den Beschluss des Rates der Gemeinde Roringen vom 27. August 1965 wurde festgelegt, dass die Häuser nach zugeteilten Nummern gekennzeichnet werden müssten. Für diese Kennzeichnung wurden Straßennamen vergeben. Die Verordnung trat am 01.01.1966 in Kraft.

    Mit der Eingemeindung am 01.01.1973 wurden die Straßennamen, die bereits in Göttingen existierten, durch neue ersetzt. Diese sind in Klammern ( ) angeführt. Die Liste von 1965 enthält folgende Straßennamen:

    Angerstraße (jetzt Rottenanger) Langestraße

    Im Winkel

    Opferbach Schmiedestraße

    Zum Ortloh

    Oberdorf (Baumgarten)

    Einen Zugang neu zu bauen lässt vermuten, dass die Pforte durch die Mauer zuvor an einer anderen Stelle lag. Wo - wissen wir nicht. Doch wissen wir, dass die Kirchentür der mittelalterlichen Vorgängerkirche, deren Schiff vermutlich 1745 abgerissen wurde, an der Baunaht von Turm und Kirchenschiff gelegen war.

    Zwei Annahmen könnte man erwägen:

    Erstens: Die mittelalterliche Pforte in der Mauer lag direkt vor der Kirchentür. Dann müsste sie etwas westlich der heutigen Pforte gelegen haben.

    Zweitens: Der Zugang zum Kirchhof und zur mittelalterlichen Kirche erfolgte in Verlängerung der Straße „Opferbach“. Dann wäre der Zutritt zur Kirchentür von der rechten (östlichen) Seite erfolgt.

    Als die Kirchhofsmauer 1422 gebaut wurde, stand die mittelalterliche Kirche auf einem kleinen Hügel, der nach Westen und Süden abfiel. Die Mauer war eine freistehende Schwergewichtsmauer. Im Laufe der Zeit wurde der Raum hinter der Mauer bis zur heutigen Höhe angefüllt. Bereits 1823 muss eine beträchtliche Auffüllung bestanden haben; denn die Treppe von 4 Stufen, die einen Höhenunterschied von 0,9 m überwindet, schneidet in diese Auffüllung ein.

    Der Kirchhof war auch der Friedhof des Ortes bis zum Jahre

    1868. Siegfried Ritzkowski

    Gartenstraße (Kleeanger) Wiesenstraße (Obere Wiesen) Am Menzelberg

    Ahornweg (Merkurweg) Akazienweg (Neptunweg) Lärchenweg (Uranusweg) Kiefernweg (Saturnweg) Lindenweg (Jupiterweg).

    Die Straße „Opferbach“, die auf einem alten Plan von 1850 einfach als „Dorfstraße“ bezeichnet wird, nimmt ihren Namen vom Opferbach, den sie quert. Der Opferbach fließt an der ehemaligen Schule (Haus Nr. 54 oder Opferbach 6) vorbei. Hier stand früher das Opperhaus. Es weist auf das Amt des Oppermann/Opfermann hin.

    Der Oppermann trug Sorge für die Gaben, die die Dorfbewohner, sei es in Naturalien, sei es in Geld, als den sog. Opferpfennig für Kirche und Pfarrer abzuliefern hatten. Opferhaus nannte man das Haus, in dem auch die kirchlichen Geräte aufbewahrt wurden. Es diente dem Oppermann auch

    als Wohnhaus.

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    THIE-BOTE Nr. 4

    September 2012

    Der Oppermann musste des Lesens und Schreibens mächtig sein, wie eine Vorschrift aus dem Jahre 1544 bestimmt. Er versah mit dem Pfarrer den Unterricht der Kinder. Aus Geismar wird berichtet, das der Oppermann auch als Zeuge in Rechtsstreitigkeiten auftreten konnte. Dies verweist auf einen herausgehobenen, gesellschaftlichen Status.

    Im Güterverzeichnis der Kirchen von Roringen und Herberhausen aus dem Jahre 1798 ist nicht mehr vom Oppermann, sondern nur noch vom Schulmeister die Rede, von Schulgütern und vom Schulland. Der Name Oppermann ist verschwunden, der Schulmeister ist an seine Stelle getreten. Auf den Grundstück Opferbach 6 stand die alte Schule. Die Aufgaben des Oppermanns wurden nun von Küster, Organist und Lehrer übernommen.

    a} Fachwerkhäuser in Roringen

    Zwei dorftypische Fachwerkhäuser mit Hofstellen, deren Außeres im Zuge des Dorferneuerungs-Programmes neu gestaltet wurde, sind Opferbach 3 und Roringer Winkel 7.

    Roringen wurde 1994 in das Programm der Dorferneuerung aufgenommen. Ein Arbeitskreis Roringer Bürger, der sich am 29.06.1994 auf einer Bürgerversammlung bildete, unterstützte Planer und Berater. Im November 1995 erfolgte die Information der Bürger über das Ergebnis der Planung. Es folgten einige Jahre der Förderung von Maßnahmen.

    Das Fachwerkhaus Opferbach 3 wurde um 1800 in Stockwerksbauweise erstellt. Auf einem Natursteinsockel folgt die Sockelschwelle. Auf ihr stehen die senkrechten Ständer, die durch Streben (schräg) und Riegel (horizontal) verbunden sind. Die entstehenden Gefache wurden früher durch Flechtwerk und Lehmbewurf ausgefüllt. Den oberen Abschluss eines Stockwerks bildet das Rähm. Auf ihm liegen die Deckenbalken, die den Fußboden und die (Stock-) Schwelle des nächsten Stockwerks tragen.

    Kirchen prägen das Erscheinungsbild eines Ortes. In den Ortschaften um Roringen und in Göttingen gibt es viele Straßen, die durch ihren Namen auf Kirche und Pfarre hinweisen. Die St. Martins-Kirche in Roringen wird umgeben von den Straßen Opferbach, Roringer Winkel und Lange Straße. Es gibt keinen Kirchweg oder eine andere Bezeichnung, die auf die Kirche hinwiese. Lediglich die Bezeichnung „Opferbach“ enthält Hinweise aufein Amt, das einige Jahrhunderte lang für die wirtschaftliche Basis von Kirche und Pfarre Sorge trug und ein wichtiger Mittler in Bildung und Kultur des Ortes war.

    Siegfried Ritzkowski

    Das Haus besitzt zwei zweistufige Stockwerke mit weißen Sprossenfenstern. Die Fenster des unteren Stockwerks haben Klappläden erhalten. Das Satteldach trägt naturrote Hohlziegel. Das Giebelfeld ist mit naturroten Hohlpfannen behängt, wobei die unterste Reihe fachgerecht ausgestellt ist und durch ein weiß gestrichenes Unterbrett abgeschlossen wird.

    Eine bräunlich gehaltene Holzfassade in Boden-Deckel- Schalung bedeckt die Südseite. Das Wirtschaftsgebäude ist nicht mehr erhalten. Scheune und Stallung standen dort, wo heute das neue Wohnhaus steht. Es erstreckte sich seinerzeit bis an die Straße „Opferbach“.

    Das Photo zeigt das Fachwerkhaus Roringer Winkel 7 vor seiner Erneuerung. Es ist gleichfalls in der I. Hälfte des 19. Jahrhunderts in Stockwerksbauweise erbaut worden. Das untere Stockwerk liegt auf einem Sockel aus akkurat behauenen, großen Kalksteinen. Diese schließen an der Ostseite ebenerdig ab, an der Westseite bilden sie eine Mauer.

