Elchsichtung
Jutta Ronnenberg erzählt im Video des Roringer Heimatvereins eine Begebenheit aus der Zeit um 1955. Ein Roringer Bauer fand seine Kühe mehrmals außerhalb der Weide in der Feldmark, eine Kuh war am Zaun verletzt. Er legte sich auf die Lauer und sah bei Sonnenuntergang einen großen Elch mit mächtigem Geweih aus dem Wald zu den Kühen kommen. Die Kühe brachen vor ihm durch den Zaun aus. Der Bauer gab dem Jagdpächter Bescheid, und das Tier wurde schließlich erlegt. Bis dahin gingen öfter Roringer an die Wiese und sahen zu, wie der Elch aus dem Wald zu den Kühen trat.
Die Wiese lag nach ihrer Erzählung gleich hinter dem Ortloh. Dort stand ein Jagdhäuschen, wohl die Jagdhütte am Ortloh, und nur ein Weg trennte die Wiese vom Wald.
Abschrift zum Nachlesen
Abschrift nach den Untertiteln des Vereins. Plattdeutsche Sätze stehen im Wortlaut.
Ja, die Roringer Bauern waren sehr eigen und haben dann auch zum Frühjahr alles nachgeguckt, ehe sie das Vieh auf die Weide schickten, dass auch die Zäune in Ordnung waren, und haben dann auch die Kühe rausgetrieben und auch dann nachts stehen lassen, so wie es dann das Wetter erlaubte. Und eines Tages ist dann den Bauer Schulze seine Kühe in der Feldmark wild rumgelaufen, und da haben die Nachbarn, Bauern, die auf den Äckern sich beschäftigt haben, haben dann Schulze Bescheid gesagt: „Du, ich glaube, deine Kühe laufen in der Feldmark rum.“ Ja, Schulze ist hin, ja, das waren seine Kühe, und eine Kuh war auch schon verletzt am Euter durch die, durch den Zaun.
Naja, er hat das alles wieder in Ordnung gebracht, und siehe da, zwei Tage später dasselbe. Schulze wurde benachrichtigt, dass seine Kühe schon wieder in der Feldmark umrannten, und dann ist er hin, und musste ja wohl irgendeinen Grund haben, ne, die Zäune waren in Ordnung, aber eine Kuh war dann schon am Euter verletzt, und das war ihm dann doch ein bisschen zu schlimm für seine Tiere, und hat sich auf die Lauer gelegt, und siehe da, eine Zeit zum Sonnenuntergang erschien auf der Kuhwiese ein Elch mit einem Riesengeweih und hatte dann versucht, bei den Kühen aufzusetzen, und was die Kühe nun mal nicht wollen, das wollen sie nicht,
und dann sind die lieber ausgebüxt und wieder durch den Zaun gerannt. So, nun wusste er das. Dann hatte ein Jäger, der die Jagd da gepachtet hatte, Bescheid gesagt, so und so. Naja, man hat dann erst nochmal versucht, aber es ging nicht, und dann wurde tatsächlich dann dieser Elch erlegt und die Kühe hatten Ruhe. Und noch während der Zeit sind des Öfteren auch die Roringer dann an diese Wiese gegangen und haben dann geguckt, wie dann der Elch aus dem Wald rausgetreten ist und zu den Kühen.
Der wollte sich seine Herde selber zusammenstellen. Aber wie es ist: Was die Kühe nicht wollen, das wollen sie nicht. Und wo ist diese Wiese in Roringen? Oder wo war sie? Gleich hinter dem Ortloh. Da ist sie. Und wann war das ungefähr? Weißt du das auch noch? Ja, wann war das? Wir waren schon in Bremen. Das könnte so 1955 gewesen sein. 1955.
Und die Wiese hinterm Ortloh ist die Wiese? Ja, hinterm Ortloh. Und da stand das Jagdhäuschen, und da war nur eine Straße zwischen, wo dann der Ortloh begann. Und der Ortloh gehört nicht, wie man heute annimmt, Roringen, sondern da gehört der Stadt. Und da war dann auch unser kleines Häuschen drin, wo wir dann 50 Pfennig Miete für bezahlen mussten, wenn wir das benutzen wollten.
Weitere Geschichten von ihr: Jutta Ronnenberg erzählt.
Quellen
- Jutta Ronnenberg: Geschichten: Elchsichtung (Video, Roringer Heimatverein), 2021, ab 2:39 Lage der Wiese, ab 2:48 Zeit
- Mitteilung von Mitglied des Heimatvereins, 21.10.2026: Meldung über die Karte: nach den Angaben im Video etwa an dieser Stelle
Wissensbestand des Roringer Heimatvereins