Rottenanger
Rottenanger heißt die Straße, die bis zur Eingemeindung Angerstraße hieß. Weil es den Namen im Göttinger Stadtgebiet schon gab, wurde er durch Ratsbeschluss vom 14. Dezember 1973 geändert, in Anlehnung an die alten Flurbezeichnungen, wie der Thie-Bote 2001 schrieb. Der neue Name geht auf die Flur „Rothen Anger“ zurück, die schon auf einer Karte von 1747 und im Protokoll der Umlegung von 1906 steht.
Siegfried Ritzkowski sah im Namen einen Hinweis auf Flachsrotten. Flachs wurde mehrere Tage unter Wasser gehalten, um die spinnbaren Fasern vom holzigen Kern zu lösen; man nannte das rotten oder rösten. Der Fäulnisprozess stank, deshalb legte man Rotten abseits der Siedlung an. Dass in Roringen Flachs angebaut wurde, schloss er aus Hinweisen auf mehrere Flachsrotten. Zu ihnen zählte er eine nasse Wiese südlich der B 27, die zu Beginn des 20. Jahrhunderts als „Vogeltrete“ bekannt war, und eine Hohlform in einem Garten am Großen Hof.
Von der Vogeltrete erzählte Ida Ronnenberg, wie Jutta Ronnenberg weitergab: Frauen traten dort früh am Morgen, wenn die Vögel laut sangen, den Flachs mit den bloßen Füßen, damit sich die Fasern lösten. Daher der Name. Die Karte von 1747 ist die einzige bekannte, die die Flur „Vor der Vogel Treten“ nennt.
Quellen
- Siegfried Ritzkowski: Thie-Bote Nr. 5, Entwurf aus dem Nachlass, „Flachsrotten, Rottenanger“ (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 265)
- Hannelore Meyer: Thie-Bote Nr. 2, September 2001 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 159)
- Siegfried Ritzkowski: Thie-Bote Nr. 4, September 2012 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 158)
- Siegfried Ritzkowski: Thie-Bote Nr. 5, Entwurf aus dem Nachlass, „Schilf oder Rohr“ (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 238)
- Infotafel des Dorferlebnispfads des Roringer Heimatvereins, Tafel der Station „Rottenanger“
Wissensbestand des Roringer Heimatvereins