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Die alten Namen der Felder und Wiesen, etwa „Im Himmel“ oder „Auf den Hundeköpfen“. Ein Klick oder Tippen auf einen Namen zeigt auch frühere Namen mit Jahreszahl.

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Ort

Wandern im Bratental

Blühendes gelbes Rapsfeld, im Vordergrund ein Grasweg unter Buchenlaub, hinten Laubwald.Bild vergrößern
Rapsblüte im Bratental, Mai 2003Foto: 2003 · Dorfmonitor Roringen, Eintrag 154
Wandern im Bratental liegt auf 256 m, 50 m tiefer als St. Martin (306 m). Jeder Strich ist ein Ort des Archivs, von Wassertreppe (250 m) bis Drakenberg (368 m). Höhen aus dem Geländemodell der Karte, auf einen Meter gerundet.

Zum 17. Göttinger Wandertag gab der Roringer Heimatverein einen „Kleinen Wanderführer durchs Bratental“ heraus, den Jutta Ronnenberg verfasste. Er führt auf Route zwei um den Ort und erzählt unterwegs von Namen, Sagen, Wasser und Wald. Der Text steht hier im Wortlaut, nur der Zeitpunkt der Entstehung ist ungenau, etwa 1995. Wo spätere Forschung andere Angaben macht, stehen kurze Hinweise. Zum Tal selbst siehe auch Naturschutzgebiet Bratental und die Bank mit Blick ins Bratental.

Autor
Jutta Ronnenberg
Veröffentlichung
1995

Verfasst, etwa 1995, von Jutta Ronnenberg

Das Tal und sein Name

Der Roringer Heimatverein begrüßt Sie herzlich und möchte Sie ein Stück weit in unserer Heimat auf ihrem Wanderweg begleiten. Besonders, wenn Sie die Route zwei wandern möchten, kann ich Ihnen einiges erzählen!

Sie durchwandern unser schönes Bratental in der Gemarkung Roringen. Der ursprüngliche Name des Tales war Breitental. Im Laufe der Zeit hat es sich durch die hiesige Mundart, das „Ei“ wie ein „A“ auszusprechen (z.B.: ein = aan, zwei = zwaa), in Bratental gewandelt.

Eberhard Rohse: Kam das Wasser aus dem Bratental? Ausschnitt ab 3:27, 0:48 Minuten Video: 2024 · Roringer Heimatverein
Abschrift dieses Ausschnitts

Abschrift nach der Untertitelspur des Videos, gesprochene Sprache, nicht wortgetreu gegen den Ton geprüft. Wörter in runden Klammern sind Ergänzungen der Untertitel. Was Eberhard Rohse als eigene Vermutung vorträgt, etwa zum Drakenberg, ist als solche zu lesen.

später dann eine Siedlung auf den dieses dieser Name übertragen worden ist, und wenn wir unser Wort „Roringen“ ansehen, ist die andere Hälfte des Wortes „Ror“ und „rar“ ist das alte Wort im Altsächsischen im Mittel niederdeutschen also im plattdeutschen im Niederdeutschen für Rohr oder Röhricht oder Schilf es ist das Schilfwort für Röhricht, für Rohr, das heißt also es ist eine Stelle oder später eine Siedlung wo offenbar so viel Wasser sich befindet, dass da tatsächlich Schilf oder Rohr auch wächst und da gibt's natürlich nun drei große strittige Positionen das ist nicht ist etwas umstritten diese These also diese These wird vertreten von den Sprachhistorikern, der ich mich eigentlich mit Argumenten anschließe, aber es gibt auch die These von dem historisch sehr gebildeten Wappenforscher und Heraldiker Arnold aus Weende, der vertritt die These „-ingen“ und „-ungen“ Orte können nur mit einem Personennamen verbunden sein da muss also „Ror“ irgendwas mit einer Person zu tun haben die da mal gewesen

