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Roringer Warte: Wartturm der Göttinger Landwehr

Roringer WarteBild vergrößern
Roringer WarteDorfmonitor Roringen
Roringer Warte: Wartturm der Göttinger Landwehr liegt auf 326 m, 20 m höher als St. Martin (306 m). Jeder Strich ist ein Ort des Archivs, von Wassertreppe (250 m) bis Drakenberg (368 m). Höhen aus dem Geländemodell der Karte, auf einen Meter gerundet.

Die Roringer Warte ist der Rest eines Wartturms der Göttinger Landwehr. Warten und Landwehren schützten das Vieh der Bauern vor Diebstahl und Verirren, hielten das Wild von den Feldern fern, kontrollierten den Verkehr von und zur Stadt und markierten die Grenze und den Rechtsbereich der Stadt, schrieb Siegfried Ritzkowski.

Karte der mittelalterlichen Landwehren, Warten und Straßen um Göttingen mit der Roringer WarteBild vergrößern
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Göttingen hatte Roringen 1380 gekauft und durfte nach der Urkunde Landwehren graben und Warten bauen. 1406/07 entstand die Warte „by dem berwynkele“ an dem Pass, den die Straße nach Herzberg und Duderstadt durch den Södderich nahm. Ihr Schlagbaum sperrte die Straße; das Seil lief durch einen Schacht an der Nordostseite des Turms. 1419/20 umgab man Turm und Wirtschaftsgebäude mit einer etwa drei Meter hohen Mauer.

Margrit Rosenplänter liest: Warte und Landwehr Ausschnitt ab 1:23, 0:34 Minuten Video: 2026 · Roringer Heimatverein
Abschrift dieses Ausschnitts

Abschrift nach der Untertitelspur des Videos. Margrit Rosenplänter liest einen älteren Text vor, dessen Vorlage das Video nicht nennt. Er gibt den Kenntnisstand seiner Zeit wieder. Die Jahreszahl 1367 stammt aus älterer Überlieferung; als Beleg dafür, wie Roringen an Göttingen kam, gilt heute der Kaufbrief vom 19. Juni 1380.

Aus den ersten Siedlern ist dann im Laufe der Jahrhunderte ein starkes Bauerngeschlecht hervorgegangen, das einst wie noch heute mit Fleiß und Beharrlichkeit die Felder bestellt. Der östlich des Dorfes im Walde stehende und noch gut erhaltene Turm der Roringer oder Bärwinkel-Warte erinnert an die Zeiten, als das emporblühende Göttingen rings um die Stadt eine befestigte Landwehr errichtete, um vordringenden Feinden Halt zu gebieten.

Roringen hat schon früh zu den sogenannten Stadtdörfern gehört, in denen Göttingen größeren Besitz hatte und die von der Stadt beschützt wurden. Bis zur Zeit Otto des Quaden war Roringen ein herzogliches Dorf. Doch als dieser Fürst nach seiner Niederlage durch Göttingen 1367 in Geldschwierigkeiten geriet und bei der Stadt Anleihen aufnahm, musste er unter anderen Orten auch Roringen an die Stadt abtreten.

Gebaut
1406/07 (andere Angabe: 1408/09)
Bauherr
Stadt Göttingen
Höhe
etwa 10 Meter
Durchmesser
im Mittel etwa 5,2 Meter
Baustoff
Kalkstein
Bewohnt bis
1567/68

Vom mittelalterlichen Bauwerk steht nur der Turm ohne Helm. Er besitzt in etwa 1,7 Metern Höhe einen Eingang zum unteren Geschoss mit steinernem Kreuzrippengewölbe, darüber lagen das Vorratsgeschoss und die Wohnung des Turmwächters. Vier Konsolen am oberen Rand deuten auf Erker oder Balkone für den Rundblick.

Bis 1567/68 war die Warte bewohnt, länger als jeder andere Göttinger Landwehrturm; später wohnten Holzhauer dort. 1726 hieß es, sie solle abgerissen werden, und Steine der Mauer dienten dem Wegebau. Dass der Turm beim Straßenbau nicht fiel, verdankt er nach Jutta Ronnenberg dem Umstand, dass die Stadt Göttingen ihr Eigentum geltend machte. Zwischen 1823 und 1836 entstand an der Warte ein Weghaus mit Zollschranke, die 1840 an den Södderich verlegt wurde.

Die Warten der Göttinger Landwehr

Die Roringer Warte war nicht die einzige. Egon Günther zählte 1991 im Kartoffelstein die Warten auf, die Göttingen nach dem Kaufbrief von 1380 baute: In der Fehde von 1387 verbrannte der Herzog die Warten der Stadt auf dem Hainberg und auf dem Lohberg oberhalb von Geismar. Die Hainbergswarte, nach der der Wartberg heißt, wurde sofort wieder aufgebaut. An Stelle der Lohbergswarte entstand 1401 die Hainholzwarte östlich vom Kehr. 1406/07 folgte die Roringer Warte, östlich der Stadt ab 1427 der Bergfried beim Kerstlingeröder Feld, „kesenap“ genannt, und ab 1438 die Hohe Warte oder Rieswarte hinter Nikolausberg. Daneben legte man die Landwehrlinien an. Von allen Göttinger Warten war die Roringer am längsten in Gebrauch, ab dem 16. Jahrhundert meist als Holzhauerwohnung.