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    THIE-BOTE Nr. 4

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    Roringer Winkel 7

    Das Fachwerk ist zweistufig, das heißt dass, je Stockwerk ein Riegelgang zwei Gefachfelder trennt, wie bei allen Fachwerkhäusern in Roringen, die in der I. Hälfte des 19. Jahrhunderts erbaut wurden. Die alte Holzkassettentür ist erhalten. Neue, das Glas teilende, weiße Sprossenfenster beleben die beiden Stockwerke. Der Behang der Nordseite

    15) Der Brunnen am Kirchhof

    An der Südwest-Ecke des Kirchhofs befand sich früher ein Brunnen. Mehrere Roringerinnen, die heute über 80 Jahre alt sind, berichten, dass sie ihn noch gesehen und genutzt hätten.

    Folgende Fakten können wir festhalten:

    Der Brunnen lag nahe der Kirchhofmauer. Noch im Jahre 1952 wurde daraus Wasser für den Hausgebrauch entnommen. Mit einer langen Stange (vermutlich ca. 2-3 m), an die man den Eimer hakte, wurde das Wasser geschöpft. Das Wasser war kühl, klar und schmeckte gut. Der öffentliche Brunnen wurde von den Anwohnern genutzt.

    Das Wassereinzugsgebiet des Brunnens ist zunächst der Kirchhof, auf dem am 17. Januar 1868 die letzte Bestattung erfolgte. Die Niederschläge auf das Dach der Kirche versickerten gleichfalls im Kirchhof, da es keine Regenwasserkanäle gab. Schließlich dürfte auch Regenwasser, das oberhalb der Langestraße versickerte, diesem Brunnen zugeflossen sein.

    Die Grundwasserspiegel in Brunnen oberhalb der Langestraße liegen etwa 1 m unter Geländeoberkante bzw. Straßenniveau, diejenigen gegen den Opferbach ca. 2 m. Im Brunnen am Kirchhof wird die Grundwasseroberfläche etwa in dieser Tiefe gelegen haben. Filterwirkung und Kühlung des Bodens bescherten ein kühles und klares Wasser. Angesichts der Oberflächennähe und der dadurch bedingten geringen Verweildauer der Niederschläge im Boden dürfte

    ist verschwunden. Das Sichtfachwerk freigelegt. Ein Teil der Westseite ist mit einer passend zweifarbigen, Holzfassade (Boden-Deckel-Schalung) bekleidet. Dieses neue Element vertikaler Linien gliedert die Gebäudewand auf und liefert durchaus eine architektonische Pointe.

    Das Satteldach trägt naturrote Tonziegel. Das zur Traufe hin leicht geschwungene Dachprofil wird durch Aufschieblinge auf den Sparren bedingt und wirkt als gestalterisches Element. Die Verflachung soll zu einer Verringerung der Spritzwasserbildung in der Dachrinne führen und Schneerutschungen abmildern. In den naturroten Dachlandschaften findet das Bestreben nach einer Zusammengehörigkeit der Bewohner und ihrer Häuser einen augenfälligen Ausdruck.

    Mit der ursprünglichen Aneinanderreihung von Wohn-, Stall- und Wirtschaftsgebäude unter einem Dach (sog. „Streckhof‘) und der quer zum Wohnhaus stehenden Fachwerkscheune zeigt diese Hofstelle die Anordnung der Gebäude eines Hakenhofes (Zweiseit-Hof). Diese Hofstelle ist ein typisches Beispiel der Bauernhausarchitektur des frühen 19. Jahrhunderts in der Leinetalregion.

    Siegfried Ritzkowski

    der bakteriologische Zustand des Grundwassers nicht den gegenwärtigen Erfordernissen entsprochen haben.

    In den heutigen Brunnen ist die Lage der Grundwasseroberfläche recht stabil, auch in unterschiedlichen Jahreszeiten. Dies lässt auf einen stetigen Wasserzutritt schließen. Auch der Brunnen am Kirchhof dürfte mit ausreichend Wasser versorgt worden sein, obgleich seine Tiefe und der Speicherraum unbekannt sind.

    Der Brunnen liegt im Flurstück 211/130, das bis zum Jahre 1920 von der Kirchhofmauer umschlossen war. Damals wurden die Südwest- und auch die Südost-Ecke (Flurstück 212/130) abgeschrägt. Wir vermuten, dass der Brunnen ursprünglich nicht vor, sondern auf dem Kirchhofe gelegen war und zwar an der tiefsten Stelle des Kirchhofsareals. Er diente zuallererst der Versorgung des Kirchenbezirks.

    Es liegt die Vermutung nahe, dass mit dem Bau der zentralen Wasser- und Schmutzwasserleitungen 1957/58 der Brunnen aufgegeben und verschüttet wurde. Es gibt weder ein Photo des Brunnens noch Spuren von seiner früheren Existenz. Wir bitten deshalb darum, alte Bilder, Berichte oder eigene Erlebnisse von und mit dem Brunnen, uns zukommen zu lassen.

    Siegfried Ritzkowski

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    THIE-BOTE Nr. 4

    September 2012

    @® Die Kirchhofsmauer

    Im Jahre 1380 erwarb die Stadt Göttingen das Dorf Roringen. Bereits in den Jahren 1406/07, sicherte die Stadt ihr neu erworbenes Gebiet durch die Berwinkels-Warte (Roringer Warte) und die Roringer Landwehr. Wenig später, im Jahre 1422, ließ sie den Kirchenbezirk mit einer Mauer umgeben.

    Die Höhe der Mauer betrug wenig mehr als 2 m. Sie wurde nicht als Trockenmauer aufgeschichtet, sondern stellte ein freistehendes, festes Mauerwerk dar. Zweifelsohne diente sie als weitere Schutzmaßnahme für die Bevölkerung und deren Hab und Gut.

    Schutzmaßnahmen dieser Art verloren seit Beginn des 18. Jahrhunderts ihre Wirksamkeit. Deshalb verbaute man, beim Neubau des Kirchenraumes im Jahre 1747, auch Steine aus der Kirchhofmauer. Sie wurde offensichtlich um I m aufihre heutige Höhe erniedrigt.

    Was ist von der ursprünglichen Mauer überhaupt erhalten?

    Bei dem Neubau eines Teils der westlichen Mauer im Jahre 2005 konnte man die Struktur der Mauer sehen. Das Mauerwerk ist etwa 1,25 m stark und besteht aus zwei Einheiten:

    Die straßenseitige, sichtbare „Vormauer“ isteine einschalige Trockenmauer von ca. 50 cm Stärke und ca. 130 cm Höhe, die aus groben Kalksteinen aufgeschichtet ist. Ein Roringer Bürger berichtete, dass diese Vormauer nach dem Weltkrieg Il aufgesetzt worden wäre.

    Hinter der Vormauer wird eine „Hinterfüllung‘“ sichtbar, die aus humosem Lehm mit Kalksteinbrocken besteht. Sie ist

    €) Brandschutt auf dem Kirchhof

    Beim Neubau eines Teils der Westmauer im Juli 2005 kamen im Boden des Kirchhofs drei Arten von Fundstücken zu Tage:

    Erstens: Bruchstücke eines rötlich geflammten Kalksteins. Die rote Färbung des üblicherweise weißgrauen Kalksteins zeugt von einer Veränderung der Minerale durch Feuer. Zweitens: Harte, kleine Lehmbrocken, die durch Hitze verfestigt („gefrittet‘‘) wurden. Sie enthalten Abdrücke von Pflanzenstengeln als Hohlformen. Es handelt sich hierbei um Abdrücke von Brennnesselstengeln. Üblicherweise wurde kurz geschnittenes Stroh mit Lehm vermischt dazu verwendet (sog. Strohlehm). Dieser diente dazu, die mit Staken (Hölzern) oder Flechtwerk aus Weiden- oder Hasel- Zweigen ausgesteiften Gefache von Fachwerkhäusern auszufüllen und abzudichten.