ist aber er kann keine Person(en) angeben und er meint der Grund dafür sei das Bratental sei nicht morastig genug um Roringen mit Wasser zu versorgen. Ich glaube der kennt Roringen nicht so genau. Bergauf nach Roringen vom Bratental könnte nie Wasser fließen, also ich glaube nicht dass das entfernte Roringen früher in der Gründungszeit vom Bratental wenn es wenn da Wasser gewesen wäre, was vielleicht sein kann, es ist sowieso morastisch mit Wasserelementen. Zweite These, die vertreten hier von unserem Mitglied des (Roringer) Heimatvereins Dr. Ritzkowski der sagt hier könnte es niemals „Schilf“ gegeben haben es hätte höchstens „Binsen“ gegeben und er argumentiert also nicht sprachhistorisch, sondern eher von einem ganz anderen Ansatz. Er argumentiert also geographisch-, botanisch und meint, Binsen sind hier wohl gewesen, das ist sicherlich richtig. Bloß wir müssen jetzt gucken, das alte Wort aus dem, jetzt komme ich auf die Sprachgeschichte, das Wort „ror“ ist uralt und zwar wahrscheinlich schon aus der

Das Dorf

Wenn Sie rechts schauen, sehen Sie Roringen, das Dorf auf der Höhe. Es wurde 1196 urkundlich erwähnt und war ein Stadtdorf. 1848 löste das Dorf seine Verpflichtungen aus dem Stadtdorfstatus ab. 1973 wurde Roringen von der Stadt Göttingen eingemeindet und seitdem von dort verwaltet. Die Einwohnerzahl beträgt 1156.

Der Kartoffelstein

Wenn Sie einmal zurückschauen, sehen Sie südlich den Kartoffelstein. Er steht weithin sichtbar auf einer kleinen Anhöhe, dem Hasenknüll. Die Errichtung des Kartoffelsteins hat folgende Geschichte: Der in der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts eingeführte Kartoffelanbau erreichte erst um 1850 größeren Umfang und damit auch größere Bedeutung für die Ernährung der Bevölkerung. Etwa zu dieser Zeit, 1845 bis 1850, wurde unsere Heimat von einer rätselhaften Kartoffelkrankheit heimgesucht. Es wird berichtet, dass ein Bauer von seinem dreiviertel Morgen großen Acker nur einen Sack Kartoffeln erntete, die noch dazu klein wie Haselnüsse waren. Heute beträgt die Ernte von einem Morgen 50 bis 80 Zentner. Nach dem Ausfall der Kartoffeln für die Ernährung durchlitten unsere Vorfahren eine schlimme Notzeit. Als die erste wieder gut ausfallende Kartoffelernte eingebracht wurde, entschloss man sich, aus Dankbarkeit ein Denkmal zu setzen. Der damalige Pastor Böker beschaffte das Geld aus dem Verkauf alter Grabsteine des Roringer Kirchhofs. Das ursprüngliche Denkmal wurde 1937 vom Blitz getroffen und zertrümmert. Am 15.8.1937 wurde das Denkmal neu erstellt. 1966 wurde es abermals, dem alten Vorbild getreu, mit widerstandsfähigem Material erneuert.

Der Stein hat für die Gemeinden Roringen und Herberhausen eine überaus verbindende Bedeutung, da hier jedes Jahr im Sommer ein gemeinsamer Gottesdienst beider Kirchengemeinden abgehalten wird.

Opferbach, Ortloh und Wald

Links des Bratentals zieht sich steil abfallend die Lieth. Auf deren Kuppel befindet sich der einst so idyllische Ort Nikolausberg.

Vom Ort Roringen, sich in das Tal ergießend, sehen Sie den Opferbach, der aus den zahlreichen Quellen des Ortes gespeist wird und etwa auf der Höhe der Knochenmühle in die Lutter fließt. Roringen ist, was seine Lage nicht vermuten lässt, ein wasserreicher Ort, in dem es 40 Brunnen gab.

Rechts darüber befand sich die Kläranlage unseres Ortes. Die nun beginnende Waldung ist der Ortloh, deren Besitzer die Realgemeinde Roringen ist.