Jutta Ronnenberg: der Heimweg des Försters von der Warte Ausschnitt ab 0:08, 0:36 Minuten Roringer Heimatverein
Abschrift dieses Ausschnitts

Abschrift nach den Untertiteln des Vereins. Plattdeutsche Sätze stehen im Wortlaut.

Als der Herr Förster, der das Glück hatte, nach der Flucht aus Pommern hier im Göttinger Wald wieder als Förster arbeiten durfte und wir in Roringen im Jagdhaus die Hütte hatten und wenn er vom Dienst kam, das war in der Nähe der Warte, dann ging er den festen Weg und kam bei Emma vorbei. Emma hatte eine Ziege, die nicht aufgenommen hatte.

Historische Zeichnung der Roringer Warte, Städtisches Museum GöttingenBild vergrößern
Die Warte (rechts), das Weghaus (links) und Neu Waake im Hintergrund Roringer Heimatverein

Berwinkel, nicht Bär

Warum heißt die Warte Berwinkelswarte, im Volksmund auch Bärwinkelswarte? Eberhard Rohse zeigt im Kartoffelstein: Berwinkel ist plattdeutsch für Immergrün. Das nennt schon ein Wörterbuch der Göttinger Mundart von 1858, das die Warte ausdrücklich erwähnt, und Kämmereirechnungen von 1407/08 sprechen vom „bärwinkele“. Bis heute wächst Immergrün unter den Buchen rund um die Warte. Der Bär im Roringer Ortswappen beruht demnach auf einem Missverständnis; nach Rohse stammt er vom Berliner Bären, den ein aus Berlin stammender Gemeindedirektor in den 1950er Jahren ins Wappen setzte. Mehr dazu auf der Seite Bärwinkelswarte.

Turm, Mauer und Straße im Einzelnen

Siegfried Ritzkowski beschrieb 2017 weitere Einzelheiten. Die lichte Weite des unteren Geschosses dürfte etwa zwei Meter betragen. Eine kleine Öffnung im Kreuzrippengewölbe führt in das mittlere Geschoss, in dem man üblicherweise Lebensmittel und Waffen aufbewahrte. Eine Holzbalkendecke trennte es vom oberen Geschoss, in dem der Turmwächter wohnte. Ein kegelförmiges Ziegeldach krönte den Turm.

Die 1419/20 errichtete Mauer war etwa 54 Meter lang. Das lässt bei einer rechteckigen Form ein umfriedetes Gelände von etwa 15 mal 12 Metern vermuten.

Die mittelalterliche Straße führte in gleicher Höhenlage nach Südsüdosten, etwa auf der Trasse der heutigen B 27. In dieser Richtung fehlt auch der Wall der Landwehr. Die Straße folgte nicht dem heutigen Wirtschaftsweg, der früheren Herzberger Chaussee.

Der Bär im Ortswappen

Der Turm der Warte steht im Gemeindewappen von Roringen, belegt mit einem schreitenden schwarzen Bären. In den Unterlagen zum Wappenantrag von 1949 heißt es, der Entwurf beziehe sich mit Turm und Bär auf die Warte, die auch Bärenwinkelwarte genannt werde. Eberhard Rohse führt den Bären dagegen auf den Berliner Bären eines Gemeindedirektors zurück, der das Wappen in den 1950er Jahren entworfen habe. Beide Angaben passen nicht ohne Weiteres zusammen. Mehr steht auf der Seite „Das Roringer Wappen“.

Quellen

  1. Siegfried Ritzkowski: Beitrag über die Roringer Warte (2017), Text der bisherigen Seite, abgerufen am 05.10.2026
  2. Eberhard Rohse: Kartoffelstein Nr. 116, Sommer 2014, Beitrag „Roringer Warte, Berwinkelswarte, von Bären und Immergrün“ (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 146)
  3. Eberhard Rohse: Kartoffelstein Nr. 149, Herbst 2022 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 94)
  4. Egon Günther: Kartoffelstein Nr. 26, Herbst 1991, Beitrag „Die Roringer Warte“ (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 29)
  5. Roringen und Omborn, wissenschaftliche Arbeit zu den Göttinger Stadtdörfern, Kapitel II.2 und II.3 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 235)
  6. Arbeitsgemeinschaft Dorferneuerung mit dem Arbeitskreis Roringen: Dorferneuerungsplan Roringen, 1994/95 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 224)
  7. Jutta Ronnenberg: Kleiner Wanderführer durchs Bratental, 1995, Warte nicht abgebrochen wegen städtischer Eigentumsrechte
  8. Infotafel im Dorfmonitor-Bild „Roringer Warte“
  9. OpenStreetMap-Mitwirkende, Objekt w222632574
  10. Das Gemeindewappen, Antrag und Verleihung, 1949, Antrag vom 23. März 1949, Beschreibung und Begründung des Wappenentwurfs (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 252)
  11. Hans Otto Arnold: Wappennachforschung von Roringen, 1995, Auswertung, Abschnitt 10 (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 253)
  12. Egon Günther: Kartoffelstein Nr. 26, Herbst 1991, „Die Roringer Warte“, Beitrag „Die Roringer Warte“, Warten der Stadt Göttingen (Archiv des Roringer Heimatvereins, Nr. 228)

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