    Schließlich kleine Bröckchen von Holzkohle, das ist verkohltes Holz.

    S ‚Hinkerfüllung‘ \

    Roringer Kirchhof Westmauer

    unten schmal und oben deutlich breiter als unten. Sie ist dadurch entstanden, dass die oberen Steine der Vormauer im Laufe der Zeit nach vorn, d.h. zur Strasse hin sich bewegten. In den entstehenden Raum sackte der Boden von oben nach. Die zweite Einheit ist eine zweischalige Kalksteinmauer von ca. 60 cm Stärke. Sie ist obertags nicht zu sehen. Das voll vermörtelte, fugendichte Mauerwerk steht im Lot. Keine Wurzel hatte sie durchdringen können. Beide Seiten sind eben und auf Sicht gearbeitet. Wir sehen in ihr die ehemalige mittelalterliche Mauer von 1422.

    Im Laufe der Zeit wurde an der Kirchhofsseite dieser freistehenden Mauer Boden angeschüttet, so dass heute die Geländeoberkante des Kirchhofs etwa in Höhe der

    Oberkante der Mauer liegt. Siegfried Ritzkowski

    Gebrannter Lehm mit Stengelabdrücken, 1,5 x natürl. Größe

    Die drei Arten von Fundstücken weisen auf Feuer hin. Was konnte aufdem Kirchhof gebrannt haben?

    Die Kirchhofsmauer wurde im Jahre 1422 im Auftrage der Stadt Göttingen gebaut. Es war eine freistehende Mauer, deren Höhe etwa 2 m betrug. An diese Mauer waren sog. „Gaden“ („Gadenhäuser“) angelehnt. Gaden waren kleine

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    THIE-BOTE Nr. 4

    September 2012

    Einraum-Häuser. Sie konnten als Stall, Hütte, Vorratskammern und auch als Schlafkammern dienen. Offensichtlich waren sie als Fachwerk gebaut, wobei die Gefache mit Strohlehm ausgefüllt waren. In Unterfranken kann man noch heutzutage zahlreiche Kirchhöfe sehen, in denen Gaden an der Kirchhofsmauer stehen.

    Im 17. Jahrhundert galten Gaden als „wohlverwahrte Keller, Gewölbe und Kammern, welche die Einwohner des Orts erblich besitzen und bey Kriegsläufften ihre besten Waaren darinn aufheben weil man ehedessen vor geweihten Orten mehr Scheu getragen und sie mit Rauben und Plündern verschonet hat“.

    Auch in Roringen dürfte der Bau einer Mauer um die Kirche nicht nur dazu gedient haben, einen heiligen Bezirk abzugrenzen und ihn etwa vor umherlaufendem Vieh abzuschirmen, sondern auch ein Areal höherer Sicherheit zu schaffen, sowohl für die Einwohner als auch für ihr Hab und Gut. Der Eingang zum Kirchhof lag dem Dorf zugewandt, im Blick des Ortes. Im Ernstfall konnte die Bevölkerung

    & Kinder aufder Kirchhofsmauer

    Dieses Postkartenbild der St. Martins-Kirche zeigt, dass einst auf dem Kirchhof mittelhohe Bäume standen. Es könnten Obstbäume gewesen sein. Die Straße war eine geschotterte Straße. Die Anwohner lagerten ihr Stammholz, wie üblich, vor der Mauer.

    Um diese Postkartenansicht zu produzieren, platzierte der Photograph neun Kinder an der Westseite der Kirchhofsmauer. Es sind dies von rechts nach links:

    Willi Haroth, mit Fahrrad, Hermann Steinwachs (1921 - 1981), aufder Mauer,

    zu viert auf Baumstämmen sitzend: Helmut Mesecke,

    Karl Magerhans,

    Karl Haroth.

    schnell in den schützenden Bezirk flüchten.

    Dabei sollte Schutz nicht nur vor Dieben und Räubern erworben werden, sondern auch vor den verheerenden Bränden, die der Holzbauweise und der engen Nachbarschaft der Gebäude wegen immer zahlreiche Häuser erfassten. Wann die Gaden-Häuser auf dem Roringer Kirchhof tatsächlich verbrannt sind, ist bislang unbekannt. Es wird von Feuern in Roringen in den Jahren 1466, 1485 und 1552 berichtet.

    Wichtig war auch eine Wasserversorgung durch einen Brunnen aufdem Areal für Mensch und Vieh.

    Ob Kirche und Kirchhof neben der Schutzfunktion auch für eine Wehrfunktion geschaffen waren, ist bei den Fachleuten strittig.

    Im 18. Jahrhundert jedenfalls war die Schutzfunktion einer Kirchhofmauer nicht mehr gegeben. In Roringen wurde im Jahre 1745 im Zuge des Kirchenbaus die Mauerhöhe etwa halbiert und das Tor erniedrigt. Die Inschrift von 1823 zeigt an, dass der Zugang zum Kirchhof nunmehr eine schlichte Pforte wurde.

    Siegfried Ritzkowski

    Und einzeln: Heinrich Quentin, Albert Schneider (1920 -2001)und Ursula Mesecke geb. Schneider (1927-2012).

    Die Geburtsdaten lassen vermuten, dass das Photo aus dem Beginn der 30-er Jahre stammt.

    Diese Roringer Kinder sind zumeist in Roringen aufgewachsen, haben hier gelebt und sind hier gestorben und begraben. Die Jüngste, Ursula Mesecke geb. Schneider, starb im Alter von 85 Jahren und wurde am 20. September 2012 beigesetzt.

    k i der, die da vor etwa 80 Jahren an der Kirchhofsmauer

    des Ortes Roringen, der in der Lebenszeit dieser Generation lässt sich „Rund um die Kirche” vor Augen

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    THIE-BOTE Nr. 4

    September 2012

    © Die Milchsammaelstelle

    Das Haus auf dem Grundstück Roringer Winkel | beherbergte nach dem Weltkrieg II die Milchsammelstelle. Das Gebäude war ursprünglich eine Scheune mit einem Walmdach. Die Firsthöhe soll etwa niedriger gewesen sein, als sie es beim heutigen Gebäude ist. Die Längsseite mit dem Tor war gegen die Kirche gerichtet.

    Die Straße säumten hohe Holzmasten. Sie führten die elektrischen Leitungen.

    Ein kleines Leiterwägelchen mit einer Milchkanne steht auf der Straße. Die Landwirte liefern die Milch in derartigen Kannen ab. Die Milch wurde in der Sammelstelle aufbewahrt, bis sie von der Molkerei abgeholt wurde. Zuletzt führte Frau Hilde Steinwachs Buch über die abgelieferten Mengen.

    Das Kind, das den Leiterwagen gezogen hat, steht an der Ecke des Hauses unter dem Baum. Steht es an einem Brunnen?

    Das Bild vermittelt auch einen Eindruck von dem Zustand der Langestraße. Sie war - wie alle Strassen in Roringen - mit kleinstückigem Kalkstein befestigt. Bei Trockenheit gab es Staub, bei Regen Schlamm. Im Bild werden die Rinnen sichtbar, die das Regenwasser in die Strassendecke gespült hat. Es war eine Aufgabe des Gemeindedieners, mit einer breiten Hacke die Furchen zu glätten.