Die ortsnahen Wälder wurden früher von den Dorfbewohnern gerne für die Fütterung der Haustiere genutzt. Man trieb Schweine, Ziegen und Kühe in den Wald und ließ sie dort weiden. Die Eicheln, Bucheckern und Kastanien brachten besonders bei Schweinen eine gute Mast. Dieses bedingte auch eine besondere Waldform: man bevorzugte Bäume, mit großen, weit ausladenden Kronen, die sich von selbst durch den ständigen Verbiss durch Schafe, Ziegen und Kühe entwickelten. Für den Brennholzbedarf reichte diese Waldform alle Mal! Heute hingegen versucht man gezielt, lange, hoch aufgeschlossene Bäume mit kleinen Kronen und wenig Ästen zu ziehen, um hochwertiges Stammholz zu erzielen. Im Ortloh hatte sich lange die ursprüngliche Form des beschriebenen Hütewaldes erhalten. Erst in neuerer Zeit wurde durch Einschlag und darauffolgende Anpflanzungen der Wald neu, den heutigen Ansprüchen entsprechend angelegt. Der Ortloh ist ein Wald, der einst geheiligt war, wie sich aus dem Wortbestandteil „Loh“ ergibt. Er heißt Ortloh nach seinem „Ort“, und das ist ein Vorsprung des Ortloh-Hügels in das Bratental. Dieser Ort hieß „auf dem Opferplatz“. Dem Opferplatz gegenüber, jenseits des Bratentales und nordwestlich des Opferplatzes liegt der Elfenbusch, eine terrassenartige Erhöhung mit Bäumen. Von hier aus bietet sich eine weite Aussicht durch das Bratental nach Osten und durch ein anderes sich nach Süden erstreckendes Tal. Der Elfenbusch liegt am Nordostfuß des Nikolausberges. Kalksteinfelsen bilden hier eine kleine Wand. Durch sie konnten die Elfen aus dem Nikolausberg zum Elfenbusch gelangen und von diesem in den Berg zurückkehren. Oberhalb dieser Wand, mehr nach West-Südwest, befindet sich der Sender Göttingen.

Wasser und Wege

Nun wenden wir uns wieder der linken Seite, der Lieth zu. Das Häuschen ist die Pumpstation unserer ersten Wasserversorgungsanlage von 1958 bis 1959. In 75 m Tiefe stieß man hier auf einen unterirdischen See, der sich ganz unter dem Bratental erstreckt. Er wurde nach dem Geologen, der ihn entdeckte, „Ackermann’sche See“ genannt. Das Wasser wurde von hier zum Menzelberg und weiter zum noch höher gelegenen Drakenberg gepumpt. Von hier gelangte das Wasser mit ausreichendem Druck in die Wohnhäuser und Ställe unseres Ortes Roringen. Seit 1983 sind wir der Harz-Wasserversorgungsleitung angeschlossen. Der Eselsstieg ist ein Pfad, der sich die Lieth hinaufzieht. Er ist heute noch ein viel genutzter Weg zwischen Roringen und Nikolausberg.

Dazu kann ich eine lustige Geschichte zum Besten geben: Die Nikolausberger und die Roringer gerieten sich auf ihren Festen stets in die Haare, was die Nikolausberger nicht davon abhielt, in Roringen zu den Festlichkeiten zu erscheinen, obwohl sie, wie in Roringen erzählt wird, stets den Kürzeren zogen und ihre Prügel einstecken mussten. Anlässlich einer Kirmes gab es also traditionsgemäß Streit. Großzügig luden die Roringer den vermeintlichen Stänkerer in ein Auto und beförderten denselben nach Hause. Als die Roringer nun mit stolzgeschwellter Brust ob ihrer guten Tat wieder auf dem Saal erschienen, war die soeben von Ihnen beförderte Person schon wieder anwesend und grinste ihrerseits den Fahrern entgegen. Er hatte den Eselsstieg benutzt und war also schneller als das Auto. Die Schlacht begann von Neuem.

