Opferbach in Roringen: Straße, Bach und Opperhaus
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Die Straße Opferbach liegt an dem Bach, der im Pfarrgarten entspringt. Die Quelle liegt auf etwa 300 Metern Höhe, und das Altdorf gruppiert sich in einem offenen Ring um den Bachlauf. Siegfried Ritzkowski erklärte den Namen der Straße mit dem Amt des Oppermanns. Zur Straße und zum Amt gibt es einen Kurzpodcast von etwa sechs Minuten.
(Textgrundlage: Siegfried Ritzkowski, aus den Unterlagen des Heimatvereins)
Der Oppermann trug Sorge für die Gaben, die die Dorfbewohner, sei es in Naturalien, sei es in Geld, als den sog. Opferpfennig für Kirche und Pfarrer abzuliefern hatten. Opferhaus nannte man das Haus, in dem auch die kirchlichen Geräte aufbewahrt wurden. Es diente dem Oppermann auch als Wohnhaus. Der Oppermann musste des Lesens und Schreibens mächtig sein, wie eine Vorschrift aus dem Jahre 1544 bestimmt. Er versah mit dem Pfarrer den Unterricht der Kinder.
Am Opferbach 6, wo später die alte Schule stand, stand im ausgehenden Mittelalter wohl das Haus des Oppermanns, das Opperhaus. Im Güterverzeichnis der Kirchen von Roringen und Herberhausen von 1798 ist nicht mehr vom Oppermann die Rede, sondern vom Schulmeister; seine Aufgaben übernahmen Küster, Organist und Lehrer. Straßennamen gibt es erst seit 1966: Der Gemeinderat beschloss am 27. August 1965, die Häuser mit zugeteilten Nummern zu kennzeichnen, und vergab dafür Straßennamen. Die Dorfstraße, die ein Plan von 1850 noch einfach „Dorfstraße“ nennt, erhielt den Namen Opferbach.
Eberhard Rohse schlägt im Kartoffelstein eine weitere Lesart vor. Ein Vogtherrenbuch der Stadt Göttingen vermerkt zum 30. Juni 1504 den Verkauf eines Hofes „uppem beke“, überm Bach. Aus „uppem beke“ oder „upper beke“ könne „Opferbach“ geworden sein. Rohse nennt die heutige Form irreführend verhochdeutscht und fragt, ob in „opperbeke“ auch das Oppermanhaus am Bachlauf anklinge.
Abschrift dieses Ausschnitts
Abschrift nach der Untertitelspur des Videos, gesprochene Sprache, nicht wortgetreu gegen den Ton geprüft. Wörter in runden Klammern sind Ergänzungen der Untertitel. Was Eberhard Rohse als eigene Vermutung vorträgt, etwa zum Drakenberg, ist als solche zu lesen.
eine Tendenz, seit Luther natürlich, Hochdeutsch zu schreiben, und dann gibt es z.B eine Schreibweise von Roringen, wo plötzlich ein Dehnungs-„h“ reinkommt was hier in der alten Urkunden gar nicht steht „roringe“ Mit „oh“ geschrieben, man kann das noch finden an einem Stein am Eingang von der Kirche bei uns, rechts da steht „roh“ dann hört's auf da ist also Roringen angefangen und es gibt nie ein Dehnungs-„h“ im Niederdeutschen, das heißt also eine ganz neue also man kann sagen auf jeden Fall ist das nach 1600 erst entstanden diese Inschrift so dass man sieht die Sprache wandelt sich vom Althochdeutsch vom Altdeutschen und Niederdeutschen zum Hochdeutschen, und auf diese Weise gibt es genau wie eben „gote“ zur „Gasse“ wird, auch das ist ein Sprachwandel wie „opperbeke“ oder der „Opferbach“ ist ja eigentlich ein „Beeke“ ein Bach der fließt vorbei an dem Haus. Heute ist da die ehemalige Schule drin wo früher der „Oppermann“ gewohnt hat und der Oppermann war im Mittelalter, als alles katholisch war, der Mann der beim Altar beim „Opfer“, beim „Messopfer“, dienen musste. Also eine
Art Küster und „Messopferdiener“, das war der „Oppermann“ Hochdeutsch der „Opfermann“, der beim Opfer am Altar diente. Und so gibt es 2 Bach-Namen, die also nun genannt werden, einmal den bei dem Meyergrundstück „Meyergasse“ und der andere da beim Oppermannshaus hat ein riesiges „Wort“ das kann man nicht immer sprechen also „beke am oppermannhus“ kann man nicht sagen da „opperbeke“ und Hochdeutsch „Opferbach“. Und der Name Opferbach ist erst 1973 bei der Eingemeindung der Straße vergeben worden. Der Bach dann auch so, da kann man auch wieder sehen, wie der Weg vom Niederdeutschen zum Hochdeutschen Bedeutungsverfälschungen mit sich bringt. Man denkt, was ist das, „Opferbach“, wurde etwas geopfert am Bach? Oder sonst irgendwas. Also alles, deswegen würde ich sagen sprach-historische Betrachtung, auch hier vor Ort, gibt den alten Namen die altehrwürdigste und urkundlich älteste Geschichte wieder. Es gibt die alte Bedeutung wieder, die bis heute gilt. Man kann sagen, die Gewässer die heute noch existieren, sind also wirklich lebendige Urkunden und Zeugnisse ältester Zeit der Vorsiedlungsgeschichte und unserer Siedlungsgeschichte bis heute. Und die
Aus Geismar wird berichtet, dass der Oppermann auch als Zeuge in Rechtsstreitigkeiten auftreten konnte. Dies verweist auf einen herausgehobenen, gesellschaftlichen Status.
Kirchen prägen das Erscheinungsbild eines Ortes. In den Ortschaften um Roringen und in Göttingen gibt es viele Straßen, die durch ihren Namen auf Pfarre und Kirche hinweisen. Die St. Martins-Kirche in Roringen wird umgeben von den Straßen Opferbach, Roringer Winkel und Lange Straße. Es gibt keinen Kirchweg oder eine andere Bezeichnung, die auf die Kirche hinwiese. Lediglich die Bezeichnung „Opferbach“ enthält Hinweise auf ein Amt, das für Kirche und Pfarre Sorge trug und ein wichtiger Mittler in Bildung und Kultur des Ortes war.
Quellen
- Siegfried Ritzkowski: Thie-Bote Nr. 4, September 2012 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 158)
- Eberhard Rohse: Kartoffelstein Nr. 132, Sommer 2018 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 75)
- Arbeitsgemeinschaft Dorferneuerung mit dem Arbeitskreis Roringen: Dorferneuerungsplan Roringen, 1994/95 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 224)
- Siegfried Ritzkowski (Textgrundlage): Kurzpodcast „Straße Opferbach und Amt des Oppermann“
- Infotafel des Dorferlebnispfads des Roringer Heimatvereins, Tafel der Station „Opferbach (Straße)“
Wissensbestand des Roringer Heimatvereins