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Roringen: Ursprung und Bedeutung des Namens

Im Video des Roringer Heimatvereins vom 3. April 2024 geht Eberhard Rohse der Frage nach, woher der Ortsname Roringen kommt und was er bedeutet. Rohse wohnt seit 1967 in Roringen und hat als Germanist an der Technischen Universität Braunschweig gearbeitet. Er stützt sich vor allem auf den Artikel zu Roringen im Ortsnamenbuch des Landkreises Göttingen von Casemir, Ohainski und Udolph (2003).

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Nach der Videobeschreibung hält der Roringer Heimatverein die sprachwissenschaftliche Herleitung derzeit für den wahrscheinlichsten Namensursprung. Was folgt, ist die Position des Vortragenden, mit Hinweisen, wo der Wissensbestand des Roringer Heimatvereins zustimmt oder abweicht.

Die ältesten Formen des Namens

Roringen wird 1162 als „Roringe“ erstmals erwähnt, in einer Urkunde Papst Alexanders III. für Nikolausberg. Rohse nennt weitere Schreibweisen: Rariggen 1170, Rorunghen 1189, Rorhungen 1196 und Roringe 1226. Der Wissensbestand bestätigt diese Formen und Jahre. Für „Rorungen 1285“ nennt er dagegen andere Jahre (etwa 1209 und 1318).

Rohses Deutung: ein Name mit Wasserbezug

Nach Rohse besteht der Name aus zwei Teilen. Die Endung „-ingen“ oder „-ungen“ gehört zu einem sehr alten Namenstyp und bezeichnet eine Stelle, an der es etwas Bestimmtes gibt. „Ror“ ist das altsächsische und mittelniederdeutsche Wort für Rohr, Röhricht und Schilf. Roringen wäre demnach eine Stelle, später eine Siedlung, an der so viel Wasser ist, dass Schilf wächst.

Zum Vergleich nennt Rohse andere Namen mit Wasserbezug: Göttingen (953 „gutingi“, nach der „gote“, einem fließenden Gewässer), Seulingen, Hannover, Goslar, Geismar, Einbeck und Rohrberg im Eichsfeld, dessen Wappen Schilfstengel zeigt. Er ordnet das in die „alteuropäische Hydronymie“ ein, einen Begriff, den Hans Krahe in den 1920er Jahren geprägt habe. Orte auf „-ingen“ seien meist älter als Orte auf „-rode“, Roringen gehöre also zu den ältesten Ortsnamen der Region. Dieselbe Entwicklung sieht er bei der Meyergasse: „Gasse“ gehe auf das mittelniederdeutsche „gote“ zurück, die Wassergasse. Der Wissensbestand hält diese Deutung der Meyergasse ebenfalls fest. Auch den Opferbach erklärt Rohse als „opperbeke“, den Bach am Haus des Oppermanns, des Küsters; dazu nennt der Wissensbestand zwei Erklärungen, diese und eine Ableitung von „uppem beke“ (1504).

Gegenpositionen

Rohse nennt zwei andere Thesen. Der Heraldiker Hans-Otto Arnold aus Weende meint, Orte auf „-ingen“ könnten nur mit einem Personennamen verbunden sein, und das Bratental sei nicht morastig genug. Rohse hält dagegen, dass weder ein Personenname noch ein Beleg genannt werde, und sieht die Wasserquelle eher am Drakenberg. Von Arnold stammt auch die Wappennachforschung zu den Herren von Roringen, die er 1995 im Auftrag der Ortsheimatpflegerin Margrit Rosenplänter erstellt hat. Sie verweist auf den Rittervornamen Rorich.

Die zweite These stammt von Siegfried Ritzkowski, der dem Roringer Heimatverein angehörte: In Roringen habe es nie Schilf gegeben, höchstens Binsen. Rohse hält Binsen für wahrscheinlich vorhanden, folgt dem Binsengedanken aber nicht. Das Wort „ror“ sei sehr alt, das Wort Binse komme in Ortsnamen nur selten vor (Besenhausen, Besenrode), und ein Ort aus Binsen müsste sprachlich „Bensingen“ oder „Bentingen“ heißen. Der Wissensbestand bestätigt, dass Ritzkowski die Binsen-These ausgearbeitet hat, unter anderem mit Binsenhorsten am Rottenanger und dem Hinweis, dass es im Dorf keinen natürlichen Teich gab. Entschieden ist die Frage im Wissensbestand nicht.

Rohses Hinweise auf Wasser im Dorf

Als Zeichen für viel Wasser nennt Rohse die vielen Brunnen, zwei Quellen, frühere Überschwemmungen in den Häusern und einen starken Opferbach vor dem Ausbau der B 27. Dazu kommt der frühere Feuerlöschteich an der Mündung des Opferbachs, der im Winter als Schlittschuhbahn diente. Der Wissensbestand belegt den Teich für die Zeit von 1883 bis 1939, weist aber mit Ritzkowski darauf hin, dass er künstlich aufgestaut war und deshalb wenig über das frühe Mittelalter sagt. Rohse zitiert außerdem den Visitationsbericht von Pastor Christian Meyer aus dem Jahr 1640, in dem Roringer sonntags Fische und Krebse fangen; auch diesen Bericht kennt der Wissensbestand.

Für den Drakenberg vermutet Rohse einen Namen mit „drake“ im Sinne von Dreck, also Morast, weil sich oben das Wasser sammelt, das die Quellen speist. Das ist ausdrücklich seine eigene, noch nicht erforschte Vermutung. Der Wissensbestand führt den Namen dagegen auf die Familie Drake aus Omborn zurück, so auch Egon Günther in der Chronik von Herberhausen, den Rohse selbst nennt.

Rohses Schluss: Roringen trage einen der ältesten Ortsnamen der Region, und die heutigen Gewässer seien lebendige Zeugnisse der frühen Siedlungsgeschichte.

Quellen

  1. Eberhard Rohse: Roringen: Ursprung und Bedeutung des Namens (Video des Roringer Heimatvereins, 3. April 2024), abgerufen am 06.10.2026
  2. Hans Otto Arnold: Wappennachforschung von Roringen, 1995, Deutung Rorich (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 253)
  3. Thie-Bote Nr. 5, Entwurf aus dem Nachlass, „Schilf oder Rohr“, Schilf und Binse (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 238)
  4. Dorferneuerungsplan Roringen, 1994/95, Schilf und Binse (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 224)
  5. Mitteilung von Roringer Heimatverein, Vorstand, 06.10.2026: Der im Video genannte Heraldiker „Arnold aus Weende“ ist Hans-Otto Arnold, der Verfasser der Wappennachforschung von 1995.

Wissensbestand des Roringer Heimatvereins

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