    M. Rosenplänter, J. Ronnenberg, S. Ritzkowski

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    THIE-BOTE Nr. 4

    10) Falken im Kirchturm

    Vor dem Kirchenbrand am 7. November 1999 bewohnten Falken den Kirchturm. Mit dem Brand wurde deren Platz zerstört. Sie verließen Roringen.

    Turmfalken benötigen hoch gelegene Brutplätze, in Felsen oder Türmen. In Schwaben werden sie deswegen auch „lurmweih“ genannt. Sie nisten auch aufalten Krähen- oder Elster-Nestern an Wald- und Feld-Rainen.

    Einen neuen Nistkasten schenkte der Roringer Heimatverein e. V. der St. Martins-Kirchengemeinde 2004 zum Jubiläum der Ersterwähnung der Kirche. Der Kasten wurde am 6. Mai 2004 im Turmfenster auf der Nordseite montiert. Man kann das Einflugsloch sehen.

    Der Kirchenvorsteher Werner Scharfenstein hat sich der Fürsorge des Nistkastens angenommen, insbesondere weil die verwilderten Haustauben sehr begierig sind, diese Brutstelle für sich zu erobern. Er beschreibt ausführlich das Geschehen im Turm.

    Im April 2005 wurde das Nest von einem Falkenpaar bezogen. Aus einem Gelege mit 6 Eiern schlüpften nach vierwöchiger Brutzeit 5 Jungvögel - wie W. Scharfenstein berichtet. Im September wurde die Brutkiste verlassen.

    Falken legen in April und Mai 4 - 6 Eier, die 29 Tage bebrütet werden. Die Jungen werden gut 4 Wochen gefüttert. Die Eltern begleiten und füttern die Jungen auch nach Verlassen des Nestes für einige Zeit. Dann suchen sich die Jungtiere ein eigenes Revier. Als Standvogel benötigt ein Tier ein etwa 200 ha großes Jagdrevier. Ihr charakteristischer Rüttel-Flug hat ihnen auch den Namen „Rüttelfalke“ eingebracht.

    Ihre Nahrung besteht überwiegend aus Feldmäusen. Da Mäusepopulationen sich zyklisch verändern, etwa jedes dritte Jahr gibt es eine Massenvermehrung, gefolgt von einem Jahr geringer Bestandsdichte, sind auch die Falken nicht in der Lage, alljährlich eine neue Generation Jungvögel aufzuziehen. Es kommt hinzu, dass es in stark gedüngten, dicht und hoch wachsenden Kulturen der Bioenergie- Pflanzen kaum noch Mäuse leben.

    Im Frühjahr 2006 wurde kein einziger Falke gesichtet. Dafür eroberten verwilderte Haustauben in Herbst und Winter den Kirchturm.

    Im Frühjahr 2007 stellte sich ein Turmfalkenpärchen ein und es entbrannte ein Kampf mit den Tauben um das Nistgelege. Die Falken setzten sich durch. Doch die Eiablage erfolgte erst im Juni, viel zu spät. Die 6 Eier wurden erfolglos bebrütet. NABU kürte den Falken zum „Vogel des Jahres 2007“.

    Im Jahre 2008 eroberte das Falkenpärchen den Brutkasten.

    Im April lagen 5 Eier im Nest. Sie wurden ausgebrütet. Fünf

    junge Turmfalken konnten im September die Behausung verlassen.

    September 2012

    Im Frühjahr 2009 nahm ein Falkenpärchen trotz der massiven Störungsversuche der Tauben den Kasten in Besitz. Im April lagen wiederum 6 Eier im Nest. Das Nest wurde jedoch geplündert, die Eier zerstört. Es ist unbekannt, wer der Verursacher gewesen ist, vielleicht Krähen oder Elstern.

    Im März 2010 besetzte ein Falkenweibchen den Brutkasten. Es stellte sich jedoch kein Partner ein. Die sechs Eier wurden vergebens bebrütet, denn sie waren nicht befruchtet. Mitte des Jahres verließ das Falkenweibchen den Turm.

    Im Jahr 2011 verteidigten die Tauben den Turm, so dass kein Falke in den Nistkasten einziehen konnte.

    Auch in diesem Jahr 2012 war kein Falke eingezogen. Schade, denn 2012 war ein gutes Mäusejahr. Dennoch wurden Falken im Altdorf gesichtet und gehört. Es wird vermutet, dass sie im weiteren Umfeld der Kirche genistet haben. In einer Schwarzkiefer auf dem Grundstück „Menzelberg 24“ hat ein Falkenpaar heuer zwei Junge mit Erfolg aufgezogen.

    Die Natur regelt nicht mehr alles von selbst. Zu stark sind die Eingriffe des Menschen in die natürlichen Abläufe. Die Beobachtung und Pflege eines Nistplatzes im Turm der St. Martins-Kirche hat im Laufe der Jahre zu bemerkenswerten Erfolgen geführt, wenn gleich Fehlschläge nicht zu vermeiden sind.

    Siegfried Ritzkowski

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    THIE-BOTE Nr. 4

    September 2012

    11) Schatzkästchen Kirchhofsmauer

    Die Kalksteinmauern sind eine Besonderheit von Roringen,

    wie sie anderenorts in der Umgebung nicht in dieser Fülle zu finden sind. Auch die Kirche samt Kirchhof wird von einer Kalksteinmauer umgeben. Sie ist aus Kalksteinen aus der Gemarkung errichtet. Die verbauten Steine stammen vermutlich von den Steinbrüchen am Drakenberg, vielleicht auch von Menzelberg und aus einem Horizont, der früher in Steinbrüchen an der Roringer Warte und im Bratental abgebaut wurden.

    Die großen Blöcke ruhen durch ihr Gewicht und ihre unregelmäßige Form fest aufeinander. Sie sind ferner durch einen Kalkmörtel miteinander verbunden. Kleinere Steine

    füllen die Lücken. Sie herauszuziehen, insbesondere auf der Rückseite der Mauer, gefährdet das Mauerwerk. Die Fugen sind äußerlich nicht verfüllt, sie springen weit zurück und geben der Mauer eine lebhafte Struktur. Staub, Laub und Gras, Gesteinsgrus und Boden sammeln sich in den Fugen an und bieten Pflanzen einen spezifischen, kalkreichen Nährboden. Die Mauer ist besiedelt, sie lebt.

    Der Kustos des Neuen Botanischen Gartens der Universität Göttingen, Herr Dr. Callauch, hat am 13. Oktober 1997 eine Bestandaufnahme der Pflanzen durchgeführt. Hier seine Liste mit den deutschen Namen und den fachlichen Bezeichnungen:

    Quendelblättriges Sandkraut Aenaria serpyllifolia Mauerraute Asplenium ruta-muraria * Brauner Streifenfarn Asplenium trichomanes * Acker-Glockenblume Campanula ranunculoides Gewöhnliches Hornkraut Cerastium fontanum Großes Schöllkraut Chelidonium maius

    Blasenfarn Cystopteris fragilis Wettermoos Funaria hygrometrica Stinkender Storchschnabel Geranium robertianum Scharfer Mauerpfeffer Sedum acre Weißer Mauerpfeffer Sedum album Gelber Mauerpfeffer Sedum-Hybriden Rauhes Veilchen Viola hirta

    Die Bestandsaufnahme ergab eine außergewöhnlich reiche Flora. Es befinden sich auch drei Farne darunter, die auf der sog. Roten Liste (Niedersachsen) der besonders geschützten Arten stehen. Sie werden mit * gekennzeichnet. Ein „Schatzkästchen“ nennt deshalb Dr. Callauch die Mauer und ihre Flora.