Die Warten

Weiter auf der linken Seite bleibend, sehen wir einen Weg, der zur Rieswarte führt. Sie wurde 1438 erbaut. Die Rieswarte hatte zur Zeit der Landwehr eine verbindende Grabenanlage zur Roringer Warte, auf die wir noch kommen.

Ein freier Platz, von dem nun beginnenden Weender Wald, ist ein Stück Magerrasen, auf dem wir noch seltene Orchideen antreffen können. Nach dem großen Bogen links des Ortloh kommen wir nun in das nach Süden ziehende Tal auf der Roringer Warte oder Bärenwinkelswarte zu. Bereits 1406/07 beginnt man mit dem Bau der Warte „by dem Berwynkeke up jenesyden Roryngen“, wie es in einer Urkunde heißt. Die Roringer Warte ist von allen Göttinger Warten am längsten im Gebrauch gewesen. Ab dem 16. Jahrhundert als Holzhauer-Wohnung. Durch den glücklichen Umstand, dass die Stadt Göttingen Eigentumsrechte geltend machte, wurde beim Ausbau der Landstraße Anfang des 19. Jahrhunderts die Warte nicht abgebrochen. Sie ist verhältnismäßig gut erhalten und zeigt uns, wie die Warten im Mittelalter ausgesehen haben. Neben dem Wartturm befanden sich noch ein als Warthaus bezeichnetes Gebäude, ein Stall und ein Brunnen. Reste der Grabenverbindung findet man, wenn man von der Warte nördlich in Richtung Rieswarte wandert.

Nun müssen Sie die B 27 überqueren, um auf den Sportplatz zu gelangen. Nehmen Sie zu Ihrer Sicherheit die Ampelüberquerung vor dem Gasthaus „Zum Drakenberg“. Der Sportplatz und das Sporthaus wurden von den Mitgliedern des Sportvereins in Eigenleistung erbaut.

Wir wünschen Ihnen dort einen erholsamen Aufenthalt und eine gute Heimkehr.

Ihr Roringer Heimatverein

Frisch geschotterter Weg an einer Obstwiese im Bratental, rechts ein kleines gemauertes Häuschen mit weißer Tür hinter einem Metallgitter, im Hintergrund Felder und Hügel.Bild vergrößern
Das Brunnenhäuschen im Bratental, 2023 Foto: 2023 · Dorfmonitor Roringen, Eintrag 273
Eine violett blühende Orchidee (Knabenkraut) zwischen frischem grünem Laub im Wald.Bild vergrößern
Roringer Knabenkraut: Orchideen blühen im Bratental nur wenige Wochen im Jahr Foto: Anna Güllenbeck, 2023 · Dorfmonitor Roringen, Eintrag 287

Quellen

  1. Jutta Ronnenberg: Kleiner Wanderführer durchs Bratental (17. Göttinger Wandertag), etwa 1995, Text der bisherigen Seite, abgerufen am 05.10.2026
  2. Egon Günther, Siegfried Ritzkowski: Der Kartoffelstein, Steine am Wege 2, 2002 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 251)
  3. Eberhard Rohse: Kartoffelstein Nr. 100, Sommer 2010, Beitrag „Ein Stein, der Ebenezer heißen soll“ (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 65)
  4. Roringen und Omborn, wissenschaftliche Arbeit zu den Göttinger Stadtdörfern, Kapitel II.2 und II.3 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 235)
  5. Jürgen Udolph: Thie-Bote Nr. 2, September 2001 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 159)
  6. Egon Günther: Kartoffelstein Nr. 29, Sommer 1992, Beitrag „Über Roringer Flurnamen“ (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 36)
  7. Arbeitsgemeinschaft Dorferneuerung mit dem Arbeitskreis Roringen: Dorferneuerungsplan Roringen, 1994/95 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 224)
  8. Egon Günther: Kartoffelstein Nr. 26, Herbst 1991, Beitrag „Die Roringer Warte“ (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 29)

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