Zum Ortloh: was Loh und Ort im Flurnamen bedeuten
Die Straße Zum Ortloh führt zum Ortloh, dem Wald nördlich des Dorfes, dessen Besitzerin die Realgemeinde Roringen ist. Ihren Namen trägt sie seit der Einführung der Straßennamen 1966; sie blieb auch bei der Eingemeindung 1973 unverändert. Wie die Straßennamen zu den Flurnamen gehören, schrieb der Namenforscher Jürgen Udolph im Thie-Boten.
Was bedeutet Loh?
Loh ist ein altes Wort für ein kleines Waldstück, ein Gehölz. Das schrieb der Namenforscher Jürgen Udolph 2001 im Thie-Boten über den Roringer Flurnamen. Mit Flamme oder mit der Gerberlohe, die man aus der Lohmühle kennt, hat der Name nichts zu tun. Ort bedeutet in Flurnamen Spitze oder Ecke, meist das äußerste Ende eines größeren Flurstücks. Der Ortloh ist demnach eine Waldspitze. Egon Günther kam 1992 im Kartoffelstein zum gleichen Ergebnis.
Die Straße „Zum Ortloh“ bezieht ihren Namen von dem Flurnamen Ortloh. Es fällt nicht schwer, darin einen Zusammenhang aus Ort und loh zu erkennen. Beide Wörter scheinen heute bekannt zu sein, an Ort und Stelle sein ebenso wie Loh. Aber bei der Bestimmung dessen, was Loh bedeutet, stutzt man. Erst bei genauerem Überlegen kommt man vielleicht auf die Bedeutung „Flamme“ oder auch „Gerbemittel“ (Lohmühle). Beides trifft aber für den Roringer Flurnamen nicht zu. Auch Ort im Sinne von „Stelle“ hilft nicht weiter. Die beiden Elemente des Flurnamen enthalten nämlich andere Wörter, deren Bedeutung einem Sprecher des 20. Jahrhunderts nicht mehr unmittelbar zugänglich ist: Ort bedeutet hier „Spitze, Ecke“, in Flurnamen zumeist „äußerstes Ende eines größeren Flurstücks“ und loh enthält ein altes Wort mit der Bedeutung „kleines Waldstück, Gehölz“. Ortloh könnte hier auf eine Waldspitze hinweisen.
Egon Günther kam 1992 im Kartoffelstein zum gleichen Ergebnis: Ort heißt Spitze, Loh heißt Wald, der Ortloh ist also eine Waldspitze oder ein an einer Spitze gelegener Wald. Das Feldverzeichnis von 1824 kennt „Orthlaubes Feld“, „Orthlaubesweg“ und „Orthlaubes Busch“. Jutta Ronnenberg erzählte in ihrem Wanderführer eine andere Geschichte: Der Ortloh sei ein einst geheiligter Wald gewesen, sein „Ort“ ein Vorsprung in das Bratental, der „auf dem Opferplatz“ hieß. Im Ortloh habe sich lange der Hütewald erhalten, in den die Dorfbewohner Schweine, Ziegen und Kühe trieben; erst in neuerer Zeit sei durch Einschlag und Neuanpflanzung ein Wald nach heutigen Ansprüchen entstanden.
Vor dem Ortloh liegt die Flur „Im Himmel“. Sie brachte, wie der Thie-Bote 2001 festhielt, den damaligen Leiter des städtischen Vermessungsamtes auf die Idee, die Straßen der Siedlung am Menzelberg, die zuvor nach Bäumen hießen, 1973 nach den Planeten zu benennen.
Die Jagdhütte
Gleich hinter dem Ortloh stand eine Jagdhütte. Nach dem Krieg hatte sie die Familie des Försters, der nach der Flucht aus Pommern im Göttinger Wald arbeitete. Seine Tochter Jutta Ronnenberg erzählt, wie er auf dem Heimweg von der Warte bei Emma vorbeikam. Auf der Wiese hinter dem Ortloh spielt auch ihre Geschichte von der Elchsichtung.