    Die Flora stellt eine Blasenfarngesellschaft aus der Gruppe der kalkliebenden Mauerfugengesellschaften dar. Da diese Floren an ihren Primärstandorten stark bedroht oder fast

    verschwunden sind, bieten Sekundärstandorte, wie die Roringer Kirchhofsmauer, wichtige Refugien für diese Pflanzen. Roringen kann sich glücklich schätzen, ein solches Kleinod bereits zu besitzen. Anderenorts werden derartige Standorte mit hohem Aufwand neu errichtet.

    Keine der aufgeführten Pflanzen kann auf Dauer der Bausubstanz Schaden zufügen. Allein Gehölze wären dazu in der Lage.

    Siegfried Ritzkowski

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    September 2012

    12) Langestraße 23

    Das Bild des Grundstücks Langestraße 23 stammt vom April 2007. Wohnbereich, Stall und Scheune liegen unter einem Dach, das traufständig zur Langestraße steht. Es ist ein für die Region und für Roringen typisches Wohnwirtschaftsgebäude, ein sog. Streckhof.

    Quer dazu steht — giebelständig — ein kleines Wirtschaftsgebäude. Das Untergeschoss besteht aus zwei unterschiedlichen Teilen: im rechten Teil bilden behauene Kalksteine das Mauerwerk, im linken Teil ist die sichtbare Wand aus Backsteinen erstellt. An der Giebelseite ist eine Wand aus großen Kalksteinen zu erkennen. Der Giebel ist mit rotem Wellblech behängt. Eine Holztreppe führt in ein oberes Stockwerk, dessen Hofseite aus Latten besteht. Das Satteldach ist mit naturroten Hohlziegeln gedeckt.

    Der Hof ist mit Feldsteinen gepflastert. Ein Fahrweg führt zum großen Scheunentor.

    Der Vergleich mit der heutigen Situation zeigt zahlreiche Unterschiede.

    Das kleine Wirtschaftgebäude gibt es nicht mehr. An seiner Stelle steht ein Carport, der unter sein Dach die Bushaltestelle einbezieht. Das Haltstellenschild ist unverändert geblieben.

    13) Die ehemalige Bäckerei

    Das Haus Langestraße 27 weist eine Besonderheit auf. Der Haussockel rechts der Treppe an der Langestraße ist, wie üblich in Roringen, aus lagenweise aufgeschichteten Kalksteinen gebaut. Links dagegen und auf der Westseite zeigt die Außenwand ein vieleckiges Mauerwerk, das durch erhabene Fugen gegliedert wird. Es ist einmalig in Roringen. Rote Sandsteine mit grob bossierten Oberflächen bilden die Ecksteine.

    Im Jahre 1907 brannte das Anwesen der Familie Heise völlig ab. Die Lage mitten im Dorfe lockte den Bäcker Behrendt, sich hier niederzulassen, um eine Bäckerei einzurichten. Das Haus wurde wieder aufgebaut. Das dreistufige Fachwerk ist des Behangs wegen nicht zu erkennen.

    Man stieg von der Langestraße die Treppe hinauf. Hinter der Eingangstür, gleich rechts, lag ein kleiner Laden, in dem alles, nämlich Lebensmittel, das frisch gebackene Brot, die Brötchen, das Weißbrot und — auf Bestellung — auch Kuchen verkauft wurde. Links hinten befand sich die Küche und hinter ihr ein kleiner Raum, in dem die Poststelle untergebracht war. Auf sie verweist der Postbriefkasten auf dem Photo. Eine der Bäckers Töchter war für den Laden und den Verkauf zuständig, die andere für die Post und den Haushalt.

    Auch die Scheune mit dem großen Tor ist verschwunden. Der Fahrweg führt an dem verbleibenden Wohn-Wirtschaftsgebäude vorbei. Dafür tritt das Fachwerk des Giebels der Westseite in Erscheinung. Es lässt erahnen, dass unter dem Behang des Hauses ein schönes Fachwerk einmal ans Tageslicht kommen und die Sonnen-Seite der Langestraße

    beleben wird. Siegfried Ritzkowski

    Backstube und Backofen lagen am hinteren Teil des Gebäudes. Diese konnte man sowohl durch den Flur des Hauses als auch über den Hof erreichen. So konnte man die großen Kuchenbleche auf einfachem Wege zur Backstube bringen. Der Backofen wurde mit Holz und Kohle beheizt.

    In Folge der Bäckerei am Ort kamen die privaten Backöfen, die auf den Gehöften existierten, zunehmend außer Gebrauch. Die Bäckerei existierte noch 1955. Sie ist in den sechziger Jahren aufgegeben worden.

    Siegfried Ritzkowski, Jutta Ronnenberg

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    September 2012

    Dat Perd vonn usen Bäcker

    Weh han in usen Dörpe ennen Bäcker. Sziene Cheschäfte chingen chaut un ha kofte szik ennen Bäckerwoagen mehn Verdeck oawer szienen Szitz.

    Nu bruke ha noch enn Perd, dat lange ha szick vonn en Perhändler uter Knokemöle. Use Bäcker fund oak szaun schönet anneret Perd chroade szau richtig for szienen Woagen.

    Wenn use Bäcker nu noen Market föhre und szien Perd anspännen woll, chaff dat enne Vorstellunge! Eitt rettiriere uten Stall oawer der Stroate, sette meh enne chewaltigen Sprung oawer de Kerkmeuer und galoppiere twa moal ümme

    & Das Thiehaus

    Das Thiehaus steht auf dem Grund der Realgemeinde Roringen. Es ist ein niedriger zweistufiger Fachwerkbau. Wir wissen bisher nicht, wann es erbaut wurde

    Ältere Einwohner des Ortes berichten, dass das Thiehaus ein Spritzenhaus war, in dem die Feuerspritze stand. An der westlichen Giebelseite, wo heute das öffentliche Telephon steht, befand sich der leicht ansteigende, gepflasterte Eingang mit einem zweiflügeligen Tor. Einmal im Jahr war Spritzenprobe, Dazu wurde die Spritze zum Feuerlöschteich am Opferbach gezogen. Vier bis sechs Männer mussten pumpen.

    Zum letzten Male war die Feuerwehrspritze bei dem Brand auf dem Anwesen Langestraße 26 in der letzten Augustwoche des Jahres 1939 im Einsatz.

    Kerke. Anner Porten taun Opperbache henn namm de Bäcker szien Perd ant Cheschere, datt ching nu ruhig meh und latt szik ruhig vorn Bäckerwoagen spännen! Up ching ett nu noen Chöttinger Markt! De Kindere haren öhren Spoas un toften wenn dat loas ching un lachen und klappen inne Hänne.

    Anes Doages bechechnet usen Bäcker szien Perhändler wo ha dat Perd vonne koft hare. Ha namm de Chelegenheit woar un froagte öhne watt denn düt oarige Verhoalen von szienen Peere denn up szik hare. Joa, mane de Händler, datt kann eck dick sengen: dien Perd was freuer enn Zirkusperd.

    Jutta Ronnenberg

    Der Klassenraum von innen

    Während des Krieges wurde das Spritzenhaus umgebaut. Es entstand im östlichen Drittel des Thiehauses eine Unterstellmöglichkeit für die Spritze mit einem Tor zur Langestraße. Später stand dort die Motorspritze. Thiegebäude und Thieplatz wurden zum Treffpunkt der Partei-Jugend. Nach dem Kriege fanden Flüchtlinge hier eine Unterkunft.

