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Station 6

Kirchmauer

Kirchmauer
KirchmauerFoto: Barbara Arand (Nadar13a) · Wikimedia Commons, CC BY-SA 4.0

Die Mauer um den Kirchhof von St. Martin ist nach dem Kirchturm und der Warte das drittälteste Baudenkmal Roringens, wie Eberhard Rohse im Kartoffelstein schreibt. Im Oktober 2022 wurde sie 600 Jahre alt.

Erbaut
Oktober 1422
Ursprüngliche Länge
32 Ruten, etwa 150 Meter
Ursprüngliche Höhe
etwa 2 Meter, an der Pforte fast 3 Meter
Baustoff
Kalkstein aus Steinbrüchen der Umgebung

Gebaut für Notzeiten

Seit 1380 gehörte Roringen der Stadt Göttingen. Der Rat ließ 1422 den ganzen Kirchhof als Schutz- und Zufluchtsort für die Dorfleute bei Brand- und Kriegsgefahr ummauern; Kämmereirechnungen und Vogtherrenbücher der Stadt belegen den Bau. Auf dem Kirchhof standen damals auch kleine Gebäude der Dorfleute, in denen sie Vorräte und Wertsachen lagerten, und an der tiefsten Stelle, der Südwestecke, ein Brunnen.

Wie nötig der Schutz war, zeigen die Fehden: 1466 und 1485 brannten braunschweigische Herzöge Roringen nieder, 1553 raubten Reiter Kühe und Ziegen. 1623 durchlöcherte das in Roringen einquartierte Kriegsvolk des Herzogs Christian von Braunschweig die Mauer mit eisernen Pfählen, brach ein Schießloch hinein und legte eine Schanze auf dem Kirchhof an. 1747, beim Neubau der Kirche, hatte die Mauer ihren Zweck als Schutz verloren: Man baute Steine aus ihr in die Kirche ein und erniedrigte sie etwa um die Hälfte. Die Südpforte trägt die Inschrift „ROHRI 1823“, die Ecken wurden 1920 für die Straße Roringer Winkel abgeschrägt, die Eingänge im Norden und Osten kamen 1965 dazu.

Beim Neubau eines Stücks der Westmauer im Sommer 2005 sah man ihren Aufbau: eine mittelalterliche, zweischalige Kalksteinmauer von etwa 60 Zentimetern, davor eine später aufgesetzte Trockenmauer, zusammen etwa 1,25 Meter stark.

Ein Schatzkästchen für Pflanzen

Die offenen Fugen sind Standort für Pflanzen. Der Kustos des Neuen Botanischen Gartens der Universität Göttingen nahm am 13. Oktober 1997 den Bestand auf und nannte die Mauer ein Schatzkästchen: Auf den Kalksteinen wachsen unter anderem Mauerraute, Brauner Streifenfarn und Blasenfarn, alle drei stehen auf der Roten Liste Niedersachsens. Siegfried Ritzkowski wies darauf hin, dass solche Pflanzen an ihren ursprünglichen Standorten selten werden und Mauern wie diese ein wichtiger Ersatz sind. Keine der Pflanzen schade dem Mauerwerk, nur Gehölze könnten es.

Quellen

  1. Eberhard Rohse: Kartoffelstein Nr. 149, Herbst 2022 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 94)
  2. Siegfried Ritzkowski: Thie-Bote Nr. 4, September 2012 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 158)
  3. Siegfried Ritzkowski: Thie-Bote Nr. 1, März 1998 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 157)
  4. Infotafel des Dorferlebnispfads des Roringer Heimatvereins, Tafel der Station „Kirchmauer“

Wissensbestand des Roringer Heimatvereins

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