    Im Jahre 1949 wurde es — nach einem Umbau — zur Schule. Es wurde ein Klassenraum für die Unterstufe (Jahrgänge 1 — 4) geschaffen.

    Das Photo zeigt die Jahrgänge 1951, 1952 und 1953 der Unterstufe mit ihrer Lehrerin Frau Sabine Ruprecht.

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    September 2012

    In der oberen Reihe stehen (jeweils von links nach rechts): Bernhard Heise, Kurt-Jürgen Scholz, Herbert Hippe, Heinz Schnur, Werner Linne, Rüdiger Hippe, Lothar Bornemann, Bernhard Walter, Irmtraud Jäger und Edeltraut Schwarz (Grote).

    In der mittleren Reihe sitzen: Sigrid Schwarz (Krope), Margrit Jäger, Margrit Leunig (Rosenplänter), Juliane Lang (Walter), Rosalinde Lossie, Karin Mesecke (Zahmel), Gudrun Schröder und Elsa Linne (Vollmer).

    In der unteren Reihe hocken: Bernd Meyer, Reinhold Walter, Volker Kirstan, Uwe Behrens, Horst Gößner und Kurt- Jürgen Schnur.

    Die Oberstufe (Jahrgänge 5 — 8) blieb in der alten Schule Opferbach 6 bis zum Jahre 1964, danach wurde die Klasse in Mittelpunktschule in Waake unterrichtet. Im Jahre 1971 wurde die Unterstufe nach Herberhausen verlegt. Damit

    endete die Schultradition in Roringen, von der bereits im Jahre 1640 berichtet wird.

    Danach wurde vom Gemeinderat eine Gemeindebücherei eingerichtet, die auch zum Treffpunkt für die Jugend und den Jugendgemeinderat wurde, den der Kinder- und Jugendbuchautor Hans Georg Noack leitete. Auch wurde der Raum von der Mütterberatungsstelle und für Kurse der Volkshochschule genutzt.

    Die Bücherei wurde am 13. September 1977 von der Stadtbibliothek als Zweigstelle übernommen. Seither, also seit 35 Jahren, betreut Frau Angelika Hagedorn die Bücherei. Der Bestand zählt knapp 5.000 Medien. Im Schnitt werden 220 Medien je Ausleihtag ausgeliehen. Die Nachfrage ist stetig gestiegen. Die höchste Ausleihzahl wurde mit 13.765 Medien im Jahre 2011 erreicht. Lesen bereitet Vergnügen, regt die Phantasie an, ermöglicht den Zugang zu den Erfahrungen und Gefühlswelten anderer. Lesen vermittelt auch die Erfahrung, dass Bücher hilfreiche Werkzeuge sein können.

    Nach dem Willen des Rates der Stadt Göttingen (Beschluss vom .06.12.2002) sollen die kleinen Zweigstellen der Stadtbibliothek definitiv nicht geschlossen werden. Dafür sollen nun das Spielgerät und die Pflege des Kinderspielplatzes aufdem Thieplatz aufgegeben werden.

    Den kleinen Nebenraum, der als Abstellraum diente, baute der Roringer Heimatverein zu einer Heimatstube aus. Sie wurde am 29.10.1997 eingeweiht. Der Raum, der bislang nur vom Thieplatz her betreten werden konnte, wurde durch einen Durchbruch und über zwei Stufen mit dem Flur verbunden. Ein Einbauschrank verdeckt die Rohrleitungen und nimmt Stühle und anderes Gerät auf.

    In der Heimatstube treffen sich auch Besucher der Bücherei zu einem Schwatz bei einem Kaffee.

    M. Rosenplänter, J. Ronnenberg, S. Ritzkowski

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    September 2012

    (& Das Haus Opferbach 1

    Das Photo des Anwesens stammt aus der Zeitzwischen 1949 und 1954. Links werden die Toiletten der Schule am Thiehaus sichtbar, rechts begrenzt der Giebel des Hauses Opferbach 3 das Bild.

    Das hohe Schleppdach bedeckte die Wirtschaftgebäude. Ein Balken im unteren Teil der Scheune trug die Jahreszahl 1833, vermutlich das Baujahr. Das große Tor eröffnete den Zugang zur Scheune. Wenn der linke Torflügel weiter als 90° geöffnet wurde, schwenkte er auf das Thiegrundstück. Für diese Nutzung des Nachbargrund-stückes war ein sog. „Schwengelgeld“ jährlich zu zahlen. Regenwasser wurde in einem Fass aufgefangen. Eine Regenwasserleitung existierte damals noch nicht.

    Im Jahre 1949 erhielt die Scheune eine „Einbauwohnung“. Sie ist an den Fenstern in der Giebelseite (Nordseite) und Hofseite (Westseite) zu erkennen. Vor der Treppe lag der Eingang zu einem Stall.

    Zum einem zweiten Gebäude, dem Wohnhaus, dessen niedrigeres Satteldach nicht sichtbar ist, führte eine Treppe. Beide Stockwerke sind zweistufig. Im unteren Stockwerk liegen die Fenster der „Stube“, darüber das Fenster, das zur Schlafstube gehörte.

    Mit einem Wirtschaftsgebäude mit Heuboden, das den Hof nach Süden abschließt, besaß das Anwesen die Gestalt einen Hakenhofes. Den Blick auf das Anwesen von Süden zeigt

    das Photo auf Seite 5

    Jutta Ronnenberg, Siegfried Ritzkowski

    16) Der Schlauchturm am Thie

    Nach Feuerwehrübungen hatte die Wehr ein großes Problem mit dem Trocknen der langen Schläuche. Sie wurden, weil kein anderer Platz vorhanden, aus den Schall-Löchern des Kirchturms gehängt. Da dies nur ein Vorübergang sein sollte, beschloss man, einen geeigneten Platz zu suchen und einen Schlauchturm in Eigenarbeit zu erstellen. Der hohe Scheunengiebel von Ronnenberg, Opferbach 1, war bestens für das Vorhaben geeignet, zumal der Turm von dem öffentlichen Thieplatz gut zu erreichen war. Die Genehmigung zum Bau wurde 1954 erteilt.

    Das mittlere Photo zeigt den Aufbau des Schlauchturms im Jahre 1954. Links stehen die Toiletten der Schule. Der Schlauchturm wurde an die Giebelwand der Scheune des

    Anwesens Opferbach 1 gelehnt, dessen lehmverputztes Flechtwerk im oberen Teil sichtbar ist.

    Auf dem rechten Photo ist der Schlauchturm nach seiner Fertigstellung zu sehen.

    Die Feuerwehr war glücklich mit ihrem Turm, die Schläuche trockneten vorzüglich. Im Jahre 1974, nach der Eingemeindung zu Göttingen, wurden die Schläuche in den Trockenturm nach Göttingen, Ritterplan, gebracht. Bei Abgabe der nassen Übungsschläuche konnten dort gleich trockene Schläuche im Wechsel wieder mitgenommen werden.

    Der Turm hatte nun ausgedient und wurde abgebaut.

    Jutta Ronnenberg

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    September 2012

    17) Das Mahnmal auf dem Kirchhof

    Über die Geschichte des Mahnmals wird folgendes berichtet: Die Idee zu einem Mahnmal entstand 1953 auf der Kirmes. Weil der Volkstrauertag bevorstand und Roringen noch kein Denkmal besaß, hat man kurz entschlossen ein schlichtes Holzkreuz auf dem Kirchhof errichtet, welches von Herrn Eduard Bergen gezimmert wurde. Zu der Zeit war Wilhelm Haroth Bürgermeister und Pastor Schiller in Roringen ganz neu als Pastor.

    Seit 1988 steht an Stelle des Holzkreuzes ein großer Kalkstein. Die Inschrift verfasste der damalige Gemeindepastor Hans-Hermann Schmidt. Die Einweihung des Denkmals erfolgte am Volkstrauertag des Jahre 1988, dem 13. November. Seither ziehen an jedem Volkstrauertag die Vereine und die Feuerwehr mit ihren Traditions-Fahnen feierlich in die Kirche ein. Nach dem Gottesdienst versammelt man sich vor dem Mahnmal. Der/die Pastor/-in der Gemeinde hält eine kurze Ansprache. Zum stillen Gedenken senken sich die Fahnen.

    Zurück zu dem steinernen Denkmal. Die Gesteinsplatte ragt 1,7 m in die Höhe. Sie besitzt eine Breite von max. 2,0 mund ist im Mittel etwa 0,4 m dick. Der Stein sitzt auf einem Fundament und ist in voller Größe sichtbar. Sein Gewicht dürfte etwa 2,8tbetragen.

    Woher kam der Stein? Die Gesteinsplatte wurde von Wilhelm Masuch, dem damaligen Roringer Ortsbürgermeister zwischen anderen Feldsteinen in der Hecke vor dem Flurstück Die Lieth am Westhang des Bratentales entdeckt. Er soll zuvor auf dem südlich anschließenden Feld ‚ziemlich in gleicher Höhenlage gelegen sein. Mit einem Unimog wurde er an Ketten nach Roringen geschleppt — so wird berichtet — und mit einem Kran der Firma Schindewolf/ Rosdorf über die Kirchhofsmauer auf sein Fundament gehievt. An diesem Unternehmen waren außerdem Wilhelm Ahlborn, Erika und Peter Großhennig, Volker Kirstan, Wilhelm und Willi Masuch, Alfred Rosenplänter und Gerti Weber als Mitglieder der Gemeinde beteiligt.

    Was ist das für ein Stein? Die Gesteinsplatte ist ein Kalkstein, der etwas dolomitisiert ist. Sie lag ursprünglich in der Gesteinsformation des Oberen Muschelkalks, dem Trochitenkalk. Diese trägt ihren Namen nach kleinen, runden Scheiben, den Trochiten, die einen Durchmesser bis zu 10 mm aufweisen. Die Fossilien sind teilweise aus dem Stein herausgewittert und deshalb auch gegenwärtig gut sichtbar.

    Die Trochiten waren ursprünglich Teil langer Stengel von Meerestieren, den „Seelilien“, die in tropischen Regionen beheimatet waren. Nach dem Absterben zerfielen sie und bildeten am Boden eines flachen Meeres einen wichtigen Bestandteil des Kalksandes, der im Laufe der Jahrmillionen

    zu einem festen Kalkstein verhärtete. Der Stein berichtet somit auch von der Natur-Geschichte der Region.

    Die Formation des Trochitenkalks, die etwa 15 - 16 m mächtig ist, erzeugt eine prägnante Schichtstufe im Gebiet um Nikolausberg und bei Roringen. Unterhalb des Feldbornberges, etwa dem Flurstück Die Lieth, ist der Ausbiss dieser Kalksteine an der Versteilung des Hanges und an dem verstärkten Bewuchs durch Wald und Hecken erkennbar. Der Schichtkamm des Menzelbergs wird ebenfalls durch die Kalksteinformation, die etwas schräggestellt ist, hervorgerufen. Und die buschbestandene Steilstufe des Drakenbergs, die zwischen dem flachen, ackerbaulich genutzten Anstieg und der Hochfläche liegt, wird ebenfalls durch die massiven Kalksteine des Trochitenkalks gebildet. Früher wurden die Kalksteine in zahlreichen Steinbrüchen als Bausteine gewonnen. Es ist das Schichtpaket des Trochitenkalkes, das die abwechslungsreiche Gestalt der Landschaft um Roringen maßgeblich bestimmt

    Bemerkenswert ist, dass die Gesteinsplatte nicht dort gefunden wurde, wo die Gesteinsformation zu Tage tritt, sondern in einiger Entfernung davon talab. Das bedeutet, dass die Platte durch Rutschen an oder in die Nähe die Fundstelle geraten ist oder dass Menschen sie dorthin transportiert haben. Zum Anderen ist die Kalksteinplatte ungewöhnlich groß. Es gibt keine Einzelsteine (Monolithe) aus Kalkstein in dieser Größe in Göttingen und seiner Umgebung. Steine dieser Größenklasse waren schon in früheren Zeiten geschätzte Objekte, denkt man an die Hünengräber oder die steinernen Landmarken, die

    Denkmale anderer Art sind.

    Die Roringer Bürger haben eine außergewöhnliche und einzigartige Kalksteinplatte, einen „Feldstein, gewachsen in der Roringer Feldmark“, zum Gedenken an ihre Toten und die Opfer der beiden Weltkriege und zur Mahnung für den Frieden gewählt. Der Stein ist ein würdiges Denkmal der Erinnerung.

    Siegfried Ritzkowski

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    September 2012

    (E Die Bäume auf dem Kirchhof

    Das heutige Erscheinungsbild des Kirchhofs ist durch hohe Bäume geprägt. Das war nicht immer so. Photos unterschiedlichem Datums zeigen den Kirchhof mal ohne Baumbewuchs, mal mit niedrigem Baumbestand (Obstbäume).

    Wenn man durch die südliche Pforte den Kirchhofbetritt, so erblickt man zur Linken, dicht vor der Mauer, einen Baumstumpf. Er stammt von einer Lärche. Sie wurde am 16. November 1999 gefällt, weil sie zu nahe an der Mauer stand und weil sie weit über Fußweg und Straße hinweg ragte. Beim Brand der Kirche am 9. November 1999 hatte sie auch die Feuerwehr arg behindert. Nun ist der Blick frei auf die Südseite der St. Martins-Kirche, denn auch die Doppelreihe von Rotdorn-Stämmen, die den Weg zur Kirchentür säumten, ist verschwunden, sowie der mächtige Efeu, der einen Teil der Südfassade begrünte.

    Bäume sind Kalender. Sie bilden in jedem Jahr einen neuen Jahresring. Im Frühling wird helles Holz mit weiten Zellen, das sog. Frühholz, gebildet. Im Spätsommer verkleinern sich die Zellhohlräume, das sog. Spätholz erscheint dicht und dunkel. In Herbst und Winter erfolgt kein Wachstum.

    Das Bild zeigt die Folge der Jahresringe der Lärche, deren äußerster im Jahre 1999 gebildet wurde. Man kann sie zählen. Der Baum erreichte ein Alter von

    44 Jahren.

    Die Jahresringe weisen unterschiedliche Breiten auf. Sie liegen zwischen 2,0 und 16,5 mm. Damit bilden sich unterschiedliche Wachstumsbedingungen ab. Die schmalen Ringe der Jahre 1974 und 1976 korrespondieren mit unterdurchschnittlichem bzw. sehr geringem Niederschlag. An die extrem hohen Niederschläge der Jahre 1966 und 1981 sind auch die größten Wachstumsbreiten gekoppelt. Perioden starken Wachstums wechseln mit Zeitenschwachen Wachstums.

    Es befinden sich folgende Bäume auf dem Kirchhof. An der Südwestecke stehen drei Winter-Linden (Tilia cordata). Die Nordwestecke flankieren drei gemeine Buchen (Fagus sylvatica). Die gemeine Buche ist der häufigste Laubbaum Deutschlands. An der Nordostecke wachsen drei Blutbuchen (Fagus sylvatica f. purpurea). Die Blutbuche, eine Mutation der gemeinen Buche, ist seit dem 15. Jahrhundert erst bekannt. Ferner gibt zwei Birken und eine Weide an der Südostecke. #

    In Deutschland ist es Brauch, zu bedeutenden Ereignissen Bäume zu pflanzen. Nach Kriegen waren es die sog. „Friedens-Linden“. Nach dem Jahr 1888, in dem das Deutsche Reich von drei Kaisern regiert wurde, wurden in Deutschland zunehmend Gruppen von jeweils drei Bäumen gepflanzt, die an dieses Ereignis erinnern sollten. Die Zahl drei gilt von alters her aber auch als heilige Zahl. In der Christenheit gründen auf sie die Symbole für die heilige

    Dreifaltigkeit.

    Es ist uns nicht bekannt, was Pastor Schiller bewogen hat, die Bäume jeweils in Dreiergruppen zu stellen. Es ist aber bei den Bäumen wie bei den Menschen: ein einzelnes Bäumchen steht etwas verloren da, aber in eine Gruppe eingebunden, ist es gut aufgehoben.

    Siegfried Ritzkowski

    Nasses Jahr

    Trockenjahre

    Nasses Jahr

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    September 2012

    19) Die Glocken auf dem Kirchhof

    Zu Beginn der Weltkriegs I (1914) hingen zwei Glocken im Turm. Eine Glocke musste im Kriege abgeliefert werden. Wohl bewegt von dem Wunsch, wieder ein Zweiergeläut in Roringen zu haben, wurden 1925 zwei Eisenhartguss- Glocken der Giesserei Ulrich & Weule in Bokenem in Auftrag gegeben und gegossen. Dafür wurde die verbliebene Glocke, eine Bronzeglocke, in Kommis-sion gegeben.

    Die große Glocke mit dem Schlagton a’ trägt die Aufschrift:

    „Unseren Gefallenen zu Dank und Ehren“ und

    „Zerschlagen in eiserner Zeit fürs Vaterland zur Wehr, Erneut bin ich bereit, zu dienen Gottes Ehr“

    Sie dient der Erinnerung an die 12 gefallenen Soldaten aus Roringen. Deren Namen sind auf der Tafel in der Kirche verzeichnet.

    Die Glocke wiegt 660 kg. Sie erlitt 1950 einen Sprung und wurde dadurch unbrauchbar.

    Seitdem steht sie an der Südseite der Kirche.

    Die kleine Eisenglocke mit dem Schlagton c’’ wiegt 360 kg. Auf ihr steht:

    „O Land, Land, Land, höre des Herrn Wort.“

    Als die Kirchengemeinde im Jahre 1966 drei Bronzeglocken erwarb, wurde sie als Uhrschlagglocke über der Glockenstube fest montiert. Nach dem Brand 1999 wurde sie aus dem Turm genommen. Jetzt steht sie auf der Westseite der Kirche und trägt ein Kreuz auf einer symbolischen Erdkugel.

    Siegfried Ritzkowski

    Roringen im Wandel

    Im Kirchenumfeld wird der Wandel des Ortes Roringen im Laufe der Zeit beispielhaft sichtbar.

    Die älteste Geschichte des Dorfes erscheint in Kirchhofsmauer und Kirche. Wirtschaftsgebäude haben ihre bäuerlichen Funktionen verloren und werden umgenutzt. Die Fachwerkhäuser aus dem 19. Jahrhundert erfahren zeitgerechte Umgestaltungen. Die Straßen erhalten staubfreie Decken und sind nicht mehr die Kanäle für das Regenwasser. Die ursprüngliche Wasserversorgung durch Brunnen macht einer zentralen Versorgung Platz.

    In der Geschichte des Thiehauses wird der technische Fortschritt des Feuerwehrwesens und die Veränderung der

    Kleine Eisenglocke von 1925

    Schulsituation sichtbar. Im Ort leben auch Bäume und Tiere. Sie bilden die ökologischen Bedingungen der Region ab.

    Der Wandel des Ortes und seines Er5cheinungsbildes wird von den Menschen herbeigeführt. Jede neue Generation übernimmt das Vorhandene als Erbe der früheren Generation. Für die Erinnerung an diese Verbindung stehen die Gruppenbilder, die Kirchenglocken und das Mahnmal

    Siegfried Ritzkowski

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    September 2012

    Wir danken für vielfältige Unterstützung:

    Niedersächsisches Landesarchiv, Hauptstaatsarchiv, Am Archiv 1, 30169 Hannover Stadt Göttingen, FB. Bodenordnung, Vermessung und Geoinformation, Hiroshimaplatz | - 4, 37028 Göttingen Zahlreiche Roringer Bürgerinnen und Bürger haben uns Bilder, Auskünfte und praktische Hilfe zukommen lassen.

    Der Roringer Heimatverein hat sich in seiner Satzung u. A.

    zur Aufgabe gesetzt:

    „Die Schönheiten und Eigenheiten des Dorfes Roringen und seiner Umgebung zu erhalten, zu pflegen und zu vermehren, die Erinnerung an die soziale und kulturelle Geschichte des Ortes wach zuhalten und seine weitere Entwicklung zu

    fördern...“

    Unterstützen Sie uns dabei. Wie?

    Sie werden Mitglied im Heimatverein. Fragen Sie einfach ein Mitglied des Vorstandes.

    Oder Sie haben Vorschläge, Ideen oder Informationen. Lassen Sie uns daran teilhaben.

    Oder Sie helfen uns mit einer Geldspende. Jede ist uns willkommen. (Adresse: Roringer Heimatverein e.V. Kto. Nr. 31200116 Spk. Göttingen BLZ 260 500 01. Eine Spendenbescheinigung für das Finanzamt wird ausgestellt.)

    Der Roringer Heimatverein e.V.:

    1. Vorsitzender Dr. Siegfried Ritzkowski Uranusweg 2, Tel. 0551 /2 46 67

    e-mail: sritzko@roringen.de

    Margrit Rosenplänter Opferbach 22, Tel. 0551/23715

    Dr. Jan I. Valena (ft)

    Jutta Ronnenberg Opferbach la, Tel. 0551 /2 20 90

    37077 Göttingen OT Roringen

    2. Vorsitzende

    Kassenwart Schriftführerin

    Herausgegeben von:

    Dr. Siegfried Ritzkowski, Margrit Rosenplänter u. Jutta Ronnenberg für den Roringer Heimatverein e.V.

    Layout: Tobby Ritzkowski, www.pixelwizart.de

    Druck: Paschnike Druck, Göttingen

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    St. Martin Kirche

    Lageplan

    l. Erntedank und Erntekronekrone. ll. Schatzkästchen Kirchhofsmauer 2. Die Kirchhofspforte von 1823 12. Lange Straße 23

    3. Der Opferbach 13. Die ehemalige Bäckerei

    4. Fachwerkhäuser in Roringen 14. Das Thie-Haus

    5. Der Brunnen vor der Mauer 15. Der Hof Opferbach 1

    6. Die Kirchhofsmauer und Querschnitt 16. Der Schlauchturm am Thie

    7. Brandschutt im Kirchhof 17. Das Mahnmal auf dem Kirchhof 8. Kinder an der Kirchhofsmauer 18. Die Bäume auf dem Kirchhof.

    9. Die Milchannahmestelle Roringer Winkel | 19. Die Glocken auf dem Kirchhof

    10. Die Falken im Kirchturm

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Quellen

  1. Thie-Bote Nr. 4, September 2012 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 158)

Wissensbestand des Roringer Heimatvereins

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